New World: Amazon hätte lieber in Server statt in Raketen investieren sollen

Kolumne Daniel Link
New World: Amazon hätte lieber in Server statt in Raketen investieren sollen
Quelle: Amazon Games

Das neue MMORPG New World von Amazon Game Studios hielt vor kurzem eine Beta-Phase ab. Spieler hatten zwar Spaß mit dem Spiel, äußerten jedoch auch viel Kritik über instabile Server, schlechte Animationen und teils mangelhaftes Gameplay. Hätte Amazon Game Studios bereits ein wesentlich besseres Spiel abliefern können, wollten es nur nicht? Vielleicht!

Die letzte Beta-Phase zum neuen MMORPG von Amazon Game Studios, New World, ist nun seit einiger Zeit vorbei und auch viele bekannte Internet-Persönlichkeiten haben ihre Meinung zum Spiel abgegeben. Spieler wie Asmongold, Josh Strife Hayes, Fextralife, aber auch viele Nutzer in Foren und auf Social-Media sind sich relativ einig, dass es sich bei New World um ein recht solides Spiel handelt. Es fühle sich jedoch nicht so an, als wäre es von einer so erfolgreichen Firma wie Amazon produziert worden.

Diese Aussage basiert auf verschiedenen Faktoren. So gab es in der Beta noch zahlreiche Bugs, Glitches, und schlecht aussehende oder schlichtweg nicht vorhandene Animationen. Ebenfalls waren die Server des Titels eine reine Katastrophe und Nutzer wurden des Öfteren aus dem Spiel geworfen oder konnten sich gar nicht erst einloggen. Zusätzlich sind die meisten Systeme im Spiel zwar funktionell, jedoch einfach nicht "gut genug" dafür, über welche finanziellen Ressourcen Amazon verfügt. Laut Josh Strife Hayes macht das Spiel beispielsweise nicht eine einzelne Sache besser als andere Titel, welche derzeit erhältlich sind.

Amazon Game Studios haben das Veröffentlichungsdatum von New World (jetzt kaufen ) mittlerweile um etwa einen Monat nach hinten verschoben, um auf das Feedback der Community einzugehen und das Spiel im bestmöglichen Zustand herauszubringen. Wir wollen uns jedoch mit der Frage beschäftigen, ob Amazon Game Studios bereits zu dieser Beta-Phase ein wesentlich solideres Spiel auf die Beine hätte stellen können.

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Hätte Amazon Game Studios mehr schaffen können?

Der Sinn eines Beta-Tests besteht in den meisten Fällen darin, Bugs, Glitches, und weitere technische Fehler zu finden, sodass diese vor dem richtigen Release entfernt werden können. Hier hat die Beta-Phase ihren Zweck also definitiv erfüllt. Die meisten Spieler erhielten jedoch nur Zugriff auf die Beta, wenn sie den Titel für etwa 40 Euro vorbestellten. Dadurch erhält das Ganze natürlich einen etwas faden Beigeschmack. Auf Social Media-Plattformen scherzen bereits zahlreiche Nutzer, die Amazon-Mitarbeiter wären zu sehr damit beschäftigt, in Flaschen zu urinieren und unter den grauenhaften Arbeitsbedingungen der Warenhäuser zu leiden, wodurch diese das Spiel nicht selbst testen konnten.

Schlechte oder gänzlich fehlende Animationen und dergleichen sind für ein so finanzstarkes Entwicklerstudio wie Amazon Game Studios natürlich peinlich. Doch wie viel Erfahrung hat das Team tatsächlich in der Entwicklung von Videospielen? Das geplante Herr-der-Ringe-MMO? Abgesagt. Der Shooter Crucible? Ein absoluter Flop und mittlerweile eingestellt. Das MOBA Breakaway? Auf Eis gelegt. Bisher kann das Entwicklerstudio also nur auf seine Arbeit an Airport Mania: First Flight und den Nachfolger zurückblicken, wenn es um gelungenes Game Design geht. Das wird ihnen bei der Entwicklung von New World jedoch nicht allzu sehr geholfen haben. Das neue MMORPG ist also fast ein Debüt-Titel - und definitiv das größte Spiel - des Studios, wodurch es ein wenig verständlicher ist, dass Dinge wie schlechte Animationen in die Beta gelangten.

Die Server, immer sind es die Server!

Doch für Amazon Game Studios war die neue Beta-Phase gleichzeitig auch eine Art Stresstest für ihre Server, da es für die Firma wohl schwer abzusehen war, wie viele Spieler tatsächlich Interesse an ihrem Titel haben. New World wird zwar bereits seit 5 Jahren von Amazon beworben, doch am Titel hat sich in dieser Zeit einiges geändert. Ursprünglich sollte New World nämlich ein Hardcore-Full-Loot-PvP-MMO werden. Das bedeutet: Wenn ihr einen Spieler in der offenen Welt tötet, könnt ihr seine gesamte Ausrüstung einstecken. In der dazugehörigen Alpha im Jahre 2019 erhielten die Entwickler jedoch eine Menge Feedback von Spielern, welchen dieses System überhaupt nicht gefiel. Der Gedanke mag zwar ganz nett sein, doch den meisten Spielern macht das tatsächliche Spielen eines solchen Titels leider ziemlich wenig Spaß.

Die Entwickler beschlossen also, eine neue Richtung für ihr MMO einzuschlagen. Sie entfernten den Full-Loot-Aspekt, entwarfen ein paar PvE-Elemente und bauten sogar eine Handlung ein. Amazon Game Studios erhoffte sich von diesen Änderungen zwar definitiv ein erhöhtes Interesse, doch mit der gewaltigen Anzahl an Spielern, welche den Titel zur letzten Beta-Phase ausprobierten, hatten sie wohl trotzdem nicht gerechnet. Einen nicht allzu kleinen Beitrag zu der beeindruckenden Zahl von über 200.000 Spielern lieferten auch die verschiedenen Twitch-Streamer und Content-Creators, welche ihre Zuschauer erst auf den Titel aufmerksam machten.

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Zahlreiche Spiele - vor allem MMORPGs - werden zur Veröffentlichung von Server-Problemen geplagt. Hier kann man sich natürlich fragen, ob Entwickler aus den diversen anderen schlechten Launches von anderem Titeln nicht gelernt haben, doch höchstwahrscheinlich wissen Entwicklerstudios über die Situation gut Bescheid. Es ist nämlich gar nicht so einfach, die Server-Kapazitäten zu erhöhen. Dies hat etwa der Arena-Shooter Splitgate gezeigt, dessen Entwickler die Kapazitäten nicht schnell genug erhöhen konnten, um mit dem Ansturm an Spielern mitzuhalten.

Die Entwickler des Shooters haben tatsächlich ein kleines Video auf TikTok veröffentlicht, in welchem sie erklären, wieso sie nicht einfach "mehr Server kaufen können". Es gehöre wesentlich mehr dazu, als einfach ein paar neue Server aufzustellen, um Wartezeiten und dergleichen zu bekämpfen. Die gesamte Infrastruktur müsse hierfür verbessert werden.

Vor allem MMORPGs können die massive Anzahl an Spielern, welche sie zur Veröffentlichung normalerweise vorweisen, zudem oft nicht halten. Selbst MMO-Giganten wie World of Warcraft rennen die Spieler wenige Monate nach Veröffentlichung einer neuen Erweiterung geradezu davon. Viele Entwicklerstudios sehen daher die Investition in größere Server als nicht sinnvoll an, da innerhalb weniger Monate die Spielerschaft deutlich geschrumpft sein wird. Stattdessen setzten sie lieber auf Notfall-Lösungen, mit welchen der Ansturm an Spielern gehandhabt werden soll. Dies ist zwar frustrierend für Spieler, welche in Warteschlangen sitzen müssen oder im Spiel von den Servern getrennt werden, doch auf lange Sicht ist dies definitiv eine bessere Investition für Entwicklerstudios. Vor allem, wenn sich diese nicht sicher sein können, wie erfolgreich ihr Titel schlussendlich wird.

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Die Entwickler von Final Fantasy 14 haben sich trotzdem kürzlich dazu entschlossen, ihr Servernetz deutlich zu erweitern. Diese haben jedoch auch die zahlreichen neuen Spieler gesehen, welche den Titel in den letzten Wochen und Monaten ausprobieren wollten, und auch die Vorbestellungen für die neue Erweiterung Endwalker sind um einiges höher als bei der letzten Erweiterung Shadowbringers.

Bei Amazon Game Studios ist das Ganze natürlich insofern lustig mitanzusehen, da Amazon mit Amazon Web Services verschiedene Dienstleistungen anbietet, die Serverprobleme fast unmöglich machten sollten. Die Amazon Web Services bieten zwar keine direkten Server an, sondern vermieten eher Cloud-Computing-Produkte. Die Firma besitzt jedoch ganz klar das technische Wissen, eine starke Infrastruktur zu erstellen. Wieso sie also für die Beta zu New World keine stärkere Infrastruktur zusammenstellen konnten, ist fraglich.

Führt Geld automatisch zum Erfolg?

Zusätzlich gibt es noch den Punkt, dass sich das Spiel einfach nicht nach einem Titel anfühlt, welcher von einer so erfolgreichen Firma, wie Amazon es ist, entwickelt wurde. Doch sichert eine große Menge Geld auch automatisch die Qualität eines Titels? Amazon Game Studios fehlt es definitiv nicht an Talent. Mit Double Helix Games kauften sie beispielsweise im Jahr 2014 ein komplettes Entwicklerstudio und auch andere prominente Vertreter der Branche gehören mittlerweile zum Team. Mit dabei sind unter anderem Entwickler, welche vorher an Titeln wie Far Cry und Portal gearbeitet haben. Doch nur, weil ein paar bekannte Namen beteiligt sind, bedeutet dies noch lange nicht, dass ein Spiel garantierter Erfolg wird.

Google hat sich für die Cloud-Gaming-Plattform Google Stadia unter anderem die Dienste von Shannon Studstill gesichert, die Executive Producer bei God of War aus dem Jahr 2018 war. Wie wir mittlerweile alle wissen, wurde Google Stadia bisher nicht zu einer Erfolgsgeschichte für die Firma.

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Auch in anderen Bereichen wird uns immer wieder klargemacht, dass bekannte Namen nicht für garantierten Erfolg sorgen. In der kompetitiven League-of-Legends-Szene gibt es beispielsweise immer wieder "Super-Teams", welche aus einigen für ihr Talent bekannten Spielern bestehen. Kein einziges dieser Teams konnte bisher jedoch beeindruckende Resultate vorweisen, weswegen sie schlussendlich wieder ausgetauscht wurden. Es gibt neben talentierten Mitarbeitern also wohl noch weitere für einen Erfolg wichtige Faktoren, wie ein gutes Arbeitsklima, eine funktionierende Team-Dynamik und mehr. Die Firma Amazon ist nicht dafür bekannt, ihre Mitarbeiter gut zu behandeln. Ob dies bei Amazon Game Studios genauso ist, sei jedoch dahingestellt.

Wieso sollte man den Titel überhaupt spielen?

Viele Spieler kritisieren zudem, dass New World einfach nichts Besonderes ist. Zwar sind die meisten Mechaniken recht robust, doch wieso sollte man nicht einfach eines der anderen MMORPGs wie Guild Wars 2, Runescape, oder Final Fantasy 14 spielen, wenn es an New World nichts Herausragendes gibt?

An sich gibt es in New World nicht viel zu tun. Ein bisschen Materialien sammeln, ein bisschen PvE-Inhalte spielen und sich natürlich in PvP-Schlachten gegen andere Spieler messen. An und für sich sind dies dieselben Inhalte, welche so gut wie jedes andere MMO auf dem Markt bietet. In Sachen Innovation stagnieren MMORPGs generell. Innovation ist eine begrenzte Ressource, behauptet zumindest Jonathan Huebner in einem Interview mit Ashlee Vance und in einem Artikel. Eines Tages ginge es zu Ende mit neuen, aufregenden Ideen. Schließlich könne ja nicht jeder Nintendo sein.

Ebenfalls bedeutet eine Menge Geld zu besitzen nicht automatisch, dass neue aufregende Ideen wie aus dem Nichts herbeigeflogen kommen. Nikola Tesla, einer der größten Erfinder der Geschichte, war keineswegs ein reicher Mann. Aufgrund zahlreicher unbezahlte Rechnungen - und wegen seiner Obsession für Tauben - wurde er sogar aus seiner Unterkunft geworfen. Personen wie Thomas Edison hingegen besaßen zwar selbst keinen großartigen Erfindergeist, konnte jedoch passende Mitarbeiter einstellen, um dies auszugleichen. Auch Alexander Graham Bell, welchem die Erfindung und Patentierung des ersten Telefons zugeschrieben wird, hatte lediglich "Glück" mit seinem Antrag auf ein Patent. Diese Persönlichkeiten waren natürlich sehr erfolgreich und ihnen werden einige bedeutende Meilensteine zugeschrieben, doch sie waren sehr auf die Hilfe anderer, talentierter Mitarbeiter angewiesen, und die muss man erst mal finden.

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Gleichzeitig bringt es auch nichts, seinen Mitarbeitern einfach eine riesige Menge an Geld zu bezahlen, wie die Psychologen Daniel Kahnemann und Amos Tversky in ihrer neuen Erwartungstheorie erklären. Neben dem Aufzeigen einiger kognitiver Dissonanzen, welchen wir alle im Alltag unterliegen, behauptet diese, dass es abnehmende Erträge - oder Diminishing Returns, für alle MMO-Spieler unter euch - bei der Vergütung von Mitarbeitern gibt. Eine Menge Geld sorgt also weder automatisch für Innovation, noch für übermotivierte Arbeitskräfte. Hier spielen wesentlich mehr Faktoren zusammen als nur die immense finanzielle Unterstützung von Amazon.

Was denkt die Spielerschaft über New World?

Doch was hält der Großteil der Spielerschaft eigentlich von New World? Im Subreddit zum MMO zeigen sich die vielen Nutzer begeistert. Einige von ihnen könnten gar keine anderen Spiele mehr spielen, da im Vergleich mit New World alles nur noch langweilig wirke. Man darf jedoch nicht vergessen, dass Social-Media-Plattformen wie Reddit oft zu wahren Echokammern werden. So hat ein Beitrag eines Nutzers, welcher der Seite PCGamer vorwirft, New World absichtlich "in den Dreck zu ziehen", zahlreiche positive Bewertungen und Reddit-Auszeichnungen erhalten, da sie in den Titel nicht so verliebt sind, wie es diese Spielerblase offenbar verlangt.

Mitarbeiter des Magazins verfassten drei Artikel, welche nicht nur positiv ausfielen, jedoch auch nicht furchtbar negativ. In einem der Artikel schreibt der Autor beispielsweise, dass er fast verzweifelt ist auf seiner selbstauferlegten Quest, Munition für seine Muskete herzustellen. Das Ganze ist eher ein Tagebuch-Eintrag denn eine tatsächliche Bewertung des Spiels und soll interessierten Lesern lediglich aufzeigen, wie der Autor seine Zeit in dem Spiel verbracht hat. Auch wurden von den Reddit-Usern Technik-Seiten kritisiert, da diese behaupteten, New World könne einige Grafikkarten zum Überhitzen bringen.

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Eine so engagierte Fanbase, welche ihren Titel bis aufs Letzte verteidigt, zeugt davon, dass ihr das Spiel wirklich, wirklich Spaß macht. Und das ist doch eigentlich alles, was zählt. Es ist sicherlich von Vorteil, wenn ein neuer Titel eine Art "Markenzeichen" besitzt. Möchtest du spaßiges PvP? Spiel Guild Wars 2. Möchtest du cool aussehenden Combat? Black Desert Online ist der Titel für dich. Möchtest du eine ziemlich furchtbare Firma unterstützen? Da Cyberpunk 2077 kein MMORPG ist, müssen wir hier wohl World of Warcraft empfehlen.

Durch so ein Erkennungsmerkmal können Spiele definitiv an Langlebigkeit gewinnen, doch ist das wirklich wichtig, wenn New World auch so einfach Spaß macht? Vielleicht! Vielleicht aber auch nicht. Dies werden wir wohl erst erfahren, wenn wir die Spielerzahlen von New World etwa ein Jahr nach dessen Veröffentlichung kennen und somit seine Langlebigkeit abschätzen können.

Abschließend ist wohl zu sagen, dass die Beta von New World definitiv ein paar Schwachstellen hatte und die Verschiebung des Veröffentlichungsdatums vermutlich die richtige Entscheidung seitens Amazon Game Studios war. Das Wichtigste haben sie mit dem Titel aber erreicht: Spieler, welche Sandbox-MMOs mit Fokus auf PvP mögen, hatten eine Menge Spaß in der Beta-Phase und können die Veröffentlichung gar nicht abwarten. Andere Spieler hingegen, wie PC-Games-Redakteur David Benke, konnten dem Titel bisher nichts abgewinnen.

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Ob Amazon Game Studio die zahlreichen Probleme bis zum Release von New World beheben und die diversen Skeptiker von sich überzeugen kann, werden wir wohl erst zum 28. September erfahren, wenn der Titel hoffentlich endlich veröffentlicht wird. Um es mit den unsterblichen Worten von Jay Livingston und Ray Evans zu sagen: "Que Sera, Sera".

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