Max Payne: Hart gekocht in New York - Retrospecial Seite 2

Special Dominik Pache
Max Payne: Hart gekocht in New York - Retrospecial Seite 2
Quelle: Remedy

It's Bullet Time! - Vor mehr als 20 Jahren erschien Max Payne (allerdings zunächst nicht in Deutschland) und krempelte das Shooter-Genre auf links.

Doch Max Payne zog nicht allein wegen erzählerischer Kreativität als legendäres Werk in die Spielegeschichte ein, besonders das Gameplay war einfallsreich und etablierte die später oft kopierte Funktion der Bullet-Time. Per Knopfdruck war es möglich, die Zeit zu verlangsamen und dadurch präziser auf die Gegner zu zielen oder heranfliegenden Kugeln auszuweichen. Damit traf das Spiel im Fahrwasser von Matrix exakt den Zeitgeist der frühen Zweitausender. Dabei ist das Spiel im Grunde ein waschechter, linearer Shooter. Die meiste Zeit rennt man von Raum zu Raum und ballert kübelweise anrennende Gegner über den Haufen.

Auf den ersten Blick wirkte die künstliche Intelligenz der Feinde ziemlich komplex. Gegner nahmen Deckung, warfen an taktisch klugen Stellen Granaten oder arbeiteten zusammen, um Max auszukontern. Sah man aber genauer hin, oder spielte Abschnitte erneut, bemerkte man, dass die Reaktionen der Feinde fast ausschließlich auf Skripten basierten. Das tat dem Spaß aber keinen Abbruch, denn so konnte man deren Bewegungen voraussehen, wodurch die resultierenden Abschussserien nur noch stylisher wurden. Max hat im Verlauf des Spiels Zugriff auf ein immer größer werdendes Waffenarsenal.

Angefangen von Pistolen, über Schrotflinten und Uzis, die man teilweise sogar beidhändig führen kann, erhält er später Zugriff auf Sturmgewehre, Scharfschützengewehre und mächtige gasbetriebene Automatik-Shotguns.

Trifft man einen Gegner mit der Sniper rifle, schaltet die Kamera in eine Ansicht, in der sie die Kugel bis zum Einschlag verfolgt. Ob das wohl eine Inspiration für die spätere Sniper-Elite-Reihe war? Die Kämpfe waren brutal, ästhetisch und blutig inszeniert, was dem Spiel hierzulande zum Verhängnis werden sollte.

Deutsche Geburtsschmerzen

Die Indizierung des Spiels durch die BPjM war abzusehen, jedoch liest sich die Begründung der Behörde, prall gefüllt mit falschen Behauptungen und aus dem Zusammenhang gerissenen Spielszenen, extrem skurril. Neben der üblichen Argumentation, dass die Gewalt entmenschlichend wirkt und die realistische Grafik zur Verrohung der Jugend beiträgt, sprechen die Jugendschützer unter anderem davon, dass die Erschießungsszenen in der Egoperspektive stattfinden, was schlichtweg falsch ist.

Alle gegen einen - Max Payne sieht sich stets einer Übermacht an Feinden gegenüber. Quelle: PC Games Alle gegen einen - Max Payne sieht sich stets einer Übermacht an Feinden gegenüber.

Außerdem wird als Indizierungsgrund genannt, dass Max Payne auch Frauen und Polizisten erschießen muss. Das stimmt, ist aber nicht so simpel, wie von der Behörde dargestellt. Ja, einer der Bossgegner ist der ehemalige DEA-Kollege von Max, der sich hat schmieren lassen und jetzt zu einem klassischen Auftragskiller verkommen ist.

Die Handlanger in seinem Schlepptau kann man aber nicht eindeutig als Polizisten identifizieren und wirken eher wie Mafiosi. Die angesprochenen Frauen werden von einer einzigen Prostituierten verkörpert, die sich hinter einer Bar verbarrikadiert hat und auf Max mit einer Pistole feuert.

Ach ja, und natürlich gibt es noch die Oberschurkin Nicole Horne. Bei einer Indizierungsbegründung eine Differenzierung der Geschlechter ins Feld zu führen, ist eher Sexismus aufseiten der Bundesbehörde. Mehr zur deutschen Fassung von Max Payne und wie ihr es heute spielen könnt, erfahrt ihr auf Seite 3!

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