Lust for Darkness: Wenn Sex auf Horror trifft - Vorschau auf das Adventure

Special André Linken
Screenshots aus Lust for Darkness. Das Horror-Abenteuer erscheint im zweiten Quartal 2018. (6)
Quelle: Movie Games

Das relativ kleine Entwicklerstudio Movie Games möchte euch im Horror-Adventure Lust for Darkness in eine bizarre Welt entführen, in der die Realität mit einer Art Dämonenreich zu verschmelzen scheint. Dazu noch eine gehörige Portion Erotik und schon war unser Interesse geweckt.

Es liegt bereits einige Monate zurück, als das Entwicklerstudio Movie Games mithilfe einer Kickstarter-Aktion insgesamt 6.000 kanadische Dollar sammeln wollte, um die Arbeiten an einem Horror-Adventure namens Lust for Darkness abschließen zu können. Doch das Spiel kam dermaßen gut an, dass am Ende sogar fast 53.000 Dollar im virtuellen Sparstrumpf landeten - also fast zehn Mal so viel wie ursprünglich veranschlagt. Entsprechend mehr Ressourcen hatte das Team plötzlich zur Verfügung, die vor allem dazu genutzt werden sollten, den Umfang des Spiels deutlich zu vergrößern. Allerdings hatte das wiederum zur Folge, dass sich der Release etwas verschoben hat. Doch immerhin konnten wir uns mittlerweile schon mal mit einer Vorabversion vergnügen.

Gruseliger Einstieg

Zu Beginn von Lust of Darkness wachen wir im Körper einer Frau namens Amanda auf, die in einer ebenso dreckigen wie mit Blut besudelten Zelle zu sich kommt. Lediglich einige Kerzen sorgen für schummrige Beleuchtung, die Tür ist versperrt. Wenig später erspähen wir ein kleines Kästchen, in dessen Inneren ein Schlüssel steckt. Okay, das ist recht offensichtlich: Schlüssel rausfischen, Tür öffnen und weiter geht's. Ja, das ist natürlich nur ein extrem simples Rätsel in Lust for Darkness (jetzt kaufen 1,2 € ). Doch ganz so einfach gestaltet sich diese Szene letztendlich dann doch nicht. Das liegt vor allem an der aktuell noch etwas sperrigen Steuerung des Spiels. Um beispielsweise an den Schlüssel zu gelangen, müsst ihr zunächst das erwähnte Kästchen öffnen. Danach dreht ihr den schmucken Behälter, um den Schlüssel überhaupt erst sehen zu können, nur um ihn dann mit einem weiteren Klick an euch zu nehmen. Das ist etwas umständlich gelöst. Selbiges gilt für das Öffnen von Türen, Schubladen oder anderen Objekten, bei dem ihr die Maus stets in die entsprechende Richtung ziehen müsst. Das mag sich im Ansatz durchaus intuitiv anfühlen, führt aber oftmals zu einer Unterbrechung des Spielflusses.

Doch lassen wir das mal außen vor und konzentrieren wir uns aufs eigentliche Geschehen. Als Amanda ziehen wir durch die ebenfalls spärlich beleuchteten Kellergewölbe und arbeiten uns in das obere Geschoss vor. Dabei erblicken wir mehrfach die schemenhafte Silhouette eines Mannes. Diese kurzen Augenblicke sorgen - auch dank der schaurigen Musikuntermalung - für den ein oder anderen Gruselmoment. Wenig später stehen wir in einer Art Schlafgemach, bei dessen Anblick uns kurzzeitig der Atem stockt. Nicht etwa aufgrund des riesigen Betts. Vielmehr stören wir uns an einer Apparatur links von uns, die ziemlich eindeutig auf gewisse Sexualpraktiken schließen lässt. Doch bevor wir angesichts dieses verstörenden Anblicks länger ins Grübel kommen können, erscheint ein maskierter Mann und ringt uns zu Boden - zack, ein Schnitt. Das Geschehen macht einen Zeitsprung von einem Jahr und wir finden uns als Jonathan, dem Ehemann von der mittlerweile vermissten Amanda, in deren gemeinsamer Wohnung wieder.

Horror-Einheitsbrei?

Screenshots aus Lust for Darkness. Das Horror-Abenteuer erscheint im zweiten Quartal 2018. (5) Quelle: Movie Games Screenshots aus Lust for Darkness. Das Horror-Abenteuer erscheint im zweiten Quartal 2018. (5) Damit beginnt auch erst das eigentliche Spiel, denn Jonathan erhält eine Nachricht, die allem Anschein nach von seiner geliebten Amanda verfasst wurde. Sie bittet ihn, in der Nacht zum abgelegenen Yverton Mansion zu kommen, wo er weitere Informationen erhalten soll. Wir wollen an dieser Stelle gar nicht mehr so viel von der Story des Adventures verraten, da diese so einige kleine Überraschungen bereithält, die ihr am besten selbst "erleben" solltet. Erwähnenswert ist allerdings noch ein ganz besonderes Stilmittel der Entwickler, das nicht nur einen optischen Zweck erfüllt. Sobald Jonathan die mysteriöse Villa betritt, verschmilzt die reale Welt immer wieder mit einer Art dämonischen Refugium, das ziemlich bizarre Bilder auf den Bildschirm zaubert. Mitunter erinnert dieser Wechsel der Dimensionen ein wenig an die Serie "Stranger Things". Gepaart mit den Horror-Elementen sowie der nahezu ständig präsenten Erotik-Note - Orgien scheinen hier ganz hoch im Kurs zu stehen - ergibt sich eine ganz besondere Atmosphäre, die vor allem viel Spannung verspricht.

Doch wenden wir uns lieber nochmals dem eigentlichen Spielgeschehen zu. In dieser Kategorie wandelt Lust for Darkness - zumindest in der aktuell vorliegenden Version - auf eher traditionellen Pfaden. Der Fokus liegt ganz klar auf der Erkundung der einzelnen Schauplätze, dem Lösen einiger Rätsel sowie dem Aufspüren von mehr oder weniger dezent platzierten Hinweisen. Das Spieltempo fällt dabei eher gemächlich aus, Lust for Darkness nimmt sich Zeit. Daran ist prinzipiell nichts auszusetzen, da es ja nicht immer actionreich zur Sache gehen muss. Stattdessen könnt ihr euch schon mal einen eher Stealth-lastigen Ausflug in die Welt des Horrors einstellen. So muss sich Jonathan etwa gleich zu Beginn seines Abenteuers an mehreren Wachleuten vorbeischleichen, um überhaupt erst in das Innere der Villa zu gelangen. Ein bisschen Bauschmerzen haben wir aktuell noch angesichts der Rätsel: Einige der Kopfnüsse wie zum Beispiel die knifflige Aufgabe rund um einen Ring haben unsere grauen Zellen durchaus gefordert. Doch das Niveau schwankt recht stark, was sich bis zum finalen Release des Spiels hoffentlich noch ändern wird.

Sound zum Gruseln

Screenshots aus Lust for Darkness. Das Horror-Abenteuer erscheint im zweiten Quartal 2018. (3) Quelle: Movie Games Screenshots aus Lust for Darkness. Das Horror-Abenteuer erscheint im zweiten Quartal 2018. (3) Dieses zwiespältige Gefühl hinterlässt derzeit auch noch die Soundkulisse von Lust for Darkness. Einerseits wäre die gute musikalische Begleitung zu erwähnen, die das gruselig-mystische Szenario in den meisten Fällen sehr gut und vor allem passend untermalt. Bedrückende Tonfolgen wechseln sich mit fast schon frivol anmutenden Klängen ab. Vor allem in denjenigen Situationen, in denen der zuvor erwähnte Wechsel von der realen in die Dämonenwelt erfolgt, lässt die Akustik ihre Muskeln spielen. Andererseits fragen wir uns jedoch ganz ernsthaft, was sich einige der Synchronsprecher bei ihrer Arbeit so alles gedacht haben mögen. Denn gerade der Hauptcharakter Jonathan wirkt stellenweise dermaßen teilnahmslos, dass es sich negativ auf die allgemeine Atmosphäre des Spiels auswirkt.

Die Grafik hinterlässt dagegen bereits in der aktuellen Version einen durchweg besseren Eindruck. Vor allem die Licht- und Schatteneffekte sorgen gekonnt dafür, das stets eine schaurig-schöne Stimmung entsteht. Der diffuse Schein, das Flackern der Kerzen sowie schummriges Wabern sind nur einige dieser stilistischen Mittel. Auch die Liebe zum Detail, mit der die Grafiker beispielsweise die zahlreichen Räume der Villa eingerichtet haben, weiß zu gefallen. Überall gibt es etwas zu entdecken, auch wenn der Großteil der Objekte trotz rudimentärer Interaktionsmöglichkeiten eher als Dekoration anzusehen sind. Allerdings kommen wir auch bei diesem Aspekt von Lust for Darkness nicht ganz ohne Gemecker aus: Die Charaktermodelle sehen nämlich im Vergleich zum Rest des Spiels nicht ganz so hübsch aus - mitunter sogar ziemlich kantig. Auch die Animationen könnten stellenweise gerne etwas flüssiger sein. Doch vielleicht legen die Entwickler bis zum finalen Release im zweiten Quartal 2018 nochmals Hand an.

Meinung

Bildergalerie

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk