Fertig machen zum Absprung! In der neuen Episode von EAs Ballerserie landet ihr (gelegentlich) per Fallschirm im Kampfgebiet.
Lobenswert: Bis zu vier Spieler dürfen ran. Leider ist es ein simples Geballer...
So wirklich aktuell sind Spiele zum Thema Zweiter Weltkrieg nicht mehr. Das Genre ist seit über fünf Jahren auf PS2 & Co präsent und kann schon seit geraumer Zeit keine neuen Maßstäbe mehr setzen. Die meisten Kampfgebiete von der Normandie über Russland bis hin zu Afrika kennt man aus diversen Ballereien. Auch die pseudodokumentarische Präsentation mit vergilbten Wochenschau-Filmchen hat sich über die Jahre deutlich abgenutzt. Nun will EA mit "Vanguard" frische Akzente setzen.
Überschreitet ihr bestimmte Punkte im Level, tauchen haufenweise Gegner auf.
Zwar ist das Szenario von Sizilien über Frankreich bis zum Rhein wieder mal altbekannt, aber immerhin darf man sich nun in vier Fallschirmjägermissionen aus dem Flieger schmeißen. Das macht grafisch richtig was her: Auch Veteranen des Bildschirmkrieges schnalzen anerkennend mit der Zunge, wenn vor ihnen Dutzende Fallschirme durch die Luft segeln, während unter ihnen Flakfeuer dröhnt und sie versuchen, den mit grünem Rauch markierten Landepunkt zu erreichen.
Kampfroutine ohne Neuerungen
Kopf runter: Bei solchen Stellungskämpfen solltet ihr aus der Deckung agieren, sonst ist es aus!
Sobald ihr unsanft auf dem Boden der Realität landet, setzt unerbittlich der Frontalltag ein. Wildes Gebrüll ertönt an den Küsten, ungelenk humpeln Freund und Feind durch sterile Kulissen, und als akustischer Hintergrund dienen dumpf donnernde Artilleriegeschütze. Und - wir hatten es fast befürchtet - Stück für Stück werden unsere Hoffnungen auf Verbesserungen und Innovationen im Trommelfeuer der allgegenwärtigen MG-42-Stellungen durchlöchert. Die Intelligenz der Gegner? Fast nicht vorhanden. Beispiel: Oft sollt ihr laut Spieldrehbuch bestimmte Kampfpositionen einnehmen. Tut ihr das nicht, sehen und bekämpfen euch komplette Gegnertrupps oft nicht.
Geht ihr also etwa nicht wie von einem Kameraden vorgeschlagen in eine Ruine, sondern verteidigt euch lieber im freien Gelände, erlebt ihr Kriegssatire vom Feinsten: Deutsche Truppen weigern sich, euch zu bemerken. Sie liefern sich auf wenige Meter Scheingefechte mit Soldaten eurer Einheit. Immerhin werfen die teils unfair genau schießenden Gegner auch mal mit Granaten.
Knifflig: Auf dem Marktplatz eröffnen deutsche Truppen das Feuer: Eliminiert die Sniper mit präzisen Schüssen!
Na ja, der Fairness halber sei gesagt, dass die eigenen Jungs ab und an auch ganz hilfreich sind. Nur ist das eben nicht genug, um eine Illusion von Gefahr und Krieg zu erzeugen. Apropos Illusion: Diese leidet auch erheblich unter der Banalität der Missionen. Fahrzeugeinsätze? Fehlanzeige. Filmreif inszenierte Ereignisse wie in "Call of Duty"-Titeln? Gibt's nicht. Es mangelt sogar an einer halbwegs stimmigen Story: Grob und unzusammenhängend erfahrt ihr vor jeder Mission, dass die 82. Armored Division mal wieder zu einem Einsatz abkommandiert wird. Eure Squad-Kollegen sehen allesamt gleich aus, warten dauernd auf euer Voranstürmen und lassen keinerlei emotionale Nähe aufkommen. Das Beste an "Vanguard" sind die teils sehr packenden Stellungskämpfe. Mit dem Analog-Stick dürft ihr nämlich leicht seitlich aus der Deckung hervorlugen, um präzise auf ebenfalls verschanzte Gegner zu feuern. Und hier funktioniert die Trefferabfrage sehr genau. So kann man sich wirklich Meter um Meter gegen harten Widerstand vorarbeiten. Sehr schade, dass es nur wenige Speicherpunkte gibt. Besonders Varsity, die vierte Mission, nervt nur noch: unfaire Stellen, plötzlich auftauchende Gegner, unglaubwürdiger Ablauf. Wir hegen den Verdacht, dass EA an dieser Stelle den viel zu geringen Umfang durch einen irrwitzigen Schwierigkeitsgrad überdecken wollte.
Grafik-Kollateralschaden
Hier müsst ihr Flak-Geschütze sprengen. Das Zielfernrohr erhalten zielgenaue Fallschirmspringer als Belohnung.
So beeindruckend die Absprungsequenzen zu Beginn der Einsätze sind, so gravierend sind die optischen Mängel, die sich wie ein roter Faden durch alle Kampagnen ziehen: Die Umgebung wirkt leblos und leer, Oberflächen sind verwaschen und wiederholen sich ständig. Trotz der sparsamen Grafik flimmert es unschön, und Spezialeffekte wie Dreckfontänen, Splitter und Rauch sehen einfach schlecht aus. Insgesamt haben wir den Eindruck, dass hier mit wenig Ehrgeiz und Detailfreude gearbeitet wurde. Spielerische und grafische Schwächen vermitteln das Bild einer schludrig produzierten Fortsetzung. Womöglich arbeiten die besten EA-Programmierer an der PS3-Fassung des Spiels, die den Namen "Airborne" trägt und ebenfalls die Geschichte der 82. Armored Division erzählt. Die PS2-Fassung jedenfalls erhält von uns keinen Orden - zu belanglos wurden hier 08/15-Elemente des Genres zu einem unrühmlichen Ganzen zusammengerührt. Wir beantragen Fronturlaub!
