Switch 2: Angeblich auf PS4-Niveau - reicht das?
Kolumne
Die Gerüchteküche brodelt: Die Switch 2 soll so leistungsfähig sein, wie eine PS4 oder PS4 Pro. In seiner Kolumne überlegt Stefan, ob das reichen würde.
Zur Gamescom 2023 gab es wieder neue Gerüchte: Nintendo habe ausgewählten Partnern hinter verschlossenen Türen Spieledemos gezeigt, die ungefähr mit der Hardware-Power gelaufen seien, die die neue Konsole haben soll. Da war von einer aufgemotzten 4K-60Fps-Version von Breath of the Wild die Rede, aber auch, und noch viel interessanter, von The Matrix Awakens. Die spektakuläre Tech-Demo für die Unreal Engine 5 wurde 2021 für PS5 und Xbox Series veröffentlicht und soll bei besagter Präsentation in einer Switch-2-Fassung gezeigt worden sein. Zwar mithilfe von DLSS, also nicht in "echter" Auflösung, aber mit aktiviertem Raytracing und vergleichbaren grafischen Details wie etwa auf PS5. Ob das ominöse Gerät auch schon wie die Switch auf einen Akku angewiesen war, oder der Chip am Netz mit Vollgas laufen durfte, verraten die Quellen nicht. Zudem kann das genauso gut eine Ente sein - die Quellen könnten übertrieben haben oder Nintendo seine Präsentation beschönigt.
Zu guter Letzt wurde kürzlich noch einmal kolportiert, dass der Chip in der Switch 2 Nvidias Tegra T239 sein soll. Dem wird eine theoretische Rechenleistung zugeschrieben, die ungefähr auf dem Niveau einer PS4 Pro oder Xbox Series S ist, in der Realität wegen des Handheld-Formfaktors aber langsamer laufen dürfte. Für die Performance unter realen Bedingungen helfen uns diese Zahlen ohnehin kaum weiter.
Gehen wir also zum besseren Spekulieren einfach mal davon aus, die Switch 2 wäre irgendwo zwischen einer Standard- und einer Pro-PS4. Und weil wir bei der Informationslage sowieso schon Äpfel mit Birnen vergleichen, zählen wir das Steam Deck auch noch ungefähr in diese Leistungskategorie.
Quelle: PC Games Hardware
Steam Deck
Leistungsdruck
Die große Frage ist nun: Reicht das aus? Man nimmt aktuell an, dass Nintendo sein neues Gerät im Herbst des nächsten Jahres veröffentlichen wird, womit wir bereits gut die Hälfte der jetzigen Konsolengeneration hinter uns hätten. Wenn dann 2027 die PS6 und die nächste Xbox in den Regalen stehen, ist unsere hypothetische Switch 2 wieder zwei Generationen hinterher. Wäre es dann noch realistisch für große Entwickler, ihre Spiele auf so alte Hardware zu bringen?
Vielleicht bin ich da die Ausnahme, aber ich habe meine Switch damals nicht nur gekauft, um Nintendo- oder Indie-Games drauf zu zocken. Ich habe sie mir auch in der Hoffnung geholt, ein starkes Third-Party-Lineup auf einem Handheld zu haben, und das habe ich auch bekommen. Nur eben größtenteils in Form von Last-Gen-Ports aus der PS360-Generation, die oft genauso liefen und aussahen, wie auf ihrer ursprünglichen Hardware. Und das Prinzip dürfte sich bei der Switch 2 nicht unbedingt ändern, wenn die Gerüchte stimmen.
PS4 und Xbox One werden langsam, aber sicher von immer mehr Entwicklern ausrangiert. Weil es sich nicht mehr lohnt, neue Engines wie die Unreal 5 darauf zum Laufen zu bringen, weil das Datenstreaming SSD-Geschwindigkeiten erfordert oder weil man Auflösungen und Details nicht unendlich weit herunterdrehen kann, um noch eine stabile Bildrate zu erzielen.
Zurück in die Last Gen
Während große Marken wie Assassin's Creed oder Call of Duty auf absehbare Zeit noch für die Last Gen erscheinen, bedienen Games wie Final Fantasy 7 Rebirth, Dragon's Dogma 2 oder auch das gerade veröffentlichte Starfield nur die Current Gen. Cyberpunk 2077, das ursprünglich noch für PS4 und Xbox One erschien, hat seine Erweiterung und sein 2.0-Update auch nur auf den aktuellen Systemen bekommen. Wäre die Switch 2 also auf Augenhöhe mit einer PS4, dann dürfte der Third-Party-Support abseits einiger aufwändiger Umsetzungen schnell wieder auf Ports von alten Last-Gen-Spielen zurückfallen.
Als stolzer Besitzer eines Steam Decks weiß ich: Das wäre erstmal absolut nichts Schlechtes. Ein Elden Ring, ein Resident Evil 4 Remake oder ein Red Dead Redemption 2 auf einem mobilen Gerät laufen zu sehen, ist ein beeindruckendes Erlebnis. Genauso toll, wie es zu den Anfangszeiten der Switch war, Spiele vom PS360-Kaliber unterwegs nutzen zu können. Sogar Current-Gen-Software wie Cyberpunk 2.0, Ratchet & Clank: Rift Apart oder The Last of Us: Part 1 ist auf dem Deck in einigen Fällen ordentlich spielbar. Wenn man bei der Switch 2 von etwa diesem Leistungsniveau ausgeht und dann noch bedenkt, dass die Spiele auf der Nintendo-Konsole sehr viel besser optimiert sein werden, als auf dem Steam Deck, dann speisen Handheld-Fans auf absehbare Zeit ziemlich gut.
