Abgesagte Nintendo-Schätze: Diese Titel werdet ihr niemals spielen können, Seite 2
Special
Man glaubt manchmal, bei Entwicklungen aus dem Hause Nintendo geht fast niemals etwas schief. Aber nicht erst seit dem Metroid-Prime-4-Debakel wissen wir: Das stimmt so nicht ganz. Wir graben vergessen geglaubte Spiele für unterschiedliche Nintendo-Konsolen aus, die nie das Licht der Welt erblickt haben!
Weiter geht es mit unserem großen Special zu den Nintendo-Titeln, die trotz teilweise großem Potenzial niemals das Licht der Welt erblickt haben.
In diesem Artikel
Das nächste Spiel dürfte beinharten Rare-Fans ein Begriff sein - und wer hätte es gedacht, sogar Knutschkugel Kirby ist mit einem gecancelten Spiel vertreten!
Dream: Land of Giants
Lange war Dream nur ein Gerücht, mehr Legende als Spiel. Bis Rare selbst die Pforten zu ihren Entwicklerverliesen öffnete und die Allgemeinheit einen Blick in die Vergangenheit auf ihrem Youtube-Kanal werfen ließ! Entwickler aus dem Team von Donkey Kong Country werkelten Mitte der 90er Jahre an einem ambitionierten RPG für das SNES, das auf die gleichen vorgerenderten Modelle und Umgebungen setzte wie das Affen-Hüpfspiel. Allerdings zwang die benötigte Rechenkraft die SNES-Hardware in die Knie, sodass das Projekt auf das N64 übertragen wurde. Auf dieser Plattform entschied man sich dazu, stattdessen 3D-Umgebungen zu programmieren, doch auch das war angesichts der massiven Größe der Areale zu viel für die Konsole; die Framerate machte nicht mit.
Als Rollenspiel mit Open World war Dream also zu riesig, deshalb wechselte Rare erneut die Richtung und entschied sich, das Projekt als 3D-Platformer umzusetzen. Im Laufe der Entwicklungszeit änderte sich auch die Thematik; war anfangs noch ein Märchen-Setting angedacht, mutierte dieses beim Wechsel auf das N64 zum Piraten-Setting. Schlussendlich war man auch mit dem Helden Edison nicht mehr zufrieden, einem rothaarigen Jungen. Er erschien dem Team zu langweilig, weshalb man mit anderen Protagonisten experimentierte. Dabei griff man zunächst auf die Tierbewohner der Spielwelt zurück. Und was stand da so zur Auswahl? Zum Beispiel ein Bär ... jetzt wisst ihr sicher, was aus den Resten von Dream wurde - nichts geringeres als Banjo-Kazooie!
Viele Aspekte des Originals überlebten die Transformation jedoch nicht, zum Beispiel der Hundebegleiter von Held Edison, der von sich aus die Gegend erkundete, ein ominöser Saurier, dem der Spieler aus dem Weg gehen musste und Kämpfe mit dem Holzschwert. Als Komponist zeichnete für Dream auch Kirkhope verantwortlich, der für viele Rare-Games Melodien schrieb. Einige der ungenutzen Musikstücke wurden später in anderen Spielen wiederverwendet. So musste Dream zwar nur ein Traum bleiben, aber was sich daraus entwickelt hat, ist keinesfalls zu verachten!
Kid Kirby
Retro-Interessierte wissen es vermutlich: Für das SNES gab es eine Maus als optionale Hardware zur Steuerung, zum Einsatz kam diese zum Beispiel bei Mario Paint. Als das Studio DMA Designs an einem Projekt mit dem Arbeitstitel Jellys werkelte, zeigte sich Nintendo interessiert. Mit der Maus konnte man die Spielfigur ziehen und so durch die Gegend katapultieren. Die Japaner konnten sich gut vorstellen, mit dem Spielprinzip Spieler von der SNES-Maus zu überzeugen, aber es fehlte die zugkräftige Marke. So bot Nintendo DMA Designs Kirby als Protagonist an, der aber in Kid Kirby jünger sein sollte als in den restlichen Spielen und eine freche Haarlocke auf dem Kopf trug.
Eingestellt wurde Kid Kirby dennoch, einserseits, weil die Maus so wenig verbreitet blieb, dass man auch durch den Einsatz von Knutschkugel Kirby keine besondere Steigerung der Verkaufszahlen erwartete, zum anderen war das Spiel anscheinend einfach nicht unterhaltsam genug, so jedenfalls ein ehemaliger Entwickler. Man hätte Kid Kirby sogar mit dem normalen Controller erleben können, aber das fühlte sich angeblich nicht gut an. Von der Existenz des Spiels erfuhr die Welt das erste Mal 1995 in einem mexikanischen Artikel und aus einer nur an Händler ausgelieferten Broschüre mit kommenden Nintendo-Spielen. Der bereits erwähnte ehemalige DMA-Designs-Entwickler lud dann Jahre später selbst Screenshots aus dem Titel ins Netz.
64 Wars
Erinnert sich noch jemand an Advance Wars? Hoffentlich, denn die Rundentaktikserie gehört zu den besten Titeln des Genres! Ende der 90er Jahre hatten die Spiele Erfolg, nicht nur in Japan, sondern auch in den USA und in Europa. Da lag es nahe, einen Titel der Reihe für das N64 zu konzipieren. Übertragen wurde diese Aufgabe von Nintendo an Hudson, obwohl die Rechte eigentlich bei Intelligent Systems lagen. Inhaltlich war 64 Wars nahe an den anderen Titeln der Reihe; in rundenbasierten Kämpfen schickt man unterschiedliche Einheiten aufs Schlachtfeld und versucht dabei, einen taktischen Vorteil zu erringen.
Spielbar war das Projekt zu keinem Zeitpunkt, allerdings gab es Spielszenen auf der damals noch stattfindenden Messe Nintendo Space World von 1999 zu sehen. Geplant waren für den Titel unter anderem Editor und das Zusammenspiel per Adapter mit der Game-Boy-Fassung, ähnlich wie bei Pokémon Stadium. Code-Reste von diesem Feature sind auf der Cartridge der portablen Fassung zu finden. Wieso 64 Wars dann doch nie auf den Markt kam, wird wohl das Geheimnis von Nintendo und Hudson bleiben. Leider!
Metaforce/Action Adventure
Quelle: Nintendo
Metroid Prime (GC)
Der Name Action Adventure war lange der bekannte Platzhalter, wie das Spiel wirklich einmal hätte heißen sollen - Metaforce - , erfuhr die Öffentlichkeit erst 2018 von einem ehemaligen Mitarbeiter! Interessant ist der Titel vor allem wegen des Studios, das dahinter steckt. Retro ist aus der aktuellen Nintendo-Ära kaum wegzudenken, dank ihrer Arbeit an Donkey Kong Country Returns oder an Metroid Prime. Die Beziehungen zu den Japanern waren jedoch nicht immer so gut, wie die Geschichte von Metaforce beweist. Das Projekt gehörte zu den vier Spielen, mit denen Nintendo die Entwickler beauftragte. Sie sollten den Gamecube, damals noch unter dem Codenamen Dolphin bekannt, mit verkaufsfördernder Software bestücken. Anfang 2000 besuchten unter anderem Iwata und Miyamoto das texanische Studio, um sich einen Überblick über deren Fortschritt zu verschaffen.
Alle vier Titel (ein Action-Rennspiel, ein Sportspiel, ein Rollenspiel und das "Action-Adventure" mit Sci-Fi-Setting) fielen nach einer Präsentation der Design-Dokumente bei den Besuchern durch, wobei Metaforce noch das meiste Potential hatte: weibliche, gepanzerte Hauptfiguren, Sci-Fi-Setting, Kämpfe gegen Aliens ... Dennoch kam Nintendo zum Schluss, dass vier Titel zu viel waren für Retro Studios und ließen die Arbeiten am Spielequartett stoppen. Ihr vermutet sicher schon, worauf das hinausläuft - statt den vier Spielen widmeten sich die Retro Studios einem einzigen Spiel, und das war Metroid Prime. Da es von Metaforce allerdings wohl nicht einmal einen spielbaren Prototypen gab, basiert nur ein geringer Teil von Metroid auf dem geistigen Vorgänger. Nichtsdestotrotz dürften viele Spieler heute froh sein, dass Nintendo die Reißleine zog, um so Metroid Prime zu ermöglichen!
Winter
Die besten Zeiten des Survival-Horror sind schon seit vielen Jahren vergangen, 2007 befand sich selbst Resident Evil in einer actiongeladenen Sinnkrise. Zurück zu den Wurzeln der einst so beliebten Sparte wollte Entwickler n-Space mit Winter auf der Wii. Darin wird eine kleine Stadt im mittleren Westen der USA von einem Schneesturm von der Außenwelt abgeschnitten, Protagonistin Mia verliert auch noch das Gedächtnis und wacht in der Notaufnahme auf. Fortan muss sie herausfinden, wieso sie unter Amnesie leidet und die extremen Temperaturen überstehen - außerdem lauert etwas unter den Schneewehen, denn sonst wäre es ja nur Survival, und nicht Survival-Horror. Im Spielverlauf gilt es unter anderem, Wärmequellen für Mia zu finden, um ihren Tod durch Unterkühlung zu verhindern.
Zielgruppe für Winter waren nicht unbedingt die Hardcore-Zocker, sondern, wie so oft bei der Konsole, die Casual-Spieler. Mit der Wiimote sollte Mia nach Objekten greifen und sie einsetzen. Mit einem kleinen Team stellte n-Space eine spielbare Demo bereit, die jedoch trotz hoher Qualität keinen Publisher davon überzeugte, das Risiko einzugehen, Winter in das Portfolio aufzunehmen. Zum einen war man skeptisch, was Genre und Zielgruppe der Wii betraf, zum anderen, weil hinter Winter kein zugkräftiges Franchise wie Silent Hill oder Resident Evil stand. So sind der Trailer, nach wie vor im Netz zu finden, und die Eindrücke der Demo die einzigen Zeitzeugnisse dieses vielversprechenden Spiels.
Kennt ihr noch weitere gecancelte Nintendo- oder sonstige Spiele, die ihr zu gerne selbst gespielt hättet? Verratet es uns in den Kommentaren!