Lost Planet: Rückblick auf Capcoms vergessenen Shooter
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Lost Planet war seinerzeit ein technisches Vorzeigespiel und bot brachiale Shooter-Action in einem buchstäblich coolen Setting. Aber wie gut hat sich Capcoms vergessene Ballerorgie gehalten?
Mannshohes Waffenarsenal
Wir dürfen nämlich auch in die überall herumstehenden VS einsteigen und unser Ballerpotenzial damit enorm steigern. Wie die Hauptfiguren bewegen sich die meisten Mechs realistisch und steuern sich genauso schwerfällig, wie man es von ein paar Tonnen Stahl auf zwei Beinen erwartet. Viele Mechs verfügen über zwei Waffenslots, die wir frei mit riesigen Wummen bestücken dürfen. Ob nun die Doppel-Gatlings rattern, die meterlange Shotgun knallt oder der Raketenwerfer den ganzen Bildschirm in ein Flammeninferno hüllt - Lost Planets kompromisslose Action ist ein großer Spaß, und zwar zu Fuß und im VS. Die Mech-Knarren dürfen wir nämlich auch einfach abmontieren und als Wayne benutzen. Wenn wir damit einen Akriden unter Beschuss nehmen, erinnert Lost Planet stark an Monster Hunter, nur eben mit Riesenknarren statt Riesenschwertern.
Für Abwechslung sorgen vor allem die vielen Akriden-Varianten, die immer eine dezent andere Herangehensweise erfordern. Gepanzerten Käfern entgehen wir per Ausweichrolle, um an die verwundbare Stelle zu gelangen. Die großen Brocken machen wir unschädlich, indem wir ihnen nach und nach die Gliedmaßen abtrennen, und bei kleinen Akriden gilt es, zuerst die Nester zu zerstören. Auch die Bosse sind nach wie vor eindrucksvolle Action-Feuerwerke, auch wenn uns selten mehr abverlangt wird, als auf offensichtliche Schwachstellen zu schießen.
Quelle: PC Games
Etwas enttäuschend sind dagegen die menschlichen Feinde. Schon zum Release war einer der größten Kritikpunkte die unterirdische Gegner-KI, die den Begriff "Schießbudenfiguren" wirklich verdient hat. Selbst einfachste Strategien wie "in Deckung gehen" oder "den Gegner anvisieren" sind für die Soldaten Fremdwörter, weswegen sich die Kämpfe gegen Vital Suits und Akriden deutlich interessanter spielen.
Einen nicht zu verachtenden Pluspunkt haben die menschlichen Feinde aber: Sie benutzen gerne Sprengwaffen, wodurch wir noch öfter in den Genuss von Lost Planets aufwändigen Spezialeffekten kommen.
Explosionen für die Ewigkeit
Wenn Capcoms MT-Framework-Engine eines besonders gut darstellen kann, dann sind es Explosionen. Schlagen neben uns die Granaten und Raketen ein, entfaltet sich ein wahres Kunstwerk der Zerstörung: Die Feuerbälle hüllen die ganze Umgebung in ein tiefes Orange, was in den schneeweißen Umgebungen noch besser zur Geltung kommt. Dazu gesellen sich tolle Verwischeffekte und volumetrische Rauchschwaden, die jedem Action-Connaisseur ein debiles Grinsen aufs Gesicht zaubern.
Quelle: PC Games
Auch sonst kann sich Lost Planet immer noch sehen lassen. Optisch sind wegen des Settings zwar meistens Fifty Shades of White angesagt, das Spiel bemüht sich aber, mit unterschiedlichen Umgebungen und Lichtstimmungen für Abwechslung zu sorgen.
Der Schnee, den wir dauernd vor der Nase haben, sieht zum Glück wenigstens schick aus - neben den dichten Schneestürmen gefallen auch die dreidimensionalen Spuren, die Wayne beim Stapfen hinterlässt. Für PC-Spieler war Lost Planet außerdem das erste Spiel mit DirectX-10-Unterstützung. Das macht sich vor allem an dem hochwertigen Fell bemerkbar, mit dem die Anzüge vieler Figuren und manche Akriden veredelt wurden.
Ohnehin ist der PC die beste Wahl, um heute noch Lost Planet zu spielen. Das Spiel läuft sowohl auf Windows-Rechnern als auch auf dem Steam Deck problemlos und kann ganz regulär auf Valves Plattform gekauft werden. Ursprünglich hatte Lost Planet noch Microsofts grauenhaftes Games for Windows Live an der Backe, das hat Capcom in der Standardversion des Spiels aber mittlerweile entfernt.
Bei der Colonies-Edition, die mit ein paar neuen Bonusmodi und Multiplayer-Inhalten aufwartet, ist das bisher leider nicht passiert, weswegen sie auch nicht mehr bei Steam erwerbbar ist. Auch die Konsolenversionen sind eine gute Wahl, auf PS3 gibt's aber dezent schwächere Optik und Ruckler. Die Xbox-Version schließlich läuft auf allen Konsolen ab der 360.
Neben der knapp acht Stunden langen Kampagne war auch ein beliebter Multiplayer-Modus an Bord. Der ist theoretisch immer noch spielbar, wenn man Mitspieler dafür zusammentrommelt. Und apropos Multiplayer: Ein viel geäußerter Kritikpunkt an Lost Planet war, dass die Kampagne nicht kooperativ gespielt werden konnte, obwohl sich die großen Levels und das Einfach-nur-Ballern-Gameplay perfekt dafür geeignet hätten.
Diesem Wunsch ist Capcom letztendlich auch nachgekommen: Der Nachfolger, Lost Planet 2, drehte den Action-Faktor nicht nur auf 11 hoch, sondern war auch komplett für Koop designt. Aber das ist eine Geschichte für einen anderen Rückblick.
Obwohl die Story schnell zu ziemlichem Käse verkommt und die Steuerung hier und da nervt, ist Lost Planet auch 16 Jahre nach dem Release noch einen Durchgang wert. Es ist ein schamloses, unkompliziertes Ballerspiel, wie sie heute kaum noch im großen Stil gemacht werden, und gerade deswegen, passend zum Setting, eine echt erfrischende Zeitkapsel.
