Konami macht ernst: Erleben wir 2025 endlich die Wiedergeburt von Metal Gear Solid?
Kolumne
Nach einem intensiven Metal-Gear-Marathon, der ihn vielleicht ein kleines bisschen irre gemacht hat, überlegt Stefan, ob, wie und warum die Reihe weitergehen sollte!
Wer hätte das gedacht: Nach Jahren voller Gurken, Mobile-Games und Pachinko-Automaten aus dem Hause Konami scheint es ganz so, als wäre der japanische Konzern endlich auch wieder für Core-Gamer interessant.
2015 machte noch die Meldung die Runde, dass Konami sich vollends aus dem Triple-A-Geschäft verabschieden würde, nachdem man gerade noch das Finale der Metal-Gear-Saga in sichtlich unfertiger Form auf den Markt gebracht und im selben Atemzug den Schöpfer der Reihe vor die Tür gesetzt hatte.
Das folgende Jahrzehnt sah dann entsprechend düster aus: Hier mal eine Klassiker-Sammlung, da mal ein Fußballspiel, aber wirklich neue, große Titel zu den unzähligen legendären Franchises, die im Lizenztresor schlummern? Fehlanzeige. Und wenn es doch etwas gab, dann sah es ungefähr so aus wie Metal Gear Survive oder Contra: Rogue Corps und stieß bei Kritikern wie Fans auf wenig Gegenliebe.
2024 dann die Kehrtwende: Konami stellt zusammen mit Bloober Team das Remake von Silent Hill 2 in die Läden und schafft das kurz vorher noch Unvorstellbare - eine Triple-A-Produktion, die nicht nur als eigenständiges Spiel überzeugt, sondern auch der altehrwürdigen Reihe dahinter gerecht wird.
Und nun war das Projekt offensichtlich so erfolgreich, dass es gleich mal die ganze Reihe aus der Versenkung gehoben hat. Bloober Team werkelt schon an der Neuauflage des Seriendebüts und mit Silent Hill f schickt Konami noch dieses Jahr einen ganz neuen, vollwertigen Teil der Horror-Reihe ins Rennen. Zum ersten Mal seit Jahr(zehnt)en sieht die Zukunft von Silent Hill wieder rosig aus.
In diesem Artikel
Kept you waiting, huh?
Fand ich es auf eine diabolische Art unterhaltsam, die letzten zehn Jahre das Chaos bei Konami zu verfolgen? Kann ich nicht abstreiten. Aber mir ist es doch deutlich lieber, wenn der Konzern die Kurve kriegt und wieder mit starken, großen Games aufwarten kann.
Konami sitzt nämlich wie der sprichwörtliche Drache auf Spielereihen, die es verdient haben, weiterzuleben. Darunter etwa Castlevania, Silent Hill und vor allem natürlich Metal Gear.
Die Stealth-Action-Reihe existiert schon fast so lange, wie es Videospiele gibt, und sie hat nicht nur deswegen einen Legendenstatus. Metal Gear hat in seiner langen Geschichte etliche Topspiele hervorgebracht, technologische Messlatten höhergelegt und sich mit seiner patentierten Mischung aus unterhaltsamem Blödsinn und intelligentem Polit-Thriller im Zeitgeist verankert.
All das wirkt bis heute nach. Die Memes, die Geheimnisse, die stundenlangen Video-Essays, die Referenzen in anderen Spielen, die Tatsache, dass es nichts anderes gibt, das so ist wie Metal Gear.
Quelle: Konami
Der Kampf gegen Psycho Mantis ist nur einer von vielen legendären Metal-Gear-Momenten.
Das merke ich auch bei meinem aktuellen Marathon der Reihe wieder: So sehr ich bei den älteren Teilen teils auch über die Steuerung schimpfe, so oft mich auch die ellenlangen Codec-Dialoge aus dem Gameplay reißen, so fantastisch finde ich die Spiele doch immer noch.
Jedes Metal Gear ist seine eigene Schatztruhe voller Ideen, Witz und Spieltiefe. Und nachdem ich gerade bei Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain angekommen bin, wird mir wieder klar: Ein besseres Stealth-Game gab's für mich seitdem nicht. Ein neues Metal Gear Solid auch nicht. Ich denke, da besteht ein Zusammenhang.
Was hoffentlich auch zusammenhängt: Konamis Neuausrichtung in puncto Silent Hill und die Zukunft von Metal Gear. Denn es ist schon auffällig, dass sich auch die legendäre Stealth-Reihe mit einem Unreal-Engine-5-Remake des Fan-Favoriten zurückmeldet. Bei Silent Hill war's Teil 2, bei Metal Gear ist es natürlich Snake Eater.
Nun wissen wir bei Metal Gear noch nicht, ob und wie es nach der Snake-Eater-Neuauflage weitergeht, aber wenn sie sich gut verkauft (und hoffentlich auch gut ist) dann wäre es bei Konamis aktueller Strategie durchaus denkbar, dass wir neue Spiele aus dem Universum bekommen.
Bei der Überlegung steht aber natürlich ein Elefant im Raum: Wenn Konami wirklich ein ganz neues Metal Gear machen würde, dann müsste es ohne Hideo Kojima auskommen. Ohne den Mann, mit dem die Reihe fest verknüpft ist - und das nicht nur, weil sie nicht müde wurde, einem das immer wieder mitzuteilen.
Er gilt als "Auteur", als jemand, der bei jedem Aspekt seiner Spiele involviert ist und immer das letzte Wort hat. Fast 30 Jahre lang stand er sinnbildlich für Metal Gear. Von der Verbindung wird die Reihe genauso wenig loskommen wie Kojima selbst.
(Not) A Hideo Kojima Game
Mit seinen vielen MGS-Referenzen beweist auch sein aktuelles Spiel, Death Stranding 2, einmal wieder: Du kannst den Mann aus Metal Gear herausholen, aber nicht das Metal Gear aus dem Mann.
Physint, eines seiner angekündigten Zukunftsprojekte, soll außerdem ein neues Spionage-Action-Spiel werden, das die Grenzen zwischen Kino und Controller verschwimmen lässt.
Kojima macht also keinen Hehl draus, dass das metallene Getriebe noch immer in seinem Kopf rattert, auch, weil seine Fans ihn verständlicherweise nicht damit in Ruhe lassen.
Aber dass Konami ihn nochmal in die Finger bekommt, das darf stark bezweifelt werden. Dafür war das Liebes-Aus bei "Kojami" dann doch zu sehr eine Schlammschlacht.
Also ohne ihn weitermachen? Ein großer Teil der alten Fans würde da wahrscheinlich erstmal Sturm laufen, allein schon aus Prinzip - und weil es trotz der gelungenen Wiedergeburt von Silent Hill eben Konami ist, von dem wir da reden, und dieser Name ist für viele Metal-Gear-Fans immer noch verbrannt.
