Kolumne: Der leergefegte Grafikkartenmarkt - Lage, mögliche Gründe und ein Rat
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Wer sich aktuell oder vor kurzem eine Gamer-Grafikkarte kaufen wollte, muss viel Glück oder viel Geld haben. Denn Grafikkarten werden immer mehr zur Mangelware, auch die neuen Modelle von AMD und Nvidia waren jeweils sofort vergriffen. In seiner Kolumne schildert Antonio Funes die Situation, überlegt sich mögliche Gründe und hat einen leider nicht besonders tröstlichen Ratschlag.
Grafikkartenmarkt: Traum und Realität
Weihnachten naht - ich kaufe mir einen Ryzen 7 5800X und eine Nvidia GeForce RTX 3080 oder AMD Radeon RX 6800 XT, mein Bruder ist nicht ganz so anspruchsvoll, er wird sich nur einen Ryzen 5 5600X und dazu eine AMD Radeon RX 6800 oder Nvidia GeForce RTX 3070 kaufen. Natürlich sind die Bauteile problemlos verfügbar, die Preise für die neuen Ryzen 5000er-CPUs sind deutlich unterhalb des AMD-Releasepreises. Der Ryzen 5 2600 oder 2600X ist weiterhin ein Preis-Leistungs-Tipp für gerade einmal 120 Euro, und selbst für Custom-Modelle der Partnerhersteller muss man bei den Grafikkarten nicht mehr hinblättern als AMD und Nvidia für ihre Referenzmodelle bei Release verlangten. Und dann.... dann.... wache ich auf aus diesem süßen Hardware/Gamer-Nerd-Traum.
In diesem Artikel
Denn die Realität sieht ganz anders aus. Die AMD Radeon RX 6800 und 6800 XT wurden seltener zum Kauf verfügbar gesehen als ein weißer Tiger in freier Wildbahn in der Lüneburger Heide. Die schon vor einigen Wochen veröffentlichten Grafikkarten Nvidia GeForce RTX 3070 und 3080 sind ebenfalls kaum zu haben, wobei es bei der RTX 3070 manchmal einen Lichtblick gibt, der allerdings dann 650 Euro und mehr kostet - die Founders Edition von Nvidia lag bei 499 Euro. Die RTX 3080 taucht sogar fast ausschließlich über eBay oder Quellen wie den Amazon Marketplace auf, und dann für mindestens vierstellige Beträge (Releasepreis: 699 Euro). Auch Nvidias brandneue GeForce RTX 3060 Ti ist vorerst vergriffen - die Founders Edition war nach einer Minute ausverkauft, worüber ich ja am Releasetag (Mittwoch, 2. Dezember) eine News mit meinen Erfahrungen verfasst hatte.
Quelle: Sony
Konsolen sind zwar nicht das Thema der Kolumne, aber auch die Playstation 5 und Xbox Series X sind kaum verfügbar, meist aus den gleichen Gründen wie Grafikkarten.
Kommen wir zu den neuen, bei Tests sehr gut bewerteten AMD Ryzen 5000er-Prozessoren: Diese als "Mangelware" zu bezeichnen wäre ein Untertreibung in einem Maße, als würde man den vor anderthalb Wochen verstorbenen Diego Maradona als "nicht ganz lebendig" bezeichnen. Okay, in den Köpfen der Menschen lebt die Fußball-Legende weiter - das tun die Ryzen 5000er-CPUS aber auch. Lediglich der Ryzen 5 5800X taucht hin und wieder in Onlineshops auf, kostet dann aber deutlich mehr als die ohnehin schon in Sachen Preis-Leistung ein wenig zu hohe Preisempfehlung von AMD - die Hoffnung war hier eher, dass es wie bei früheren AMD-CPUs sein wird, nämlich ein zwar eher kleiner, aber rascher Preisverfall im Vergleich zum Releasepreis. Auch der Ryzen 5 3600 oder ältere Modelle wie der Ryzen 5 2600 oder 2600X sind teurer geworden als noch vor wenigen Wochen. Doch das ist noch lange nicht alles: Die Produktion aller RTX 2000er-Grafikkarten ist bereits eingestellt, die Restposten sind fast ausnahmslos weg - die Shops bieten also auch keine Alternativen zu den fehlenden 3000er- oder AMDs 6800er-Modellen. Über 400 Euro herrscht Flaute auf dem Grafikkartenmarkt. Nein, Moment - das stimmt ja gar nicht! Denn die AMD Radeon RX 5700 XT kostet ja mittlerweile 420 Euro und mehr - vor kurzem waren es noch 350 Euro. Die kleine Schwester RX 5700 ist übrigens ausverkauft und spielt keine Rolle mehr.
Auch die Einsteigergrafikkarten sind betroffen: Die GTX-Modelle 1650, 1650 Super und 1660 wandern von 140 bis 150 Euro munter auf Preise von über 200 Euro zu. Die seit langer Zeit für 200 Euro erhältliche Nvidia GTX 1660 Super gibt es immer seltener, und da, wo sie angeboten wird, werden nun 250 Euro und mehr fällig. Lediglich die AMD Radeon RX 5600 XT hält noch ihren Preisrahmen von um etwa 300 Euro und ist teilweise noch für 280 Euro zu haben. Ich habe zur Veranschaulichung eine Grafik erstellt. Diese Grafik zeigt die Preise von Grafikkarten aus unserer Kaufberatung vom Monat September, die wir im Rahmen des Releases der GeForce RTX 3080 in unser Special eingebaut hatten - relevant sind dabei nur fünf Grafikkarten unter 500 Euro, da es ansonsten ja aktuell rein gar nichts auf dem Grafikkartenmarkt mehr gibt, was noch im September zu haben war und als Vergleich dienen könnte. In der Grafik ist auch ein Kasten mit der der prozentualen Preissteigerung platziert:
Quelle: Antonio Funes
Grafikkarten Preisentwicklung Oktober Dezember 2020
Das S hinter den GTX-Grafikkarten steht für "Super". Wie ihr seht, sind Grafikkarten auch abseits der neuen Modelle deutlich teurer geworden, da offenbar das Angebot nicht mit der Nachfrage mithalten kann. Doch warum ist das so, mal von bereits ausverkauften Auslaufmodellen abgesehen?
