Auf Seite 3 beleuchten wir die nervigen Altlasten von Team Ninjas neuem Werk und klären, wer trotzdem zuschlagen kann.
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Den Yokai kenn' ich doch!
Auch an anderen Fronten ist Nioh 3 ein Nachfolger, der es sich etwas zu einfach macht. So ist das Gegner-Roster für sich genommen zwar divers und umfangreich, aber wirklich darüber jubeln können nur Neueinsteiger. Grob geschätzt stammen nämlich 90 Prozent der Standardfeinde direkt aus den beiden Vorgängern. Nicht einmal die Hauptbosse aus Nioh 1 und 2 blieben verschont, denn viele davon serviert man euch hier als Obermotze für Nebenmissionen.
Abseits dezenter Anpassungen im Ninja-Stil kennt ihr auch die ganzen Waffenklassen schon, wenn ihr den Vorgänger mitsamt seiner DLCs gespielt habt. Nun können uns die alten Gegner natürlich immer noch ordentlich auf Trab halten und die Waffen eröffnen eine riesige Vielfalt bei der Charakterentwicklung, der Verdienst von Nioh 3 ist das allerdings nicht. Wir hatten teils eher das Gefühl, hier das neueste Update eines jährlichen Franchises zu spielen, und keinen Nachfolger eines sechs Jahre alten Spiels.
Quelle: PC Games
Mit dieser Dame haben wir schon in Nioh 1 die Schwerter - beziehungsweise den Regenschirm - gekreuzt.
Die miese Technik auch!
Die nervigsten Altlasten bekommen aber wieder PC-Zocker zu spüren, denn wie schon Wo Long und Rise of the Ronin blamiert sich das griffige Actionspiel ausgerechnet bei der Performance. Wer weiß, was Team Ninja seiner Katana Engine hier abverlangt, eine beeindruckende Grafik ist es jedenfalls nicht. Nioh 3 zeigt da nur solides PS4-Niveau, stimmiger Artstyle hin oder her.
Trotzdem stottert das Spiel munter vor sich hin, und das nicht immer nur in den komplexen Umgebungen. Aus Gründen, die wir uns nicht erklären können, frisst Nioh 3 unseren Prozessor zum Frühstück, während die Grafikkarte meistens nicht ausgelastet wird. Beim Spielen auf einem Ryzen 7 7700X konnten wir uns irgendwann an die kleinen Hänger gewöhnen, aber schon der Ryzen 7 5800X im Redaktions-PC war sichtlich überfordert mit Nioh 3.
An stabile 60 FPS war nicht zu denken. Klar, High-End ist die CPU zwar nicht mehr, aber ausreichen sollte sie auch 2026 noch dicke. Zudem blitzt immer wieder der Windows-Mauszeiger ins Bild, auch wenn wir nur mit Controller spielen. Kein Beinbruch, aber es unterstreicht die halbscharige PC-Fassung, die uns Team Ninja hier einmal wieder vorsetzt.
Quelle: PC Games
Diese niedlichen Yokai haben Spaß an Schießübungen, weswegen ihr erst auf sie feuern müsst, um sie einsacken zu können.
Und trotzdem kämpfen wir weiter
Wir haben also bei der Performance mit dem Kopf geschüttelt, bei all dem Recycling mit den Augen gerollt und mehr identische Katanas gesammelt als ein Otaku in der ersten eigenen Wohnung. Und dennoch hat uns Nioh 3 über einige Dutzend Stunden hinweg bei der Stange gehalten. Das liegt vor allem an dem Punkt, den Team Ninja trotz all seiner Altlasten immer wieder verwandeln kann: seinem Kampfsystem. Es präsentiert sich sperrig und überladen, aber ist man einmal durchgestiegen, entfaltet sich eine brutale Spielwiese voller Möglichkeiten.
Egal, ob ihr euch auf eine Waffe beschränkt oder alle vier Slots befüllt, es ist ein tolles Gefühl, die Gegner mit Angriffen einzudecken, perfekt zu blocken oder auszuweichen und am Schluss Beute und Einzelteile durch die Luft fliegen zu sehen. Nioh 3 verlangt euch einige Zeit in seinen Menüs ab, dafür werdet ihr aber irgendwann mit durchschlagenden Resultaten belohnt, die den anfangs gefährlichen Monstern kaum noch eine Chance lassen.
Das Spiel mag nicht mehr taufrisch aussehen, audiovisuell schafft es aber trotzdem ein knalliges Kampfgefühl. Zumindest bei den Hauptbossen liefert es außerdem viele neue Designs, und auch wenn die meisten davon recht einfach ausfallen, motivieren sie zur ständigen Verbesserung eurer Figur. Einen Obermotz in einem Soulslike in unter einer Minute zerreißen zu können, kann eben auch ein tolles Gefühl sein.
Vermutlich hatten wir es vor allem deswegen nicht besonders schwer, weil wir die Welten von Nioh 3 sehr gerne bis auf das letzte Collectible abgegrast haben. Nicht nur, weil uns jedes davon auf irgendeine Weise stärker machen kann, sondern auch, weil das Spiel weiß, wie man sie unterhaltsam verteilt und wann man sie uns anzeigt.
Quelle: PC Games
Es ist erstaunlich, wie unproblematisch eine vollgestopfte Weltkarte sein kann, wenn sie nicht schon von Anfang an vollgestopft ist. Fast so, als würde es Spaß machen, Dinge selbst zu finden!
Fazit: Angreifen oder Weglaufen?
Ob euch die neue Spielstruktur, der Stilwechsel und die paar wirklich neuen Inhalte den Startpreis von 80 Euro wert sind, könnt ihr am ehesten selbst beantworten. Wollt ihr einfach nur mehr Nioh in anderer Verpackung und das viele Recycling hat euch schon bei Teil 2 nicht gestört? Oder hattet ihr noch nie etwas mit der Reihe zu tun und seid bereit, euch in den ersten paar Stunden sehr viel Wissen anzueignen?
Dann macht ihr mit Nioh 3 wenig verkehrt, denn für den Preis bekommt ihr ein Spiel, in das ihr locker hundert Stunden und mehr buttern könnt.
Wenn es euch dagegen nervt, dass Team Ninja im Grunde ständig dasselbe Produkt mit neuem Anstrich herausbringt und ihr keine High-End-Hardware in eurem Rechner habt, könnt ihr das Katana diesmal steckenlassen. So oder so würden wir uns wünschen, dass sich die Entwickler für ihr nächstes Spiel etwas mehr Zeit nehmen und vielleicht auch den Mut finden, ein paar mehr alte Zöpfe abzuschneiden.
Meinung
Nioh 3 ist ab dem 06. Februar für PC und PS5 verfügbar. Für die Standard-Edition werden knapp 80 Euro fällig, die Deluxe Edition mit kosmetischen Items und dem Season Pass mit zwei geplanten DLCs schlägt mit 120 Euro zu Buche. Wollt ihr das Spiel noch vor dem Release austesten, steht auf beiden Plattformen eine sehr umfangreiche Demo bereit, bei der ihr den Fortschritt ins fertige Spiel übernehmen könnt. Mit dem Release dürfte die Demo allerdings aus den Stores verschwinden.
