Medieval Dynasty im Test: Fazit und Wertung
Test
Medieval Dynasty zeigt Mittelalter-Spiele in einem anderen Licht und macht einiges anders als die Genre-Kollegen, fühlt sich manchmal jedoch eher wie ein Marathonlauf an. Ob das funktionieren kann, erfahrt ihr hier in unserem Test.
Hübsche Pappkulisse
Quelle: PC Games
Am Wegesrand findet ihr manchmal Gegenstände, die euch während eures Abenteuers helfen. Umsehen lohnt sich also!
Immerhin, das Mittelalter-Abenteuer sieht ziemlich gut aus. Auf unserem Rechner lief das Spiel problemlos mit 60 Frames bei einer Auflösung von 4K ohne nennenswerte Aussetzer. Immer wieder blieben wir stehen und bestaunten die Landschaft, besonders der virtuelle Herbst und der darauffolgende Winter zogen uns in ihren Bann. Auch das Erkunden in dieser Welt wird belohnt, von Zeit zu Zeit findet ihr am Wegesrand fortgeschrittene Werkzeuge, Geld in Fässern oder verlassene Handelskarren. Das Sound-Design unterstützt dabei die Atmosphäre, ruhige Musikstücke begleiten uns auf unseren langen Reisen durch das Tal und versetzen uns zurück ins Mittelalter.
Leider nutzt die beste Optik nichts, wenn die restliche Spielwelt nicht überzeugt. Das beginnt bei den leblosen Städten und den schlecht animierten und verbuggten Dorfbewohnern, die an manchen Tagen mit den Füßen im Boden stecken und an anderen über der Erde schweben. Dazu kommt, dass die Einwohner nicht gerade die Hellsten sind, immer wieder blockieren sie von innen den Eingang zu Häusern und stehen sich gegenseitig im Weg.
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Generell sind die Animationen nicht gerade auf dem neuesten Stand. Niemand erwartet Motion-Capture-Qualität wie in Red Dead Redemption 2, der aktuelle Zustand ist jedoch mangelhaft. Dies fällt besonders bei der Jagd auf. So prallen geworfene Speere einfach an den Tieren ab und auch die Bewegungen der Tiere wirken steif und unrealistisch. So können Wölfe sich auf der Stelle um 180-Grad drehen, ohne ihre Pfoten zu benutzen. Beim Häuten der Tiere stochern wir lieblos mit unserem Messer im Kadaver herum, nur, damit er danach spurlos vom Bildschirm verschwindet. Das ist durchaus ein Makel, wenn man bedenkt, dass sich das Spiel das Wort "Simulation" auf die Fahnen schreibt.
All diese Fehler sind verzeihbar und reißen einen in der Regel nicht allzu stark aus der Welt. Es gelingt den Machern Großteiles, uns das Gefühl zu geben, in einer Mittelalterwelt zu stecken, in der wir uns eine neue Existenz aufbauen. Jedoch gibt es noch weitere Punkte, die den Spielspaß deutlich reduzieren.
Ermüdender Marathonlauf
Quelle: PC Games
Die Karte ist riesig und zu Fuß nur schwer zu erschließen. Hier ist nur ein Ausschnitt zu sehen, im Süden gibt es noch weitere Gebiete und Dörfer zum Erkunden
Medieval Dynasty spielt in einer weitläufigen Open-World. Passend zum Zeitalter erkundet ihr diese hauptsächlich zu Fuß. So weit so gut, wenn die Distanzen nicht so unüberwindbar groß wären. Es kommt immer wieder vor, dass wir zehn Minuten damit verbringen, einfach nur in eine Richtung zu laufen. Dabei begegnen wir hin und wieder auch noch einem Wolf, der uns in Stücke reißt und wir können die Reise von vorne beginnen.
Zusätzlich fehlt dem Spiel eine Minimap, was die Navigation noch einmal erschwert. Schnellreisepunkte suchen wir ebenfalls vergebens. Zwar ist der Erwerb eines Reittiers möglich, dieses ist jedoch so unendlich teuer, dass es uns in unserem achtzehnstündigen Spieldurchlauf nicht gelungen ist, eines zu erwerben. Diese langen Reisen kosten Zeit und sind äußerst ermüdend.
Frust im Winterwunderland
Zusammen mit Racimir durchlaufen wir die vier Jahreszeiten, wobei jede Jahreszeit nur aus einer begrenzten Anzahl an Ingame-Tagen besteht. Mit dem Beginn des Frühlings ist ein Jahr vorbei und die Steuern beim Kastellan werden fällig. Je größer das Dorf, desto teurer wird es.
In unserem ersten Winter stellten wir fest, dass von heute auf morgen Schnee vor der Tür lag und die Temperatur um zehn Grad Celsius gefallen war. Es war sogar so kalt, dass wir, sobald wir das Haus verließen, kurzerhand erfroren, ohne etwas dagegen tun zu können. Also standen wir nutzlos im Haus herum und starrten die Wand an, solange, bis der Winter vorbei war. Wobei wir an besonders kalten Tagen selbst dort Schaden erlitten. Leider gibt es auch keine Möglichkeit, die Zeit zu beschleunigen. Zwar können wir von 17 Uhr bis 7 Uhr schlafen, dann müssen wir aber hoffen, dass unsere gesammelte Nahrung ausreicht und wir nicht im Schlaf verhungern.
Quelle: PC Games
Das Spiel ist optisch ziemlich gut gelungen und hat uns immer wieder staunen lassen. Hier ein Blick auf unser Dorf während der Wintermonate.
Zwar waren wir in unserer Testsession auch schlicht mangelhaft auf den ersten Winter vorbereitet und viele unserer Probleme waren unser eigenes Verschulden. Jedoch wies das Spiel uns zu keinem Zeitpunkt darauf hin, wie wichtig es ist, warme Kleidung anzulegen oder das Haus zu dämmen. Das darauffolgende Jahr verbrachten wir damit, unser Haus zu dämmen, neue Kleidung zu organisieren und genügend Vorräte zu sammeln. Und siehe da, im nächsten Winter konnten wir das Haus tatsächlich verlassen, ohne zu erfrieren. Durch die unklare Heranführung ist dieses eigentlich spaßige und realistische Spielelement unnötig frustrierend.
Wer will, kann auf Kosten des Realismus übrigens vor Spielbeginn diverse Zugänglichkeitsfeatures aktivieren beziehungsweise knifflige Spielelemente ausschalten, darunter eben auch das Deaktivieren der Temperaturempfindlichkeit. Auch weitere Aspekte wie die Erhebung von Steuern oder ein Multiplikator für die Gewinnung von Erfahrung können frei eingestellt werden. Jedoch sind nachträgliche Änderungen während der Kampagne nicht mehr möglich.
Für unserem Test spielten wir auf dem Schwierigkeitsgrad "Normal". Die Spielerfahrung, wie wir sie erlebt haben, inklusive aller vom Spiel in den Weg geworfenen Gemeinheiten, ist also ausdrücklich so vorgesehen. Beim ersten Spielablauf weiß man ja nicht, was einen erwartet und kann somit auch keine sinnvollen Änderungen vornehmen. Dass man nachträglich nichts mehr umstellen kann, ist also eine seltsame Designentscheidung.
Mittelalter-Abenteuer nur für Liebhaber?
Was für ein Spiel ist Medieval Dynasty nun also und für wen ist es geeignet? Der Titel versetzt euch in eine stimmige, mittelalterliche Welt, die den Fokus auf den Bau eines eigenen kleinen Dorfes legt. Euch erwartet ein Aufbaustrategiespiel, welches mit Survival-Elementen gepaart ist und das Leben der damals einfachen Landbevölkerung realistisch abbilden will, dabei aber in allen Bereichen mit Problemen zu kämpfen hat. Positiv zu erwähnen ist auf jeden Fall die Fülle an Spielinhalten, in unseren 18 Spielstunden bekamen wir bei weitem nicht alles zu Gesicht.
Wem das Setting oder das Kernprinzip zwar generell zusagt, allerdings nicht vom aktuellen Zustand des Spiels überzeugt ist, der sollte einfach noch ein wenig warten. Denn laut Entwickler Render Cube sind auch nach Release neue Features geplant, zum Beispiel eine Third-Person-Perspektive, weitere Dekorationen und auch eine Umsetzung für Konsolen. Und vielleicht bekommen die Macher ja auch die miesen Animationen noch in den Griff.
Medieval Dynasty ist seit dem 23. September 2021 für den PC erhältlich. Davor war es bereits im Early Access spielbar.
