Mass Effect: Legendary Edition: Vorschau - Commander Shepard in frischem Glanz
Special
Nicht mehr lang, dann kehrt Commander Shepard auf die Bildschirme zurück. Wir konnten uns bei einem Vorschauevent schon einmal zeigen lassen, wie die Entwickler von Bioware für die Mass Effect: Legendary Edition an der Grafik der Trilogie geschraubt haben. Was wir gesehen haben, kann sich durchaus schon sehen lassen.
Überlegt man sich einmal, wann Mass Effect erschienen ist, kann man sich schnell ganz schön alt vorkommen. Fast 14 Jahre ist das inzwischen her, dass uns Commander Shepard erstmals auf ein episches Abenteuer in eine von verschiedensten Aliens bevölkerte Galaxie mitgenommen hat. Ende 2007 war das. Damals gehört Bioware noch nicht zu Electronic Arts. Damals war noch George W. Bush US-Präsident, Microsoft veröffentlichte Windows Vista und Apple brachte gerade mit dem iPhone das allererste moderne Smartphone auf den Markt. Selbst der Abschluss der Trilogie mit Mass Effect 3 liegt nun auch schon neun Jahre zurück. Fast genauso lange gibt es Rufe in der großen Fangemeinde nach einem Remaster der Trilogie.
Auslöser war vor allem das Erscheinen der letzten Konsolengeneration (PS4, Xbox One) im Jahre 2013, denn Spieler wollten auch auf den neuen Systemen weiter in ihr Lieblingsuniversum abtauchen. Über die Jahre wurden diese Rufe immer laute, bis es schließlich eine Art offenes Geheimnis wurde, dass man bei Bioware tatsächlich an einer Neuauflage arbeite. Seit November 2020 ist es nun Gewissheit und das Warten hat bald schon ein Ende. Das Remaster mit dem Title Mass Effect: Legendary Edition (jetzt kaufen ) erscheint nun endlich am 14. Mai 2021. Wir hatten kürzlich die Gelegenheit einem virtuellen Event beizuwohnen, in dem uns Bioware erstmals einen Einblick in die generalüberholte Shepard-Trilogie gewährte.
In diesem Artikel
Remaster oder Remake?
Mit Project Director Mac Walters, Producer Crystal McCord und Environment and Character Director Kevin Meek nahmen sich gleich drei führende Entwickler von Bioware Zeit, um über die Ziele, durchgeführte Verbesserungen und vor allem ihre Leidenschaft für das Projekt zu sprechen.
Quelle: Bioware
Mass Effect: Legendary Edition in der Vorschau. (3)
Besonders Mac Walters, der seit 2005 bei Bioware fast ausschließlich an Mass Effect gearbeitet hat, bringt zum Ausdruck, wie sehr er sich eine Realisierung dieses Remasters gewünscht habe. Er habe über viele Jahre in Meetings immer wieder die Frage gestellt "Machen wir es? Machen wir es?". 2019 sollte sich diese Beharrlichkeit endlich auszahlen. Mit einem kleinen Kernteam begannen die Arbeiten an Mass Effect: Legendary Edition.
Die Anfänge des Projekts beschreibt Walters als eine Art archäologische Entdeckungsreise. Immerhin wurde die ganze Trilogie während einer längst vergangenen Hardware-Generation in einer heute ziemlich veralteten Engine entwickelt. So stellte sich dem Team zunächst auch die Frage, wie tiefgreifend die Neuauflage werden soll. Man habe sich unter anderem mit Epic Games, den Machern der Unreal Engine, ausgetauscht, um auszuloten, ob und wie ein Umstieg von Unreal Engine 3 auf Unreal Engine 4 umsetzbar sei. Man merkte jedoch schnell, dass dies dem Aufwand eines Remakes nahekommen und grundlegende Änderungen im Feeling der Trilogie mit sich bringen würde. Dem Team war es aber besonders wichtig mit der Legendary Edition den Geist und die Essenz dessen aufrechtzuerhalten, was die Mass-Effect-Trilogie ausgemacht hat.
Grafikvergleich zwischen Original und Remaster
Erst KI, dann Handarbeit
Daher waren auch Änderungen an der Story sehr schnell vom Tisch. Stattdessen standen zwei Dinge im Fokus der Entwickler. Erstens, die Portierung der Spiele auf die aktuelle Generation von Konsolen inklusive Aufwärtskompatibilität zur nächsten Generation sowie auf DirectX11 für den PC. Zweitens, die Verbesserung der grafischen Qualität in all seiner Bandbreite. So war es das Ziel der Entwickler die Auflösung jeder einzelnen Textur im Spiel zu erhöhen, egal ob es sich dabei um Umgebungen, Special Effects, Interface oder Charaktere handelt. Dazu wurden alle unkomprimierten Original-Texturdateien durch ein sogenanntes AI-Upres-Programm gejagt. Also ein Programm, das mit Hilfe einer künstlichen Intelligenz die Auflösung von Texturdateien erhöhen kann. Dadurch wurden die Auflösungen der mehr als 10.000 Texturen aller drei Spiele zwischen vier- bis 16-fach erhöht. Für weiteren Feinschliff sorgten dann zusätzlich noch die Entwickler in Handarbeit, die sich besonders auf Elemente konzentriert haben, die besonders nah oder häufig im Blickfeld des Spielers sind.
Quelle: Bioware
Mass Effect: Legendary Edition in der Vorschau. (2)
Wie das Ganze in seiner überarbeiteten Form dann aussieht, zeigten uns die Entwickler anhand eines Zusammenschnitts von einzelnen Szenen mit Vorher-Nachher-Vergleich. Besonders beim ersten Mass Effect fallen die Unterschiede da besonders ins Auge. So bekommen wir unter anderem einen Captain Anderson zu sehen, bei dem man Poren und Unreinheiten im Gesicht erkennen kann. In seinen Augen ist dank verbesserter Shader die Andeutung der Spiegelung der Umgebung zu erkennen. Auch seine Uniform sieht schärfer und texturierter aus. In vielen der gezeigten Szenen trägt auch eine verbesserte Beleuchtung zum deutlich gestiegenen Gesamteindruck bei. Anti-Aliasing und verbesserte 3D-Modelle kommen ebenfalls zum Einsatz. Das kann zwar alles mit modernen Titeln nicht mithalten. Es ist dennoch erstaunlich, was die Entwickler noch aus der alten Unreal Engine 3 herausholen konnten.
Besonders Augenmerk haben die Entwickler den Charakteren gewidmet, die alle von Hand bearbeitet und modernisiert wurden. Das gilt nicht nur für die Gefährten und Story-relevanten Figuren, sondern auch für viele der unzähligen NPCs. In einem weiteren kurzen Video mit Rendervergleich diverser Crewmitglieder zeigen uns die Entwickler ihre beeindruckenden Ergebnisse der Überarbeitungen. Natürlich wurde dabei die wichtigste Person nicht vergessen. Auch Commander Shepard profitiert von diversen Überarbeitungen. Da sein/ihr Aussehen aber vor allem vom Spieler abhängt, floss auch eine Menge Arbeit in die Charaktererstellung. Ziel war es hier vor allem eine Einheitlichkeit über alle drei Spiele hinweg herzustellen. Es gibt jetzt also vom ersten bis zum dritten Teil die exakt gleichen Optionen im Editor. Darunter sogar einige zusätzliche Möglichkeiten, wie brandneue Frisuren und Hautfarben, die es im Original nicht gab. FemShep-Fans dürfen sich außerdem freuen, dass der mit ME3 eingeführte ikonische Standard-Look jetzt auch in den beiden anderen Teilen zur Verfügung steht.
Behutsame Gameplay-Anpassungen
Die Entwickler von Bioware haben sich für das Remaster aber nicht nur mit der optischen Darstellung beschäftigt. Auch das Gameplay wurde unter die Lupe genommen. Besonders das erste Mass Effect stand dabei im Fokus, da dieses noch längst nicht so ausgereift in seinen Mechaniken war, wie die beiden Nachfolger. Dabei mussten die Macher aber eine gute
Quelle: Bioware
Mass Effect: Legendary Edition in der Vorschau. (4)
Balance finden, da man die Spiele nicht völlig verändern wollte. Die Nostalgie, wie sich Spieler die Trilogie in Erinnerung behalten haben, sollte erhalten bleiben. Dabei wurde auch Feedback der Community in Form von ausgesuchten Spielern, Streamer, Cosplayer und Hardcore-Fans eingeholt.
Viele Überlegungen drehten sich dabei vor allem um die Kämpfe, die im ersten Teil noch nicht so reibungslos von der Hand gingen, wie in den beiden Nachfolgern. Dabei standen die Steuerung, die Tastenbelegungen und auch das Interface auf dem Prüfstand. Es wurden Änderungen vorgenommen, um das Spielgefühl mit Teil 2 und 3 zu vereinheitlichen. Wie sich das ganze Anfühlt, konnten wir leider noch nicht selbst erleben. Wirklich sehen konnten wir es bisher jedoch auch nicht, da uns die Entwickler kein richtiges Gameplay dazu zeigten.
Aber auch außerhalb der Kämpfe wurde Hand angelegt. So zum Beispiel an den berüchtigten Fahrstuhlfahrten. Diese wurden glücklicherweise drastisch verkürzt und können nun sogar übersprungen werden, sollte das Laden im Hintergrund bereits vor dem Ende der verkürzten Fahrzeit beendet sein. Ebenfalls berüchtigt ist der Mako, dessen Physik und Verhalten stark verbessert wurde. Zudem wurde er mit einem kurzzeitigen Schub ausgestattet, um die Bewältigung des Geländes zu verbessern. Weitere Gameplay-Verbesserungen soll es unter anderem bei KI, Minigames, Balance, dem Interface und einigem mehr geben. Dazu gingen die Entwickler aber nicht weiter ins Detail.
Grafikvergleich zwischen Original und Remaster
Ein vollgestopftes Paket
Auch beim Leveldesign hat Mass Effect 1 eine Sonderbehandlung erhalten. So wurden bestimmte Gebiete in ihrer Gesamtstimmung überarbeitet, um noch besser zur Handlung und den Intentionen der Macher passen. Das erreichen die Entwickler zum einen durch veränderte Lichtverhältnisse und
Quelle: Bioware
Mass Effect: Legendary Edition in der Vorschau. (5)
zum anderen durch zusätzliche Details. Dank heutiger Hardware ist es möglich, den Levels viel mehr Objekte und Effekte wie Nebel oder Wasser hinzufügen. Dabei orientierte sich das Team an den Original-Konzeptzeichnungen, denen die Level Designer mit heutigen Mitteln viel stärker gerecht werden konnten. Wie wunderbar das den Entwicklern gelungen ist, zeigten sie uns dann anhand einiger weniger Beispiele, die aber allesamt hervorragend umgesetzt sind.
Insgesamt vermittelte das Preview-Event von Bioware einen guten Einblick in die Ziele und erreichten Verbesserungen des Remaster. Allerdings gab es leider nicht wirklich mal zusammenhängendes Gameplay zu sehen, anhand dessen man mal ein wenig mehr ein Gefühl für die Wirkung der Legendary Edition bekommen könnte. So bleibt uns nur abzuwarten und zu hoffen, dass das fertige Produkt hält, was es verspricht. Immerhin lassen sich die Entwickler inhaltlich nicht lumpen. Im Gegensatz zu früheren "Komplett"-Paketen, ist diesmal wirklich alles enthalten.
Soll heißen, die Mass Effect: Legendary Edition umfasst die kompletten Singleplayer-Inhalte aller drei Teile, inklusive mehr als 40 DLCs. Dazu gehören neben den insgesamt 15 Story-Erweiterungen auch die zahlreichen Promo-Waffen und Rüstungen, die es für die drei Titel im Verlauf der Jahre gab. Lediglich der Mehrspieler-Modus von Mass Effect 3 wird nicht übernommen. Das Spiel unterstützt auf allen Plattformen Auflösungen bis zu 4K mit HDR. Auf Xbox One X, PS4 Pro und den neuen Konsolen läuft das Remaster mit 60 Frames pro Sekunde. Die PC-Version ist nicht gedeckelt bei der Framerate und hat zusätzlich noch eine Unterstützung von 21:9-Auflösungen. Außerdem hat die PC-Version auch eine Controller-Unterstützung spendiert bekommen.
