Wo bleibt Titanfall 3? Wir brauchen endlich wieder einen Movement-Shooter - mit Video!

Kolumne Stefan Wilhelm
Wo bleibt Titanfall 3? Wir brauchen endlich wieder einen Movement-Shooter - mit Video!
Quelle: Electronic Arts

Titanfall hat es populär gemacht, Call of Duty hat es zu Grabe getragen - vertikales Movement mit Doppelsprüngen und Wallruns ist entweder das Schlimmste oder das Beste, was ein Ego-Shooter machen kann, je nachdem, wen man fragt. In seiner Kolumne bricht Stefan eine Lanze für Jetpacks in Ego-Shootern und erklärt, warum es dieses Sub-Genre immer wieder schwer hat.

Ich habe aktuell sehr viel Spaß mit zwei Shootern, von denen der Großteil von euch wahrscheinlich noch nie etwas gehört hat. Die Rede ist von Bright Memory: Infinite und Severed Steel, zwei futuristische Ego-Shooter von Indie-Entwicklern, die in dieser Woche den Sprung vom PC auf die Konsolen geschafft haben. Und die sind sich, trotz ihrer völlig verschiedenen Settings und Gameplay-Ausrichtungen, in einem Punkt sehr ähnlich: Bei beiden liegt der Fokus nicht nur auf dem Schießen, sondern auch und vor allem auf schneller und vertikaler Bewegung. Und das hat mich als alten Titanfall-Fan mal wieder ins Grübeln gebracht.

Warum wird ein so vielseitiges und spaßiges Feature wie dreidimensionales Movement nur von so wenigen Shootern eingesetzt, obwohl es noch vor wenigen Jahren der Zug war, auf den jeder aufspringen wollte? Um diese Frage zu beantworten, sollten wir uns diese paar Jahre zuerst einmal genauer ansehen: Erinnert ihr euch noch an den Enthüllungstrailer zu Call of Duty: Infinite Warfare, mit dem sich Activision und Infinity Ward im Sommer 2016 mit zum damaligen Zeitpunkt beispielloser Wucht ins eigene Bein geschossen haben? Mit stolzen 3,9 Millionen Dislikes ist der Clip laut Wikipedia inzwischen auf Platz 28 der am meisten gedislikten Videos auf Youtube, zum Erscheinungsdatum war die Platzierung sogar noch höher.

Woher kam die Abneigung?

Einerseits hatte Activision den Vorgänger, Black Ops 3, kurz vorher mit der Einführung kaufbarer Lootboxen zum virtuellen Casino umgebaut, aber andererseits - und noch viel wichtiger: Die Spieler hatten schlicht die Schnauze voll von futuristischen Settings. Das bezieht sich aber nicht nur auf die Waffenauswahl und die Map-Umgebungen, sondern vor allem auf die Jetpacks, mit denen die Call-of-Duty-Soldaten seit Advanced Warfare ausgerüstet waren.
Dass Call of Duty mit Infinite Warfare zum dritten Mal in Folge auf 3D-Movement setzen würde, schmeckte vielen Spielern gar nicht.  Quelle: Activision Dass Call of Duty mit Infinite Warfare zum dritten Mal in Folge auf 3D-Movement setzen würde, schmeckte vielen Spielern gar nicht.  Doppelsprünge, Sliden, an der Wand entlanglaufen - während ein Shooter für manche durch solche Mechaniken erst richtig interessant wird, scheint es viele Spieler einfach nur zu nerven, wenn die Gegner auch von oben angehüpft kommen. Das zeigte sich nicht nur am Call-of-Duty-Debakel, sondern auch an den miesen Verkaufszahlen des im selben Jahr veröffentlichten Titanfall 2. Und das, obwohl viele Spieler, die Titanfall 2 eine Chance gegeben haben, es bis heute als einen der besten Shooter überhaupt ansehen. Inklusive mir!

Bruchpiloten

Im Jahr darauf versuchte es Gears-of-War-Schöpfer Cliff Bleszinski nochmal mit seinem Multiplayer-only-Movement-Hero-Shooter Lawbreakers und flog damit noch übler auf die Nase, als TF2 und Infinite Warfare zuvor. Denn trotz positiver Wertungen wurde Lawbreakers so wenig gespielt, dass die Server ein knappes Jahr später schon wieder abgeschaltet wurden - bei Spielerzahlen im zweistelligen Bereich kein Wunder! Seitdem hat sich im Bereich der Movement-Shooter nicht mehr viel getan.

Der Quasi-Titanfall-Nachfolger Apex Legends ersetzte Jetpacks und Wallrunning durch Battle Royale und Hero-Shooter-Mechaniken und war damit um Lichtjahre erfolgreicher als seine Vorgänger. Call of Duty ist seit 2017 auf dem Teppich geblieben und rotiert aktuell zwischen modernem Krieg, Kaltem Krieg und Zweitem Weltkrieg. Was ist mit Quake Champions? Tot. Hyper Scape? Tot. Splitgate? Tot. Doom 2016 und Eternal? Fantastischer Singleplayer, toter Multiplayer. Halo Infinite würde ich auch noch grob zu dieser Gruppe zählen, trotz Free-to-Play-Modell sind die Spielerzahlen dort allerdings auch ziemlich im Keller.
Lawbreakers ist so heftig gefloppt, wie man nur floppen kann. Das Entwicklerstudio musste kurz nach Abschaltung der Server ebenfalls dichtmachen.  Quelle: Boss Key Productions Lawbreakers ist so heftig gefloppt, wie man nur floppen kann. Das Entwicklerstudio musste kurz nach Abschaltung der Server ebenfalls dichtmachen.  Man könnte also meinen, all die Shooter mit dreidimensionalem Movement wären wirklich nur eine Phase gewesen, die 2014 von Titanfall begonnen und 2016 von Infinite Warfare wieder beerdigt wurde. Zählt man die guten, alten Arena-Shooter wie Quake und Unreal Tournament dazu, gibt es das Konzept natürlich schon sehr viel länger. Eine wirkliche Relevanz haben die in der heutigen Gaminglandschaft allerdings auch nicht mehr.

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  1. Seite 1 Wir brauchen endlich wieder einen Movement-Shooter - Seite 1: Das Infinite-Warfare-Desaster und andere Bruchlandungen
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