Legend of Keepers im Test: Wie gut ist das Rogue-like nach dem Early Access Ende?
Test
Helden in schillernden Rüstungen gab es schon oft in Videospielen. Legend of Keepers macht mit dieser Tradition kurzen Prozess. Die Ära der Dungeon-Meister hat begonnen und ihr versucht als unerfahrener Meister durch harte Arbeit und vorbildliche Führungsqualitäten in die Annalen der Dungeon Company einzugehen. Die Vollversion des Spiels steht jetzt nach einigen Monaten Early Access zur Verfügung und wir haben uns das Spiel für euch erneut angeschaut.
Legend of Keepers hat den Early Access verlassen und im gleichen Zuge wurde das Spiel auch für die Switch veröffentlicht. Unser erster Test, zur frühen Variante des Spiels, fiel recht positiv aus. Ob die Entwickler nach gut einem Jahr Early Access noch an weiteren nötigen Schrauben gedreht haben und alte Schwächen ausbügeln konnten, werden wir uns in diesem Test genauer anschauen.
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Von Monstern und Helden
Vorab, Legend of Keepers (jetzt kaufen 34,99 € ) ist eine Mischung aus Darkest Dungeon und Dungeon Keeper. Der Clue hierbei ist jedoch, dass ihr nicht die Helden spielt, sondern die Kontrolle über die fiesen Kreaturen des Dungeons übernehmt. Ihr könnt euch dabei einen von drei Dungeon-Meistern auswählen. Darf ich vorstellen: Maug ein Zentaur, 54 Jahre alt, liebt Menschenfleisch und hat immer seine Peitsche dabei. Als nächstes, Sarel, eine Dryade, alt und weise, Anführerin der Ökoterroristen und gewillt die Menschheit zu vernichten. Und zu guter Letzt Lira, ein nicht genehmigtes Experiment, scharfsinnig und raffiniert, besitzt die Fähigkeit Todesmaschinen zu erschaffen. Ihr arbeitet als einer der Drei für die sogenannte Dungeon Company und bekommt Aufträge, in denen ihr in unterschiedlichen Dungeons Helden davon abhalten sollt, die Heiligen Hallen der Dungeon-Meister zu erreichen. Die Geschichte ist schnell erzählt und ihr werdet anhand von Missionen mit den Techniken des Spiels vertraut gemacht. Dabei steht euch eine Verwalterin der Dungeon Company zur Seite. Da sich die Dungeon-Meister nicht nur äußerlich, sondern auch spielerisch immens unterscheiden, hat jeder der Drei seine eigene kurze Kampagne. Die Story ist trotzdem sehr banal und ist nicht mehr als ein Tutorial. Der knifflige Teil fängt erst nach dieser doch relativ langen Einführung an.
Es ist schön böse zu sein
Ziel des Spiels ist es, sich nicht von den Helden überrumpeln zu lassen. Um sie am Voranschreiten im Dungeon abzuhalten, stellen wir Fallen auf und platzieren Monster auf dem Weg. Ein Dungeon besteht immer aus zwei Fallen- und zwei Monsterräumen, sowie einem Zauberraum und den Gemächern des Meisters am Ende des Dungeons. Außerdem gibt es noch einen besonderen Raum, der sich je nach Dungeon-Meister unterscheidet. In dem besagten Raum, könnt ihr einen von drei Zaubern auswählen, mit denen ihr schlicht und ergreifend Schaden verursacht oder andere negative Effekte auf Helden wirkt. Wie zum Beispiel, erhöhte Anfälligkeit für Fallen.
Ab und zu haben Dungeons auch zusätzliche Räume, in denen ihr aus drei für den Dungeon spezifischen Fallen und Zauber jeweils eine Variante auswählen könnt. Allerdings haben die Dungeons auch Räume, in denen sich die Helden Vorteile verschaffen können. Beispielsweise können Brunnen die Helden heilen oder ein Lagerfeuer stärkt ihre Moral.
In den Monsterräumen können wir jeweils drei Monster platzieren.
Quelle: PC Games
Im Eis Dungeon können wir die Helden mit herunterfallenden Stalaktiten überraschen.
Wenn die Helden einen dieser Räume betreten, werden die Kämpfe rundenbasiert ausgetragen. Wie in anderen Spielen muss man hier auf Angriffsmuster und Schadenstypen achten. Angriffe und Fähigkeiten treffen in vorgegebenen Bereichen. Fernkämpfer greifen hintere Charaktere an, während Nahkämpfer an der Front zum Einsatz kommen. Neben normalen und Elementarangriffen gibt es noch Statuseffekte, die Schaden über Zeit verursachen.
Wer im Vorhinein gut plant und seine Monster intelligent platziert, kann das Geschehen zugunsten der eigenen Truppen lenken. Die Monster kommen in unterschiedlichen Gattungen und Seltenheitsgraden. Je nachdem welchen Dungeon-Meister ihr gewählt habt, erhaltet ihr Zugriff auf einzigartige Kreaturen, die nur mit dem jeweiligen Meister verwendet werden können. Besonders mächtige Monster erhaltet ihr, wenn ihr die stärksten aller Helden, die Champions, besiegt. Diese werdet ihr auch brauchen um die Entscheidungsschlacht am Ende des Dungeons zu gewinnen.
Quelle: PC Games
Mit dieser Falle lassen wir eine giftige Wolke aus Tod und Verderben auf unsere Widersacher los.
Die Zeit heilt alle Wunden
Wie schon in anderen Rogue-like-Spielen müsst ihr, bevor ihr überhaupt zum letzten Kampf kommt, Entscheidungen treffen. Diese haben Auswirkungen auf den weiteren Verlauf des Spiels und bestimmen über Erfolg oder Misserfolg. Auch in Legend of Keepers könnt ihr abseits der Kämpfe regelmäßig aus verschiedene Ereignisse auswählen. Wollt ihr eure Monster auf einer Fortbildung schicken, euren Dungeon-Meister zum Workout beordern oder eure Fallen upgraden? Ihr habt die Qual der Wahl. Aber sie sollte strategisch gut überlegt sein, denn die Ereignisse bieten bestimmte Vor- aber auch Nachteile. Nutzt eure Zeit sinnvoll, denn nach kurzer Verschnaupfpause kommt erneut ein Heldentrupp um euren Dungeon zu bezwingen. Hoffentlich seid ihr gut vorbereitet und haltet die Eindringlinge erfolgreich auf. Bevor die Helden an eurer Tür klopfen, könnt ihr interessanterweise selber auswählen, welcher Trupp euren Dungeon angreifen wird. Dabei erwarten euch je nach Schwierigkeitslevel der Helden unterschiedlich starke Belohnungen.
Ziel ist es, mithilfe von Ereignissen und besiegten Helden euren Reichtum zu mehren, Artefakte zu erlangen, Monster und Dungeon-Meister zu verbessern, um die immer stärkeren Gegner und am Ende den definitiv auftauchenden Champion siegreich abzuwehren.
Das beinhaltet auch, eine passende Kombination aus Monstern und Artefakten zusammenstellen. Überwiegt zum Beispiel die Anzahl der Skelette in eurem Team, ist es sinnvoll, diese per Artefakt zu verbessern. Ähnlich wie bei Genregrößen Slay the Spire oder Dead Cells bietet Legend of Keepers unzählige Kombinationsmöglichkeiten und lädt zum Experimentieren ein.
Quelle: PC Games
Unser Team aus Mechs kann mit Leichtigkeit den Champion und seine Gefährten besiegen.
Die Moral von der Geschichte
Wollt ihr eure Widersacher nicht nur durch bloße Gewalt besiegen, sondern ihren Willen brechen und sie mit schlotternden Beinen im Handumdrehen nach Hause schicken, dann verwendet ihr Monster und Fallen, welche die Moral der Helden schwächen. Selbst wenn es nicht euer Ziel ist, Helden das Fürchten zu lehren, bringt es gewisse Vorteile, die Moral des Gegners zu senken. Manche Monster verursachen dann beispielsweise mehr Schaden oder erhalten andere Boni.
Aber nicht nur die Moral der Gegner kann bröckeln, auch eure Untergebenen werden beim Kämpfen, je nachdem ob sie gewinnen oder verlieren, motivierter oder demotivierter. Ihr solltet also stets ein Auge auf die Moral eurer Bediensteten haben. Sind sie zu demotiviert, boykottieren sie die Arbeit und können nicht mehr im Dungeon eingesetzt werden. Erst nach einiger Zeit erholen sie sich langsam und können wieder in den Kampf geschickt werden. Mit einem einfach Schulterklopfen ist es aber nicht getan. Um die Moral zu steigern, gönnt ihr ihnen eine Pause, befördert sie oder versorgt sie mit besonderen Aufgaben.
Quelle: PC Games
Die Gewerkschaft stellt ihre Forderungen. Gehen wir auf diese ein, kostet es uns 50 Gold, motiviert jedoch unsere Monster.
Die magische Zahl Drei
Quelle: PC Games
Maug der Sklavenhalter, kann die Moral der Helden brechen und sie somit zum Rückzug zwingen.
Man könnte meinen, die Macher haben bei der Entwicklung des Spiels ganz nach der Weisheit gehandelt, aller guten Dinge sind drei. Wir haben jeweils drei Monster, drei Zauberauswahlmöglichkeiten, drei Helden und zu guter Letzt auch drei Dungeon-Meister. Die Unterschiede der drei Meister fallen im ersten Moment gar nicht auf. Doch wenn man sich länger mit einem der drei beschäftigt, erkennt ihr neue Wege, die Dungeons erfolgreich zu meistern. Die Zauberin glänzt wie kein andere Held damit, elementare Schwächen der Gegner auszunutzen und Helden mit Statuseffekten zu belegen. Maug hingegen ist auf pure Körperkraft und Einschüchterung getrimmt und weiß, wie er seine Gegner bluten lässt. Die Fallenstellerin ist, wie der Name schon sagt, darin geübt, den Helden jeder Menge Stolpersteine in den Weg zu werfen. Aber sie hält auch etliche Buffs für ihre eigenen Monster, die Mechs, bereit. Habt ihr ein Level geschafft und den letzten Champion bezwungen, erhaltet ihr Erfahrungspunkte, um passive Fähigkeiten der Meister freizuschalten.
Die Meister sind ihrerseits toll designt, und auch der Rest des Spiels hat einen optisch ansprechenden Pixellook. Das Design der Dungeons bietet viel Abwechslung und der Soundtrack ist einfach klasse. Betritt ein Champion einen Dungeon, bekommt man dank der Soundkulisse direkt das Gefühl, einer Bedrohung gegenüberzustehen. Auch wenn man schnell jeden Titel gehört hat, macht der Soundtrack einiges her. Helden, Monster und Meister haben ihren eigenen Schlachtruf, der stimmungsvoll zum Gesamtbild beiträgt. Die Dungeon-Verwalterin, die euch durch die ersten Level lotst, ist voll vertont, jedoch nur in englischer Sprachausgabe. Ansonsten sind Menüs und Erklärungen allesamt auf Deutsch.
Quelle: PC Games
Die Welt von Legend of Keepers ist sehr groß. Leider bekommen wir nichts von der Welt außerhalb der Dungeons mit.
Manchmal bringt's ein Perspektivwechsel
Legend of Keepers bringt durch seine gegenteilige Struktur frischen Wind in das Genre. Böse zu sein macht einfach Spaß und das Gefühl jemanden am Voranschreiten zu hindern, anstelle sich selbst durch Horden von Gegnern zu kämpfen, fühlt sich wunderbar unverbraucht an. Trotz neuer Monster, Artefakte und Talente wird euer Dungeon-Meister übrigens nicht in Windeseile zur ultimativen Kampfmaschine und auch spätere Durchläufe behalten daher ein gewisses Maß an Herausforderung.
In dem vorherigen Test zur Early Access Version des Spiels sind uns einige kleiner Makel aufgefallen. Wir waren aber positiv überrascht, dass die Entwickler im Laufe der vergangenen Monate noch einige Änderungen vorgenommen haben. In der Early Access Version des Spiels konnten wir beispielsweise nur zwei Dungeon-Meister spielen. Die Fallenstellerin kam es später mit dazu. Die Dungeon-Meister unterscheiden sich stark voneinander und bieten eine gute Abwechslung.
Unser größter Kritikpunkt war, dass das Spielgeschehen zu stark zufallsbasiert war. Doch auch hier hat sich einiges getan. So können wir mögliche Belohnungen schon vorher einsehen, uns teilweise eigenständig Startbedingungen zusammenstellen und aus Monstern sowie Fallen unsere Lieblinge auswählen. Dadurch ist es uns möglich, einige Weichen für einen erfolgreichen Run schon im Vorhinein zu stellen, indem wir uns eine erfolgversprechende Strategie zurechtbasteln. Der Zufallsfaktor kann natürlich nicht ganz weggelassen werden, da er ein elementarer Bestandteil des Genres ist, selbst wenn er manchmal frustrierend sein kann. Außerdem sorgt er letztlich dafür, jeden Durchlauf interessant zu gestalten und zum erneuten Spielen zu motivieren.
