Ausverkauf bei PS5, Xbox Series X und RTX 3000: Abzocker, Gegenmittel und Meinung
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Unmittelbar nach Release beziehungsweise dem Start der Vorbestellphase waren die neuen Nvidia-Grafikkarten GeForce RTX 3080 und 3090 sowie die kommenden Top-Konsolen Playstation 5 und Xbox Series X ausverkauft. In meiner Kolumne erkläre ich die Gründe dafür und habe zu den Anbietern eine klare Meinung, die offenbar auch mit Hilfe von Bots nun den Reibach machen wollen.
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Ausverkauft schon bei Release?
Sowohl bei den bereits veröffentlichten Nvidia-Grafikkarten GeForce RTX 3080 und RTX 3090 als auch bei den im November erscheinenden neuen Spielekonsolen Playstation 5 und Xbox Series X gab es im Zusammenhang mit Bestellungen beziehungsweise Vorbestellung viel Ärger und frustrierte Kunden. Denn die begehrten Produkte waren schnell ausverkauft. Analysen legen den Verdacht nahe, dass hier Anbieter mit unlauteren Mitteln agierten, um die Produkte kurz danach teils zu Wucherpreisen weiterzuverkaufen.Meiner Meinung nach geht dies, obgleich es vermutlich legal ist, weit über das hinaus, was man noch als fairen Handel und Wettbewerb bezeichnen kann - es ist schlicht und einfach gesagt eine absolute Frechheit. Leidtragende sind ehrlich am Produkt interessierte Spieler, die gerne möglichst bald an ihr Wunschprodukt gekommen wären, aber auch die Hersteller, deren Image nun leidet, da manche Kunden ihnen mangelnde Produktionsmengen vorwerfen. In dieser Kolumne erläutere ich die Details zu den unschönen Vorgängen und verfasse meine Meinung zu der perfiden Verkäufer-Strategie.
Nvidia RTX 3000, Playstation 5 und Xbox Series X - wie ist der Stand?
Am 17. beziehungsweise 24. September veröffentlichte Nvidia die beiden Topmodelle GeForce RTX 3080 und RTX 3090. Die zum Release verfügbaren Exemplare waren aber in Windeseile vergriffen, sowohl die Founders Editionen bei Nvidia als auch zunächst noch lieferbare Custommodelle in den Onlineshops.Aktuell ist weder die GeForce RTX 3080 noch die RTX 3090 im Handel direkt ab Lager lieferbar in regulären, etablierten Hardwareshops zu bekommen. Lediglich bei Portalen wie eBay gibt es einzelne Angebote, allerdings zu horrenden Preisen. Die Lage ist derzeit so angespannt, dass für die im PC Games Hardware-Preisvergleich gelisteten Custommodelle der GeForce RTX 3080 und 3090 bis auf wenige Ausnahmen nur noch ein einziger Shop überhaupt ein Angebot führt, nämlich Alternate. Zwei bis drei Modelle der Nvidia GeForce RTX 3090 sind zwar bei anderen Shops ab Lager lieferbar, die sich allerdings an die frechen Preise abseits der regulären Hardwareshops angepasst haben und über 2000 Euro verlangen - Alternate listet sie für unter 1800 Euro listet, hat aber dafür keinen Liefertermin parat.
Quelle: Sony
Die Playstation 5 ist wie die Xbox Series X und auch die Nvidia GeForce RTX 3080 und 3090 schon bei oder vor Release vorerst vergriffen.
Viele reguläre Händler wie Caseking bekommen zwar ständig neue Exemplare der beiden Nvidia-Boliden geliefert, leiten diese aber erst an die Kunden, die bereits bestellt hatten, so dass sie erst gar nicht im Onlineshop landen. Einige verzweifelte Kunden griffen trotz Wucherpreisen bei Portalen wie eBay zu und bezahlten für eine GeForce RTX 3080 durchaus 1000 Euro und mehr anstelle der üblichen etwa 700 Euro.Sehr ähnlich wie im Falle der neuen GeForce-Topmodelle erging es in der letzten Woche Gamern, die eine Playstation 5 oder Xbox Series X vorbestellen wollten. Zu beiden Konsolen startete nämlich die Möglichkeit, sich ein Exemplar vorzubestellen, um pünktlich zum offiziellen Release im November loslegen zu können.
Auch hier schauten etliche potenzielle Käufer in die Röhre. Da bis zum Release der Konsolen noch einige Wochen vergehen, konnten Sony und Microsoft in diesem Fall wenigstens (im Gegensatz zu den Grafikkarten, die eigentlich direkt verfügbar sein sollten) noch eine zweite Vorbesteller-Phase anbieten. Trotzdem dürften die beiden neuen Konsolen Playstation 5 und Xbox Series X bei ihrem Release vermutlich zunächst vergriffen sein. Und auch bei den Konsolen gibt es das Phänomen von frechen Anbietern, die sich einige Exemplare der Konsolen sichern konnten und offenbar nichts anderes im Sinn haben, als sie zum Release teuer weiterzuverkaufen. Sowohl bei den Grafikkarten als auch bei den Konsolen gibt es zwei Gründe für die Knappheit der Produkte, die Wucherpreise überhaupt erst ermöglichen. Dazu komme ich auf der nächsten Seite.
Hardware-Knappheit - wieso?
Woran liegt es, dass diese Hardware-Produkte derzeit nicht oder zumindest nicht mit einem verlässlichen Liefertermin zu normalen Preisen zu haben sind? Der generelle Grund dafür ist natürlich einfach nur, dass die Nachfrage das Angebot überschreitet - Nvidia ist nicht in der Lage, genügend Stückzahlen zu produzieren, um so viele der neuen Grafikkarten zu produzieren, dass sie zumindest eine Lieferzeit von nur wenigen Tagen haben. Und Sony sowie Microsoft sind offenbar nicht im Stande, bis zum Release genügend Exemplare ihrer Top-Konsolen herzustellen, um alle, die vorbestellen wollen, beliefern zu können.
Quelle: Microsoft
Die kleinere, aber auch schwächere Xbox Series S (weiß) ist im Gegensatz zur Xbox Series X (schwarz) noch vorbestellbar.
Warum aber stellen Nvidia, Microsoft und Sony nicht einfach mehr Exemplare ihrer Produkte her? Ganz einfach: weil es zu viele Nachteile hätte. Würden die Hersteller ihre Produktion stark vergrößern, um selbst eine sehr hoch angesetzte Zahl an erwarteten Käufern problemlos bedienen zu können, wäre dies sehr teuer, und nachdem man die erste Phase an Käufen bedient hat, würden die Produktionsstätten zu großen Teilen brachliegen, was noch mehr Geld kostet.
Die Produkte müssten folglich teurer verkauft werden, was für die Kunden freilich nicht positiv wäre. Eine andere Option wäre, den Releasetermin weit nach hinten zu verschieben, damit man genug Zeit hat, mit den vorhandenen Produktionsstätten die geplante Menge zu produzieren. Auch diese Alternative dürften selbst die meisten derjenigen, die bei einer (Vor)Bestellung kein Glück hatten, nicht besonders positiv sehen. Doch mein Fokus richtet sich auf eine zweite Ursache für die Knappheit der genannten Gaming-Produkte: Bot-Käufe. Es gibt viele Hinweise und auch zum Teil Beweise dafür, dass etliche der Käufer respektive Vorbesteller in Wahrheit Bots waren, also Programme, die eine Bestellung automatisch und schneller als ein Mensch durchführen.
Quelle: PC Games Hardware
Nvidia GeForce RTX 3080 und 3090: Kurz nach Release ausverkauft und weiterhin nicht bestellbar.
Ziel der botbasierten Käufe: menschlichen Kunden die Ware wegschnappen. Hinter den Bots steckten zwar manchmal Gamer, die sich stressfrei ein Exemplar sichern wollen, um es wirklich selbst auch zu nutzen. In einem erwiesenen Fall ging beispielsweise es um einen Anbieter, der quasi als Service für einzelne Kunden per Bots die Ware sichert, also eine Art Bot-unterstützter Sammelkauf. In vielen Fällen sind es aber Abzocker - und ich verwende das Wort hier bewusst und ohne den Hauch eines schlechten Gewissens. Denn diese Abzocker nutzen die Bots, um sich möglichst viele Grafikkarten beziehungsweise Konsolen zu sichern und die Produkte dann zu Wucherpreisen zu verkaufen, da sie darauf spekulierten, dass die Ware knapp sein wird. Sie behielten mit ihrer Spekulation auch Recht, zumal sie selbst ja dazu beitrugen, dass die Produkte knapp wurden. Da die Bestellmengen seitens Nvidia, Microsoft und Sony beschränkt waren, konnten derartige Pseudo-Händler, die keine offiziellen Vertriebspartner der Hersteller sind, nicht einfach beispielsweise 20 Exemplare einer Playstation 5 vorbestellen - dieses Hindernis sorgte dafür dass der Einsatz von Bots noch attraktiver wurde, da man hier für jeden Bot einen eigenen Account anlegen und somit mehrere Einzelkäufe vortäuschen kann. Es gibt zwar keine genauen Zahlen, wie hoch der Anteil solcher botbasierten Käufe ist. Es kann gut sein, dass ich hier über ein Phänomen rede, das vielleicht nicht einmal ein Prozent aller Bestellungen betrifft.
Da aber die Nvidia-Grafikkarten sowie die Spielekonsolen von Sony und Microsoft massenhaft verkauft werden, bedeuten selbst weniger als ein Prozent am Ende viele Tausende von Nutzern, denen ein Bot ein Exemplar vor der Nase wegschnappte. In meinen Augen ist dies ein asoziales von Gier geprägtes Verhalten, wenn jemand mit Hilfe von Bots Produkte hortet, einzig um sie dann deutlich teurer weiterzuverkaufen. In der EU sind solche Pseudo-Händler sogar davor geschützt, dass ihr Plan vielleicht doch nicht aufgeht, falls es am Ende doch genug Exemplare auf dem Markt gibt. Den wenn sie sich beim Kauf nicht als gewerbliche Händler identifizieren, könnten sie bestellte Ware innerhalb von zwei Wochen einfach zurücksenden und das Geld zurückerhalten.
Mittel gegen Bots und Abzocke
Ob und wie viele Kunden das Spiel der Abzock-Anbieter mitspielen und die weit übertriebenen Preise auch bezahlen, ist natürlich schwer nachzuvollziehen. Aber es gibt schon Methoden, die sich gegen Abzocker wehren. Um die mit Bots arbeitenden Abzockern auf eBay zu stören, stellten viele Nutzer selbstgemalte Bilder einer GeForce RTX 3080 als Auktion oder zum Sofortkauf ein - mit einem entsprechenden Hinweis in der Beschreibung, den Bots aber oftmals nicht erkennen.
Doch was könnten Hersteller und seriöse Händler tun, um den Vorrats-Wegkauf durch Bots und die damit verbundene Abzocke zu erschweren? Meine Idee: Captchas. Eigentlich dienen Captchas dazu, Angriffe auf Websites zu unterbinden, bei denen eine Website durch künstlichen Traffic lahmgelegt werden soll, sowie auch dazu, dass auf durch Werbebanner finanzierte Websites künstlich Massen an Klicks generiert werden. Ein Captcha ist eine eigentlich simple Aufgabe, die man erfüllen muss, damit man auf einer Website fortschreiten kann. Die Aufgaben sind aber so gestaltet, dass Bots sich dabei schwertun. Beispiel: eine Buchstabenfolge, die als Grafik angezeigt wird.
Quelle: Microsoft
Xbox Series X
Durch Verzerrungen und die Buchstaben teilweise verdeckende Objekte wird das Lesen der Buchstaben für Menschen schon relativ schwer, für Bots aber ist es fast unmöglich. Solche Captchas würden es Bots mindestens sehr erschweren, Käufe in kurzer Zeit zu tätigen. Wichtig wäre dabei eine Methode, bei der das Captcha erscheint, bevor man das Produkt in den Warenkorb legt. Denn ein im Warenkorb gelegtes Produkt wird von den Shops in der Regel zunächst einmal reserviert, so dass starke Bots einige Minuten Zeit hätten, ein für den Kauf nötiges Captcha doch zu lösen. Müsste man für jedes Produkt, das man bei einem Onlineshop in den Warenkorb legen will, ein Captcha lösen, würde dies die Kunden sicher nerven und wäre kontraproduktiv. Aber für spezielle Fälle, wie eben bei Vorbestellungen der Playstation 5, Xbox Series X oder neuen Top-Grafikkarten, würde ich mir eine solche Regelung wünschen. Was Kunden gegen die Abzocke tun können: nicht darauf eingehen. Ja, es ist ärgerlich, wenn man gerne schon zu Release die neue Grafikkarte oder Konsole auspacken und loslegen darf. Aber auf keinen Fall sollte man Pseudo-Händlern ins Netz gehen - denn je erfolgreicher diese Art des Handel(n)s wird, desto eher wird dies auch in der Zukunft immer wieder vorkommen.
Wegkauf und Wucherpreise sind asozial
Ich finde es absolut asozial, wenn einige Wenige sich bereichern wollen, indem sie ohnehin schon als knapp vermutete Ware noch knapper machen, nur um sie zu einem viel höheren Preis zu verkaufen.Solche Pseudo-Händler tarnen sich am Ende vielleicht in vielen Fällen sogar als Privatnutzer, um noch nicht einmal Steuern bezahlen und keine Gewährleistung geben zu müssen sowie vom Privatverbraucherrecht zu profitieren.
Quelle: Insomniac Games / PlayStation Studios
PS5-Games wie Spider Man - Miles Morales dürften zum Release der PS5 im Gegensatz zur Konsole keine Mangelware sein.
Die Preise steigen dadurch zudem auch bei regulären Händlern. Denn wenn eine Ware wie Grafikkarten wirklich knapp wird - das wissen wir spätestens durch den Mining-Boom - steigen auch bei seriösen Shops die Preise über die ehemalige UVP der Hersteller. Gegen mit Bots agierende Anbieter sollten vor allem die Hersteller etwas tun, denn die Hersteller verdienen ja nichts daran, wenn einzelne Abzocker die Produkte zum Normalpreis erwerben und dann teurer weiterverkaufen. Bei den Händlern könnte das Interesse an Gegenmaßnahmen allerdings eher gering sein, denn sie gehen im Zweifel die steigenden Preise ja einfach mit.
Allerdings könnten die Hersteller bei ihren offiziellen Vertriebspartnern unter den Händlern freilich auch Druck machen. Zum Abschluss möchte ich noch anmerken, dass ich nicht gegen jedes Ausnutzen einer Preissteigerung bin. Nehmen wir an, jemand hat ein zum Release sehr knappes Produkt, zum Beispiel eine Grafikkarte ergattert, welches er eigentlich selbst nutzen wollte. Dann erfährt er von den hohen Preisen wegen der Knappheit und bietet das Produkt selbst zu einem hohen Preis an, auch da es ihm nichts ausmacht, erst in ein paar Wochen oder gar Monaten mit mehr Grafikpower unterwegs zu sein.
Ein solches Verhalten finde ich völlig okay. Was ich nicht in Ordnung finde, selbst wenn es nur um ein einziges Exemplar eines Produktes geht, wäre ein gezieltes (Vor)Bestellen mit dem festen Vorhaben, er deutlich teurer weiterzuverkaufen - egal ob mit oder ohne Hilfe eines Bots. Leider sieht man derartige Vorgehensweisen oder zumindest den Verdacht auf eine solche Strategie schon seit Jahren immer wieder bei diversen Produkten, wenn beispielweise manche Collectors Edition eines Spiels schon beim Release des Games deutlich teurer als zu ihrem Vorbesteller-Preis angeboten wird, sofern sie in Onlineshops schon vor Release vergriffen ist. Wie seht ihr die Thematik? Seht ihr euch vielleicht sogar selbst als Opfer der Abzocker, weil ihr eine der neuen Nvidia-Grafikkarten oder Konsolen bestellen wolltet und gescheitert seid?
