Die mögliche Wiedergeburt von Metal Gear Solid - Seite 2: Wie soll es weitergehen?
Kolumne
Nach einem intensiven Metal-Gear-Marathon, der ihn vielleicht ein kleines bisschen irre gemacht hat, überlegt Stefan, ob, wie und warum die Reihe weitergehen sollte!
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Punished "Venom" Konami
Konamis letzte Ausflüge ins Metal-Gear-Universum schafften es, freundlich ausgedrückt, nämlich nicht gerade, Fans von der Wertschätzung des Publishers für seine wohl wichtigste Marke zu überzeugen. Snake Eater bekam schon 2016 eine Neuauflage, aber nur in Form einer Pachislot-Maschine.
Ein einarmiger Bandit, bei dem der Zufall (und die Menge an Yen, die man zu verheizen bereit ist) darüber entscheidet, wie viele der aufwändig modernisierten "Spielszenen" man zu Gesicht bekommt. Ein absoluter Tiefschlag für jeden, der Metal Gear (oder ganz generell Videospiele) liebt.
2018 wagte man dann mit Metal Gear Survive einen zähen, Mikrotransaktions-verseuchten Abstecher ins allseits beliebte Zombie-Survival-Genre, 2023 wärmte man die ersten fünf Metal-Gear-Spiele in der Master Collection Vol. 1 nochmal auf.
Eigentlich eine sichere Bank, aber allzu viel Liebe floss augenscheinlich nicht in die Sammlung. Hinter schicken Menüs und viel Bonuscontent steckten Spiele, die einfach stumpf von alten Plattformen herüberkopiert worden waren und dementsprechend unschön aussahen.
Immerhin: Konami hat die Collection nicht rausgeschmissen und vergessen, sondern einige Patches nachgeschoben. Die ändern zwar nichts daran, dass es sich um simple Portierungen der Spiele handelt, aber sie zeigen, dass man wenigstens ein bisschen darum bemüht ist, ein vernünftiges Paket anzubieten. Ich für meinen Teil hatte bei Konami mit (noch) weniger gerechnet.
Aber es scheint eben nicht mehr ganz dieses Konami des vergangenen Jahrzehnts zu sein, von dem wir hier sprechen. Silent Hill 2 war richtig gut, Silent Hill f sieht aus, als könnte es das auch werden.
Quelle: PC Games
The Phantom Pain war der spielerische Höhepunkt der Reihe - aber leider auch das vorläufige Ende.
"The best is yet to come"?
Und Snake Eater Delta? Das scheint nah an den Vorstellungen der Fans entwickelt zu werden. Die Optik wurde generalüberholt, aber darunter läuft, wie man an den altmodischen Animationen erkennen kann, offenbar immer noch genau das Spiel, das man kennt und liebt. Nur eben mit einer modernen Steuerungsoption und Bonusfeatures.
Möglichst jedes Easter Egg des Originals soll erhalten bleiben, inklusive des Ape-Escape-Contents aus der PS2-Version. Weil sich Lizenzinhaber Sony diesbezüglich querstellt, hat man für Xbox-Spieler sogar eine eigene Variante dieser Inhalte gemacht und die Playstation-Affen durch Bomberman ersetzt. Außerdem haben die Entwickler einen neuen Multiplayer-Modus zusammengezimmert, der auf der innovativen Camouflage-Mechanik von Snake Eater aufbaut.
Ich habe Snake Eater Delta zwar noch nicht gespielt, und allzu viel Material gab's bisher auch nicht zu sehen, aber ich habe nicht den Eindruck, dass uns hier ein liebloser Cash-Grab erwartet, genauso wenig wie Silent Hill 2 einer war.
Quelle: Konami
Snake Eater Delta könnte nicht nur alte Fans abholen, sondern auch eine neue Begeisterung für das Franchise entfachen - bei den Spielern und bei Konami.
Viel spannender ist für mich, wie es danach weitergeht. Schon mit einer möglichen Master Collection Vol. 2 wird Konami wieder unter Beweis stellen müssen, dass ihm etwas an Metal Gear liegt. Die wird wohl zwangsläufig Metal Gear Solid 4 beinhalten, ein Spiel, das wegen seiner PS3-Herkunft und des auffälligen Product-Placements umfassende Veränderungen erfordert. Das könnte Konami nicht stumpf auf andere Plattformen kopieren, selbst wenn es möchte.
Danach steuert Metal Gear dann in seine Kojima-freie und aktuell natürlich generell noch ungewisse Zukunft. Würde man die wollen? Das ist sicher eine Einstellungssache. Manche wären vielleicht zufrieden damit, wenn die alten Spiele nur immer wieder aufgehübscht und überarbeitet würden, Metal Gear aber grundsätzlich eine abgeschlossene Saga ohne wirklich neue Spiele bliebe.
Ich nicht. Ich will, dass Metal Gear fortgesetzt wird, ob mit Kojima oder ohne. Die Klassiker existieren weiterhin und die würde ich auch dann nicht schlechter finden, wenn ich wüsste, dass ein fürchterlich mieses Metal Gear Solid 6 existiert. Es schmälert meinen Spaß an The Phantom Pain ja auch nicht, dass Konami die Engine und Spielsysteme danach für ein mittelmäßiges Survivalspiel zweckentfremdet hat.
Zumindest die Chance auf ein richtig gutes, neues Metal Gear will ich mir nicht davon nehmen lassen, dass der Mastermind hinter der Reihe weitergezogen ist. Metal Gear hat auch so schon etliche, nicht von Kojima angeführte Spin-Offs hervorgebracht, die teils richtig gut waren.
Der Mann selbst hat seine Lore am Ende außerdem so verbogen, dass ein Ableger von einem neuen Team wohl selbst dann nicht zu sehr aus dem Rahmen fallen würde, wenn er in die Original-Chronologie eingreift. Die Reihe ist, im positivsten Sinne, völlig irre, und das bereitet neuen, hoffentlich wilden Entwicklern auch die Chance, ihre neuen, hoffentlich wilden Ideen einzubringen.
Ich selbst wünsche mir mindestens noch ein Spiel zu The Boss und ihrer Einheit im Zweiten Weltkrieg, ein Setting, das ich mir aus der Metal-Gear-Perspektive extrem interessant vorstelle.
Aber ich bin grundsätzlich offen für was auch immer das nun wieder Videospiel-fokussierte Konami mit dem Franchise vorhat. Das mag zu optimistisch wirken, aber wenn ich eine Erkenntnis aus diesen zwei Monaten, in denen ich nichts als Metal Gear gespielt habe, mitnehme, dann die: Dieses Franchise ist viel zu spannend, um einfach vorbei zu sein.
