Need for Speed: Unbound: Auf Anime-Flügeln aus der Identitätskrise
Kolumne
Mit einem fetten Reveal-Trailer haben Electronic Arts und Criterion Games ihr neues Rennspiel Need for Speed: Unbound vorgestellt. Der kommt in einem frischen neuen Look daher: Effektgeladene Cartoon-Grafik trifft auf realistische Autos und Kulissen. Der Mix passt vielleicht nicht jedem, aber es ist wichtig, dass die NfS-Reihe endlich wieder einen eigenen Stil findet.
Riecht ihr das? Diese einzigartige Mischung aus verbranntem Gummi, Lachgas und etwas zu aufdringlichem Billig-Bodyspray? Das ist der Duft eines neuen Need for Speed! Nachdem seit einer gefühlten Ewigkeit geleakte Infos und Bilder im Netz ihre Kreise drehten, haben Publisher Electronic Arts und Entwickler Criterion Games den neuen Teil ihrer PS-Protzerei jetzt endlich offiziell vorgestellt: Need for Speed: Unbound wird er heißen, am 2. Dezember für PC, Playstation 5 und Xbox Series S|X erscheinen und zum Release natürlich jede Menge packende Racing-Action bieten.
Die Macher sprechen unter anderem von einer komplett offline spielbaren Singleplayer-Kampagne, in der ihr die Untergrundrennszene der fiktiven Stadt Lakeshore erkundet, euch heiße Verfolgungsjagden mit der Polizei liefert und natürlich euren Fuhrpark immer weiter vergrößert. Rekordverdächtige 140 Karossen wird es im fertigen Spiel geben, die sich natürlich alle unterschiedlich steuern sollen - je nachdem, welche Teile ihr in ihnen verbaut habt. Denn neben umfangreichen optischen Anpassungsoptionen erwartet euch selbstverständlich auch jede Menge Performance-Tuning, mit dem ihr Beschleunigung oder Wendigkeit anpasst. Von Carbon-Spoilern bis hin zur Nitro-Einspritzung ist alles dabei!
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Ist das jetzt CAR-toon-Grafik?
Am meisten wird Fans aber wohl die Grafik von Unbound ins Auge gestochen sein. Criterion mixt hier fröhlich Comic-Effekte mit realen Elementen: Ihr rast also mit authentischen Fahrzeugen durch lebensechte Kulissen, dabei fliegen dann aber gezeichnete Funken, Flammen oder sogar Flügel durch die Gegend. Abgerundet wird das mit Charakter-Designs, die direkt aus einer Graphic Novel stammen könnten. Need for Speed: Unbound (jetzt kaufen 69,99 € ) hat einen mutigen, einzigartigen Style. Das muss man dem Spiel echt lassen!
Die etwas unkonventionelle Inszenierung gefällt aber nicht unbedingt jedem. In den YouTube-Kommentaren, den sozialen Netzwerken, sogar unter den Artikeln auf unserer Website sammeln sich die kritischen Stimmen: "Für dieses Spiel fehlt mir jeglicher Enthusiasmus", liest man da. "Need for Speed für Fortnite-Kiddies" Oder: "Ich will ernsthaftes Street-Racing, keinen Cartoon." Das gipfelte schließlich darin, dass die Entwickler auf Twitter klarstellen mussten, dass sich jegliche Effekte auch deaktivieren lassen.
Alte Erfolge zählen nicht
Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Da arbeitet Criterion drei Jahre lang an einem neuen Look, der ein zentrales Element der Spielerfahrung werden soll. Und dann ist die erste Frage der Spieler, ob man den auch ausschalten kann. Wahnsinn! Dabei sollten sich Need-for-Speed-Fans lieber mal darüber freuen, dass mal was probiert wird, um die Reihe endlich aus ihrer jahrelangen Identitätskrise zu bekommen.
Moment mal, Identitätskrise? Ja, das mag verrückt klingen bei einer der ältesten und erfolgreichsten Marken im Rennspiel-Bereich, wenn nicht sogar genreübergreifend. Need for Speed ist mittlerweile fast 30 Jahre, älter als jegliche Konkurrenz. Mit über 150 Millionen verkauften Einheiten weltweit lässt man sogar Franchises wie The Legend of Zelda oder Resident Evil hinter sich.
Quelle: Electronic Arts
Mit Vollgas raus aus der Identitätskrise: Klappt das mit NfS: Unbound?
Die Irrungen und Wirrungen von NfS
Die Wahrheit ist aber eben auch, dass Need for Speed zuletzt eine klare Linie vermissen ließ. Gerade in den vergangenen Jahren hat die Reihe unzählige Neuorientierungen in Sachen Genre und Style durchgemacht. Was natürlich auch an einer stetig wechselnden Entwicklerriege lag, die für sich selbst stets neu definierte, wofür der Name Need for Speed eigentlich steht.
Quelle: MobyGames
Unter Need-for-Speed-Fans gilt Underground 2 heutzutage als einer der besten Ableger der Reihe.
In den 90ern startete man noch mit dem klaren Ziel, dem kleinen Mann den Traum vom exotischen Sportwagen zu erfüllen, mit dem man sich rasante Straßenrennen und Verfolgungsjagden mit der Polizei liefern konnte. Während der 2000er ging es mit Underground dann mehr in Richtung Tuning. Alle Rennen fanden nur auf den nächtlichen Straßen von Olympic City statt. Dazu gab's erstmals Drift- und Drag-Wettkämpfe, fürs volle Fast-and-Furious-Feeling. Ab 2010 wollte man sich mit NfS: Shift plötzlich als seriöse Renn-Simulation etablieren, mit abgesperrten Rennstrecken, Schadensmodell und anspruchsvollem Fahrverhalten.
Need for Speed Hot Pursuit machte dann wiederum einen auf Burnout: In spektakulären Takedowns ging es darum, den Gegner zu rammen, zu drehen oder in die Leitplanke zu drücken, bis er reif für die Schrottpresse war. Und in The Run durftet ihr dann schließlich sogar aus dem Auto aussteigen und euch in furchtbaren Quick-Time-Events gegen Gangster mit Knarren zur Wehr setzen.
