Travis Strikes Again: No More Heroes: Test des ungewöhnlichen Switch-Spiels
Test
Das neue Spielejahr 2019 ist noch jung, doch unter der Publisher-Eigenmarke hat Nintendo bereits gleich zum Jahresanfang zwei Spiele für die Switch veröffentlicht. Neben der familienfreundlichen, aber unspektakulären Wii-U-Neuauflage New Super Mario Bros. U Deluxe auch das wesentlich ungewöhnlichere Action-Game Travis Strikes Again: No More Heroes. Letzteres zielt spürbar auf ein erwachsenes Publikum ab und zeigt sich im Test daher auch wie zu erwarten als derb, brutal und mitunter humoristisch weit unter der Gürtellinie des guten Geschmacks angesiedelt. Reicht das aus für ein spaßiges Switch-Spiel von hoher Qualität? Das haben wir zwischen aggressiven Gegnerhorden und 80er-Jahre-Neonlook herauszufinden versucht.
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Doch zunächst soll es erst einmal ganz grundlegend werden: Travis Strikes Again: No More Heroes (jetzt kaufen 28,90 € ) ist das dritte Spiel der No-More-Heroes-Serie, aber nicht der dritte Teil, vielmehr handelt es sich laut Eigenaussage des Entwicklers um einen Ableger abseits der Hauptserie. Teil 1 namens No More Heroes erschien (hierzulande) bereits 2008 für die Wii und stach damit aus dem sonst recht einheitlichen Brei an Casual- und Familienspielen für die erfolgreiche Bewegungskonsole hervor. Umsetzungen des zunächst nur für die Nintendo-Konsole erschienenen Spiels für Konkurrenz-Plattformen folgten. Wii-exklusiv wurde dann 2010 unter dem Namen No More Heroes 2: Desperate Struggle das zweite Spiel der Reihe veröffentlicht. Travis Strikes Again: No More Heroes ist ebenfalls Nintendo-exklusiv erschienen und in verschiedenen Versionen erhältlich. Im eShop der Switch habt ihr die Wahl zwischen der Grundversion für rund 30 Euro, für zehn Euro Aufpreis erhaltet ihr den Season Pass gleich mit dazu, der im Laufe der Zeit nach Release neue Inhalte verspricht. Die physische Handelsversion schlägt indes immer mit rund 40 Euro zu Buche und beinhaltet auch immer gleich einen Download-Code für den Season Pass.
Ein ungewöhnliches Team
In Travis Strikes Again: No More Heroes hat sich der Auftragskiller und Protagonist des Spiels Travis Touchdown, seines Zeichens im Auftrag für die United Assassins Association tätig, in der fiktiven Stadt Santa Destroy niedergelassen. Dort lebt er in seinem ausladenden Wohnwagen mit seiner Katze. Der Otaku-Auftragskiller und riesige Nerd Travis hat sich in der Vergangenheit mit Bad Girl angelegt, die im Zuge der Auseinandersetzungen zu Tode kam. Sieben Jahre später, gleich zu Beginn der Geschehnisse in Travis Strikes Again: No More Heroes, steht nun deren Vater Bad Man vor Travis' Wohnwagen, um Rache für den Tod seiner Tochter zu üben. Während der anschließenden Prügelei geht allerdings etwas schief und sowohl Travis Touchdown als auch Bad Man landen in der virtuellen Spielwelt einer Spielkonsole namens Death Drive MK2. Um dort wieder heraus zu gelangen, müssen Travis und Bad Man ihre persönlichen Differenzen beiseitelegen und zusammenarbeiten, was sie sodann auch tun. Damit beginnt das rund zehn- bis zwanzig-stündige Abenteuer in der obskuren Spielwelt von Travis Strikes Again: No More Heroes.
Kampfsystem: Simpel, aber vielfältig
Eure Aufgabe in Travis Strikes Again: No More Heroes ist grundsätzlich simpel. Metzelt euch durch die von Gegnerhorden bewohnten virtuellen Spielwelten und besiegt den Endboss einer jeden Spielwelt. Zum Zwecke dieser Aufgabe verfügt ihr über mehreren Angriffsmöglichkeiten und weitere Moves, deren korrekte Verwendung ihr zu Spielbeginn in einem kurzen Tutorial erlernt. So bewegt ihr euch grundsätzlich zu Fuß vorwärts und könnt mit eurer Hauptwaffe, einem Beam-Katana, auf zwei unterschiedliche Arten angreifen: einmal mit hoher Durchschlagskraft, was viel Schaden verursacht und lange dauert, und einmal mit kurzen flotten Schlägen, die weniger Schaden anrichten, dafür aber nur einer kurzen Ausführungszeit bedürfen. Springen und Ausweichen gehören ebenso zu eurem Move-Repertoire, außerdem könnt ihr beispielsweise Sprünge und Katana-Angriffe kombinieren. Zusätzlich verfügt ihr über verschiedene Skills wie besonders wirkungsstarke Angriffe oder Selbstheilung, hierfür müsst ihr aber zunächst die entsprechenden Skill-Chips finden und einsammeln. Maximal vier verschiedene Skills könnt ihr gleichzeitig für den Kampf ausrüsten, sammeln aber deutlich mehr.
Quelle: N-ZONE
Blutige Schauplätze grausamer Gewalt wie wieder sind der Grund, warum Travis Strikes Again: No More Heroes erst ab 16 Jahren freigegeben wurde.
Während Standardangriffe die Energie eures Katanas leeren, die ihr mittels Bewegungssteuerung (oder Analogstick-Bewegung) wieder aufladet, geschieht dies bei euren Skills mit der Zeit ganz von allein, hier ist einfach nur Warten angesagt. Fürs Kämpfen erhaltet ihr außerdem Erfahrungspunkte, die euren Level und somit Energie und Angriff ansteigen lassen; die müsst ihr aber aktiv in den Levelaufstieg investieren, denn automatisch funktioniert das Ganze nicht. Im Spiel könnt ihr jederzeit zwischen Travis Touchdown und Bad Man als Spielfigur wechseln oder aber kooperativ zu zweit an einer Konsole ran, wobei dann beide Figuren zum Einsatz kommen. Sowohl Travis als auch Bad Man verfügen zu diesem Zweck über eigene Skills und Level-Verbesserungen.
Bugstreet Boys und andere Albernheiten
Habt ihr euch zu Spielbeginn mit den Mechaniken von Travis Strikes Again: No More Heroes ganz kurz vertraut gemacht, geht es ziemlich flott ans Eingemachte. Große Horden an Gegnern, im Spiel "Bugs" genannt, stellen sich euch in die Quere. Als durchweg humorvolles Spiel lässt sich No More Heroes nur selten die Gelegenheit entgehen, Gegnertypen mit witzigen Typennamen zu versehen. Bestes Beispiel? Die "Bugstreet Boys" gehören zu den ersten Gegnertypen, über die ihr im Spielverlauf stolpert. Beim ersten Zwischenboss sowie Endboss werden dann schnell die Möglichkeiten der Meta-Ebene in No More Heroes deutlich, die sich durch das Bereisen verschiedener virtueller Spielewelten innerhalb des Spiels ergibt. Ständig durchbrechen nämlich vor allem höherrangige Gegner die vierte Wand und sprechen euch als Spieler ganz direkt an, wobei immer wieder deutlich gemacht wird, dass ihr gerade nicht nur ein Game spielt, sondern euch auch innerhalb des Spiels nochmals in einem von mehreren virtuellen Spielen befindet.
Metzelt alles nieder
Sonderlich anspruchsvoll wird Travis Strikes Again: No More Heroes auf keiner der verfügbaren Schwierigkeitsstufen so wirklich, solange ihr mit Hack&Slay-Titeln zumindest ganz grundsätzlich irgendetwas anfangen könnt. Genau das ist das Spiel im Kern nämlich jederzeit: eine Aneinanderreihung von Auseinandersetzungen mit großen Mengen simpler Gegner, gefolgt von Kämpfen mit anspruchsvolleren Widersachern kleinerer Zahl. Relevant ist dabei der richtig koordinierte Einsatz eurer Angriffe, Fähigkeiten und Skills, um die Schlachten erfolgreich zu überstehen. Zwischendurch erkundet ihr die Spielwelt und löst hier und da kleinere Aufgaben und Rätsel, der Fokus liegt aber ganz klar auf den Kämpfen.
Um seinem derben Humor treu zu bleiben, regeneriert ihr eure Kräfte durch den Verzehr von Ramen-Gerichten an entsprechenden Ständen überall in der Spielwelt, gespeichert wird durch das Benutzen der Toiletten. Das muss man Travis Strikes Again: No More Heroes lassen: der Humor mag oft plump sein, witzig ist es aber allemal. Etwas zu schnell nutzt sich dafür allerdings das Gameplay ab und es wird spätestens nach dem Durchspielen von zwei, drei Spielwelten sehr repetitiv. Gepaart mit der leider nicht ganz optimalen, stellenweise unpräzisen Steuerung des Games ist spielerischer Frust leider nahezu vorprogrammiert. Im Grunde läuft es halt doch immer und immer wieder darauf hinaus, dass ihr euch durch Gegnerhorden metzelt, Zwischenbosse und Endbosse besiegt und Spiel um Spiel abschließt. Etwas mehr Gameplay-Abwechslung wäre wünschenswert gewesen.
Quelle: N-ZONE
Hauptsächlich seid ihr im Spiel zwar zu Fuß unterwegs, es gibt aber auch Abschnitte, bei denen ihr ein Fahrzeug benutzt.
Alles wiederholt sich
Eine ähnliche Repetitivität trifft indes auch auf die Spielwelten von Travis Strikes Again: No More Heroes zu. Zwar sorgen die Entwickler durch die Verwendung mehrerer "Spiele im Spiel" für eine gewisse Abwechslung, doch auch die Spiele innerhalb des Spiels sind sich weitestgehend ähnlich und bauen allesamt auf 4:3-Optik, Pop-Art, 80er-Jahre-Neonlook und VHS-Schick auf. Für etwas Auflockerung und Abwechslung sorgt die kleine Oberwelt des Spiels, nämlich Travis' Wohnwagen mit angrenzendem Grundstück. Hier könnt ihr frei umherlaufen, auf der Toilette nicht nur speichern, sondern auch euer Outfit wechseln, online neue T-Shirts mit Indiespiel-Motiven kaufen und Ramen-Blogs besuchen, eintreffenden Fax-Nachrichten lesen, die verschiedenen Spielwelten betreten oder euch auf euer Motorrad schwingen. Die Möglichkeiten der Oberwelt sind aber natürlich begrenzt und fehlende Abwechslung der eigentlichen Spielwelten kann auch hier nur bedingt wettgemacht werden.
Ein falscher Eindruck soll hier jedoch keinesfalls entstehen, denn die Spielwelten von Travis Strikes Again: No More Heroes sind spannend gestaltet und originell umgesetzt und entbehren nicht eines gewissen Retro-Schicks, der durchaus zu überzeugen weiß. Lediglich in Punkto Abwechslungsreichtum wurde zu wenig getan. Besonders die popkulturellen Anspielungen auf anderen Spiele, Filme und Serien wie The Legend of Zelda, Tron und Terminator wissen zu überzeugen.
Quelle: N-ZONE
Der Grafikstil von Travis Strikes Again: No More Heroes entbehrt nicht eines gewissen Reizes durch die Verwendung ungewohnter Grafik-Effekte.
Fazit
Somit ist Travis Strikes Again: No More Heroes alles in allem ein gutes, aber kein herausragendes Spiel und angesichts der sich bereits am Horizont anbahnenden großen Switch-Titel für 2019 wahrscheinlich neben Animal Crossing, Luigi's Mansion 3, Pokémon für Switch und Co. etwas zu schnell wieder vergessen. Das ist schade, denn die Entwickler waren spürbar bemüht, ein humorvolles Spiel zu erschaffen, das vor allem auf Originalität setzt. Das ist im Grunde auch gelungen, denn Travis Strikes Again: No More Heroes lässt sich mit kaum einem anderen Switch-Spiel vergleichen. Leider ist dabei der Abwechslungsreichtum innerhalb des Spiels etwas zu sehr auf der Strecke geblieben und vor allem das Gameplay recht repetitiv geworden. Zusammen mit der stellenweise unpräzisen Steuerung sowie der unnötigen Bewegungssteuerung das größte Manko des Spiels. Gleichzeitig liegen die großen Stärken im derben allgegenwärtigen Humor, einem motivierenden Fortschrittsystem mit Erfahrungspunkten, Levels und Skills, einer schicken Retro-Neon-Optik mit entsprechender musikalischer Begleitung sowie der Möglichkeit, das komplette Spiel auch kooperativ zu meistern. Wie wichtig oder nichtig einzelne Punkte für die persönliche Spielerfahrung sind, muss jeder Spieler für sich selbst entscheiden. Hier liegen die Schwerpunkte ja bekanntlich an mitunter sehr unterschiedlichen Stellen.
