No More Heroes: Remaster des einzigartig-verrückten Hack&Slash - Test

Test Yannik Cunha Lukas Schmid
No More Heroes: Remaster des einzigartig-verrückten Hack&Slash - Test
Quelle: PC Games

Mit No More Heroes für die Nintendo Wii aus Jahre 2007 feierte Entwickler Grasshopper Manufacture seinen bisher größten Erfolg. Durch die einzigartigen Charaktere und dem speziellen Storytelling, übertriebene Gewalt und dem erwachsenen Humor kann das Spiel bis heute überzeugen. Wie sehr, das klären wir in unserem Test der Neuauflage für Nintendo Switch.

Wer Spiele von Director Suda51 kennt, weiß, auf was er sich mit No More Heroes einlässt. Zum einen auf stilsichere Inszenierung, zum anderen aber auch auf übertriebene Gewalt und explizite Sprache. All das hat der Japaner auch bei Lollipop Chainsaw bewiesen. Anstatt eines Cheerleaders mit Kettensäge spielen wir in No More Heroes den Auftragskiller und Anime-Fan Travis Touchdown. Bewaffnet mit einem Katana kämpfen wir uns von Platz zehn einer Rangliste der besten Assassinen bis hin zu Platz eins. Dabei treffen wir auf jede Menge verrückte Charaktere.

Zielorientiertes Arbeiten

Natürlich bringen wir die Assassinen nicht aus Spaß um! Als Travis betrunken in einer Bar abhängt, trifft er auf Sylvia Crystal. Sie ist eine Agentin, die Assassinen anheuert, um diese gegeneinander antreten zu lassen. Wieso? Das finden wir später heraus. Jedenfalls verspricht Travis ihr, dass er auf Rang eins aufsteigen wird. Für die mörderischen Aufträge bekommen wir natürlich Geld. Die hauptsächliche Motivation unseres Protagonisten besteht allerdings aus der Hoffnung, sich mit der jungen Agentin "vergnügen" zu dürfen, sollte er alle Kämpfer besiegen. Um dieses eher unkonventionelle Ziel zu erreichen, packen wir unser Laser-Katana ein und gehen auf die Jagd nach den anderen Mördern.

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Das ist exakt so stumpf wie es sich anhört, jedoch nimmt sich das Spiel nicht zu ernst und zelebriert den Schwachsinn. So kommt es immer wieder zu im Grunde dämlichen, klischeebehaften Storywendungen, die aber mit einem Augenzwinkern versehen sind und sich somit - genau wie die schrägen Charaktere - perfekt in das chaotisch-witzige Spiel eingliedern. Unter dem Deckmantel des Humors stecken jedoch auch einige ernstere Themen, die aber nicht so aufdringlich zu Tage treten wie die verrückten Seiten des Titels.

Brutales Blutvergießen

Gleich erleben wir den Boss-Kampf gegen den ersten Assassinen, dessen Platz wir auf der Rangliste einnehmen wollen.  Quelle: PC Games Gleich erleben wir den Boss-Kampf gegen den ersten Assassinen, dessen Platz wir auf der Rangliste einnehmen wollen.  No More Heroes (jetzt kaufen 29,94 € ) ist ein sogenanntes Hack & Slash. Normalerweise punktet das Genre mit komplexen Kombos, hier gibt es lediglich hohe und niedrige Schwerthiebe, das Gleiche gilt für Tritte und Schläge. Außerdem können wir blocken und eine Ausweichrolle ausführen. Das wirkt im ersten Moment sehr minimalistisch, die schnelle Action und vor allem das befriedigende Treffer-Feedback machen diese Tatsache aber wieder gut. Unsere Waffe, das Beam-Katana, steht stets im Mittelpunkt der Kämpfe. Schon der Sound beim Schwertschwingen klingt in bester Star-Wars-Manier mächtig, sodass wirklich jeder Hieb Freude bereitet. Ergänzt wird das Kampfsystem von einer besonderen Mechanik: Wenn wir den HP-Balken eines Gegners auf Null reduzieren, müssen wir mit dem rechten Analogstick in eine Richtung drücken, um ihm den Gnadenstoß zu verpassen.

Dann wird der Körper des Kontrahenten zerteilt und auch alle Feinden in der Umgebung gehen in einer Blutfontäne auf - No More Heroes ist auf keinen Fall ein Spiel für Kinder! Wahlweise kann der Schlag auch per Motion Control ausgeführt werden, was der Immersion hilft. Der kurze Stopp wirkt umso befriedigender, weil der Rest der Kämpfe so schnell abläuft. Obendrauf habt ihr außerhalb der Bosskämpfe die Chance auf einen Bonus, der aktiviert werden kann, solltet ihr einen Feind erfolgreich zerteilen. Zu den verschiedenen Boni gehören ein One-Hit-Modus, eine Zeitlupe und noch einige mehr.

Im Vergleich zu den Bossen finden normale Gegner ein recht harmloses Ende. Auch, wenn es immer “etwas“ blutig wird – keine Jugendfreigabe! Quelle: PC Games Im Vergleich zu den Bossen finden normale Gegner ein recht harmloses Ende. Auch, wenn es immer “etwas“ blutig wird – keine Jugendfreigabe! Die normalen Feinde stellen keine große Bedrohung dar, sie sind lediglich Kanonen-, oder eher Klingenfutter. Die außergewöhnlich designten Bosse hingegen liefern uns alle einzigartige Kämpfe mit besonderen Mechaniken. Besonders eindrucksvoll sind die Persönlichkeiten der Killer, denn die sind alle ausnahmslos verrückt. Durch ihr bemerkenswertes Auftreten bleiben alle Assassinen im Gedächtnis. Es nervt allerdings, dass die Bosse nur angreifbar sind, wenn das Spiel es möchte. Ein Assassine steht gerade einfach nur rum? Schade, wir können ihn nicht verletzen.

Das öde Kalifornien

Hier sehen wir Sylvia, die Travis Killer-Aufträge vermittelt, sie erscheint vor und nach jeder Mission.  Quelle: PC Games Hier sehen wir Sylvia, die Travis Killer-Aufträge vermittelt, sie erscheint vor und nach jeder Mission.  No More Heroes ist in einem Celshading-Stil gehalten, der alles wie einen Comic wirken lässt. Dazu versucht das Spiel einen gewissen 90er-Flair zu vermitteln. Das Interface, das Hauptmenü und die Items sind stets im pixeligen Retro-Look gehalten. Unser "Held" Travis Touchdown lebt im fiktiven Santa Destroy, einer sonnigen, von Chicago inspirierten Stadt, die sich in Kalifornien befindet. Diese lässt sich in Open-World-Manier mit unserem Motorrad bereisen, jedoch ist die Spielwelt weitestgehend leer. Weder sieht sie spektakulär aus, noch gibt es viel zu erforschen, sie ist nur Mittel zum Zweck. Ein einfaches Menü hätte es an dieser Stelle auch getan und eine Menge Zeit gespart, in der wir durch die pure Ödnis reisen. Einiges zu tun gibt es trotzdem, beispielweise können wir Nebenmission annehmen.

Diese sind entweder einfache Minijobs, wie Kokosnüsse Sammeln oder Müll Wegräumen, können aber auch Aufträge sein, in denen wir uns durch Raufbolde metzeln. Da diese Aufgaben nicht sonderlich lange dauern, sind sie nicht nervig und bereiten oft sogar Spaß und Abwechslung. Eintönig werden sie erst, wenn man viel Geld ansammeln muss, dies kommt jedoch nur selten vor. Was jedoch schon nach kurzer Zeit nervt, ist, dass wir für jede dieser Missionen wieder durch die trostlose Stadt fahren müssen. Die verdienten Moneten der Side-Quests brauchen wir, um die nächsten Hauptaufträge anzunehmen. Wir können sie jedoch auch unter anderem für Upgrades im Fitnessstudio ausgeben, optische Änderungen für Travis erstehen, der sich von Kopf bis Fuß individualisieren lässt, oder uns neue Schwerter anschaffen. Jedes der Laser-Katana sieht anders aus und bietet ein wenig Variation im Spielstil. So können wir langsame, sehr starke Waffen wählen oder schnellere, die weniger Schaden austeilen.

Übertrieben ist untertrieben

Travis verfügt über ein Motorrad, mit dem wir die Open World bereisen. Leider gibt es in dieser eher wenig Spannendes zu entdecken. Quelle: PC Games Travis verfügt über ein Motorrad, mit dem wir die Open World bereisen. Leider gibt es in dieser eher wenig Spannendes zu entdecken. Director Suda51 ist bekannt für seine merkwürdigen Spielkonzepte und seinen fragwürdigen Humor. Genau so funktioniert auch No More Heroes. Wie anfangs erwähnt, ist alles so maßlos übertrieben, dass wir nur darüber lachen können. Bosse werden fast schon Mortal-Kombat-artig in Einzelteile zerlegt und Dialoge sind voller Witze, Klischees, Anspielungen und Flüche. Dazu trägt jede Frau unnötig aufreizende Klamotten. Der Titel nimmt sich offensichtlich selbst nicht ernst und schreckt auch nicht davor zurück, pointiert die vierte Wand zu brechen und den Spieler direkt anzusprechen, oder darauf aufmerksam zu machen, wie lächerlich die momentane Situation ist. Dazu ist jeder Charakter auf seine eigene Weise durchgeknallt. Selbst Travis ist ein wannabe-cooler Nerd, der in seiner Freizeit nur Animes und Wrestling schaut, Videospiele zockt und unpassende Sprüche klopft, während er Spaß dabei hat, seinem Assassinen-Beruf nachzugehen. Das Spiel traut sich eigen- und einzigartig zu sein und kann dadurch auf ganzer Linie überzeugen.

Spaß im Chaos

Auch, wenn wir oft durch eine triste Open World und simple Nebenmissionen abgelenkt werden, bereitet No More Heroes vor allem eins: Spaß. Egal, ob wir durchgeknallte Cutscenes schauen, Dialoge lesen oder uns durch Gegner metzeln - Suda51 weiß, welche Stärken der Titel hat und weiß diese zu präsentieren. No More Heroes für die Nintendo Switch ist ein Remaster der Wii-, und nicht der PS3-Version. Heißt: Fans haben ihre geliebte Optik wieder, nur eben etwas schöner. Auf Matschbrei schauen wir jedoch trotzdem immer wieder, denn nicht alle Texturen in der Umgebung sind detailreich. Die ungewöhnlichen Charaktere sehen aber immer noch gut aus.

2021 soll der Nachfolger der No More Heroes-Serie erscheinen, No More Heroes 3. Solange sind die ersten beiden Teile und der Spin-Off-Titel Travis Strikes Again: No More Heroes für Nintendo Switch verfügbar.

Meinung

Wertung zu No More Heroes (NSW)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Gute KameraNetter SoundtrackEinzigartige Geschichte und ErzählstrukturVerrückte CharaktereWiedererkennungswertKameraproblem gelöstSchnelles, einfaches Gameplay ...
... für Veteranen des Genres aber eventuell zu einfachEintönige NebenmissionenLangweilige Open WorldUnverwundbare Bosse (wenn das Spiel es so möchte)
Fazit

Ein einzigartiges, brutales Spiel, das auf jeden Fall Spaß verspricht.

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