Medieval Dynasty im Test: Frustrierender Marathonlauf im Mittelalter mit gutem Kernprinzip
Test
Medieval Dynasty zeigt Mittelalter-Spiele in einem anderen Licht und macht einiges anders als die Genre-Kollegen, fühlt sich manchmal jedoch eher wie ein Marathonlauf an. Ob das funktionieren kann, erfahrt ihr hier in unserem Test.
Medieval Dynasty verspricht eine Mischung aus Rollenspiel, Survival-Abenteuer, Aufbaustrategie und Simulation. Dabei will es einen anderen Weg gehen als andere Titel mit Mittelalter-Setting. Die Macher wollen nicht von glorreichen Burgen und edlen Rittern auf Schlachtrössern erzählen, sondern vom Leben aus der Sicht der vermeintlich einfachen Landbevölkerung. Dieses Konzept hat uns hellhörig werden lassen, weshalb wir das Abenteuer ausgiebig auf Herz und Nieren getestet haben - inklusive jener Phase, wo wir stundenlang eine Wand bewunderten. Es ist kompliziert.
In Medieval Dynasty schlüpfen wir aus der Ego-Perspektive in die Haut des 18-jährigen Racimir. Dem ältesten Sohn gelingt es als einzigem Mitglied seiner Familie, während des Krieges aus seiner Heimat zu fliehen. Sein Ziel ist das Dorf seines Onkel Iordan, welches er aus den Erzählungen seiner Mutter kennt. Dies wird uns in einer der wenigen Filmsequenzen mitgeteilt, zudem gibt es nur in diesem Anfangsvideo englische Vertonung. Danach müssen wir uns mit - immerhin deutschen - Texten begnügen. Das Spiel beginnt im eben genannten Dorf und wir erfahren von Uniegost, dem Kastellan der Gemeinde, eine Art Bürgermeister, dass unser Onkel nicht mehr unter den Lebenden weilt.
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Jedoch stellt Uniegost es uns frei, auf einem Stück Land eine neue, eigene Dynastie aufzubauen. Damit sind die Rahmenhandlung und zugleich auch die Motivation unseres Charakters gesetzt.
Siedlungsbau für Anfänger!
Quelle: PC Games
Darf ich vorstellen: Racimir, 18 Jahre und Vollwaise. Einer der selten Momente in denen wir unseren Charakter zu Gesicht bekommen ist gleich zu Beginn. Spiegel gab es schließlich noch nicht.
Schnell sammeln wir die ersten Steine und Stöcke, basteln uns einen Hammer und setzen uns daran, unser erstes Haus zu zimmern, und zwar in bester Aufbaustrategie-Manier. Wir erhalten die Möglichkeit, ein komplett eigenes Dorf von Grund auf zu erschaffen. Dabei stehen uns eine Vielzahl von Gebäuden zur Auswahl, wie zum Beispiel eine Schmiede, ein Materiallager oder auch eine Küche. All diese Gebäude schaltet man nach und nach durch das Sammeln von Erfahrungspunkten im entsprechenden Bereich frei, beispielsweise Überlebenstechnik. Genau dieser Prozess ist die Kernessenz des Spiels und sorgt für langfristige Motivation.
Richtig spannend wird es dann, wenn wir das erste Mal Leben in unser Dorf bringen. Reisende, welche in Medieval Dynasty (jetzt kaufen ) aus einem unerklärlichen Grund immer am Lagerfeuer sitzen, können für unser Dorf angeworben werden. Im Gegenzug dafür, dass wir sie mit einer sicheren Unterkunft sowie mit Grundnahrungsmitteln versorgen, arbeiten sie für uns. Die Aufgaben beginnen beim Sammeln von Holzstämmen und enden beim Herstellen von komplexen Werkzeugen.
Ein Manko ist hierbei jedoch die Art und Weise, wie die Ressourcen gesammelt bzw. hergestellt werden. So landet der Holzstamm einfach in unserer Truhe, ohne dass auch nur ein Baum gefallen ist. Das stört die Atmosphäre. Die Verwaltung all unserer Dorfbewohner gelingt durch ein gut durchdachtes Menü. Im Grunde können wir uns mit genügend Bewohnern irgendwann zurücklehnen und ihnen beim Arbeiten zusehen. Besonders am Anfang erweist es sich jedoch als Mammutaufgabe, neben sich selbst auch noch Dorfbewohner zu versorgen. Womit mir beim nächsten versprochenen Gameplay-Aspekt angelangt sind: Survival.
Hetzjagd im Mittelalter
Quelle: PC Games
Das Verwaltungsmenü ist gut gelungen und lässt euch eure Bewohner sehr gut managen. Dort könnt ihr ihnen auch Arbeits- und Schlafplätze zuteilen.
Der Survival-Aspekt ist in den ersten Stunden durchaus fordernd. Zu Beginn lebt unser guter Racimir von der Hand in den Mund, erst recht , nachdem unsere Startressourcen aufgebraucht sind. Also begeben wir uns auf die Jagd, eine Tätigkeit, die unfassbar ermüdend und bis zum Erhalt des Bogens nahezu unmöglich ist. Abgesehen von Kaninchen, die nur sehr wenig Fleischertrag bringen, ist jedes einzelne Tier schneller als wir. Dabei werden diese auch nicht nach einer gewissen Zeit müde, sondern rennen immer weiter.
Erst mit dem Erhalt der Jagdhütte können wir uns langsam entspannen, indem wir die Fleischproduktion automatisieren. Ordnen wir diesem Gebäude einen Dorfbewohner zu, sammelt dieser ordentliche Mengen Fleisch und das endlose Hinterherlaufen hat ein Ende. Nun gibt es neben den friedliebenden Tieren aber auch gefährliche Jagdtiere, die uns direkt angreifen. Wegrennen zwecklos! Begegnet ihr im frühen Spiel einem Wolf oder Wildschwein, könnt ihr gleich euer Testament schreiben. Nach einem Bildschirmtod müsst ihr den letzten Spielstand neu laden, was euch ziemlich weit zurücksetzen kann. Das Autosave-Intervall kann zwar angepasst werden, ist standardmäßig jedoch bei 30 Minuten angesiedelt.
Gelingt es uns doch, ein Tier zu erlegen, versäumt es das Spiel, uns mitzuteilen, dass wir dieses an einem Lagerfeuer rösten und schließlich verzehren können. Das Problem fehlender Einblendungen taucht immer wieder auf. Zwar gibt es ein ausführliches Hilfemenü, das Spiel ist aber nicht sonderlich gut darin, einen darauf hinzuweisen. Die Flora im Mittelalter ist hingegen außergewöhnlich vielseitig, von Heilpflanzen über Giftpilze haben die Wälder alles zu bieten.
Vom Tischler zum Millionär
Quelle: PC Games
Die Tiere sehen zwar alle ganz nett aus, aber das war's auch schon. Die Animationen sind leider eine Katastrophe, das zeigt sich auch beim Häuten der Tiere.
Die nervige Nahrungssuche gleicht Medieval Dynasty mit einem gut ausgearbeiteten und vielseitigen Crafting-System aus. So können wir komplexe Gerichte in der Küche kochen oder in der Werkstatt dekorative Gegenstände herstellen. Dadurch kommen auch die Einrichtungs-Fans unter euch auf ihre Kosten. Wir können aus einem großes Sortiment an Stühlen, Tischen oder auch Beleuchtung wählen. Allerdings muss jeder Gegenstand einzeln hergestellt werden, weshalb es durchaus vorkommt, dass wir mehrere Minuten an einer Stelle stehen, um Weidenkörbe aus Stöcken zu basteln.
Münzen, die Währung des Spiels, erhaltet ihr nicht primär durch das Erfüllen von Aufträgen für andere Dorfbewohner, sondern durch das Handeln mit spielergenerierten oder gesammelten Gegenständen. Auch diese Information wird uns vom Spiel nicht vor die Füße geworfen, sondern muss auf die harte Tour gelernt werden. Wir liefen erst ewig lang ziellos durch die Gegend und erledigten repetitiven Nebenquests à la "sammle zehn Holzstämme!" und "bring XY zu Bewohner Z!", bis wir bemerkten, dass diese Quests kaum Geld
abwerfen und uns umorientierten. Stattdessen werden die NPC-Aufgaben durch eine andere Währung vergütet: Dynastie-Reputation.
Denn ohne diese möchte niemand in unser Dorf ziehen. Fällt sie auf einen zu niedrigen Level, werden wir aus dem Tal verbannt. Wir verlieren Reputation zum Beispiel durch das Stehlen von Gegenständen oder schlechtes Benehmen im Generellen. So werden wir über kurz oder lang quasi genötigt, uns den Nebenquests trotz fehlender Geldgewinne anzunehmen. Unter anderem auch deswegen, da Diebstahl ein lukrativer Geschäftszweig ist, solange man sich nicht erwischen lässt und weiß welche Gegenstände wertvoll sind, besonders zu Beginn eines Abenteuers.
Noch weniger erfüllend als das Abschließen von sich wiederholenden Quests der Einwohner, ist lediglich die Geschichte des Mittelalter-Abenteuers.
Enttäuschender Stummfilm
Die Handlung ist leider mehr als dürftig, hierbei müssen wir jedoch differenzieren. Zunächst gibt es die Kapitel-Quests, die ihr abschließen müsst, um euer Gebäude-Limit zu erweitern. Diese bestehen aus Herausforderungen, die zunächst simpel sind und erst gegen Ende hin immer fordernder werden, jedoch nicht viel mit der Story zu tun haben. Dennoch machen sie Spaß und zeigen uns immer wieder auf, wie weit wir schon gekommen sind.
Die eigentliche Geschichte findet in zwei voneinander unabhängigen Handlungssträngen statt: Alwins und Uniegosts Geschichte. Beide davon haben uns nicht gerade überzeugt. Unigosts Aufträge erzählen eine doch relativ gut und charmant geschriebene Geschichte. Alwin helfen wir hingegen bei der Selbstfindung, während er uns kreuz und quer durch das Tal schickt. Beiden Quest-Reihen fehlt dabei eine Vertonung. Wer hier Qualität à la The Witcher erwartet, wird enttäuscht.
Die Story ist eine nette Beschäftigung, wenn man vom Bauen eine Pause benötigt, mehr aber auch nicht. Diesen Aspekt haben die Macher ganz klar in den Hintergrund gestellt und sich stattdessen auf andere Punkte konzentriert.
