Switch 2: Angeblich auf PS4-Niveau - reicht das?

Kolumne Stefan Wilhelm
Switch 2: Angeblich auf PS4-Niveau - reicht das?
Quelle: PC Games

Die Gerüchteküche brodelt: Die Switch 2 soll so leistungsfähig sein, wie eine PS4 oder PS4 Pro. In seiner Kolumne überlegt Stefan, ob das reichen würde.

Nicht unterschätzen sollte man außerdem die Relevanz des Chip-Herstellers bei der Switch 2. Wenn tatsächlich wieder Nvidia-Hardware im Gehäuse schlummert, dann wird das Gerät sicherlich auch DLSS unterstützen, das der Technik von AMD, die die anderen Konsolen und das Steam Deck benutzen, meistens überlegen ist. Diese und andere Hochskalierungs-Technologien sind aus dem modernen Gaming nicht mehr wegzudenken, denn sie ermöglichen es auch schwächerer Hardware wie unserer hypothetischen Switch 2, höhere Auflösungen und Bildraten zu erreichen, als sie eigentlich schaffen könnte. Current-Gen-Spiele auf dem Steam Deck verlassen sich etwa voll auf Auflösungsskalierung und niedrige Einstellungen, um eine akzeptable Framerate abzuliefern.

Aber - und das ist ein großes "aber": Diese Technologie, zumindest in der Form, in der sie jetzt existiert, ermöglicht keine Wunder. Die ersten großen Unreal-Engine-5-Spiele wie Remnant 2 oder Immortals of Aveum sind zu viel für das Steam Deck, egal, wie weit man sie herunterregelt. Bildraten um die 30 Fps sind zwar möglich, aber dann laufen die Spiele in einer Bildqualität, die schon auf dem kleinen Handheld-Bildschirm gruselig aussieht. Das auf den großen 4K-Fernseher im Wohnzimmer zu werfen, grenzt an Körperverletzung, also ungefähr wie bei Mortal Kombat 1 jetzt auf der Switch.

Ein Remnant-2-Charakter steht einem Monster mit Axt gegenüber. Im Hintergrund brennt eine Stadt. Quelle: Gunfire Games / Gearbox Remnant 2

Unreal 5 unterwegs?

Bei der Unreal Engine 5 kommen außerdem selbst die aktuellen Current-Gen-Konsolen schon an ihre Grenzen. Remnant 2 und Immortals of Aveum laufen dort zwar mit 60 Fps, aber in einer internen Auflösung von nur 720p, bevor skaliert wird. Auf der Xbox Series S läuft Immortals of Aveum intern sogar nur in ca. 436p. Das Endresultat ist immer noch ordentlich, aber es hat sich dadurch auch schon herauskristallisiert, dass dieser neue Grafikstandard ausgesprochen viel Leistung braucht. Oder noch deutlich mehr Optimierung seitens der Entwickler. Und ersteres wird ein Handheld wie die Switch 2 nicht liefern können.

Die neuen Engines und Skalierungstechnologien müssen erst noch unter Beweis stellen, wie viel sie aus schwacher Hardware wie unserer Theorie-Switch 2 herausholen können. Zieht man dann noch hinzu, dass Nintendo vermutlich gerne eine halbwegs vernünftige Akkulaufzeit hätte und keinen 700 Euro teuren Handheld wie das ROG Ally in den Laden stellen wird, werden gleichzeitige Third-Party-Releases auf der Switch 2 für mich eher unwahrscheinlich. Und wenn sie doch passieren, werden sie von riesigen Abstrichen begleitet sein, die auch ein kleines Display nicht kaschieren wird.

Ein Steam Deck, auf dem Starfield gespielt wird. Quelle: ETA Prime Starfield Ein Ass könnte die Switch 2 in dem Fall aber noch in der Hinterhand haben, und zwar in Form der Xbox Series S. Schon jetzt müssen Entwickler ihre Current-Gen-Spiele auf ein Gerät anpassen, das mit deutlich weniger Power arbeiten muss, als seine Kollegen, und wenn das schon einmal getan ist, ist der Weg auf eine vielleicht ähnlich starke Switch 2 gar nicht mehr so weit.

Wenn Nintendo nicht irgendetwas völlig wahnsinniges tut, dann wird das neue Gerät ohnehin wieder weggehen wie warme Semmeln. Das wird viele Entwickler dazu motivieren, unmögliche Ports zu versuchen. Bei allen, die sich nicht schon ein Steam Deck gegönnt haben, werden unzählige Last-Gen-Klassiker auf dem Handheld ihren zweiten Frühling erleben. Nintendo wird weiterhin sein eigenes Ding durchziehen und vor allem Spiele entwickeln, die nicht mit ihrer Grafik, sondern Kreativität, Gamedesign und purem Spaßfaktor punkten. Und für Indie-Games dürfte auch eine Switch 2 wie geschaffen sein.

Oder wir liegen alle völlig falsch und Nintendos neue Konsole wird gar kein Hybrid-Handheld, sondern ein Leistungsmonster so groß wie ein Minikühlschrank, so laut wie ein Staubsauger und mit einem Stromverbrauch von 800 Watt pro Stunde.

Aber seien wir ehrlich: Das wird nicht passieren. Für alle, die nicht nur Nintendo-Spiele zocken wollen, wird die nächste Switch nach ein paar Jahren wahrscheinlich wieder zur Zweitkonsole werden, die gar nicht erst versucht, sich mit anderen aktuellen Geräten zu messen. Wenn ich Nintendo wäre und auf bergeweise Geld sitzen würde, das mir vergleichsweise schwache Geräte wie die Switch und die Wii eingebracht haben, sähe ich allerdings auch keinen großen Anreiz, daran etwas zu ändern.

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