Peter Molyneux will's noch ein letztes Mal wissen und bringt mit Masters of Albion wieder eine Götter-Sim. Warum das trotz Humor und Charme nicht seine glorreiche Rückkehr ist, lest ihr hier.
Größte Stärke: Humor und Charme
Etwas interessanter, wenn auch nichts Besonderes, ist die Erkundung der Welt mit den Helden. Die Entwickler haben sich Mühe gegeben, hier und da etwas Abwechslung reinzubringen. So können wir manche neuen Gebiete etwa erst betreten, wenn wir uns durch Kristallhöhlen durchkämpfen oder bestimmte Quests erledigen. Um unsere Macht im neuen Kartenabschnitt zu aktivieren, müssen wir dafür immer erst mal mit dem Helden einen kaputten Turm finden. Den puzzeln wir dann fix zusammen und durchströmen ihn mit unserer Magie.
Zu den größten Stärken von Masters of Albion zählen der kernig-derbe Humor, wie man ihn auch aus Fable kennt, und die mitunter witzigen Quests und Charaktere. Darunter sind auch diverse Anspielungen und Easter Eggs. So helfen wir immer wieder mal Jon Bovi beim Musizieren mit seinen Klangsteinen, müssen Hühner ins Ziel kicken oder greifen gestrandeten Piraten unter die Arme. Black&White-Spieler kriegen an dieser Stelle Flashbacks, denn erneut müssen wir den Seemännern Holz und andere Dinge ranschaffen, damit sie in See stechen können. Wichtige Randnotiz an dieser Stelle: Aktuell sind sowohl Texte als auch Vertonung nur auf Englisch im Early Access verfügbar - weitere Sprachen sollen noch folgen.
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Quelle: PC Games
Zu den Stärken in Masters of Albion zählen die verrückten Charaktere, zahlreiche Anspielungen und der derbe Humor. Hier helfen wir dem Musiker Jon Bovi.
Die Figuren und Quests sind zwar witzig aufgemacht, mechanisch sind viele davon aber sehr uninspiriert und dröge. Um besagten Piraten zu helfen, müssen wir einfach stumpf bestimmte Rohstoffe durch die halbe Karte hieven. Zwar hilft hier die sogenannte Targeting Line: Wenn wir eine Ware oder eine Figur mit unserer übermächtigen Hand hochheben, erscheint eine Linie, die die nächste Interaktionsmöglichkeit zeigt. Lassen wir los, landen die Rohstoffe direkt dort.
Dadurch sparen wir ein wenig Zeit, wenn wir Rohstoffe durch die Luft schleudern, und müssen Leute nicht zwingend exakt vor der Tür absetzen. Doch wenn man das ein halbes Dutzend Mal nacheinander macht, kommt man sich trotzdem wie der Hiwi vor und nicht wie ein übermächtiges Wesen. Wieso zum Henker kann man nicht einfach so lange Rohstoffe in die Hand nehmen, bis man genug hat? Das ging schon Anfang der Zweitausender in Black & White.
Zahlreiche Ungereimtheiten
Überhaupt sind wir beim Spielen immer wieder auf seltsame Designentscheidungen gestoßen. Wieso darf man Gebäude nur auf fest vorgegebenen Bauplätzen errichten, wenn man sie danach einfach frei auf der Karte verschieben darf?
Skurril ist auch, dass es zwar ein System für sich ändernde Marktpreise für Waren gibt, die allermeisten Waren aber gar nicht in der Übersicht aufgelistet werden. Kommt das noch später im Early Access? Ist es ein Bug? Wir wissen es nicht.
Und welchen Sinn macht es, mehrere Kampfzauber wie Feuerbälle, Blitze oder eine Art Flammenwerfer mühsam über die Fähigkeitenbäume freizuschalten, wenn man sowieso mehr Schaden durch das Schleudern von Objekten auf Gegner macht? Die sind kostenlos und liegen immer mal in der Gegend rum.
Quelle: PC Games
Nachts verteidigen wir unsere Dörfer vor Monstern - wenns sein muss auch mit Zaubern.
Das fällt insbesondere in den Überlebenskämpfen in der Nacht auf. Haben wir unser Tagwerk vollbracht, können wir den Tag auf Knopfdruck abschließen und müssen dann einen Hordemodus in der Nacht überstehen. Da platzieren wir unsere Helden an taktisch wichtigen Stellen und nutzen Magie oder eben Objekte wie ein riesiges Quietscheentchen, um die Gegner in Schach zu halten. Ab und an wird das dadurch aufgelockert, dass wir Pilger auf ihrem Weg beschützen müssen. Und sonst gibt es jedes Mal noch ein paar Nebenziele, mit denen man sich zusätzliche Punkte für die Fähigkeitenbäume verdienen kann.
Die Nachtkämpfe wechseln sich regelmäßig zwischen öde und frustrierend ab. Entweder pulverisieren wir die Gegner mehrere Minuten lang problemlos und schicken unsere Helden kurz mal in die Heldengilde zur Heilung. Oder wir müssen die Nacht neu starten, weil sich die Spawnpunkte der Gegner zwischen Wellen unvermittelt ändern und wir das nicht mitkriegen, weil wir an anderer Stelle auf die Gegner eindreschen. Richtig Spaß machen sie jedenfalls nie.
Performanceoptimierung? Fehlanzeige!
Und was aktuell auch noch richtig frustrierend ist, ist die praktisch nicht vorhandene Performanceoptimierung. Masters of Albion zählt grafisch wahrlich nicht zur Spitzenklasse, doch ungeachtet dessen frisst es PC-Ressourcen, als würde es das. Wir hatten auf beiden Testsystemen mit jeweils einer RTX 4080 und dazu passendem Arbeitsspeicher und Prozessoren immer wieder mal mit Rucklern zu tun. Obwohl nicht mal alle Grafikoptionen auf Ultra eingestellt waren. Da kommt nämlich direkt eine Warnung, dass das doch viele Ressourcen frisst. Einmal hatten wir sogar so große Probleme, dass Masters of Albion zu einer fiesen Diashow mutierte, nachdem wir unseren Spielstand geladen hatten.
Quelle: PC Games
Wer Black & White gespielt hat, wird bei der Questkette dieser Piraten wahrscheinlich in Nostalgie verfallen.
In Sachen Bedienbarkeit und Spielerführung ist ebenfalls noch einiges zu tun. Immer wieder hatten wir damit zu kämpfen, dass das Spiel nicht weiß, was wir mit der Hand eigentlich machen wollen. Gerade in den Nachtkämpfen haben wir öfter mal aus Versehen ein Gebäude beschleunigt oder einen Bürger oder Helden hochgehoben, obwohl wir ein Objekt auf die Gegner werfen wollten.
Da fehlt noch einiges zum Göttlichen
Alles rund um Gesinnung zwischen Gut und Böse ist aktuell auch nur sehr sporadisch im Spiel. Hin und wieder können wir Entscheidungen in der Story treffen, doch Auswirkungen sind keinesfalls zu spüren. Nach dem ersten Mal haben wir lediglich einen entsprechenden Ring an unsere Hand bekommen, um unsere Ausrichtung zu symbolisieren. In seinem aktuellen Zustand ist Masters of Albion der Inbegriff von Mittelmäßigkeit. Es vermischt viele Klassiker aus Molyneux' Portfolio und wirft ein paar neue Ideen dazu. Im Ergebnis sind alle Aspekte nur leider eher halbgeil und formen auch kein allzu stimmiges großes Ganzes, mit dem man bisher etwa 20 bis 25 Stunden in der Story verbringen kann. Hier und da ist zwar Potenzial zu erkennen, dass im Verlauf des Early Access ein ganz ulkiges, nettes Götter-Sim-Spiel daraus werden könnte. Doch mit den Klassikern wird Masters of Albion auch dann keineswegs mithalten können.
Meinung
Immerhin bietet es schon jetzt mehr Charme als der deutsche Indie-Konkurrent Fata Deum und das Spiel ist wenigstens frei von irgendwelchem Quatsch und leeren Versprechen der Sorte Curiosity. Aber das kann ja schließlich nicht der Anspruch an das letzte Spiel eines Peter Molyneux sein. Wer mal wieder Lust auf eine gute Götter-Sim hat, sollte hier noch warten, bis die Entwickler nachgebessert haben. Oder ihr versucht, Black & White auf eurem PC zum Laufen zu kriegen. Das ist wahrscheinlich besser investierte Zeit. Transparenzhinweis: Für die Erstellung dieses Artikels haben wir von 22cans die Early-Access-Fassung des Spiels erhalten.
