Grafikkartenmarkt: Gründe für Mangel; Ratschlag für die nahe Zukunft

Special Antonio Funes
Grafikkartenmarkt: Gründe für Mangel; Ratschlag für die nahe Zukunft
Quelle: AMD Keynote-Video

Wer sich aktuell oder vor kurzem eine Gamer-Grafikkarte kaufen wollte, muss viel Glück oder viel Geld haben. Denn Grafikkarten werden immer mehr zur Mangelware, auch die neuen Modelle von AMD und Nvidia waren jeweils sofort vergriffen. In seiner Kolumne schildert Antonio Funes die Situation, überlegt sich mögliche Gründe und hat einen leider nicht besonders tröstlichen Ratschlag.

Teure Mangelware - mögliche Gründe

Die "alten" Grafikkarten, die vor Release der Nvidia RTX 3000er-Boliden und AMD Radeon 6800er-Serie schon auf dem Markt waren und heute noch immer im Sortiment der Shops sind, sind im Durchschnitt um 24 Prozent teurer geworden, wie die Grafik auf der vorigen Seite ja auch zeigt. Und die neuen Grafikkarten gibt es praktisch gar nicht (wenn man von der ohnehin nur für Profi-Anwendung sinnvollen, 1500 Euro teuren Nvidia GeForce RTX 3090 absieht). Was aber sind die Gründe für einen Grafikkartenmarkt, der zum Teil so leergefegt wie eine Konzerthalle in einem Coronahotspot ist und Preissteigerungen zeigt, als würde man anstatt im Supermarkt in einem Bahnhofskiosk einkaufen?

Wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse gibt es dazu noch nicht, aber es gibt in jedem Falle einige mögliche Faktoren, die ich aufführen will und die für euch hoffentlich nachvollziehbar sind: Die Founders Editionen der neuen RTX 3060 Ti, 3070 und 3080 waren sofort vergriffen. Quelle: PC Games Hardware Die Founders Editionen der neuen RTX 3060 Ti, 3070 und 3080 waren sofort vergriffen.

  • Nachfrage durch Gamer: Viele Gamer haben sehr lange auf neue, gute Grafikkarten gewartet, vor allem was AMD angeht. Zudem waren Grafikkarten oberhalb der lange Zeit für 350 Euro verfügbaren AMD RX 5700 XT an sich überteuert, ab der RTX 2080 Super sogar massiv, so dass gerade bei starken Grafikkarten viele sicherlich lieber auf die neuen Modelle gewartet haben. Die RTX 3060 Ti, 3070 und 3080 entpuppten sich - bezogen auf die Nvidia-Preisempfehlung - ja auch als echte Preis-Leistungs-Knaller. Daher war die Nachfrage enorm hoch, und Nvidia kann nicht nachlegen. Ähnliches gilt für AMD und die RX 6800er-Modelle. Hinzu kommt noch die Corona-Pandemie, wegen der mehr Leute zu Hause bleiben, so dass auch das Interesse an Gaming und entsprechenden Produkten gestiegen ist.
  • Weihnachten: Da der Markt nun seit einigen Wochen oberhalb von 400 Euro nach Release der neuen Karten so gut wie gar nichts mehr anbietet, man aber trotzdem zu Weihnachten gerne eine neue Grafikkarte haben oder verschenken will, weichen viele auf Grafikkarten unter 400 Euro aus, so dass es auch hier immer mauer mit den verfügbaren Grafikkarten wird. Nicht unterschätzen sollte man dabei, dass auch Nutzer, die eigentlich einen stärkeren PC neu kaufen wollten, nun unter 400 Euro zugreifen, damit die PC-Anschaffung nicht komplett scheitert. Auch Komplett-PC-Anbieter wollten und wollen sich zudem für das Weihnachtsgeschäft Grafikkarten sichern.
  • Nachfrage durch Miner: Der Kurs von Bitcoin ist auf einem neuen Rekordhoch, auch der Preis für die Kryptowährung Ethereum hat sich in den vergangenen Wochen verdoppelt - Mining lohnt sich also nun wieder in einem so hohen Maße, dass die Miner auch hohe Preise für Grafikkarten zahlen und die Nachfrage stark erhöhen - und hier sind nun auch günstigere Grafikkarten eine Option, so dass auch diese immer teurer werden. Hinzu kommt, dass Miner gebrauchte Ex-Top-Modelle kaufen - diese gebrauchten Grafikkarten fallen dann für private Nutzer weg, so dass sie sich statt beispielsweise einer alten GTX 1080 dann doch eine fabrikneue GTX 1660 Super kaufen und die Nachfrage dadurch weiter anstoßen. Zudem gab es auch Mutmaßungen, dass Nvidia große Stückzahlen der neuen Grafikkarten direkt an Krypto-Serverfarmen verkauft haben könnte.
  • Scalper: Die so genannten Scalper verdienen Geld damit, dass sie - meistens durch das Verwenden von Bot-Software - begehrte Produkte wegkaufen, sobald sie zum Kauf erhältlich sind, um sie dann deutlich teurer zu verkaufen, falls die Produkte wie erwartet im regulären Handel vorerst vergriffen sind. Dies war bei den neuen Grafikkarten, aber auch bei den Vorbestellungen der neuen Xbox Series X und Playstation 5 der Fall. Gerade dann, wenn wie bei einigen Grafikkarten zuerst nur relativ wenig Exemplare in den Handel kommen, ist dies ein großer Faktor dafür, dass die Karten ausverkauft sind und dann deutlich teurer werden.
  • Mangelnde Produktion: Nvidia und AMD sowie deren Partnerhersteller könnten natürlich einfach nur deutlich mehr GPUs und Grafikkarten herstellen - ob dies denn möglich gewesen wäre, wissen wir nicht. Sollte es stimmen, dass viele Exemplare der neuen RTX-Modelle an Miner gingen, wäre dies durchaus als ein Schlag ins Gesicht der Gaming-Gemeinde zu bezeichnen, da Nvidia dann offenbar das schnelle Geld wichtiger als eine zufriedene Privatkunden-Community wäre.

Meine persönlichen Ratschläge für die nächsten Wochen

Doch was ich soll zu all dem, was auf dem Grafikkartenmarkt aktuell passiert und für manch einen ambitionierten und enthusiastischen Gamer ein Fiasko darstellt, sagen?

Viel mehr, als zu empfehlen, vorerst mit euer aktuellen Grafikkarte klarzukommen, fällt mir leider auch nicht ein. Vorwürfe an AMD, Nvidia und/oder Scalper bringen nichts und sind je nach dem, was man vorwirft, vielleicht auch unangebracht. Man kann nichts anderes tun als abzuwarten und mit der Situation zu leben, dass man vielleicht erst in einigen Wochen oder gar Monaten seinen PC leistungsmäßig aufwerten kann. Eine Entspannung der Lage noch vor Weihnachten erscheint eher unwahrscheinlich. Für die, die derzeit gar keinen PC besitzen und eigentlich einen kaufen wollen, oder auch die, deren Grafikkarte defekt ist, ist dies natürlich weder Trost noch eine Option. Vielleicht hilft hier ein kleiner Geheimtipp für diejenigen, die in den kommenden Monaten wegen der aktuellen Lage ganz ohne (Gaming-)PC dastehen und noch keine Spielekonsole besitzen: Die inzwischen als "Last-Gen" zu bezeichneten Spielekonsolen sind eine Alternative. Die Xbox One S bekommt man aktuell in vielen Shops für unter 250 Euro, teils auch unter 200 Euro inklusive Controller. Die Playstation 4 gibt es noch ab 280 Euro. Beide Konsolen bieten eine Grafik, die mindestens einem Einsteiger-PC entspricht, und die weitaus meisten Blockbuster-Spiele für den PC gibt es ja auch für die Last-Gen-Konsolen.

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