GTX 1660 Ti: Fehlendes Raytracing
Special
Nvidias neue Grafikkarte, die GeForce GTX 1660 Ti, ist seit einigen Tagen zu einem Preis ab etwa 270 Euro im Handel zu haben. Wir haben auf Basis mehrerer veröffentlichter Tests die Leistung der neuen Grafikkarte eingeordnet und bewerten, ob sie angesichts ihres Preises eine Kaufempfehlung ist - und ob das fehlende Raytracing ein Nachteil ist.
Nvidia Raytracing - aber nicht für die 1660 Ti
Die ersten drei neuen Turing-Grafikkarten von Nvidia haben viele Gamer eher enttäuscht. Nicht unbedingt wegen der Leistung, aber die Preise- vor allem zum Release - sind den meisten Spielern deutlich zu hoch gewesen.
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Dies lag unter anderem daran, dass Nvidia das Thema Raytracing stark in der Vordergrund brachte und dafür einen Aufpreis verlangt.
Quelle: MSI
MSI GeForce GTX 1660 Ti Gaming X 6G
Die drei ersten Grafikkarten mit einem Turing-Grafikchip, die GeForce RTX 2070 sowie die RTX 2080 und RTX 2080 Ti (zu den beiden Top-Grafikkarten hatten wir ebenfalls eine Leistungsanalyse), beherrschen diese neue Raytracing-Funktion. Mit der GeForce RTX 2060 - hier erneut der Link zu unserer Leistungsanalyse - kam vor einigen Wochen ein erschwinglicheres Modell in den Handel - trotzdem ist der Preis für viele Nutzer zu hoch, zumal auch die GeForce RTX 2060 Raytracing bietet und daher vermutlich teurer ist als ohne das Feature. Der Name RTX deutet das Feature auch an, denn das RT steht für Raytracing. Bei Raytracing handelt es sich - vereinfacht gesagt - um eine sehr ursprüngliche Methode der 3D-Grafikberechnung, die jeden einzelnen Lichtstrahl, der in die virtuelle Kamera fällt und somit auf dem Bildschirm zu sehen ist, zurückverfolgt, um ein möglichst korrektes Bild zu berechnen. Dabei spielen alle Lichtquellen in der Szene, Materialien, Farben, Transparenz und Beschaffenheit von Objekten eine Rolle, und zwar auch von den Objekten, die im Bild gar nicht zu sehen sind und keine aktive Lichtquelle sind. In unserem Special vom Oktober 2018 gehen wir noch genauer auf das Thema ein.
Raytracing erfordert aber sehr viel Rechenpower, so dass Raytracing für Spiele, bei denen man ein Echtzeit mehr als 30 Bilder pro Sekunde verlangt (und dies zudem nicht bei einer Auflösung von nur 320 mal 240 Pixeln), nicht in Frage kommt. Bei der klassischen 3D-Grafik für Spiele wird hingegen vieles weggelassen, um mit möglichst wenig Rechenvorgängen ein Bild zu berechnen - es wird auch auf Tricks zurückgegriffen, die bestimmte optische Eindrücke simulieren anstatt dass diese aufwändig berechnet werden. Die Nvidia RTX-Grafikkarten sind nun aber in der Lage, zumindest Teile der Grafik mit Raytracing zu berechnen - die Grafik soll dadurch realistischer werden. Dieses Feature lässt sich Nvidia aber gut bezahlen, obwohl es bislang kaum Spiele gibt, die die Technik bieten. Denn wie bei PhysX muss ein Spiel Raytracing aktiv anbieten, damit man es nutzen kann.
Quelle: Gigabyte
Gigabyte GeForce GTX 1660 Ti OC 6G
Was noch hinzu kommt: Selbst die stärkeren RTX-Modelle brechen bei aktiviertem Raytracing bei ihrer Leistung relativ stark ein, die RTX 2060 ist an sich bereits überfordert - für eine Grafikkarte, die so viel leistet wie das, was man anhand des Preises von der GeForce GTX 1660 Ti erwarten kann, wäre Raytracing somit zu viel des Guten. Wir schreiben "wäre", denn bei der GeForce GTX 1660 Ti hat Nvidia auf erstmals bei einer Grafikkarte mit einer Turing-GPU auf Raytracing verzichtet. Aus diesem Grunde lautet das Kürzel auch wieder GTX und nicht mehr RTX. Drei weitere gute Gründe sorgen zudem dafür, dass Nvidia nicht einen Modelnummer wie 2050 Ti oder ähnlich nutzt - zum einen grenzt die Zahl 1660 die Grafikkarte noch besser ab als das Kürzel GTX allein, zum anderen wäre es kaum vermittelbar, wenn eine Grafikkarte, die auf 50 endet, weit mehr als 200 Euro kostet. Ein dritter Grund: sofern die Leistung der GTX 1660 Ti bezogen auf ihren Preis auch nur ansatzweise stimmt, wäre ein Name, der auf 50 endet, ebenfalls mehr als irreführend, da damit traditionell Einsteigergrafikkarten bezeichnet werden, von deren Leistung sich die GTX 1660 Ti mit Sicherheit weit abgrenzen wird. Ob dies zutrifft und wie die Leistung genau aussieht, werden wir als nächstes Thema angehen.
