30 Jahre Kirby: Vom Platzhalter zum großen Helden

Special Katharina Pache Lukas Schmid
30 Jahre Kirby: Vom Platzhalter zum großen Helden
Quelle: Nintendo

1992 erschien das erste Kirby-Abenteuer, seitdem ist viel Zeit vergangen. Wir blicken auf 30 bewegte Jahre Knutschkugel-Historie, beleuchten die Geburtsstunde des Helden und werfen einen Blick auf Kirbys Welt, Spiele, Feinde und ein paar Geheimnisse!

Shape Language, auf Deutsch Formensprache, ist eine grundlegende Technik im Design. Klingt kompliziert, funktioniert aber ganz einfach: Mit unterschiedlichen Formen verbinden Menschen verschiedene Eigenschaften, genau wie bei Farbtönen - Rot wirkt etwa lebendig und aggressiv, Blau beruhigend. Die meisten Gegenstände auf der Welt können auf einfache Grundformen heruntergebrochen werden, und das gilt auch für Figuren in Videospielen.

Wenn man einen Gamer auffordert, an einen runden Helden zu denken, dann rollt wohl den meisten sofort das diesjährige Geburtstagskind Kirby in den Sinn - knuffig, weich, rosa und niedlich! Und wenn wir nun abgleichen, was eine Kugel laut Formensprache bedeutet, dann beschreibt es das Nintendo-Urgestein hervorragend: Ein Kreis steht für die Eigenschaften weich, schwammig, harmlos, zugänglich und veränderbar. Und um die optische Analyse von Kirby wortwörtlich abzurunden: Die Farben Rosa, Pink und Rot entsprechen Unschuld, aber auch Energie und Selbstbewusstsein. Dabei war Kirby nicht von Anfang an so farbenfroh, wie wir ihn heute kennen. Macht es euch bequem, wir reisen 30 Jahre zurück in die Anfangstage des Wonneproppens!

Blasser Anfang

Kirby‘s Ghost Trap ist eine Adaption von Puyo Puyo, kein eigens für den Helden entwickeltes Spiel. Deshalb wirkt er in diesem SNES-Abenteuer frech wie nie. Quelle: Moby Games Kirby‘s Ghost Trap ist eine Adaption von Puyo Puyo, kein eigens für den Helden entwickeltes Spiel. Deshalb wirkt er in diesem SNES-Abenteuer frech wie nie. Anders als viele bekannte Nintendo-Helden entsprang Kirby nicht dem Kopf eines direkten Angestellten des Konzerns. Er wurde von Masahiro Sakurai ersonnen, damals angestellt bei HAL Laboratory, einem unabhängigen Studio, das aber stets eng mit Nintendo zusammenarbeitete.

Fans von Super Smash Bros. dürften beim Namen Sakurai hellhörig werden, denn heute kennt man den kreativen Kopf in erster Linie als Schöpfer und Mastermind hinter der Crossover-Prügelspielserie. Kirby war damals gar nicht als Held geplant und er hieß auch noch anders, nämlich "Twinkle Popo", später "Popopo".
Der sympathische Blob war nur ein Platzhalter für den Protagonisten, er wuchs Sakurai mit der Zeit aber ans Herz - kein Wunder, so nett wie die Knutschkugel dreinschaut.

Blass sieht Kirby aus im Jahr 1992. In den USA und Europa war die Info zur Farbe der Knutschkugel bei Release des Game-Boy-Spiels noch nicht angekommen! Quelle: Moby Games Blass sieht Kirby aus im Jahr 1992. In den USA und Europa war die Info zur Farbe der Knutschkugel bei Release des Game-Boy-Spiels noch nicht angekommen! Und er passte perfekt zum Konzept des Spiels, denn Nintendo hatte sich von HAL Laboratory einen Titel gewünscht, den jeder problemlos genießen kann. Auch Satoru Iwata war begeistert von der Knutschkugel. Ein Charakter, den jeder zeichnen kann - Kreis, Augen, Mund - spricht den Massengeschmack an, so dessen damalige Einschätzung. Nicht einig waren sich die beiden Entwickler allerdings bei der Farbgebung. Sakurai wollte einen rosa Kirby, Miyamoto hingegen einen gelben Helden.

Der Schöpfer der Figur setzte sich durch, jedoch war Kirby's Dream Land zu diesem Zeitpunkt schon auf dem europäischen und nordamerikanischen Markt veröffentlicht worden. Nintendo of America war nicht sicher, welche Farbe der Held denn nun offiziell hat und orientierte sich am Aussehen der Figur im Spiel selbst.

Und wie wir alle wissen, ist der Game Boy ein Handheld mit monochromatischen Display, es zeigt keine Farben.

Deshalb erstrahlt Kirby auf der Hülle seines ersten Abenteuers in den USA und auch hier in Deutschland weiß wie ein Gespenst. Sogar in der Spielanleitung und in der Fernsehwerbung zum Spiel mangelt es Kirby an Farbe! Die japanische Verpackung hingegen zeigt korrekt eine pinke Knutschkugel. Vor dem Release des nächsten Kirby-Titels wurde der Fehler korrigiert, seitdem ist der runde Held überall Rosa.

Es saugt und bläst der Kirby

Genau, wie Kirbys Name, Aussehen und Farbton anfangs noch nicht in Stein gemeißelt waren, so lernte er auch seine Staubsaugerfertigkeiten erst im Verlauf der Entwicklung. Zunächst wurde mit Kick-Angriffen experimentiert, bis die Entwickler schließlich auf die Einsaug-Mechanik kamen und Freude damit beim Testen hatten.

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