E-Sport auf Nintendo Switch: ​Wachstumsmarkt oder Nischenthema?

Special Sönke Siemens Benedikt Plass-Fleßenkämper Maria Beyer-Fistrich
E-Sport auf Nintendo Switch: ​Wachstumsmarkt oder Nischenthema?
Quelle: Nintendo

Nintendo und E-Sport - das war für viele Fans bis vor Kurzem ein Buch mit sieben Siegeln. Spätestens mit der Veröffentlichung der Switch scheint diesbezüglich nun aber ein Sinneswandel stattzufinden. Grund genug, dem Themenkomplex mal genauer auf den Grund zu gehen.

Zwei Männer und zwei Frauen im besten Alter sitzen am Boden. Vor ihnen liegt eine Tafel, auf der einer von ihnen mit Kreide hektisch Pfeile einzeichnet. Dann ein kurzer Szenenwechsel zu einer Gruppe Japaner. Auch sie sitzen gemeinsam am Boden - vor ihnen vier Switch-Konsolen, auf denen Splatoon 2 im Multiplayer läuft. Das Quartett diskutiert, analysiert, skizziert Spielzüge auf einem weißen Blatt Papier. Noch eine kurze Teamgeste, und dann geht es schnellen Schrittes auf die Bühne einer riesigen Indoor-Arena. Das Publikum klatscht, jubelt, schreit. Scheinwerferkegel schwenken durch den Saal, Switch-Konsolen rasten in ihren Docks ein. Sekunden später ist es schließlich endlich soweit: Die Farbschlacht kann beginnen!

Zu viel versprochen?

Die eben beschriebene Szene stammt aus Nintendos erstem, am 20. Oktober 2016 veröffentlichten Werbespot für die damals enthüllte Hybridkonsole Switch und sollte zeigen, wie vielfältig sich das Gerät einsetzen lässt. Gleichzeitig jedoch vermittelte man mit eben diesem Ausschnitt des mittlerweile knapp 37 Millionen Mal aufgerufenen Trailers eine klare Botschaft: E-Sport und Nintendo Switch (jetzt kaufen )- das gehört ab sofort zusammen! Heute, mehr als 16 Monate nach dem Verkaufsstart der Konsole, wird es Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen. Konnte Nintendo die vielversprechende Vision des Werbeclips in die Tat umsetzen? Wie beeinflusst der für September 2018 geplante Start des kostenpflichten Online-Dienstes die E-Sport-Thematik? Und natürlich: Wie geht es in Zukunft weiter? Bevor wir diesen Fragen auf den Grund gehen, werfen wir jedoch zunächst einen Blick auf die turbulente E-Sport-Historie des Unternehmens. Alles beginnt am 8. März 1990 im Fair Park's Automobile Building in Dallas, Texas.

Um der langsam in die Jahre gekommenen NES-Konsole einen weiteren Schub zu geben, ruft Nintendo das Nintendo World Championship ins Damit ein Spiel E-Sport-tauglich ist, muss es auch zuschauerfreundlich sein. Splatoon 2 erfüllt diese Bedingung dank Spectator-Modus und leicht verständlichen Spielmodi mit Bravour.  Quelle: Nintendo Damit ein Spiel E-Sport-tauglich ist, muss es auch zuschauerfreundlich sein. Splatoon 2 erfüllt diese Bedingung dank Spectator-Modus und leicht verständlichen Spielmodi mit Bravour.  Leben und tourt noch im selben Jahr durch insgesamt 29 verschiedene Städte in den USA. Der Clou damals: Für den in drei Altersgruppen aufgeteilten Wettbewerb produzieren die Japaner insgesamt 90 seltene 3-in-1-Wettbewerbsmodule, auf denen sich stark modifizierte Versionen des Jump & Runs Super Mario Bros., des Rennspiels Rad Racer sowie des Puzzlespiels Tetris befinden. Die Aufgabe der Teilnehmer an Ort und Stelle besteht nun darin, kurze, aneinandergereihte Abschnitte aus allen drei Spielen in einem Zeitrahmen von 6 Minuten und 21 Sekunden zu meistern und dabei eine möglichst hohe Punktzahl zu erreichen. Lohn der Mühe: Schatzbriefe in Wert von 10.000 US-Dollar, ein brandneues Auto, ein 40-Zoll-Rückprojektionsfernseher sowie eine goldfarbene Mario-Trophäe. Die Finalisten der verschiedenen Städte erhalten außerdem jeweils eines der Wettbewerbsmodule, welche heute aufgrund ihrer Seltenheit für einen Rekordpreis von 15.000 US-Dollar und mehr den Besitzer wechseln. Das Turnier selbst ist wie zu erwarten ein voller Erfolg, bleibt damals allerdings das einzige seiner Art.

Publikumsmagnet Smash Bros.

Richtig ins Rollen kommt die kompetitive Nintendo-Szene erst im Jahr 2001. Hier nämlich erblickt die Vier-Spieler-Keilerei Super Smash Bros. Melee für den Gamecube das Licht der Welt und schlägt ein wie eine Bombe. Denn dank eines spielinternen Turnier-Modus sind Wettbewerbe für bis zu 64 Spieler (die sich dann je nach Match-Konstellation die Controller herumreichen) kein Problem und schnell organisiert. Die Folge: Obwohl Super Smash Bros. Ultimate besitzt riesiges E-Sport-Potenzial und erfüllt zahlreiche Wünsche der Community. Ganz wichtig für viele: Wirklich alle Kämpfer bisheriger Teile sind an Bord.  Quelle: Nintendo Super Smash Bros. Ultimate besitzt riesiges E-Sport-Potenzial und erfüllt zahlreiche Wünsche der Community. Ganz wichtig für viele: Wirklich alle Kämpfer bisheriger Teile sind an Bord.  Spieldirektor Masahiro Sakurai sein Meisterwerk in erster Linie als unterhaltsamen Multiplayer-Spaß für die ganze Familie einstuft, sprießen vermehrt professionell von der Community organisierte Turniere aus dem Boden. Melee wird ein echter Renner in der Prügelspielszene, kann sich dort aufgrund seines zeitlosen Spielprinzips bis heute behaupten und schafft es zwischen 2003 und 2007 sogar, in einer E-Sport-Serie von Major League Gaming Fuß zu fassen. Was viele nicht wissen: Nintendo selbst sieht diese Entwicklung damals zunächst mit großer Skepsis. Das Ganze geht sogar so weit, dass die Entwickler im Wii-Nachfolger Super Smash Bros. Brawl (2008) die sogenannte Tripping-Mechanik einbauen und die Fans damit im wahrsten Sinn vor den Kopf stoßen.

Denn durch Tripping besteht eine einprozentige Chance, dass die Spielfigur beim Ausführen eines Ausweichmanövers auf den Allerwertesten fällt. Im Duell mit Freunden mag das für Schadenfreude sorgen - die E-Sport-Community hasst solche Zufallsfaktoren jedoch wie die Pest. Besonders deutlich wird das auf der 2013er-Ausgabe des weltgrößten Fighting-Game-Turniers "EVO" in Las Vegas, wo sich Fans lieber mit dem zwölf Jahre alten Melee zufriedengeben - und Nintendo mal so richtig die Meinung geigen. Letzteres allerdings nicht aufgrund der Tripping-Mechanik, sondern vielmehr, weil Big N kurz vor dem Start des EVO-2013-Turniers versucht hatte, den Veranstaltern die Bildrechte für Melee zu entziehen, was wiederum einen Livestream für die Netz-Community unmöglich gemacht hätte. Wohl gemerkt "hätte", denn der Aufschrei ist gigantisch und führt letztendlich dazu, dass Nintendo bereits Stunden später einlenkt und doch noch grünes Licht gibt.

Endlich einsichtig

Im Rückblick wirkt der EVO-Skandal damit wie ein Weckruf für Nintendo, die seither mehr und mehr auf die E-Sport-Szene zugehen und bereits ein Jahr später als Sponsor des EVO-2014-Turniers auftreten. Im Rahmen der vorher stattfindenden Spielemesse E3 2014 in Los Angeles lädt Nintendo sogar erstmals zum Super Smash Bros. Invitational und lässt dort 16 Profispieler im brandneuen, garantiert Tripping-freien Super Smash Publikumsliebling in Rekordzeit: Binnen 24 Stunden konnte Fortnite für Switch bereits zwei Millionen Downloads verbuchen. ( Quelle: Medienagentur plassma/Sönke Siemens Publikumsliebling in Rekordzeit: Binnen 24 Stunden konnte Fortnite für Switch bereits zwei Millionen Downloads verbuchen. ( Bros. for Wii U gegeneinander antreten - Live-Übertragung auf dem hauseigenen Twitch-Kanal inklusive. Hinzu kommt: Wohl wissend, dass die Community Smash Bros. am liebsten via Gamecube-Controller zockt, kündigen die Japaner einen offiziellen Adapter an, der das Anschließen eben dieses Eingabegeräts ermöglicht. Eine schöne Idee - und eine weitere wichtige Geste, verloren gegangenes Fan-Vertrauen zurückzugewinnen.

Keine Frage, die Smash Bros.-Szene war schon immer die treibende Kraft, wenn es um das Thema E-Sport auf Nintendo-Konsolen ging. Nichtsdestotrotz sollte man auch die Zugkraft von Pokémon nicht vergessen, welches seit mittlerweile neun Jahren auf einem kompetitiven Level gespielt wird. 2009 nämlich ruft The Pokémon Company die "Pokémon Video Game Championship" ins Leben. Das Turnier zieht Fans in Scharen an und wird seitdem Jahr für Jahr in Auch das knallbunte Kampfspiel ARMS ist durchaus E-Sport-tauglich und bei einem harten Spielerkern weiterhin beliebt, aber nicht so sehr wie Splatoon 2.  Quelle: Nintendo Auch das knallbunte Kampfspiel ARMS ist durchaus E-Sport-tauglich und bei einem harten Spielerkern weiterhin beliebt, aber nicht so sehr wie Splatoon 2.  regelmäßig wechselnden US-Großstädten ausgetragen. 2018 zum Beispiel geht's Ende August nach Nashville, Tennessee.

Doch sei es nun Super Smash Bros., Pokémon, Mario Kart oder der 2015 veröffentlichte Multiplayer-Überraschungshit Splatoon - im Direktvergleich mit Schwergewichten wie League of Legends, Dota 2, FIFA oder Counter Strike: Global Offensive bleibt die E-Sport-Szene auf Nintendo-Systemen auch gegen Ende der Wii U-Ära vergleichsweise überschaubar. Das Hauptproblem aus Sicht vieler Gamer und Experten: Im Vergleich zu Xbox Live von Microsoft und dem Playstation Network von Sony hinkt Nintendo mit seinem Online-Netzwerk in vielerlei Hinsicht weit hinterher. Nintendo selbst ist sich dessen natürlich bewusst - und steuert hinter den Kulissen bereits fleißig gegen.

Hoffnungsträger Switch

Womit wir wiederum beim Ausgangspunkt dieses Reports wären - der offiziellen Ankündigung der Nintendo Switch im Oktober 2016 in Form eines knapp dreiminütigen Trailers. Schon damals wird klar: Die Tatsache, dass man dem Thema E-Sport knapp ein Drittel der Laufzeit widmet, zeigt, Das Engagement wächst: Am 21. Juni kündigte Nintendo an, dass es auch im Frühjahr 2019 wieder eine Splatoon&nbsp;2-Europameisterschaft geben wird. '<br>
  Quelle: Nintendo Das Engagement wächst: Am 21. Juni kündigte Nintendo an, dass es auch im Frühjahr 2019 wieder eine Splatoon 2-Europameisterschaft geben wird. '
 
dass kompetitives Spielen für Nintendo in dieser Hardware-Generation eine besonders wichtige Rolle spielen wird. Die gute Nachricht: Als die Switch im März 2017 dann endlich erscheint, lässt Nintendo den vollmundigen Versprechungen Taten folgen und veröffentlicht im Launch-Fenster der Konsole nicht nur den Multiplayer-Spaß Mario Kart 8 Deluxe, sondern auch den E-Sport-tauglichen 3D-Arena-Brawler ARMS, die 4vs4-Farbschlacht Splatoon 2 sowie die Kreaturenprügelei Pokémon Tournament DX. Alle Titel bieten umfangreiche Mehrspieler-Inhalte, LAN-Unterstützung und werden (abgesehen von Mario Kart) auf der E3 2017 prominent mit eigenen Invitational-Turnieren beworben, denen Fans auf der ganzen Welt im Livestream beiwohnen dürfen. Hoffnungsvoll stimmt darüber hinaus der Umstand, dass zur E3 2017 weitere Titel mit kompetitivem Schwerpunkt angekündigt werden, darunter der E-Sport-Kracher Rocket League sowie eine Switch-Fassung von FIFA 18.

Nintendo Switch Online

Was genau es mit Nintendos kostenpflichtigem Online-Service auf sich hat, verrät das Unternehmen dagegen erst elf Monate später - genauer gesagt im Mai 2018. Die wichtigsten Eckdaten bisher: Nintendo Switch Online - so der offizielle Name - startet im September 2018 und ist ab Rocket League zählt zu den E-Sport-Hits der Branche und ist für die Switch prima umgesetzt. Profis aus der Szene bevorzugen aufgrund der höheren Präzision dennoch die PC-Fassung. Quelle: Nintendo Rocket League zählt zu den E-Sport-Hits der Branche und ist für die Switch prima umgesetzt. Profis aus der Szene bevorzugen aufgrund der höheren Präzision dennoch die PC-Fassung. diesem Zeitpunkt zwingend notwendig, um online mit anderen spielen zu können. Obendrauf gibt's ein paar nette Extras. Allen voran die Möglichkeit, Speicherdaten in der Cloud zu sichern, exklusive Angebote für Mitglieder sowie Zugriff auf eine Bibliothek aus anfangs 20 verschiedenen NES-Klassikern, darunter Ice Climber, Donkey Kong, Dr. Mario., Super Mario Bros. und Tennis. Geniales Schmankerl: Sofern ein Spiel bereits im Original über einen Mehrspieler-Modus verfügt, funktioniert er ab September auch übers Internet. Ebenfalls erfreulich: Im Vergleich zu Xbox Live und Playstation Network, wo eine Jahresmitgliedschaft in der Regel mit knapp 60 Euro zu Buche schlägt, verlangt Nintendo für zwölf Monate nur 19,99 Euro. Kleinere Buchungsphasen sind ebenfalls möglich und kosten 3,99 Euro für 30 Tage respektive 7,99 Euro für 90 Tage.

Doch was heißt das jetzt für die E-Sport-Szene auf der Switch? Nun, in erster Linie hegen viele aus der Community die Hoffnung, dass Nintendo mit dem Ausbau seiner Online-Aktivitäten endlich auch schnellere Server zur Verfügung stellt. "Wadsm", seines Zeichens Mitglied des Splatoon 2-Vizeweltmeister-Teams BackSquids, bringt die Problematik im Gespräch auf den Punkt: "Leider ist das aktuelle Online-System von Splatoon 2 nicht Praxiserfahrung muss sein: Websites wie Toornament.com und Co. sind eine gute Anlaufquelle für jeden, der nach Turnieren in seiner Region sucht.&nbsp; Quelle: Toornament.com Praxiserfahrung muss sein: Websites wie Toornament.com und Co. sind eine gute Anlaufquelle für jeden, der nach Turnieren in seiner Region sucht.  das Gelbe vom Ei, da es auf einem Peer-2-Peer-Prinzip basiert. Oder anders formuliert: Es gibt einen extremen Unterschied zwischen der Splatoon 2-Online-Erfahrung und der Splatoon 2-Offline-Erfahrung. Online wäre einfach noch so viel mehr Potenzial drin, doch dafür braucht es dedizierte Server - und die kommen hoffentlich mit dem Start des Online-Diensts im September", sagt Wadsm.

Abzuwarten bleibt außerdem, wie eifrig die Japaner ihre hauseigene Switch-Begleit-App weiterentwickeln. Sie nämlich ist der Schlüssel, um mit anderen Switch-Spielern via Voicechat zu kommunizieren. In Splatoon 2 funktioniert das bereits und mit dem Ausbau des Online-Dienstes sollen weitere kompatible Titel folgen. Wer jedoch schon mal Fortnite auf der Switch gespielt hat, weiß auch: Hier klappt Voicechat mit Teammitgliedern ganz ohne Begleit-App. Einfach Headset einstöpseln, und los geht's. Wäre es für Nintendo somit nicht sinnvoller, Voicechat-Funktionen - Xbox One und PS4 machen es vor - direkt ins Systemmenü zu integrieren? Die E-Sport-Community jedenfalls würde ein solches Feature begrüßen.

Rosige Zukunftsaussichten

Eine E-Sport-Szene kann immer dann wachsen, wenn auch genügend unterschiedliche Genres bedient werden. Geht's nach Nintendos diesjährigem E3-Auftritt, müssen sich Switch-Fans diesbezüglich jedenfalls keine Sorgen machen. Im Gegenteil: Gleich vier große Switch- Jeder fängt mal klein an: Wer nach kleineren Splatoon 2-Turnieren sucht, wird unter anderem auf der Webseite der ESL fündig.&nbsp; Quelle: play.eslgaming.com Jeder fängt mal klein an: Wer nach kleineren Splatoon 2-Turnieren sucht, wird unter anderem auf der Webseite der ESL fündig.  Neuankündigungen mit potenziellem E-Sport-Fokus waren in diesem Jahr zu sehen. Den Anfang macht das bereits erwähnte Fortnite - ein kunterbunter Third-Person-Shooter, der mittlerweile schon Popkultur-Charakter hat und der extrem populären Battle-Royale-Formel folgt. Das Spielprinzip ist denkbar einfach und genau deswegen Adrenalin pur: 100 Online-Spieler springen mit einem Gleiter über einer großflächigen Insel ab, suchen nach Waffen und besserer Ausrüstung und bekämpfen sich dann solange, bis nur noch eine Person übrigbleibt. Wer mag, kann Kämpfen allerdings auch gänzlich aus dem Weg gehen, etwa indem er möglichst unbemerkt durchs Unterholz schleicht oder sich taktisch klug am Rande eines Sturm aufhält, der die Teilnehmer mit fortschreitender Match-Dauer immer weiter zusammentreibt.

Dass Fortnite die boomende Battle-Royale-Szene mit großem Abstand anführt, liegt jedoch nicht nur am faszinierenden Spielprinzip, sondern auch daran, dass Entwickler Epic Games das Spiel kostenlos anbietet und im Gegensatz zu zahlreichen Konkurrenten eine USK-16-Freigabe vorweisen kann. Dazu gesellt sich eine vorbildliche Update-Politik, Cross-Plattform-Play mit PC, Xbox One und iOS (bald auch Android) sowie extrem ehrgeizige E-Sport-Pläne. Kaum zu glauben, aber wahr: Allein für die E-Sport-Saison 2018/2019 in Fortnite stellt Epic Games Preisgelder im Wert von 100 Millionen US-Dollar (umgerechnet ca. 85 Mio. Euro) zur Verfügung, von denen aller Voraussicht nach auch die Switch-Community einen Teil abbekommen wird. Zum Vergleich: Die größte Preisgeldsumme für ein E-Sport-Turnier belief sich bislang auf knapp 25 Millionen und wurde 2017 auf der Dota 2-Veranstaltung "The International" unter den Gewinnerteams ausgeschüttet. Mit Herzblut: Jordan Kent, Ashley Esquada und Charles „Nine“ Whitehead moderierten das diesjährige Splatoon 2 World Championship in Los Angeles.&nbsp; Quelle: Nintendo Mit Herzblut: Jordan Kent, Ashley Esquada und Charles „Nine“ Whitehead moderierten das diesjährige Splatoon 2 World Championship in Los Angeles. 

Nebst Fortnite - welches allein in den ersten 24 Stunden zwei Millionen E-Shop-Downloads generierte - sollten E-Sport-Enthusiasten außerdem Mario Tennis Aces sowie das Beat'em Up Dragon Ball Fighter Z auf dem Schirm behalten. Erstgenanntes ist seit dem 22. Juni auf dem Markt und überzeugt aus E-Sport-Perspektive mit einem erstaunlich gut strukturierten Turnier-Modus. Kein Wunder also, dass Reggie Fils-Aimé, Präsident von Nintendo of America, in einem Interview mit dem US-Sport-Sender ESPN bereits ankündigte, mit Mario Tennis Aces bald auch auf kompetitiver Ebene experimentieren zu wollen. Einziger Wermutstropfen: In der von uns getesteten Version von Mario Tennis Aces kam es immer wieder zu Rucklern und Verbindungsaussetzern. Sollte der Hersteller diese Probleme jedoch mit dem nächsten Patch in den Griff kriegen, hätte Mario Tennis Aces gute Chancen, einen echten E-Sport-Schmetterball zu landen.

Ein weiterer, nicht zu unterschätzender E-Sport-Kandidat: Dragon Ball Fighter Z aus der Feder von Arc System Works, welches am 28. September 2018 auf Nintendo Switch in den Ring stürmt. Angetrieben von wunderschöner 2D-Optik, einer pfeilschnellen Bildrate, einer großen Charakterauswahl und dem Know-how eines passionierten Beat'em-Up-Entwicklers, hat Dragon Ball Fighter Z die Turnierszene auf PS4 und Xbox One längst im Sturm erobert. Auf der Switch dürfte nun Ähnliches passieren, denn die auf der E3 2018 präsentierte Umsetzung lief technisch absolut einwandfrei und lässt auch im Hinblick auf Online-Funktionen nichts anbrennen.

Smash Bros. Ultimate: Nintendos Joker

Dann wäre da natürlich noch das für den 7. Dezember 2018 geplante Super Smash Bros. Ultimate. Nintendos wohl schlagkräftigstes E-Sport- Während E-Sport-Events wie die ESL One bereits ganze Stadien füllen, fand das Splatoon 2 World Championship 2018 in einer recht überschaubaren Location statt. Für tolle Stimmung war trotzdem gesorgt und den Livestream im Netz sahen mehrere Hunderttausend Fans Quelle: Nintendo Während E-Sport-Events wie die ESL One bereits ganze Stadien füllen, fand das Splatoon 2 World Championship 2018 in einer recht überschaubaren Location statt. Für tolle Stimmung war trotzdem gesorgt und den Livestream im Netz sahen mehrere Hunderttausend Fans Argument für Switch wurde in Los Angeles stilecht mit einem Profi-Turnier beworben und lockte auch online Hunderttausende vor die Streams. Das Besondere bei Ultimate: Der Titel vereint alle bisher veröffentlichten Kämpfer der Serie in einem Spiel, fügt einige neue Recken (die Inklinge aus Splatoon und Ridley aus der Metroid-Reihe sind bereits bestätigt) hinzu, ergänzt neue Items und Arenen, verfeinert das Balancing auf Basis von Fan-Feedback, spendiert allen Charakteren neue Moves und Fähigkeiten und optimiert verschiedene Gameplay-Mechaniken. LAN-Unterstützung, ein Turnier-Modus und die Kompatibilität mit Gamecube-Controllern sind ebenfalls Ehrensache. Was bleibt, ist ein absolut vielversprechendes Gesamtpaket. Eine in der Tat "ultimative" Version, mit der es Nintendo eventuell sogar gelingen könnte, die stark fragmentierte Smash-Community dazu zu bewegen, im großen Stil auf Ultimate zu wechseln, um dort dann endlich ihren wahren Champion zu ermitteln.

Klingt verdächtig nach dem nächsten großen E-Sport-Hit? Das denken mittlerweile auch zahlreiche Analysten. Minami Munakata von Citigroup Global Markets etwa hält es sogar für möglich, dass Nintendo durch eine erhöhte E-Sport-Präsenz von Smash Bros. Ultimate, das Potenzial hätte, Nicht-Spieler und Casual-Spieler im großen Stil als neue Gamer zu gewinnen. Nintendo selbst will solche Aussagen freilich nicht kommentieren, wirkt unterm Strich aber zuversichtlicher denn je, was die eigene E-Sport-Strategie angeht.

Oder um es mit den Worten von Reggie Fils-Aimé in einem kürzlich erfolgten Interview mit ESPN auszudrücken: "Wir glauben, dass es eine Menge Nintendo-Titel gibt, die im kompetitiven Bereich sehr gut abschneiden könnten. Sobald wir dann tatsächlich Erfolge sehen, werden wir weiter investieren. Diese Investitionen werden allerdings anders aussehen als das, was andere Firmen tun. Einiges machen wir vielleicht ausschließlich online, um die Community zu mobilisieren. Zudem werden wir mit verschiedenen Spielen in verschiedenen Regionen experimentieren." Was denkt ihr über Nintendos aufblühende E-Sport-Ambitionen? Sind die Japaner mittlerweile auf dem rechten Weg? Oder ist der Zug doch schon abgefahren? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare.

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