Nobody Saves the World: Der Test zum Indie-Action RPG der Guacamelee!-Macher - Seite 2

Test Lukas Schmid
Nobody Saves the World: Der Test zum Indie-Action RPG der Guacamelee!-Macher - Seite 2
Quelle: Drinkbox

Füllt das Action-RPG des Studios hinter Guacamelee! die aktuelle Winterflaute, oder enttäuscht es? Das klären wir in unserem Test zu Nobody Saves the World!

Dass die Gegner-KI häufig alles andere als intelligent agiert, hilft auch nicht unbedingt. Insbesondere in Dungeons hängt eine Armada von Gegner gerne mal in bester Spider-Man-Manier an Wänden fest, jedoch ohne sexy Latex-Ganzkörperanzug. Brenzlig wird es im späteren Spiel meist nur dann, wenn man mit vielen Gegnern auf engem Raum konfrontiert wird.

Oft ist es gar nicht so einfach, zu erkennen, wo genau man sich eigentlich gerade auf dem Bildschirm vor lauter Gewusel befindet. Dadurch wird der eigentlich einfache Schwierigkeitsgrad künstlich in die Höhe getrieben - ob bewusst oder unbewusst, sei dahingestellt.

Strategisch geht es ausschließlich in einigen der Bosskämpfe zu. Genau diese Passagen sind es, die am meisten Spaß machen. Die Gefechte gegen die Obermotze stellen eine Herausforderung dar, welche dazu motiviert, sich aktiv mit den Möglichkeiten der verschieden Helden-Varianten auseinanderzusetzen, strategische Gedanken zu entwickeln und mit diesen zu experimentieren. Diese Momente gibt es leider viel zu selten.

Repeat-a-Mania

Die KI liebt es, sich immer wieder gegenseitig wie demonstriert im Weg zu stehen. Quelle: PC Games Die KI liebt es, sich immer wieder gegenseitig wie demonstriert im Weg zu stehen. Auch das Erfahrungssystem verkommt irgendwann zum hirnlosen Abarbeiten von Quests, was vor allem an der gleichförmigen Struktur liegt. Um in der Hauptstory voranzukommen, müssen nämlich Sterne gesammelt werden.

Die gibt's, wenn wir bestimmte Aufgaben während der Quests erledigen, und sie funktionieren immer nach demselben Schema: Führe einen Move aus - hier, ein Stern! Führe den Move noch einmal aus - hier, noch ein Stern! Führe einen anderen Move aus - rate mal, ein Stern! Und so weiter und so fort.

Diese Monotonie wird dankenswerterweise immer mal wieder durch etwas kreativere Quests aufgelockert. Dann gilt es beispielsweise ein Interview mit einem NPC führen, oder wir begeben uns in Pferdeform auf ein Date mit einem stolzen Hengst. Wer könnte zu diesen Nüstern schon Nein sagen!

Angriffe können durch blaue Münzen separat verbessert werden Quelle: PC Games Angriffe können durch blaue Münzen separat verbessert werden Solche Quests gibt es leider relativ selten, obwohl diese für die Darstellung der Welt absolut großartig sind. Die meiste Zeit sind die Aufgaben, mit welchen Spieler*innen hier konfrontiert werden aber eben so austauschbar, dass sich dieser positive Aspekt praktisch aufhebt.

Ja, man kann sich oft entscheiden, welche Quests man absolvieren will und welche nicht. Und die Figuren-spezifischen Missionen sollten theoretisch mehr Spaß machen. Sie laufen aber zu oft auf dasselbe Hamsterrad hinaus, und es ist auch nicht möglich, sich nur auf seine oder seine Handvoll Lieblings-Varianten zu konzentrieren.

Um voranzukommen, muss fast jede unserer Figuren zumindest ein wenig gelevelt werden. Die scheinbare Freiheit bezüglich des Spielfortschritts stellt sich also irgendwann als leeres Versprechen heraus.

Die visuelle Vielfalt, das grandiose Sounddesign, all diese tollen Punkte nutzen sich mit der Zeit aufgrund dieser spielerischen Monotonie leider etwas ab und verlaufen in einem gleichförmigen Brei aus Rumlaufen, Kämpfen, Quests Erfüllen, Repeat.

Genau um das zu vermeiden, wäre der Humor wichtig, welchen Drinkbox im Marketing immer wieder an vorderster Front bewirbt, um die Motivation und die Unterhaltung der Spielerschaft oben zu halten. Leider gelingt dies meistens eher weniger gut.

Lizenz zum Lachen?

Wunderschöne Dungeons und wahnwitzige Gestaltung gehören in Nobody Saves the World zum Alltag Quelle: PC Games Wunderschöne Dungeons und wahnwitzige Gestaltung gehören in Nobody Saves the World zum Alltag Der Humor von Nobody Saves the World beruht in neun von zehn Fällen auf Plattitüden und popkulturellen Querverweisen. Ulkige Charaktere, welche ulkige Dinge sagen, ulkige Dinge tun oder beides zusammen praktizieren. Jedoch gewöhnt man sich recht schnell an die augenscheinliche Absurdität der Welt und lacht weniger, als dass man sich vielmehr am Kopf kratzt.

Wie in Guacamelee! hat man das Gefühl, dass die Schreiber sich selbst sehr witzig fanden und jedes Meme der letzten paar Jahre durch den Fleischwolf gedreht haben, um besonders hip und lustig zu wirken. Ironischerweise wirken die Schenkelklopfer genau deswegen furchtbar altbacken.

Weder ist das Spiel in seinem Humor besonders intelligent, noch besonders extrem oder kreativ. Manchmal ist der eine oder andere ulkige Spruch dabei, doch gerade im Kontrast zum fantastischen Artdesign ist der Humor des Spiels nicht der Rede wert. Viele nette humoristische Ideen werden aufgeworfen, die wenigsten davon zu Ende gedacht.

Ebenso ist die Story kaum relevant. Die Welt muss gerettet werden, also versuchen wir, die Welt zu retten. Ende. Viel mehr gibt es nicht zu berichten. Auch das ist natürlich kein Weltuntergang, nur bleibt die Frage offen, ob eine interessantere Geschichte der spielerischen Motivation angesichts der Monotonie des Gameplays hätte helfen können.

Die Frage, welche sich schlussendlich stellt, ist: Wie viel Monotonie verträgt mein spielerischer Alltag? Wenn ihr kein Problem damit habt, die immer gleichen Aufgaben mit minimalen Änderungen auszuüben, dann dürfte euch Nobody durchaus Freude machen. Wenn Ihr jedoch einen gewissen Grad an gestalterischer Kreativität in dem sucht, was ihr während der Spielzeit von mehr als 20 Stunden tut, dann solltet ihr die Finger von diesem Titel lassen.

Nobody Saves the World ist seit dem 18. Januar 2022 für PC und Xbox-Konsolen erhältlich.
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Wertung zu Nobody Saves the World (PC)

Wertung:

6.0 /10
Pro & Contra
Schöne OptikIntuitive SteuerungAngenehmer und passender SoundtrackMitreißender Spielbeginn
Zu viel RepetitionTeils unübersichtliche OptikInflationäres ErfahrungssystemMittelmäßiger Humor
Fazit

Das gleichförmige Gameplay hält das ansonsten spaßige Abenteuer zurück.

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