Lost Judgment im Test: Ein würdiger Nachfolger für den Geheimtipp von 2019, Seite 2
Test 35,99 €
Im Test zu Lost Judgment erfahrt ihr, warum das Action-Adventure der Yakuza-Macher ein würdiger Nachfolger des 2019er-Geheimtipps Judgment ist.
Die Highscore-Hatz in der Halle ist dafür ein wenig lahm, da man eher Quicktime-Events meistert statt gezielt Tricks auszuführen. Schön dafür: Man darf das Skateboard nun auch in der offenen Welt benutzen, um schneller von A nach B zu kommen. Nur auf den Bürgersteig darf man damit nicht und wenn man das Board auswählt, sieht es aus, als würde Yagami sich das Brett aus dem Hintern ziehen. Aber gut, wie heißt es so schön: Lieber ein Skateboard im Po als einen Stock im Ar...m.
Lost Judgment im Test
Auf den Hund gekommen
Der Spielablauf unterscheidet sich natürlich nicht von dem des Vorgängers oder der Yakuza-Reihe. Als Yagami sind wir in einer kleinen offenen Welt unterwegs, machen Blödsinn oder nehmen Aufträge an. Die Welt ist diesmal allerdings dreigeteilt. Die allermeiste Zeit des Spiels ist man in Ijincho unterwegs, das schon in Yakuza: Like a Dragon als Schauplatz diente. Jedoch kehrt man manchmal auch ins altbekannte Kamurocho zurück oder man erkundet Schulhof oder Gebäude der Seiryo High. Die Ladezeiten bei den Übergängen zwischen den Gebieten oder beim Schnellreisen waren in der von uns gespielten PS5-Fassung angenehm kurz.
Quelle: PC Games
Die Verfolgungsjagden kommen nicht mehr ganz so oft vor wie im Vorgänger und sind nun nachvollziehbarer gestaltet.
Die Missionen in Lost Judgment sind zumeist recht abwechslungsreich, da das Gameplay des Vorgängers noch weiter ausgebaut und verfeinert wurde. Erneut beschatten wir immer wieder mal Zielpersonen, rennen flüchtigen Kriminellen hinterher oder suchen an Tatorten nach Hinweisen. Diese Spielelemente wiederholen sich aber glücklicherweise nicht so oft wie noch in Judgment und sie sind auch etwas nachvollziehbarer. Beim Beschatten darf man jetzt per Tastendruck unauffällig tun, wenn eine Zielperson Verdacht schöpft. Yagami bindet sich dann seine Schuhe, tut, als hätte er was verloren oder tippt auf seinem Handy herum.
Bei Verfolgungsjagden hingegen gibt es jetzt eine Gesundheits- und Ausdauerleiste. So wirkt es nicht mehr so zufällig, wenn der Gejagte plötzlich langsamer wird. Bei den Untersuchungen darf Yagami nun auch auf neues Equipment zurückgreifen. Im Verlaufe der Story erhalten wir unter anderem an Abhör- und ein Wanzen-Aufspürgerät. So wird auch die Suche nach Hinweisen etwas abwechslungsreicher.
Natürlich gibt es aber auch neue Spielelemente. Yagami kann nun an Wänden hochklettern, um beispielsweise zu einem geöffneten Fenster zu gelangen. Dabei müssen wir die Ausdauer des Detektivs im Auge behalten und ihn zur Not auch mal kurz verschnaufen lassen. Ist die Ausdauer nämlich aufgebraucht, lässt der Privatschnüffler los und stürzt. Große Sorgen braucht man sich aber nicht machen, denn die wenigen Klettereinlagen sind allesamt ziemlich einfach.
Quelle: PC Games
Die Schleicheinlagen sind ein bisschen enttäuschen, da man hier keinerlei spielerische Freiheit hat.
Das Gleiche gilt auch für die Schleichabschnitte. Man versucht, keine Gegenstände umzuschmeißen, sucht hinter Wänden und Objekten Schutz und lenkt Wachen entweder per Münzwurf oder Pfefferkugel ab. Alternativ kann man sie dann noch heimlich ausschalten. Die Schleicherei ist an sich eine nette Auflockerung, gibt einem aber so gut wie keine Freiheit. Eigentlich gibt es immer nur einen bestimmten Weg. Zudem darf man nicht frei entscheiden, ob man sich an Gegnern vorbeischleichen möchte. Nur an ein paar Stellen wird das Stealth-Gameplay aktiviert. Da wäre unserer Meinung nach mehr drin gewesen.
Des Weiteren bekommen wir im Verlaufe des Abenteuers auch tierische Unterstützung, denn wir treffen auf den Shiba-Inu-Rüden Ranpo. Der Hund liebt es, Verbrecher aufzuspüren und das nutzen wir natürlich für unsere Zwecke. Per App rufen wir den kleinen Köter und schon kommt er angelaufen. Anschließend nehmen wir die Leine in die Hand und Ranpo führt uns zum Ziel. Auch das ist nett, aber sehr simpel und hätte ein bisschen tiefgründiger sein können.
Allgemein werden die neuen Spielmechaniken nur an sehr wenigen Stellen im Spiel genutzt. Hier verschenkt Lost Judgment Potenzial. Und wo wir schon mal bei Kritik am Spiel sind: Im späteren Spielverlauf gibt es einige Momente, in denen man hin- und hergeschickt wird. Darauf hätten wir auch verzichten können, denn diese Spielzeitstreckung hat der Titel mit seinem ganzen Inhalt gar nicht nötig.
Quelle: PC Games
Die EX-Attacken sind wieder schön fies und lassen sich nun noch flüssiger in den Kampf einbauen.
Stilvoll auf die Schnauze
Wie schon im ersten Judgment und den früheren Yakuza-Titeln macht das Verteilen von Schellen einen großen Teil des Gameplays aus. Erneut setzt Yagami dabei auf sein selbst beigebrachtes Kung Fu. Per Druck auf das Digi-Pad können wir dabei zwischen verschiedenen Kampfstilen wählen, von denen wir zwei bereits aus dem Vorgänger kennen. Der Kranich-Stil basiert auf vielen schnellen Schlägen und Kicks. Die machen zwar nicht ganz so viel Schaden, treffen dafür aber direkt mehrere Gegner auf einmal.
Der Tiger-Stil eignet sich hingegen für wenige oder einzelne Feinde, denn hier greift man gezielt mit stärkeren Attacken an. Der neu hinzugekommene Schlangen-Stil setzt vorrangig aufs Kontern. Hier weicht Yagami geschickter aus und gelingt uns eine Parade, können wir darauf direkt einen eigenen Angriff folgen lassen. Sogar die Wut-Attacken stärkerer Gegner kann man mit dem richtigen Timing umkehren.
Quelle: PC Games
Wer den Schlangenstil beherrscht, kann die Angriffe heranstürmender Gegner einfach kontern.
Alle drei Kampfstile dürfen wir natürlich wieder aufrüsten. Für jede abgeschlossene Mission und jeden gewonnenen Kampf erhalten wir Erfahrungspunkte, die wir unter anderem in neue Skills, Attacken oder auch eine längere Gesundheitsleiste investieren dürfen. So wird man mit der Zeit spürbar stärker.
Besonders toll bei den Kämpfen ist allerdings, dass sie nun viel flüssiger daherkommen als noch im Vorgänger. Gerade die Übergänge zwischen verschiedenen Angriffen und den EX-Spezialattacken waren dort manchmal noch holprig. In Lost Judgment hingegen wurden einige Animationen überarbeitet und die Angriffe besser aufeinander angepasst. Man kann nun viel flüssiger EX-Angriffe auf eine normale Schlag-Kombo folgen lassen, ohne vorher eine bestimmte Position einnehmen zu müssen.
Außerdem werden manche Gegner nun von Yagamis Skills eingeschüchtert. Für diese Angsthasen gibt es dann nochmal andere Ex-Attacken, die teilweise ziemlich witzig sind. Allgemein sind die Prügeleien nochmal variantenreicher und damit auch spaßiger als im eh schon richtig guten ersten Judgment. Gerade wenn man den neuen Schlangen-Stil beherrscht, ergeben sich einige schöne Wege, den Schurken die Zähne in die ungewaschenen Hälse zu dreschen.
Quelle: PC Games
Das Box-Minispiel macht Laune, den Kampfstil darf man aber außerhalb des Gyms nur nutzen, wenn man Geld für einen DLC ausgibt.
Etwas schade ist allerdings, dass der Box-Stil, den man in einer der Schulgeschichten lernt, nicht genutzt werden kann, sofern man kein zusätzliches Geld ausgeben möchte. Wollt ihr die Gegner wie Mike Tyson auf die Bretter schicken, braucht ihr den kostenpflichtigen DLC. Das ist echt schwach, Sega.
Ansonsten haben wir aber an Lost Judgment kaum was zu meckern. Ja, der Titel braucht ein bisschen, bis die Story richtig in Fahrt kommt und aus den neuen Spielelementen hätte man ein bisschen mehr machen können, aber insgesamt ist das Action-Adventure ein echtes Atmosphäre-Brett, das sowohl mit seiner düsteren Thematik als auch mit den vielen spaßigen Nebenaktivitäten und dem tollen Kampfsystem überzeugt.
