Ghostbusters & Co.: Hollywoods Nostalgie-Fetisch nervt - Seite 3

Kolumne Christian Fussy
Ghostbusters & Co.: Hollywoods Nostalgie-Fetisch nervt - Seite 3
Quelle: Sony

Verspätete Fortsetzungen liegen in Hollywood im Trend. Mit süßer Nostalgie ködern Legacy-Sequels ein großes Publikum. Das nervt - auch Redakteur Chris Fußy.

Der russische Boxer und General Ivan Drago (Dolph Lundgren) tötet darin Rockys besten Freund Apollo Creed (Carl Weathers), den Vater von Titelfigur Adonis (Michael B. Jordan). Die Spannungen des Kalten Krieges zwischen den USA und der Sowjetunion entladen sich im Ring zwischen Rocky und Drago, wobei letzterer dargestellt wird wie eine grobschlächtige, herzlose Killermaschine. Der Film ist selbst als Produkt seiner Zeit extrem klischeehaft, aufgeblasen und naiv und nährt sich aus dem gigantischen Ego von Star und Regisseur Sylvester Stallone. Der boxt zum Schluss den Kommunismus aus Russland und gewinnt durch seinen Kampfgeist die Hochachtung von Michail Gorbatschow höchstpersönlich.

Diesen albernen Blödsinn nimmt Caple Jr. als Ausgangspunkt der Handlung. Er spinnt seine Geschichte um die persönlichen Konsequenzen, die die Niederlage für Drago hatte. Verbittert und von seiner Nation im Stich gelassen, trainiert der seinen Sohn, um die verlorene Familienehre im Ring zurück zu erkämpfen. Die Rückkehr von Dolph Lundgren ist kein billiger Fan-Service. Sein Auftritt ist nicht nur bedeutsam für die Entwicklung der Hauptfigur Adonis Creed. Auch seiner eigenen Figur wird eine neue Dimension verliehen, ohne dass ihre Ursprünge oder ihr Charakter verleugnet werden.

Creed II Quelle: Warner Creed II

Solch eine Weiterentwicklung des Altbekannten gelingt aber natürlich nicht immer. Der viel diskutierte Star Wars 8 stieß Fans vor den Kopf mit einer unerwarteten Charakterwandlung. Und auch die kritische Auseinandersetzung des Films mit dem Star-Wars-Mythos an sich, mit seinem starken Fokus auf Blutlinien und bedeutende Familiennamen, kam nicht bei allen gut an.

In der Regel finde ich solche Ansätze zwar deutlich interessanter, als wenn die Schauspieler des Originals nur für einen kurzen Gastauftritt vorbeischauen, um vom Publikum wiedererkannt zu werden. Erzwungene Twists und Schockmomente machen eine Geschichte aber auch nicht relevanter.
Star Trek: Picard Quelle: CBS Star Trek: Picard
Die neuen Star-Trek-Serien sind hiervon zum Beispiel besonders betroffen. Dort gibt es gigantische Entwicklungen in gefühlt jeder Folge und Dinge, die für das Universum immer selbstverständlich waren, werden urplötzlich auf den Kopf gestellt. Es ist vollkommen okay, respektlos zu sein gegenüber einem Franchise. Manchmal ist das sogar der einzige Weg, etwas wirklich Außergewöhnliches damit zu erschaffen. Man sollte dabei aber nicht den Respekt vor dem eigenen Publikum verlieren.

Nostalgie als Köder

Ich denke eines der größten Probleme, die ich mit dem Dauerbombardement an Nostalgie habe, ist die Tatsache, dass es vielen dieser Momente schlicht an Nachhaltigkeit fehlt. Sie sind ein kurzer Fix, dazu konstruiert, dass wir unsere positiven Erinnerungen auf das neue Produkt projizieren. Stattdessen führen sie mir aber nur vor Augen, wie egal mir alle anderen Szenen sind.

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