Teil 2 - Nintendos Zukunft
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Nintendo hat vor Kurzem seinen neuen Präsidenten vorgestellt, der bereits Ende Juni sein Amt antritt: Shuntaro Furukawa. Doch wer ist eigentlich dieser vergleichsweise junge Amtsinhaber und wieso spricht er so gut Englisch? Woher kommt er und was bedeutet seine neue Position für Nintendo als Unternehmen und natürlich auch für die Fans? Das und noch vieles mehr klären wir in unserer ausführlichen Reportage über den 46-jährigen Japaner.
Nintendos Zukunft
Was bedeuten Furukawas Pläne konkret für Nintendo-Fans und -Spieler? Die Sparte der Mobile-Games für Smartphones, Tablets und Konsorten wird weiter ausgebaut. Entsprechende zukünftige Spiele werden wohl eher nicht mehr dem Kaufkonzept von Super Mario Run folgen, dass sich als dankbar für Spieler, aber finanziell wenig profitabel herausgestellt hat, sondern eher auf das in der Branche übliche Free2Play-Konzept setzen. Bei Pokémon Go, aber auch Fire Emblem Heroes und Animal Crossing: Pocket Camp kommt dieses Bezahlmodell zum Einsatz und sorgt dort für stetige gute Einnahmen. Eventuell könnte außerdem die Preisgestaltung der In-App-Käufe beziehungsweise deren Notwendigkeit in Zukunft etwas aggressiver gestaltet werden, um höhere Umsätze in diesem Bereich zu erzielen.
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Auch um das Schlagwort "games as a service" kommt Nintendo nicht herum und so lässt es Furukawa auch nicht aus. Besonders auf der Switch konnte Nintendo in letzter Zeit mit Titeln wie Splatoon 2 schon einige Erfahrung in diesem Bereich sammeln und enorme Erfolge erzielen. Es ist davon auszugehen, dass diese Strategie unter Furukawa noch stringenter verfolgt wird. Ganz entsprechend seiner Aussage, Nintendo zwischen seinen beiden Traditionen (Originalität und Flexibilität) zu verankern, solltet ihr euch aber keine allzu großen Sorgen machen. Nintendo bleibt Nintendo, das weiß auch Furukawa und das möchte er auch so beibehalten. Es ist daher davon auszugehen, dass Nintendo sich in einigen Punkten in Zukunft eher dem Mainstream annähern wird, dabei aber seine Wurzeln nicht vergisst. Das heißt konkret: Lootboxen-Abzocke, DLC-Wahnsinn, überzogene Preise oder das Versperren wichtiger Spielinhalte hinter Bezahlschranken sollte für Nintendo-Spieler auch weiterhin nicht zum Problem werden.
Quelle: Nintendo
Bekanntes Gesicht aus jüngeren Direct-Episoden: Yoshiaki Koizumi wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Nintendo-Führung spielen.
Hinsichtlich der modernen Gesamtstrategie Nintendos bedeutet Furukawas Präsidentschaft, dass die Nintendo-eigenen Marken abseits des klassischen Konsolensegments mit Filmen, Freizeitparks und eben den bereits erwähnten Mobile-Games weiter ausgebaut werden. Shuntaro Furukawa ist der erste Nintendo-Präsident, der sein Amt während einer erfolgreichen Phase antritt: Macht er seinen Job gut, wird er den Erfolg noch weiter vorantreiben und ausbauen. Der Ausbau des Mobilspiel-Bereichs bezieht sich dabei nicht nur auf eigene Titel und Marken, sondern abgesehen davon auch auf vermehrte Investitionen abseits der Nintendo-Welt. Die Beteiligung am Entwicklerstudio Cygames und deren RPG-Mobiltitel Dragalia Lost zeigt auf, in welche Richtung die Entwicklung geht. Nintendo wird mit seinen Kernmarken in Zukunft daher wohl etwas lockerer umgehen als bisher. Vor allem aber wird Big N zunehmend in Spiele und Projekte abseits der eigenen investierten und sich daher vermehrt an fremden Entwicklern und Herstellern sowie deren Produkten beteiligen. Das wird der durchschnittliche Nintendo-Spieler wohl kaum mitbekommen (da das abseits der Nintendo-eigenen Plattformen geschieht), für das Unternehmen Nintendo aber wird diese Strategie idealerweise sehr lukrativ sein.
Ausgesprochenes Vertrauen
Doch was sagen andere eigentlich über den baldigen Präsidenten? Atul Goyal, Analyst bei Jefferies Group, hat folgende warmen Worte für ihn übrig: "Furukawa scheint viel nachzudenken und besitzt viel Wissen, er ist gut informiert. Er spricht fließend Englisch. Er könnte der perfekte Mann sein, um in Zukunft besser zwischen Nintendo und Investoren zu vermitteln." Bei einer Konferenz beschrieb der scheidende Präsident Kimishima seinen Nachfolger als jemanden, der unter den Mitarbeitern sehr gut einen Konsens schaffen kann und sich weniger auf einzelne "Genies" fokussiert, sondern eher das gesamte Team in den Fokus rückt. Ganz anders also, als es Nintendo bisher getan hat, beispielsweise mit Shigeru Miyamoto. Ein weiterer Analyst sagte über Furukawa gegenüber dem Wall Street Journal: "Ich muss mit ihm viel über Zahlen sprechen, aber schon sehr oft ist es am Ende darauf hinausgelaufen, dass wir eigentlich die ganze Zeit nur über Spiele geredet haben." Dieser Punkt ist wichtig, denn man darf nicht vergessen: Zwar ist Furukawa im Bereich Finanzen und Marketing verankert und hat mit der eigentlichen Spielentwicklung nicht wirklich etwas zu tun. Ein leidenschaftlicher Spieler ist er aber dennoch, schon seit den 1980er-Jahren, als er mit dem NES und den bekannten Nintendo-Marken groß wurde.
Quelle: Nintendo
Shuntaro Furukawa ist der erste Nintendo-Präsident, der in seiner Kindheit selbst schon mit Nintendo-Heimkonsolen aufgewachsen ist.
Kimishima berichtet außerdem über den baldigen Präsidenten: "Er hat klare und verständliche Positionen, er versteht die Nintendo-Sichtweise und er kann das in eigenen Worten formulieren." Außerdem sieht Kimishima eine große Stärke Furukawas darin, dass er lange im Ausland gearbeitet hat und dabei viel Erfahrung sammeln konnte. Das ist deshalb sehr wichtig, weil immerhin über die Hälfte der weltweit rund 5.500 Nintendo-Mitarbeiter nicht in Japan arbeitet und der direkte Draht zu den Mitarbeitern fern Nintendos Heimatland extrem wichtig ist. Für Fans könnte das außerdem bedeuten, dass Nintendo-Direct-Präsentationen in Zukunft (zumindest gelegentlich) von Furukawa gehalten werden. Ob daraus wirklich Realität wird, kann aber erst die Zukunft zeigen.
Gute Aussichten?
Natürlich bedeutet der Amtsantritt Shuntaro Furukawas am 28. Juni nicht, dass sich auf einen Schlag alles ändert, was Nintendo ausmacht. Im Gegenteil: Furukawa wird die Nintendo-Essenz bewahren, aber wichtige und notwendige Änderungen vorantreiben. Ohnehin befindet sich das japanische Unternehmen ja schon seit einigen Jahren in einer längerfristigen Umbruchphase, die Furukawa bereits spätestens seit 2015 tatkräftig mitgestaltet. Wie Kimishima selbst sagt, ist nun die Zeit gekommen, die Verantwortung in neue Hände zu geben, um den Umbruch und die (teilweise) Neuausrichtung weiter voranzutreiben. Auch wenn in diesem Zug Nintendos Führungsriege deutlich verjüngt wird und beispielsweise Yoshiaki Koizumi, Producer von Super Mario Odyssey und maßgeblich an der Entwicklung der Switch beteiligt, noch mehr Verantwortung im Unternehmen erhält, so bleiben doch auch einige der Urgesteine wie Shigeru Miyamoto wie erwähnt in wichtigen Positionen erhalten.
Quelle: Nintendo
Von 2012 bis 2015 war Furukawa repräsentativer Director bei The Pokémon Company und konnte dort viel Marketing-Erfahrung sammeln.
Ein sich stetig und teilweise rasant verändernder Markt, der die Videospielbranche nun mal ist, bedarf von den darin agierenden Unternehmen immer wieder die Anpassung an neue Begebenheiten, davor ist auch Nintendo als japanisch traditionelles und oftmals konservatives Unternehmen nicht gefeit. Shuntaro Furukawa und die anderen aufsteigenden Nintendo-Mitarbeiter sind neben der schon andauernden Umstrukturierung die Antwort auf diese Gegebenheiten. So passt Furukawa als oberster Chef besonders gut, denn er bringt die heutzutage unabdingbare Marketing- und Finanz-Erfahrung mit, die Nintendo dringend benötigt. Außerdem agiert er schon sein halbes Leben sicher auf internationalem Parkett, ist aber trotz allem auch ein echter Spieler. Das bedeutet einen Vorteil für gleich drei Personengruppen: Investoren, die sich an einen Nintendo-Präsidenten wenden können, der Ahnung von Finanzen hat. Mitarbeiter, die sich zwar in Entwicklungsfragen nicht an Furukawa wenden können, der aber ein leidenschaftlicher Spieler ist und daher großes Verständnis für Spiele hat. Und auch Fans profitieren von Furukawa: Immerhin bringt der 46-Jährige alles mit, um Nintendo auf Erfolgskurs zu halten - und das bedeutet nicht nur ein erfolgreiches Unternehmen, sondern für Spieler und Fans weiterhin tolle Konsolen und Spiele.
