Max Payne: Hart gekocht in einer New Yorker Minute - Retrospecial

Special Dominik Pache
Max Payne: Hart gekocht in einer New Yorker Minute - Retrospecial
Quelle: Remedy

John Woo etablierte mit seinen Heroic-Bloodshed-Streifen ein ganzes Genre von Filmen, in denen einsame, gebrochene Männer der Welt den Krieg erklären und das Gesetz in die eigene Hand nehmen. Die folgenden Massaker sind meist mit extremen Zeitlupen und verrückten Kamerafahrten ästhetisiert. Aber nicht nur Matrix, John Wick und viele andere nahmen sich ein Beispiel an John Woo, auch die Spieleindustrie erschuf eine Hommage an diese Art von Filmen in Form des zeitlosen Klassikers Max Payne.

Eine düstere, melancholische Stimmung, gepaart mit stilisierten Gun-Fu-Kämpfen in Zeitlupe und einer klassischen Rachegeschichte im Noir-Stil: Max Payne revolutionierte vor über 20 Jahren die Spielewelt und ist bis heute einer der besten Story-Shooter aller Zeiten. In unserem Retrospecial zeigen wir, was das Spiel so sehr von seinen Genre-Kollegen abhob und verraten, wieso es trotzdem einen schwierigen Stand in Deutschland hatte. Also tauchen wir ab in die Videospielgeschichte und die Vergangenheit von May Payne!

Max Payne (jetzt kaufen 19,99 € ) ist ein gebrochener Mann. Nach der Geburt seines Kindes wollte er bei der Polizei eigentlich kürzertreten. Jetzt findet er sich im größten Albtraum seines Lebens wieder. Eine Gruppe Junkies brach in sein Vorstadthaus ein und ermordete sowohl seine Frau als auch seine neugeborene Tochter. Die Einbrecher waren high, vollgedröhnt mit der Designerdroge namens Valkyr. Max tötete die Süchtigen mit seiner Beretta, doch um seine Familie zu retten, kam er zu spät.

Eine Welt voller Pein

Dieses traumatische Ereignis verfolgt ihn sein Leben lang und treibt ihn dazu, als Undercover-Cop beim DEA den Drogenring rund um das Teufelszeug zu sprengen und die Verantwortlichen für den Tod seiner Familie zur Strecke zu bringen. Drei Jahre nach dem Schicksalsschlag kommt May Payne den Dealern auf die Schliche und schleust sich in die Mafia-Familie der Punchinellos ein.

Max wollte für seine Familie eigentlich kürzertreten, jetzt zerbricht sein Leben direkt vor seinen Füßen. Quelle: Computec Media GmbH Max wollte für seine Familie eigentlich kürzertreten, jetzt zerbricht sein Leben direkt vor seinen Füßen. Bei einem Treffen mit seinem Kontaktmann in der U-Bahn wird dieser allerdings von einem Unbekannten erschossen. Mit dem Rücken zur Wand pfeift Max auf die Tarnung und begibt sich auf einen blutigen Rachefeldzug durch das von einem Jahrhundertblizzard lahmgelegte New York City. Leichen pflastern seinen Weg, während er sich durch italienische Mobster, russische Waffenschieber und Söldnertruppen zur Wahrheit durchkämpft.

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Die typische Rachestory aus der Feder von Sam Lake ist getrieben von depressiver Selbstzerstörung und trieft nur so vor Film-Noir-Stimmung. Der Stil orientiert sich an den Heroic-Bloodshed-Streifen von John Woo und vor allem dem ersten Matrix-Teil. Das Bild eines mit zwei Pistolen bewaffneten Mannes im Trenchcoat, der in Zeitlupe in einen Kugelhagel hinein hechtet, ist seit dem Jahr 2001 fest mit der Figur Max Payne verbunden. Trotz und vielleicht sogar gerade wegen der extremen Gewaltdarstellung weist das Spiel eine immense Ästhetik auf, die damals sogar die Diskussion lostrat, ob Videospiele als Kunst betrachtet werden sollten.

Face/Off

Da Entwickler Remedy sich zur Zeit des ersten Teils keine professionellen Schauspieler leisten konnte, mimten Freunde von Autor Sam Lake die Charaktere im Spiel. So lieh der Gitarrist von Poets of the Fall, Olli Tukiainen, dem Gangster Vinnie Gognitti das Gesicht, während Lakes Mutter die Oberschurkin Nicole Horne verkörperte. Lake selbst übernahm natürlich die Hauptrolle.

Die Mutter von Sam Lake mimte die Oberschurkin Nicole Horne in den Comic-Strip-Zwischensequenzen. Quelle: PC Games Die Mutter von Sam Lake mimte die Oberschurkin Nicole Horne in den Comic-Strip-Zwischensequenzen. Die verzerrten Fratzen in den Comic-Strip-Zwischensequenzen sind mittlerweile ikonisch. Die Darsteller gaben sich zwar redlich Mühe, jedoch schimmerte immer eine gewisse Laienhaftigkeit durch ihre Performance durch, was dem ersten Teil der Max-Payne-Reihe verdammt viel Charme verlieh. Viele Sprecher hingegen waren professionelle Schauspieler und vor allem James McCaffrey, die Stimme von Max, schwatzte sich in die Herzen der Fans. Sein Reibeisenorgan, das sich nach einer Diät aus Whisky und Zigaretten anhört, passt perfekt ins Setting und führt den Spieler durch die Geschichte.

Die wurde neben einigen Cutscenes vorwiegend durch Sequenzen im Look einer Graphic Novel erzählt, für die Fotos manipuliert wurden, damit die Bilder wie gezeichnet aussehen. Der Noir-Einschlag kommt in den Texten von Lake besonders gut rüber. Die tief melancholischen und bemüht poetischen Monologe schwanken teilweise zwischen Genialität und Fremdscham, sind aber durchweg sympathisch.

Die immer wieder eingestreuten Wortspiele rund um Schmerz, also Pain, zeigen zudem, dass Lake die Geschichte nicht bierernst genommen hat und die etwas schräge Schreibe, die an Schundkrimis erinnert, durchaus gewollt ist.

Das merkt man besonders im letzten Kapitel, als der Autor sogar die vierte Wand durchbricht und Max in einem Drogenrausch bemerkt, dass er Protagonist eines Videospiels ist. Was der Jugendschutz damals zu Max Payne gesagt hat, welche Scherze im Spiel eingebaut waren und wie es um die Zukunft aussieht, erfahrt ihr auf Seite 2.

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