Loop Hero im Test: Und täglich grüßt der Indie-Hit

Test Felix Schütz 14,79 €
Loop Hero im Test: Und täglich grüßt der Indie-Hit
Quelle: PC Games

Loop Hero ist derzeit schwer angesagt, mehr als 150.000 Spieler haben den Überraschungshit am ersten Tag ausprobiert. Dabei lässt sich der ungewöhnliche Indie-Titel kaum in Genres pressen: Vollautomatische Kämpfe, pixelige Retro-Grafik, Deck Builder, Beutejagd und Aufbau-Strategie ergeben ein unerwartet fesselndes Rogue-lite - wenn man sich darauf einlässt. Im Test klären wir, warum in Loop Hero deutlich mehr steckt, als es auf den ersten Blick vermuten lässt.

Hin und wieder gibt es sie noch: Spiele, die mit frischen Ideen und neuen Ansätzen überraschen. Loop Hero ist so ein Spiel, das merkt man schon auf den ersten Blick: Ein kleines weißes Figürchen, nur eine Handvoll Pixel groß, marschiert da eine ebenso pixelige Straße entlang. Der Weg endet dort, wo er beginnt, man dreht Runde um Runde, läuft buchstäblich im Kreis. Loop Hero eben - der Name ist Programm.

Auf dem Weg lümmeln sich ein paar Schleimmonster, ausweichen kann man ihnen nicht. Der Held bewegt sich vollautomatisch, und das gilt auch für die Kämpfe: Sobald sich der Gefechtsbildschirm öffnet, ist man zum Zusehen verdammt, Befehle, taktische Kommandos - alles Fehlanzeige. Wie kann so etwas Spaß machen? Loop Hero (jetzt kaufen 14,79 € ) gelingt das seltene Kunststück, denn es kombiniert Auto-Battler-Mechaniken mit cleveren Ideen, die es sich kreuz und quer aus Rollenspielen, Kartenspielen, Aufbaustrategie und Rogue-lites zusammenkratzt. Die Mischung geht auf: Je länger man spielt und experimentiert, desto mehr Spieltiefe kommt zum Vorschein. Prädikat: Suchtgefahr!

Mit Flüssen, Wäldern, Wüsten und Bergen bauen wir die Landschaft Stück für Stück selbst zusammen. Quelle: PC Games Mit Flüssen, Wäldern, Wüsten und Bergen bauen wir die Landschaft Stück für Stück selbst zusammen.

Die Welt als Baukasten

Die Story spielt in Loop Hero nur die zweite Geige: Ein böser Lich hält die Welt in einer Zeitschleife gefangen, dabei wurde der Großteil des Daseins scheinbar ausradiert. Außer der Straße, unserem Helden, einem Lagerfeuer und ein paar Gegnern herrscht anfangs gähnende Leere auf dem Monitor. Doch nun kommen wir ins Spiel: Besiegte Feinde hinterlassen Karten, von denen wir im späteren Spielverlauf immer mehr Varianten freischalten, die wir dann zu einem Deck zusammenmischen. Jede Karte dient dazu, den leeren Bildschirm mit Landschaft und Gebäuden zu füllen, was oft gewaltige Auswirkungen hat. Platziert man beispielsweise ein Stück Wald, erhöht sich das Angriffstempo der Spielfigur. Wiesen spenden regelmäßig Heilung und Gebirge lassen den Lebensbalken wachsen. Gebäude werden dagegen direkt am dem Weg platziert: Friedhöfe und Spinnennester spawnen Skelette und gefräßige Achtbeiner, Dörfer lassen Feinde zu Minibossen aufsteigen, bei Ruinen gibt's Ressourcen und nervige Riesenwürmer, die uns auf Distanz angreifen. Mehr Gegner bedeuten mehr Karten, mehr Karten bedeuten mehr Aufbau, mehr Aufbau bedeutet mehr Überlebenschancen - alles ist auf clevere Weise verbunden.

Clever kombinieren

Mit jeder ausgespielten Karte füllt sich außerdem ein Fortschrittsbalken; ist der am Limit, erscheint ein Bossgegner, der es in sich hat. Wer hier siegen will, muss lernen, wie sich Landschaftskarten und Gebäude kombinieren lassen. Beispiele gefällig? Neun Gesteinsfelder ergeben zusammen ein Gebirge, das extra viele Lebenspunkte spendiert, als Nebeneffekt aber auch gefährliche Harpyien erzeugt. Wälder lassen sich mit einem Blitzturm zu Aschewäldern verwandeln, dann wird der Tempobonus in Magieschaden umgerechnet. Flüsse verdoppeln mal eben den Ertrag von umliegenden Feldern und wandeln Wüsten in nützliche Oasen um. Bei den Gebäuden am Wegesrand verfährt man nach dem gleichen Prinzip: Platziert man ein Vampirschloss direkt neben einem Dorf, spawnen dort drei Runden lang gefährliche Untote - wer sich durchkämpft, darf danach bessere Belohnungen einstreichen. Zehn Gebirge lassen zufällige Goblinlager erscheinen, aus denen starke Nahkämpfer spawnen. Und an Haine lassen sich auch Bluthaine anlegen, die geschwächte Gegner automatisch zu Boden reißen.

An die vier Bosskämpfe sollte man sich nur mit sehr guter Ausrüstung wagen. Quelle: PC Games An die vier Bosskämpfe sollte man sich nur mit sehr guter Ausrüstung wagen. Welche Möglichkeiten sich bieten, verrät uns das Spiel nicht. Richtig so! Den meisten Spaß macht Loop Hero nämlich dann, wenn man einfach drauflos probiert und nützliche Kombinationen entdeckt, die neue taktische Möglichkeiten liefern. Die Stunden vergehen dabei wie im Flug: Bis man alle vier Bosse besiegt und alles freigeschaltet hat, können locker 20 bis 30 Stunden vergehen - für gerade mal 15 Euro ein sehr guter Gegenwert.

Beute im Überfluss

Der Aufbaupart ist aber längst noch nicht alles! Besiegte Gegner hinterlassen nämlich nicht nur Umgebungskarten, sondern auch wertvolle Ausrüstung, die wir unserem Helden anlegen müssen. Beute gibt's in vier Qualitätsstufen; je besser die Qualität, desto mehr passive Eigenschaften haben die Schwerter, Rüstungen, Helme, Ringe, Schilde und vieles mehr. Beute gibt's nicht nur im Überfluss, sie wird auch automatisch aufgesammelt und rauscht nur so durch unser Inventar, das jederzeit am rechten Bildschirm eingeblendet wird. Damit wir in Ruhe die Werte der Ausrüstung studieren können, lässt sich das Geschehen per Rechtsklick pausieren und fortsetzen. Das ist auch bitter nötig, denn die Wahl der passiven Eigenschaften will wohl überlegt sein: Soll unser Krieger lieber langsam Lebenspunkte regenerieren? Oder stattdessen mit jedem Hieb ein wenig Kraft von seinen Feinden absaugen? Soll er Angriffe kontern oder lieber ausweichen? Setzen wir auf Verteidigung oder einen großen Lebenspool? Was anfangs trivial wirkt, entscheidet am Ende darüber, ob man es lebendig durch die nächste Zeitschleife schafft.

Im Kartenstapelmenü stellen wir unser Deck zusammen. Quelle: PC Games Im Kartenstapelmenü stellen wir unser Deck zusammen. Mit jeder vollendeten Schleife steigen die Gegner einen Level auf, aber auch die Beute wird besser. Dadurch sind wir rund um die Uhr damit beschäftigt, Items auszutauschen, Werte abzugleichen und knifflige Entscheidungen zu treffen - das motiviert! Nebenbei sammeln wir durch besiegte Gegner auch Erfahrung, steigen im Level auf und dürfen uns dann einen von drei passiven Boni aussuchen, was große Auswirkungen auf die Ausrüstung unserer Spielfigur hat. Auch hier greifen die Spielmechaniken geschickt ineinander. Allerdings spielt sich Loop Hero dadurch gerade in den ersten Runden noch etwas lahm und eintönig: Erst wenn ein paar Umgebungskarten verteilt sind, wenn Gegner spawnen und die Beutejagd in die Gänge kommt, nehmen Tempo und Spielspaß deutlich an Fahrt auf.

Drei Helden, ein Ziel

Anfangs steht uns nur ein Krieger zur Auswahl, später schalten wir mit Schurke und Nekromant zwei weitere Klassen frei. Jeder Heldentyp spielt sich angenehm unterschiedlich: Während der ausgeglichene Krieger mit Kontern, Rundumschlägen, Lebensabsaugung und hoher Defensive punktet, ticken die beiden anderen Klassen ein wenig anders. Der Schurke sammelt beispielsweise als einziger Held keine Ausrüstung, sondern erhält von besiegten Feinden lediglich Trophäen. Nach jeder durchmarschierten Runde werden die Trophäen gegen einen ganzen Schwung hochwertiger Items eingetauscht, die man dann anlegen darf. Hohe Angriffsgeschwindigkeit gepaart mit der Chance auf kritische Treffer machen den zerbrechlichen Schurken zur Kampfmaschine - vor allem, wenn man die goldene Karte "Arsenal" einsetzt, durch die jeder Held einen zusätzlichen Inventarplatz erhält. Der Schurke kann dadurch Amulette anlegen, die eine zusätzliche Schutzbarriere im Kampf aufbauen - enorm nützlich!

Die späteren Kapitel sind deutlich schwerer, werfen aber mehr Beute ab. Quelle: PC Games Die späteren Kapitel sind deutlich schwerer, werfen aber mehr Beute ab. Diese Fähigkeit zählt beim Nekromanten dafür schon zur Standardausstattung. Der Totenbeschwörer kämpft allerdings nicht selbst und ist schlecht gepanzert. Stattdessen lässt er im Kampf mehrere Skelette und Untote antreten, die sich automatisch durch die Gegnerreihen pflügen. Das ist ungeheuer mächtig, allerdings bleiben auch ein paar wichtige Details im Charakterbogen ungeklärt: Sollte man als Nekromant lieber die Skelettstufe steigern oder die Anzahl der Kämpfer erhöhen? Wofür steht Beschwörungsqualität? Und wie wirkt sich Angriffsgeschwindigkeit auf die untoten Diener aus? All das verrät Loop Hero leider nicht, man muss es sich selbst zusammenreimen. Hat man das System aber erst mal kapiert, macht der Nekromant genau so viel Spaß wie die anderen beiden Klassen und sorgt so für ein wenig Abwechslung im Zeitschleifen-Alltag.

Dauerhafte Fortschritte

Indem man Karten ausspielt, Gegner besiegt und an Gebäuden vorbeistiefelt, wandern automatisch Ressourcen in unseren Beutesack. Sobald wir die Wegschleife einmal vollendet und unser Lagerfeuer erreicht haben, können wir den Durchgang beenden und unsere komplette Rohstoffladung mitnehmen. Brechen wir den Run dagegen unterwegs ab, vielleicht weil die Lebenspunkte bedrohlich knapp werden, dürfen wir 60 Prozent der Beute nach Hause tragen. Und wenn wir ins Gras beißen, stehen uns nur 30 Prozent der Ressourcen zu - hier muss man das Risiko gut abwägen!

Um alle Gebäude zu bauen und aufzuwerten, müssen wir eine Menge Ressourcen farmen. Quelle: PC Games Um alle Gebäude zu bauen und aufzuwerten, müssen wir eine Menge Ressourcen farmen. Mit den Rohstoffen kehren wir regelmäßig in ein Lager zurück, das wir nach und nach aufbauen und mit neuen Gebäuden erweitern. Die schalten nicht nur weitere Karten für unser Deck frei, sondern liefern auch dauerhafte Boni: Der Übungsplatz spendiert dem Helden vier Prozent mehr Kampfkraft, Farmen liefern regelmäßig Nahrungseinheiten, das Zelt des Alchemisten fügt ein Crafting-System hinzu und dank der Kräuterhütte dürfen wir unterwegs nützliche Heiltränke schlürfen. Manche Gebäude erweitern außerdem den Lagerplatz, dann dürfen wir verschiedene Werkzeuge und Möbel auf die knappen Slots verteilen, wodurch wir - Überraschung! - weitere passive Boni erhalten. Auch beim Lageraufbau gilt: Das System ist nicht komplex, ergänzt aber prima mit die übrigen Spielmechaniken. Ein kleiner Kritikpunkt bleibt allerdings: Obwohl jedes Gebäude bewohnt ist, haben wir keine Möglichkeit, mit den Leuten zwischendurch zu plaudern - wann ein Gespräch stattfindet, bestimmt das Spiel selbst.

Geschmackssache: Der Retro-Stil

Spielerisch könnte Loop Hero kaum moderner sein, doch grafisch fühlt man sich glatt in die frühen 90er-Jahre zurückversetzt: Der Pixellook weckt Erinnerungen an die Ära vergangener MS-DOS-Spiele, als VGA-Auflösung noch das Maß der Dinge war. Das Ergebnis ist zwar übersichtlich und charmant, aber auch nicht gerade detailreich - da haben andere Spiele schon deutlich schickere Retro-Grafiken hinbekommen. Immerhin: Der gewöhnungsbedürfte CRT-Effekt, der an alte Röhrenmonitore erinnern soll, lässt sich abschalten. Außerdem kann man die pixeligen Schriftarten durch zwei scharfe Varianten ersetzen, die wir im Test als deutlich angenehmer empfunden haben.

Im Inventar (rechts im Bild) tauschen wir fortwährend Ausrüstung gegen bessere Items aus. Quelle: PC Games Im Inventar (rechts im Bild) tauschen wir fortwährend Ausrüstung gegen bessere Items aus. Passend zur Optik gibt's eine unauffällig dudelnde Hintergrundmusik und stilechte Soundeffekte, die ebenfalls klingen, als hätten sie die letzten drei Jahrzehnte einfach mal verschlafen. Da Loop Hero aber ein Spiel ist, das man bequem nebenher im Fenster laufen lassen kann, lässt sich der Sound auch problemlos abdrehen, das Spielerlebnis leidet nicht darunter. Sprachausgabe gibt es ohnehin nicht, dafür wurden die Texte aber in zehn Sprachen übersetzt, darunter auch Deutsch. Bis auf ein paar Schnitzer im Detail geht die Übersetzung in Ordnung.

Loop Hero ist über Steam, Epic Games Store, Humble Store und GOG erhältlich, der Preis liegt bei knapp 15 Euro. Das Spiel gibt's derzeit für den PC, Konsolenumsetzungen sind (noch) nicht angekündigt. Bei dem Erfolg der PC-Version dürfte das aber nur eine Frage der Zeit sein. Wir würden unser Geld vor allem auf eine Switch-Portierung setzen, da sich Loop Hero bestens für eine Runde zwischendurch eignet.

Auf Metacritic hat Loop Hero eine Durchschnittswertung von 85 Punkten.

Meinung

Wertung zu Loop Hero (PC)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Originelles, elegantes Spielprinzip Strategischer Aufbau über Spielkarten Drei unterschiedliche Klassen Viel Umfang, günstiger Preis Nette Retro-Präsentation Motivierendes Fortschrittsgefühl Leicht zu lernen Simple Steuerung Optional: scharfe Schriftarten 
Die ersten Spielphasen werden schnell eintönig Erfolg stark vom Beuteglück abhängig Auf Dauer wenig Abwechslung Manche Funktionen schlecht erklärtKeine freiwilligen Gespräche mit Dorfbewohnern  Pixel-Grafik nicht sonderlich detailreich 
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