Metal Gear Survive: Besser als gedacht, aber weit weg von dem, was man von der Serie gewohnt ist

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Metal Gear Survive: Besser als gedacht, aber weit weg von dem, was man von der Serie gewohnt ist
Quelle: Konami

Metal Gear Survive in der Vorschau: Hideo Kojima mag weg von Konami sein, doch mit Metal Gear geht es dennoch weiter - wenn auch gänzlich anders, als man sich das wohl erwarten würde. Wir konnten Metal Gear Survive anspielen und verraten in unserer Preview sowie in unserem Vorschau-Video, was Kenner der Reihe erwartet - und ob sie sich auf das Abenteuer freuen sollten.

Es ist nachvollziehbar, warum Fans der Metal Gear Solid-Spiele auf die Ankündigung von Metal Gear Survive (jetzt kaufen 27,90 € / 35,99 € ) während der Gamescom 2016 etwas empfindlich reagierten: Die unschöne Scheidung von Konami und Metal Gear-Vater Hideo Kojima war noch frisch im kollektiven Gedächtnis verankert, Konami hatte durch einige aus Spielersicht seltsame Entscheidungen einiges an Prestige eingebüßt - zudem wirkte der gezeigte Trailer meilenweit weg von dem, was Metal Gear bis dato ausmachte, und das präsentierte Gameplay-Material ganz objektiv betrachtet auch relativ belanglos. Allerdings, anderthalb Jahre sind eine lange Zeit und nachdem wir nun erstmals selbst Hand an den Singleplayer-Modus des Spiels legen durften, sind wir durchaus angetan. Ja, Metal Gear Survive ist spielerisch und auch inszenatorisch weit weg von dem, was Metal Gear Solid 5 ausmachte, und es war vielleicht ein Fehler, die beiden Abenteuer handlungstechnisch miteinander zu verknüpfen - Sur­vive schließt direkt an die Zerstörung der Mother Base an.

Wenn man das Spiel aber als das begreift, was es ist - ein Spin-off zur Hauptreihe -, dann hat es durchaus einiges zu bieten, was man mögen kann.

Die Welt hinter dem Wurmloch

Wer nicht verhungern und verdursten will, muss ständig auf der Suche nach Beutetieren und Flüssigkeiten sein. Im späteren Spielverlauf soll dieser Aspekt etwas an Bedeutung verlieren. Quelle: PC Games Wer nicht verhungern und verdursten will, muss ständig auf der Suche nach Beutetieren und Flüssigkeiten sein. Im späteren Spielverlauf soll dieser Aspekt etwas an Bedeutung verlieren. Nun gut, dazu zählen wohl nicht unbedingt die Handlung und die Präsentation, zumindest soweit wir das in unseren knapp drei Stunden mit dem Spiel beurteilen können. Als namenloser, stummer Soldat (wahlweise weiblich oder männlich und in einem relativ umfangreichen Figuren-Editor frei erstellbar) verschlägt es uns via Wurmloch-Express in eine unbekannte, extrem feindliche Umwelt. Dort macht uns nicht nur giftiger Rauch, der einen großen Teil der Spielwelt einnebelt, das Leben schwer, sondern auch mit Kristallen versetzte Zombies, die ebenso dumm wie angriffslustig sind. Mag sein, dass sich aus dieser Prämisse im Spielverlauf noch etwas Spannendes entwickelt, bisher sieht es aber nicht danach aus. Vielmehr dient das Ganze anscheinend nur als Gerüst, um unseren Helden beziehungsweise unsere Heldin in der fremden Welt auszusetzen und sie Abenteuer erleben zu lassen. Den nicht allzu hohen Stellenwert der Geschichte zeigt auch die magere Präsentation, die nur in den seltensten Momenten auf echte Zwischensequenzen setzt und ansonsten in simpelsten Standbildern abgehandelt wird. Von den verworrenen (und oftmals völlig abgefahrenen) Situationen und Twists der Hauptreihe scheint hier also nicht allzu viel auf uns zuzukommen. Schon hier zeigt sich also: Nur weil man Metal Gear Solid-Fan ist, heißt das nicht, dass man mit Survive glücklich wird. Und spätestens dann, wenn man seinen ersten virtuellen Fuß in die unwirtliche offene Spielwelt des Abenteuers gesetzt hat, merkt man, dass hier auch spielerisch vieles anders ist als von der Reihe gewohnt.
Die Dummheit der Gegner im Spiel ist kein Bug, sondern ausnahmsweise wirklich ein Feature. Sie rennen immer direkt auf uns zu und können somit mittels Hindernissen wie Zäunen abgebremst werden. Quelle: PC Games Die Dummheit der Gegner im Spiel ist kein Bug, sondern ausnahmsweise wirklich ein Feature. Sie rennen immer direkt auf uns zu und können somit mittels Hindernissen wie Zäunen abgebremst werden.

Bauen, bis die Schrauben krachen

Im Basislager warten allerlei Werkbänke auf uns, an denen wir zum Beispiel neue Waffen, Munition, Heilgegenstände oder Ausrüstung herstellen können. Quelle: PC Games Im Basislager warten allerlei Werkbänke auf uns, an denen wir zum Beispiel neue Waffen, Munition, Heilgegenstände oder Ausrüstung herstellen können. Dabei steuert sich unser selbstgebastelter Recke fast wie eh und je, legt sich also auf Wunsch zum Schleichen auf den Boden, führt simple Nahkampf-Angriffe aus, benützt seine Waffen, wie man das kennt, und mehr. Schnell stechen allerdings die Anzeigen für Hunger und Durst ins Auge, die den gesamten Spielverlauf über von Belang sein werden. Wir müssen nämlich regelmäßig essen und trinken, um die Prozentwerte im positiven Bereich zu halten - sinkt einer der beiden auf null, heißt es "Game Over". Und die Werte sinken schneller als uns lieb sein kann! Mehr noch, sie hängen direkt mit der maximalen Menge an Lebensenergie und Ausdauer zusammen - je besser wir genährt sind, desto mehr feindliche Treffer können wir einstecken, je weniger es uns nach Wasser verlangt, desto längere Strecken können wir sprinten und desto länger können wir Aktionen wie in der Hocke schleichen ausführen. Damit wir nicht andauernd zu Boden sinken, gilt es also, ständig die Augen nach Nahrung und Wasser offen zu halten - beispielsweise können wir Beeren essen; für den größeren Hunger sollten wir aber besser ein Tier erlegen und dessen Fleisch verzehren. Flüssigkeit finden wir entweder abgepackt in Flaschen oder schöpfen es mittels leerer Behälter an Wasserstellen.
Wer Munition sparen will oder nicht mehr viel Energie hat, versucht sich am besten an Nahkampf-Kills aus dem Hinterhalt. Quelle: PC Games Wer Munition sparen will oder nicht mehr viel Energie hat, versucht sich am besten an Nahkampf-Kills aus dem Hinterhalt.
Der Figuren-Editor ist relativ umfangreich und lässt uns das Gesicht unseres Avatars im Basislager jederzeit nach Lust und Laune verändern. Quelle: PC Games Der Figuren-Editor ist relativ umfangreich und lässt uns das Gesicht unseres Avatars im Basislager jederzeit nach Lust und Laune verändern. Bevor man sich auf eine anspruchsvolle Mission begibt, ist es also unabdingbar, erst einmal einen entsprechenden Versorgungs-Vorrat anzulegen - und auch auf das ebenfalls vorhandene Ablaufsdatum zu achten. Mehr noch: Alle Speisen und Getränke sollten erst einmal im von uns errichteten Basislager abgekocht werden, damit wir uns keine Vergiftung einfangen (die Chance auf eine solche wird, wie so vieles im Spiel, mittels einer Prozentzahl angegeben). Ansonsten müssen wir nämlich entsprechende Medizin herstellen, um Effekte wie ständiges Erbrechen wieder abstellen zu können - und auch andere Verletzungen wie Blutungen erfordern verschiedene Arzneimittel. Damit einher geht das zweite große Spielel­ement neben dem Survival-Aspekt: das Crafting. So gut wie alles im Spiel, sei es Kleidung, Waffen oder eben Medizin, kann mit in der Spielwelt aufgesammelten Ressourcen hergestellt werden. Nur wer jede Schraube aufklaubt, Tische, Reifen und mehr für ihre verschiedenen Bestandteile in Kleinholz zerlegt und immer brav die Augen nach wertvollen Gegenständen und Rezepten für neue Items offen hält, kann hier erfolgreich sein.
Bei großen Gegneransammlungen, an denen man vorbeikommen muss, lohnt sich der Einsatz von Molotowcocktails, da sich die Gegner bei Lärm trotz der feurigen Überraschung gerne an einem Ort versammeln. Quelle: PC Games Bei großen Gegneransammlungen, an denen man vorbeikommen muss, lohnt sich der Einsatz von Molotowcocktails, da sich die Gegner bei Lärm trotz der feurigen Überraschung gerne an einem Ort versammeln.

Jawohl, Metal Gear Survive ist also ein reinrassiges Survival-Spiel mit starkem Crafting-Fokus! Aber keine Sorge - wer bei diesen Worten schon "Permadeath" im Hinterkopf hat, kann versichert sein, dass Survive relativ human an die ganze Sache herangeht. Obwohl das Spiel durchaus anspruchsvoll ist (und uns auch nicht die Wahl zwischen verschiedenen Schwierigkeitsgraden lässt), werden wir nach einem Ableben nicht mit dem Verlust all unseres Fortschritts bestraft. Stattdessen werden wir mit einer gewissen Menge an Nahrung und Wasser wieder in die weite Welt entlassen und können erneut unser Glück versuchen. Regelmäßige Checkpoints, etwa jedes Mal, wenn wir ins Basislager zurückkehren, sorgen ebenfalls dafür, dass man nicht ellenlange Abschnitte nach einem Game Over immer wieder von vorne spielen muss.

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