Filmkritik zum Streaming-Hit Mortal Kombat: So gut ist die brutale Videospielverfilmung

Test Christian Fussy
Filmkritik zum Streaming-Hit Mortal Kombat: So gut ist die brutale Videospielverfilmung
Quelle: Warner Bros.

Wir haben die neue Adaption von Mortal Kombat gesehen und können berichten, dass es in der Videospielverfilmung der Vorlage entsprechend grausam zugeht. Der Titel erscheint am 13. Mai 2021 als VOD.

Die erste Mortal-Kombat-Verfilmung von 1995, die unter der Führung von Paul W. S. Anderson entstand, hat selbst einige ikonische Details. Da wäre zum Beispiel der zwar recht gut artikulierte, aber trotzdem herrlich belämmert aussehende Goro- Anzug. Allem voran steht jedoch der wilde Soundtrack, auf dem neben Tracks der Metal-Bands Napalm Death und Fear Factory auch eine Single der Schauspielerin Traci Lords und mit "Techno Syndrome" der vielleicht epischste Introsong aller Zeiten vertreten sind (letzterer findet sich in abgewandelter Form auch in der Neuauflage). Auf das herausstechende Merkmal der Videospielreihe mussten Fans damals allerdings verzichten: Trotz einiger bekannter Kampfbewegungen und Sprüche aus der Vorlage, verzichtete New Line Cinema aus offensichtlichen Gründen auf die Darstellung von extremer Gewalt. Warner Bros.' Neuauflage von 2021 verspricht nun, diesen Missstand zu beheben und dem Publikum brutale Fatalities wie in den jüngsten Videospiel-Ablegern zu zeigen.

Mit Newcomer Simon McQuoid steht ein Werbefilmer und selbsterklärter Gamer mit einem Auge für Style hinter der Kamera und mit Produzent James Wan (Saw, Aquaman, The Conjuring) ein erfahrener Filmschaffender an seiner Seite. Die Voraussetzungen für einen Hit sind also gegeben und tatsächlich sorgte der Release des Films auf HBO Max sogar für Rekordzahlen auf der Plattform. Leider wird Mortal Kombat (jetzt kaufen 20,99 € ) aber von denselben Problemen geplagt, die schon so viele andere Videospielverfilmungen von der Kinoleinwand direkt auf die Wühltische vor den Kassen diverser Elektronikgeschäfte bugsierten.

Sub Zero wird zu Beginn als Haupt-Gegenspieler eingeführt, nimmt allerdings sonst kaum an der Handlung teil Quelle: Warner Bros. Sub Zero wird zu Beginn als Haupt-Gegenspieler eingeführt, nimmt allerdings sonst kaum an der Handlung teil Dabei fängt alles eigentlich so gut an: Die Geschichte beginnt mit einem Flashback ins 17. Jahrhundert, wo eine Truppe Assassinen, angeführt vom Krieger Bi-Han (Joe Taslim), die Familie des Ninja Hanzo Hasashi (Hiroyuki Sanada) in ihrer Hütte überfällt und ermordet. In der letzten Sekunde rettet Magier Lord Raiden (Tadanobu Asano) die kleine Tochter des Besiegten und somit seine Blutlinie. Die Kämpfe sind kurz, aber kernig und so klischeehaft dieser Einstieg sein mag, er macht durchaus Lust auf mehr. Außerdem wird äußerst effizient etabliert, dass wir es bei Bi-Han, der sich später Sub Zero nennen wird, mit einem richtig miesen Schweinepriester zu tun haben.

Dann setzt jedoch leider die eigentliche Handlung des Films ein. In der heutigen Zeit wird Hasashis Nachfahre, der MMA-Kämpfer Cole Young (Lewis Tan) von den Schergen des bösen Zauberers Shang Tsung (Chin Han) gejagt. Tsung ist wie in den Spielen auch ein Eroberer der Dimension Outworld, der versucht, im namensgebenden Turnier mit seinen Schergen als Sieger hervorzugehen. Nur noch ein Sieg über Earthrealm, also die Erde, fehlt seinen Kämpfern, um die Welt zu beherrschen. Da eine Prophezeiung jedoch voraussagt, dass jemand von Hasashis Blut den Sieg erringen wird, versucht er, Young vor Turnierbeginn aufzuspüren und zu ermorden. Zur Seite stehen dem Gejagten die Special-Forces-Agenten Sonya Blade (Jessica McNamee) und Jax (Mehcad Brooks) sowie die Earthrealm-Champions Liu Kang (Ludi Lin) und Kung Lao (Max Huang), die in Cole eine verborgene Macht namens Arcana erwecken wollen.

Protagonist Cole ist ein ziemlicher Langweiler Quelle: Warner Bros. Protagonist Cole ist ein ziemlicher Langweiler Zu dem Turnier auf Leben und Tod, das im Titel angekündigt wird, kommt es im Film überhaupt nicht. Es handelt sich also genau genommen um die Vorgeschichte zu Mortal Kombat. Figuren wie Mileena (Sisi Stringer), Goro (Angus Sampson), Reptile und Sub Zero trachten Cole zwar nach dem Leben, die meisten Kämpfe haben aber überhaupt nicht den Charakter des Videospiels, sondern sind unübersichtlich, einfallslos gefilmt, hektisch und finden fast ausschließlich in dunklen Räumen oder Höhlen statt. Lediglich gegen Ende des Films gibt es eine Kampfszene, bei der die Fähigkeiten der einzelnen Kontrahenten gut in Szene gesetzt sind und auch die Location als Teil der Auseinandersetzung genutzt wird.

Entsprechend fehlplatziert wirkt es dann auch, wenn die Figuren ikonische Zeilen aus den Spielen wie "Fatality" oder "Flawless Victory" von sich geben. Zumal wir vor allem von ersteren viel zu wenige zu sehen bekommen. Wenn Kung Lao nach über einer Stunde endlich seinen Messer-Sombrero dazu einsetzt, einen Gegner auf gewohnt grausame Art zu zersägen, haben die meisten Zuschauer*innen wohl schon fast wieder vergessen, dass sie hier einen Film aus dem Mortal-Kombat-Franchise schauen.

Die Fight-Choreografien an sich sind keineswegs schlecht und man merkt, dass ein Großteil der Besetzung echte Kampfsporterfahrung vorweisen kann. Was jedoch schmerzlich fehlt, sind Szenen, in denen die Persönlichkeiten und Eigenheiten der Figuren zum Vorschein kommen. Auch wenn die Verfilmung aus den 90ern alles andere als ein Meisterwerk ist, hat man dort zumindest den Eindruck, dass sich beispielsweise Johnny Cage bei seinen Kämpfen gegen Scorpion oder Goro auf die unterschiedlichen Widersacher einstellen und neue Tricks anwenden muss, um zu gewinnen. Im Reboot hingegen dreschen die Figuren einfach mit verschiedenen Kräften aufeinander ein, ohne dass die Duelle eigene, kleine Geschichten erzählen. Das ist vor allem auch der Struktur geschuldet. Statt zum eigentlichen Turnier hinzuleiten, wäre es wohl unterhaltsamer gewesen, einfach Mortal Kombat so zu zeigen, wie wir es kennen. Als Turnier mit Waffen, Fäusten, Magie und einprägsamen Finishs.

Josh Lawson als Kano Quelle: Warner Bros. Josh Lawson als Kano Hauptfigur Cole, um dessen Bestimmung sich die komplette Handlung dreht, ist zudem ein sehr passiver Protagonist, hat keine wirklich individuelle Motivation oder interessante Charakterzüge und macht leider auch keine nennenswerte Wandlung durch. Die meiste Persönlichkeit zeigt der kaum wiederzuerkennende Josh Lawson (House of Lies) als Kano, der in der ersten Hälfte des Films die Rolle des lustigen Sidekicks einnimmt. Seine derben Sprüche gehen einem aber bereits nach kurzer Zeit gehörig auf die Nerven.

In eigener Sache: Mortal Kombat (2021) wird auch in der nächsten Folge unseres Podcasts Heim Kino Teil der besprochenen Themen sein. Dort diskutieren Maci und Chris jeden zweiten Donnerstag über die bunte Welt der Filme und Serien. Hört rein und folgt uns gerne auf Facebook, Twitter und/oder Instagram.

Meinung

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk