One Piece Odyssey im Test: Schluss mit den Lobeshymnen!

Test Maci Naeem Cheema
One Piece Odyssey im Test: Schluss mit den Lobeshymnen!
Quelle: Bandai Namco

25 Jahre gibt es den Manga-Hit One Piece jetzt schon. In der Laufzeit des Japan-Phänomens entstanden mindestens doppelt so viele Videospiele, manche davon waren richtig gut, die meisten hingegen ziemlicher Müll. Nun möchte Bandai Namco anlässlich des großen Geburtstags für eine lang herbeigesehnte Evolution im Spiele-Kosmos der Marke sorgen. One Piece Odyssey möchte kunterbunten Strohhut-Spaß im JRPG-Format bieten -wir haben getestet, ob das geklappt hat.

Wir hätten es begrüßt, wenn die einzelnen Charaktere mit unterschiedlichen Angriffstypen und allgemein mehr Variation ausgestattet wären. Das hätte zusätzliche strategische Möglichkeiten erlaubt. Wenn wir mit Ruffy kläglich daran scheitern, ein Bananenkrokodil vom Typ Tempo auszuschalten, während Nico Robin mit einem simplen Angriff schwindelerregenden Schaden verteilt, dann fühlt sich das nicht nur eintönig an, es bricht auch mit den Charakteren und deren Stärke-Level. Zusätzlich bietet das gesamte Strohhutabenteuer viel zu wenig Herausforderung. Die meisten Kämpfe sind so simpel, dass man selbst mit der Autopilot-Kampffunktion keine Angst vor dem Game-Over-Screen haben muss. Nicht mal die Bosskämpfe lockern das Ganze auf. Es gibt keine speziellen Kampfphasen oder frische Ideen, die Duelle mit großen Namen der One-Piece-Welt sind schlicht und einfach saulang! Unterschiedliche Schwierigkeitsgrade gibt es übrigens auch nicht.

Wenn Erkunden zur sinnlosen Arbeit wird

Die größten Probleme von Odyssey sind aber das Missions-Design, die extrem simplen Rätsel und die vielen Nichtigkeiten, die überall verteilt sind. Egal, ob in Schatztruhen oder am Boden, wir finden nur Lebensmittel und Materialien sowie Schmuck, der uns zum Beispiel mehr Lebenspunkte oder einen höheren Angriffswert spendiert. Immer mal wieder ist es möglich, an speziellen Orten ein Camp aufzuschlagen, um zu craften und die Klamotten zu wechseln. Doof nur, dass es kaum Kleidung gibt, außer, man hat das JRPG vorbestellt oder die Deluxe-Version gekauft. Dafür wird man mit den alten Outfits der Strohhüte belohnt. Es wäre angebracht gewesen, zumindest die ikonischen Wüstenklamotten aus der Vorlage zu finden, wenn wir schon nach Alabasta geschickt werden. Aber die bekommt man wohl nur, wenn überhaupt, mit zusätzlichen Kosten. Darüber hinaus ist es im Lager möglich, eine kleine Party zu schmeißen, die die Werte unserer Crew-Mitglieder temporär erhöht. Dabei läuft immer die gleiche Animation, an der man sich schnell sattgesehen hat.

One Piece Odyssey im Test: Schluss mit den Lobeshymnen! (14) Quelle: PC Games One Piece Odyssey im Test: Schluss mit den Lobeshymnen! (14) Die Missionen, Nebengeschichten und Bewohner sind auf jeden Fall kein Anreiz, die Welt zu erkunden, das ist alles viel zu simpel gehalten. Beinahe jede Aufgabe in Odyssey beschränkt sich auf dreistes und frustrierendes Backtracking, bei dem wir ständig von A nach B gescheucht werden - das fühlt sich zäh wie Gummi an.

Ein Beispiel: Nachdem wir den Part rund um Alabasta hinter uns gebracht haben und endlich wieder auf Waford angekommen sind, werden wir nach einem kurzen Gespräch und zig Ladebildschirmen wieder zurück in die Wüste geschickt, um einen Krebs einzusammeln. Der befindet sich aber nicht da, wo man ihn normalerweise trifft, sondern ist woanders. Nachdem wir uns also wieder mit mehreren unnötigen Minigesprächen und Ladebildschirmen auseinandergesetzt haben, werden wir von der einen Seite der Wüste zur nächsten geschickt, nur, um wieder enttäuscht zu werden. Das ist keine Ausnahme, sondern die Regel für den Content, mit dem Odyssey den Piratenalltag füllt. Gutes Storytelling oder cleveres Missions-Design gehen anders.

Der größte Pluspunkt: Die Faszination des Manga-Phänomens

Versteht uns nicht falsch, nicht alles ist schlecht an Odyssey. In gewissen Bereichen punktet das Rollenspiel! Die Welten gefallen uns gut, ob es jetzt die schöne, kleine Wüstenstadt Nanohana ist oder die faszinierende Umgebung von Water Seven. So tief in das Phänomen One Piece konnte man selten eintauchen. Dabei finden sich auch viele kleine und charmante Ideen, die die Persönlichkeiten der Strohhutbande einfangen. Gehen wir etwa bei einer Mission in die falsche Richtung - was aufgrund der oft unübersichtlichen Struktur häufig vorkommt -, ist der orientierungslose Schwertkämpfer Zorro restlos überzeugt, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Wenn wir das hören, wissen wir: Der eingeschlagene Pfad ist offensichtlich falsch. Ruffy schläft regelmäßig im Stehen ein, wenn wir den Controller zur Seite legen. Viele weitere Kleinigkeiten wie diese unterstreichen das Flair des Abenteurer-Mangas.

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