Nobody Saves the World: Der Test zum Indie-Action RPG der Guacamelee!-Macher
Test
Füllt das Action-RPG des Studios hinter Guacamelee! die aktuelle Winterflaute, oder enttäuscht der neue Titel von Drinkbox? Das klären wir in unserem Test zu Nobody Saves the World.
Willkommen liebe Videospielwelt im Post-Weihnachtsloch. Das Wetter ist bescheiden, die Gesichter müde-demotiviert und die Spieleindustrie wartet während dem Zählen der Festtagseinnahmen freudig auf den Frühling. Eigentlich nicht der Zeitpunkt, um ein hochwertiges Spiel zu veröffentlichen.
Genau jetzt aber veröffentlicht Drinkbox Games, das Entwicklerstudio hinter Guacamelee!, sein neues Werk: Nobody Saves the World stößt mitten hinein in die Post-Weihnachts-Dröge. Kann sich der Titel qualitativ als würdiger Nachfolger der famosen Guacamelee!-Reihe behaupten, oder setzt sich die Neujahrs-Flaute fort?
Nobody Saves the World ist ein Action-RPG, in welchem ihr den Hauptcharakter Nobody steuert. Bei dem handelt es sich um ein androgyn-humanoides Wesen, welches sich durch die Fähigkeit auszeichnet, Kirby-esque verschiedene Formen annehmen zu können. Ein Ritter ist dabei ebenso Teil des Aufgebots wie eine Schildkröte, eine Ratte, ein Bogenschütze, ein Pferd und viele weitere Verwandlungen, welche im Laufe des Spiels freigeschaltet werden.
In diesem Artikel
Von Menschen und Mäusen
Natürlich bringen diese Verwandlungen verschiedene Attribute mit sich, welche sich teilweise auf das Gameplay auswirken. So ist beispielweise die Ratte während des Action-Gameplays aus der Top-Down Perspektive schneller als der schwerfällige Ritter. Dieser wiederum besitzt eine höhere Angriffskraft als die Ratte, usw.
Jedoch gibt es auch die Möglichkeit, verschiedene Fähigkeiten diverser Verwandlungen zu kombinieren und somit zum Beispiel das Geschwindigkeitsdefizit des Ritters durch die Dash-Fähigkeit des Pferdes auszugleichen. Das ist ein wunderbarer Ansatz und begeistert insbesondere in den ersten Spielstunden.
Quelle: PC Games
Unser Abenteurer muss nicht nur die Welt vor dem "Desaster" bewahren, sondern auch NPCs mit kleineren Übeln helfen
Fast im Minutentakt werden die Spieler*innen mit neuen Verwandlungen und Möglichkeiten konfrontiert, welche das Gameplay auflockern und zu neuen Kombinationsmöglichkeiten anregen. Was passiert wohl, wenn ich diese Attacke der Schildkröte mit dem Dauerfeuer-Angriff des Bogenschützen kombiniere? Oder mit dem Heilungseffekt einer anderen Variante? Oder mit beidem und dafür eine Fähigkeit der Schildkröte entferne?
Das Gameplay besteht, sowohl auf der Oberwelt als auch in den Dungeons, meist aus Kämpfen und Zeug Einsammeln. Ersteres geschieht auf der Oberwelt immer wieder an den gleichen Stellen und bietet eine gute Möglichkeit zum Grinden. Die Dungeons wiederum sind bis auf wenige Ausnahmen meist zufallsgeneriert. Ihr Design weiß anfangs zu überzeugen, schließlich wird man immer wieder mit neuen Settings und Gegnern konfrontiert.
Am Gameplay hängt, zum Gameplay drängt doch alles, und obwohl simpel, macht Nobody Saves the World Laune. Das liegt nicht zuletzt an der sehr intuitiven Steuerung. Mit dem Controller funktioniert's zu jedem Zeitpunkt nachvollziehbar und direkt.
Stumpf ist Trumpf?
Die immer wieder wechselnden Verwandlungen des Nobodys bringen genau die Abwechslung, welche ein solch simples Gameplay benötigt, um mittelfristig zu motivieren. Neue Fähigkeiten motivieren ebenso zu mehr Experimentierfreudigkeit in der Auseinandersetzung mit Gegnern und fördern somit das Interesse, weiterzuspielen.
Quelle: PC Games
Wettrennen mit Hexen, Interviews, Liebesgeschichten - Sidequests in Nobody können gelegentlich sehr abwechslungsreich und unterhaltsam sein
Und warum rennen wir überhaupt durch die virtuelle Welt? An allen Ecken und Enden erhalten wir von NPCs Quests. Erfüllen wir die, gibt's Erfahrungspunkte, mit denen wir im Level aufsteigen und unsere Basiswerte verbessern. Kennt man, mag man, funktioniert hier genauso wie in jedem anderen Action-Rollenspiel. Zusätzlich könnt ihr eure Angriffswerte mit aufgesammelten Geld verbessern.
Manche Quests sind an eine Variante des Nobodys gebunden, beispielsweise den Ritter. Wenn Ihr die Aufgabe erfüllt, steigert sich sowohl euer Erfahrungslevel, also auch der spezifische Level der Charaktervariante mit der Zeit.
Und ebenfalls RPG-typisch müsst ihr auf eure Gesundheit achten. Ein klassisches Inventar existiert dabei nicht, stattdessen seid ihr auf Heilitems angewiesen, die von Feinden fallengelassen oder auf der Map gefunden werden. Das gilt auch für eure Magie-Leiste.
Eyecandy
Quelle: PC Games
Warum haben wir beschlossen, ein Held zu werden? Laut dem Spiel gibt es nur kreative und tiefgründige Antworten ...*hust*
Untermauert wird diese solide Basis durch eine herausragende Optik. Drinkbox beweist auch in diesem Spiel wieder ästhetische Klasse und kombiniert einen sanften Tiefenfilter gekonnt mit Farbeffekten, humorvollen und wiedererkennbaren Zeichnungen sowie einer kreativen Gestaltung der Welt, um keine visuelle Langeweile aufkommen zu lassen.
Alleine aufgrund dieser Kreativität macht es Spaß, die Welt in Nobody zu erkunden. Auch der Soundtrack weiß zu überzeugen, passt gut zu allen vorhandenen Situationen und vermittelt oft eine spaßige, aber dennoch aufregende Atmosphäre, also schlichtweg abenteuerlich.
Quelle: PC Games
Warum nicht auch mal die Ratte in einem Videospiel bis zum höchsten Level pushen?
Hervorzuheben ist auch das hervorragende Sounddesign, welches während der Kämpfe ein sehr effektives und befriedigendes Gefühl von Wucht kommuniziert. Es fühlt sich gut an, Gegner zu attackieren und das dementsprechende audiovisuelle Feedback zu erleben.
Alles fein also? Nun, ihr habt vielleicht gemerkt, dass wir viel unseres Lobs dadurch eingeschränkt haben, dass wir es auf den Anfang des Spiels bezogen haben. Während es die ersten paar Stunden also wenig zu meckern gibt, zeigen sich danach die Schwächen des etwas über 20-stündigen Abenteuers.
Keine Macht den Drögen!
Das Gameplay beispielsweise, welches anfangs noch einen sehr abwechslungsreichen Eindruck hinterlässt, wird nach einer gewissen Zeit trotz verschiedener Varianten dröge und relativ stumpf. Während man zu Beginn noch motiviert ist, verschiedene Dinge auszuprobieren und zu erforschen, was bei welchen Gegnern strategisch die sinnvollste Attacke oder Handlung darstellt, verkommt das Spiel mit der Zeit zu einem Button-Mashing Festival.
Dabei ist die Vielzahl der Fähigkeiten und Möglichkeiten theoretisch enorm. Doch in der Praxis fühlen sie sich nicht nur recht ähnlich an, sie spielen sich auch fast identisch. Somit gibt es mittelfristig höchstens die aktive Entscheidung zwischen Nahkampf- Fernkampfattacken. Große strategische Überlegungen sind hierbei nicht vonnöten.
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