Kampagne, Editor, Banditen, Technik und Wertung

Test Dominik Pache
Kampagne, Editor, Banditen, Technik und Wertung

Ein digitales Brettspiel zum Abschalten: Let Them Trade verbindet gemütliche Aufbaustrategie mit charmantem Holz-Look - perfekt für alle, die entspannt handeln, bauen und zusehen wollen, wie das Leben über Hexfelder tanzt.

Kampagne, Karten & Editor: Das bietet der Sandbox-Modus

Im freien Spiel könnt ihr euch in sieben unterschiedliche Karten stürzen - jede mit ihren ganz eigenen Herausforderungen. Im Inselarchipel müsst ihr etwa geschickt Meerengen überqueren und Brücken über Flüsse schlagen, während euch in der Wüstenoase nur wenige fruchtbare Flächen zur Verfügung stehen, auf denen ihr eure Bauernhöfe errichten könnt.

Oder ihr werdet selbst kreativ: Mit dem integrierten Karteneditor gestaltet ihr eure ganz eigene Landschaft, platziert Ressourcen nach Belieben und baut euch ein Spielfeld ganz nach euren Vorstellungen. Gefällt euch euer Werk, könnt ihr es online stellen und mit euren Freunden teilen - oder einfach selbst immer wieder neu bespielen.

Let Them Trade bietet neben dem freien Spiel auch eine kleine Kampagne, die euch für rund zehn Stunden bei Laune hält. Darin schlüpft ihr in die Rolle eines Handlangers, der einem verwöhnten - aber irgendwie auch charmant-naiven - König dabei hilft, sein Reich für Festmähler und prunkvolle Bauwerke wirtschaftlich auszuschlachten. Was zunächst als lockeres Tutorial beginnt, entwickelt sich schnell zu einer Reihe abwechslungsreicher Missionen: Ihr errichtet mehrstufige Gebäude, befreit gefangene Ritter und helft dem Monarchen dabei, eine Bande grimmiger Banditen zu vertreiben.

Ritter & Banditen: Würfelglück und dezente Nerverei

Den Banditen rückt ihr mit euren eigenen Rittern zu Leibe. Die dienen zwar primär dazu, die Karte aufzudecken, können aber auch mit rekrutierten Truppen in den Kampf ziehen. Die Einheiten stellt ihr in speziellen Militärgebäuden innerhalb eures Schlosses her, die ausschließlich für diese Auseinandersetzungen benötigt werden.

Die Kämpfe selbst erinnern ein wenig an das Brettspiel Risiko: Es wird gewürfelt, die Truppenstärke wird addiert, und mit etwas Glück kann auch ein zahlenmäßig unterlegenes Heer siegreich sein.

Let them Trade Kampf Würfeln Quelle: PC Games Kämpfe laufen wie in Risiko ab: Grundwert + Würfelwert. Das bedeutet: Ihr könntet auch mit einer Übermacht verlieren. So charmant das Konzept zunächst klingt - die Banditen sind ein eher überflüssiges Feature. Selbst der Banditenfürst nennt sie in der Kampagne selbstironisch ein "dezent nerviges Spielelement". Und das trifft es leider gut. Wer Banditen besiegt, erhält weder Erfahrungspunkte noch Belohnungen - außer dem etwas müden Gefühl, eine Handelsroute wieder freigeräumt zu haben.

Ein spielerischer Mehrwert bleibt aus. Nach ein paar Runden im freien Spiel haben wir das Feature deaktiviert - und es nicht vermisst. Schade eigentlich, denn hier hätte mehr drinstecken können.

Technik, Bugs & Performance

In unserer Vorab-Version von Let Them Trade haben sich noch ein paar kleinere Fehler eingeschlichen. An einigen Stellen fehlten deutsche Übersetzungen und vereinzelt wurden Quests nicht korrekt abgeschlossen. Die Entwickler zeigen sich jedoch sehr engagiert und waren bereits während unserer Testphase eifrig dabei, diese Bugs zu beheben.

Etwas Feinschliff braucht aber aktuell noch die Händler-KI. Händler sind essenziell für das Funktionieren eurer Städte, agieren aber gelegentlich etwas übereifrig. Besonders im frühen Spiel sind zum Beispiel Bretter eine knappe Ressource - und entsprechend heiß begehrt. Sobald ein Sägewerk auch nur ein einziges Brett produziert, macht sich der Händler schon auf den Weg zur nächsten Stadt, die dringend Nachschub benötigt. Das Problem: Statt zu warten, bis mehrere Bretter bereitstehen, fährt er sofort los - oft mit nur einem Stück im Gepäck. Während er unterwegs ist, fehlt er dann aber natürlich an anderer Stelle, wo seine Hilfe ebenfalls gebraucht wird. Das sind aber alles Kleinigkeiten und relativ leicht zu beheben. Die Performance war durchgehend flüssig, selbst wenn auf der Karte mal mehr gewuselt wurde und lief auch auf älteren Rechnern einwandfrei.

Entspannter Aufbauspaß für zwischendurch - mit kleinen Schwächen

Let Them Trade ist ein charmantes, entschleunigtes Aufbauspiel, das nicht den Anspruch hat, mit Genre-Giganten wie Anno 1800 zu konkurrieren - und genau darin liegt seine Stärke. Statt sich über Wochen in gigantische Wirtschaftskreisläufe zu verstricken, schließt ihr hier eine Partie bequem an einem Abend ab. Ideal für alle, die ohne Zeitdruck bauen, handeln und beobachten möchten.

Besonders Genre-Neulinge finden hier einen zugänglichen Einstieg ohne überfordernde Komplexität. Aber auch erfahrene Aufbaufans, die mal durchatmen und das Genre in kleinerer Dosis genießen wollen, kommen auf ihre Kosten - zumindest für ein paar gemütliche Runden.

Weniger überzeugend sind allerdings die militärischen Systeme: Ritter und Banditen wirken wie ein halbfertiges Element, das nie so recht ins Spiel hineingewachsen ist. Auch ein Multiplayer-Modus fehlt leider.

Und obwohl das Spiel mit seinem Karteneditor theoretisch unbegrenzte Möglichkeiten bietet, hält sich der Wiederspielwert in der Praxis in Grenzen: Die Produktionsketten bleiben immer gleich, egal ob vorgefertigte Karte oder Eigenbau - nur die Lage der Städte sorgt für gelegentliche Abwechslung.

Trotzdem: Let Them Trade weiß genau, was es sein will - ein entspannter Aufbau-Ausflug mit Brettspiel-Flair und Wohlfühlatmosphäre. Wer nicht nach dem nächsten großen Genre-Meilenstein sucht, sondern einfach mal wieder in aller Ruhe eine kleine Wirtschaft aufbauen will, ist hier goldrichtig.

Wertung zu Let Them Trade (PC)

Wertung:

8.0 /10
Fazit

Aufbauidylle mit Brettspiel-Charme

Meinung

Let Them Trade erscheint am 24. Juli 2025 auf Steam, wird von Spaceflower entwickelt und von Byte Rockers vertrieben. Wenn ihr vor dem Kauf in das Spiel reinschnuppern möchtet, könnt ihr die kostenlose Demo ausprobieren. Transparenzhinweis: Für die Erstellung dieses Beitrags wurde eine Vorabversion vom Publisher zur Verfügung gestellt.

  1. Seite 1 Optik, Städte und Bedürfnisse
  2. Seite 2 Forschung, Planung und Wirtschaft
  3. Seite 3 Kampagne, Editor, Banditen, Technik und Wertung
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk