Netflix, was soll das? Erzählt eure Geschichten gefälligst zu Ende!

Kolumne Vivien Ziermann
Netflix, was soll das? Erzählt eure Geschichten gefälligst zu Ende!
Quelle: Netflix

Der Frust über Netflix-Original-Serien wird immer größer, weil Netflix bei seinen Eigenproduktionen immer wieder denselben Fehler macht.

Nicht Mainstream genug? Mehr Mut zur Andersartigkeit!

Egal ob Kaos, Santa Clarita Diet, Inside Job oder 1899, die meisten Netflix-Original-Serien, die für mich besonders positiv herausgestochen sind, haben eines gemeinsam: Sie sind nicht das, was im Allgemeinen zu den beliebtesten Serienformaten gehört. Sie sind zu skurril, der Humor ist zu dunkel, die Handlung zu abgedreht - sie sind einfach zu anders. Doch genau das macht diese Serien so großartig!

Ich möchte keinen immer wiederkehrenden Einheitsbrei, bei dem in der x-ten Romcom oder in einem romantischen Drama mit einem Setting der Wahl die Hauptperson vielleicht oder vielleicht auch nicht ihre große Liebe findet, bei der wir doch alle wissen, wie es laufen wird. Verlieben, verletzen, verzeihen, ein paar unwichtige Nebenereignisse zwischendurch und am Ende finden sie doch wieder zusammen und leben glücklich bis an ihr Lebensende. So weit, so bekannt. Ich brauche auch keine weitere Krimiserie, bei der ich teilweise schon ab Folge 1 weiß, wer am Ende der Mörder ist.

Nein, ich möchte etwas Neues, etwas Anderes, was ich so nicht jeden Tag auf unzähligen Kanälen, auf die fast selbe Art, nur in anderer Verpackung, serviert bekomme. Und auf Netflix werde ich da durchaus fündig. Ein verwirrter Göttervater, der zunehmend paranoider und unberechenbarer wird, eine unscheinbare Maklerin, die heimlich Menschen püriert und als Smoothie trinkt, oder eine mysteriöse Agentur, die für die Geheimhaltung von Verschwörungstheorien zuständig ist. Jeder einzelne dieser Ansätze ist unkonventionell und bietet sehr viel Spielraum für Inhalte, die man so noch in keiner anderen Serie gesehen hat.

Schade, dass in solchen Fällen ausschließlich kalkulierend auf die Streaming-Zahlen geguckt wird, anstatt die Bewertungen der Zuschauer in die Entscheidung, ob die Serie weitergeht, einzubeziehen. Denn das bedeutet in den meisten Fällen, die Serie wird gecancelt und Cliffhanger werden nie aufgeklärt.

Da mir das inzwischen bei unzähligen Netflix-Serien passiert ist, hat sich bei mir ein immenser Frust aufgebaut. Ich habe teilweise gar keine Lust mehr, mir neue Serien auf Netflix anzuschauen, da ich jedes Mal befürchten muss, dass die Geschichte mitten in der Handlung endet und nie weitergeführt wird. Das sorgt dafür, dass ich abgeschlossene Serien immer und immer wieder gucke, anstatt mich Neuem zu öffnen. Da kann ich wenigstens sicher sein, dass die Geschichte abgeschlossen wird.

Auf lange Sicht betrachtet kann ich nur hoffen, dass Netflix irgendwann den Mut fassen wird, mehr auf Serien zu setzen, die aus der Reihe schlagen und bei der Entscheidung über die Fortsetzung dieser Serien nicht nur die Zahlen, sondern auch die Zuschauerreaktionen in Betracht zieht. Ein eigenes Review-System gibt es ja bereits. Warum dieses nicht auch für diese Entscheidungen nutzen, anstatt nur für den Algorithmus? Vielleicht kann sich Netflix dadurch stärker von der Konkurrenz abheben, wer weiß. Ich persönlich würde mich auf jeden Fall viel mehr über eine Serie freuen, die versucht, neue Wege zu gehen, als über die hundertste Dating-Show.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk