Life is Strange 2 im Test: Adventure mit mysteriösen Kräften und tiefgreifenden Entscheidungen
Test 5,99 €
Ein neues Kapitel im Universum beginnt mit der ersten Episode von Life is Strange 2. Im Test klären wir, ob das Adventure an die Vorgänger anknüpfen kann und was das Abenteuer von Sean und Daniel sonst noch bereit hält.
Das Leben ist eigenartig und stellt jeden immer wieder vor besondere Herausforderungen. Nachdem sich zuletzt Max und Chloe mit dieser Erkenntnis und den Hürden ihres jungen Lebens auseinander setzen mussten, macht Life is Strange 2 (jetzt kaufen 599,99 € / 5,99 € ) reinen Tisch. Die Geschichte der beiden Mädchen und des Städtchens Arcadia Bay ist für die Entwickler von Dontnod Entertainment abgeschlossen, aber das Life-is-Strange-Universum mit seinem Mysterien und alltäglichen Problemen hat noch mehr Geschichten zu erzählen.
In diesem Artikel
Turbulente Zeiten
Ungefähr drei Jahre nach den Ereignissen der ersten Staffel schlüpfen wir in die Rolle des 16-jährigen Sean Diaz, der zusammen mit seinem alleinerziehenden Vater Esteban und seinem 9-jährigen Bruder Daniel im Süden von Seattle lebt. Im Herbst 2016 sieht sich die Latino-Familie einer sich verändernden Stimmung im Land gegenüber. Das Spiel beginnt wenige Wochen vor den Präsidentschaftswahlen, aus denen Donald Trump als Sieger hervorgehen wird. Die von dem republikanischen Kandidaten geschürten Ressentiments gegen Minderheiten greift auch Life is Strange 2 auf und konfrontiert die beiden Protagonisten Sean und Daniel damit.
So dient die teils offen rassistische Haltung von Teilen der amerikanischen Gesellschaft auch als Auslöser für das bevorstehende Abenteuer der Brüder. Ein tragisches Ereignis, in dem ein Nachbarschaftsstreit, übertriebene Polizeigewalt gegen Minderheiten und den übernatürlichen Elementen von Life is Strange zusammen kommen, zwingen Sean und Daniel aus ihrer vertrauten Umgebung zu fliehen und von einem Moment auf den anderen alle Verbindungen zu ihren bisherigen Leben zu kappen. Auf sich allein gestellt beginnen die Jungen eine waghalsige Reise entlang der Westküste der USA mit dem Ziel die alte Heimat ihres Vaters in Mexiko zu erreichen.
Quelle: PC Games
Mit Nebenfiguren wie Seans bester Freundin Lyla verbringt man zu wenig Zeit, um eine emotionale Bindung aufzubauen.
Flüchtige Bekanntschaften
Die Handlung legt dabei einen durchaus vielversprechenden Start hin, dessen Potential sich aber natürlich in den kommenden Episoden noch beweisen muss. Im Mittelpunkt steht in jedem Fall die Dynamik zwischen Sean und seinem kleinen Bruder. Die beiden Hauptcharaktere führen gut geschrieben Dialoge, getragen von ausgezeichneter englischer Vertonung, und
Quelle: PC Games
In einem gespaltenen Amerika bekommt es die beiden Jungen mit Anfeindungen und rassistischen Äußerungen zu tun.
verhalten sich sehr glaubhaft. Auch die (wenigen) Nebenfiguren wirken wie realistische Charaktere. Durch den Road-Trip-Aufbau des Spiels verbringt man allerdings jeweils nur sehr wenig Zeit mit anderen Figuren.
So fällt es schwer eine Bindung zu diesen Personen aufzubauen. Die erste Staffel lebte neben Max und Chloe auch sehr stark von Nebenfiguren wie Kate, Warren, David Madsen, Nathan und vielen mehr. Dieser Aspekt wird in Life is Strange 2 vermutlich nur schwer umzusetzen sein. So das für den Spieler Sean und Daniel die einzigen emotionalen Fixpunkte bleiben. Entsprechend wenig berührte es uns zum Beispiel, das wir durch die bereits genannten Ereignisse Charaktere wie Seans beste Freundin Lyla zurück lassen mussten. Es war einfach nicht genug Zeit, sie ausführlich kennen zu lernen.
Vorbild sein
Spielerisch steht das Spiel dem Vorgänger dagegen in nichts nach. In den einzelnen Abschnitten gibt es wieder allerhand interaktive Objekte zu entdecken. Auch die bekannten Zen-Momente sind wieder mit dabei. In einigen Fällen greift Sean dabei zu seinem Tagebuch und ihr könnt ihn die aktuelle Umgebung zeichnen lassen. Das wichtigste sind wieder die Konsequenzen, die sich aus euren Handlungen ergeben. Besonders vor dem Hintergrund, dass ihr als Vorbild für euren kleinen Bruder dient, bekommt jede Entscheidung noch einmal zusätzliches Gewicht. Denn eure Aktionen haben direkten Einfluss auf die Entwicklung von Daniel.
Quelle: PC Games
Kaufen oder stehlen? Diese Entscheidungen haben nicht nur direkte Konsequenzen, sondern wirken sich auch auf die Charakterbildung des kleinen Daniel aus.
Beobachtet er Sean zum Beispiel beim Stehlen, wird dem Jungen eine Handlungsweise vermittelt, die er möglicherweise nachahmt, auch wenn ihr das gar nicht beabsichtigt. Dem gegenüber steht allerdings auch der Drang zu Überleben. Mit nur wenig Vorräten und noch weniger Geld ausgestattet, müsst ihr gut überlegen, was ihr alles unternehmt, um euch beide durch den nächsten Tag zu bringen. Ist es sinnvoll zwei Dollar für den Schokoriegel auszugeben, den sich Daniel so sehr wünscht? Erste Auswirkungen eures Verhaltens lassen sich bereits in der ersten Episode erkennen.
Etwas zu kurz kommt bisher die neue übernatürliche Fähigkeit, was aber handlungsbedingt der Fall ist. Ein aktiver Einsatz wie bei Max' Zeitreisefähigkeit ist (bisher) jedenfalls noch nicht möglich. Auch die Atmosphäre erreicht trotz bekanntem Stil noch nicht ganz das Niveau des Vorgängers. Vor dem Hintergrund, dass sich das Spiel diesmal über den Zeitraum eines ganzen Jahres und unzähliger Handlungsorte entlang einer tausende Kilometer langen Route erstrecken soll, wird es spannend zu beobachten sein, ob dem Team dennoch eine packende und kohärente Geschichte gelingt. Der Umfang ist für den Anfang übrigens sehr ordentlich. Wir haben für die erste Episode etwas mehr als vier Stunden gebraucht.
