Der Frust über Netflix-Original-Serien wird immer größer, weil Netflix bei seinen Eigenproduktionen immer wieder denselben Fehler macht.
In einer Zeit, in der Streaming-Anbieter wie Pilze aus dem Boden schießen, kann man sich vor dem Angebot an neuen Serien gar nicht mehr retten. Allein auf Netflix gibt es derzeit rund 2400 Serien, 82 davon Netflix-Originale, also Eigenproduktionen. Von Comedy-Serien über spannende Krimis bis hin zu Reality-Formaten ist für jeden etwas dabei. Da kann es schon schwerfallen, sich für eine neue Serie zu entscheiden. Mir geht es zumindest so.
Habe ich das Finale einer Serie geschaut, fällt es mir sehr schwer, eine neue zu beginnen, auch wenn es sehr viele Serien gibt, die mein Interesse wecken. Und mit Serien wie Orange is the new Black, Spuk im Hill House oder Stranger Things hat Netflix bewiesen, dass sie richtig gute Geschichten produzieren können. Netflix-Originale haben nur ein riesiges Problem: Viel zu viele werden direkt nach ihrem Start oder mitten in der Handlung wieder gecancelt.
Netflix, hört auf damit, gute Geschichten einfach abzubrechen!
Mich dafür zu entscheiden, eine neue Serie anzufangen, fällt mir unter anderem deswegen so schwer, weil ich immer eine gewisse Bindung dazu aufbaue. Auch, wenn sie mir nicht so gut gefällt, fühle ich mich verpflichtet, sie zu Ende zu schauen. Doch das ist auf Netflix gar nicht das Problem. Mein Problem ist, dass die guten Serien einfach nicht weitergehen!
Viel zu oft war ich von einer Netflix-Serie richtig begeistert und habe mit Spannung auf die nächste Staffel gewartet, nur um anschließend festzustellen, dass Netflix den Stecker gezogen hat. Oft endete die dadurch letzte Staffel auch noch mit einem Cliffhanger, was die ganze Sache noch viel ärgerlicher machte.
Mein neuestes Beispiel dafür ist Kaos, das Ende August 2024 auf Netflix erschien und bereits im Oktober 2024 wieder abgesetzt wurde. Mit einer eigenen Interpretation der griechischen Mythologie hat Kaos nicht nur ein beliebtes Setting gewählt, sondern ist auch herrlich skurril, interessant und witzig. Der starke Cast mit niemand anderem als Hollywood-Legende Jeff Goldblum als Göttervater Zeus an der Spitze sorgt für alles Weitere.
Quelle: Netflix
Nach dem Ende der ersten Staffel und dem dort gezeigten Cliffhanger war ich sehr gespannt darauf, wie die Geschichte rund um die griechischen Götter weitergehen wird, nur, um kurz darauf online zu lesen, dass die Serie nach nur zwei Monaten wieder abgesetzt wurde. Was soll das? Mit meiner positiven Meinung stehe ich übrigens nicht allein. Im Schnitt wurde Kaos mit einer 7 bis 8 von 10 bewertet, was zwar nicht herausragend, aber durchaus gut ist. Für Netflix offenbar nicht gut genug.
Leider konnte sich Kaos nur etwa vier Wochen in den globalen Top 10 der Netflix-Charts halten und wurde aus diesem Grund direkt wieder abgesägt. Und damit steht die Serie traurigerweise nicht allein. Auch andere Vertreter wie Santa Clarita Diet, Ratched, 1899 und Inside Job wurden mitten in der Handlung abgesetzt, weil die Zahlen zwar gut, für Netflix aber nicht gut genug waren, völlig unabhängig davon, wie die Bewertungen der Kritiker oder Zuschauer ausgefallen sind.
Natürlich verstehe ich, dass sich Streaming-Anbieter, auch Netflix, über die Zuschauerzahlen an den Vorlieben ihrer Abonnenten orientieren müssen, um sich finanziell über Wasser halten zu können. Allerdings stellt sich mir die Frage, wer denn statt einer guten Serie die gefühlt 50. Reality-TV-Dating-Show braucht, die sich einzig und allein darin unterscheidet, dass sie in einem anderen Land spielt.
Allein von Love is blind gibt es derzeit elf Formate aus verschiedenen Ländern und es sind noch weitere in Produktion. Das Gleiche gilt für Too Hot to Handle, für das sogar ein Netflix-Computerspiel veröffentlicht wurde. Sicherlich sind diese Formate für eine bestimmte Zielgruppe sehr unterhaltsam, zu der ich halt nicht gehöre, doch sind die Produktionen sehr aufwendig und teuer. Ganz zu schweigen von dem hohen Preisgeld, das den Teilnehmern der Shows gezahlt wird, sollten sie "gewinnen".
