Ghostbusters & Co.: Hollywoods Nostalgie-Fetisch nervt - Seite 2
Kolumne
Verspätete Fortsetzungen liegen in Hollywood im Trend. Mit süßer Nostalgie ködern Legacy-Sequels ein großes Publikum. Das nervt - auch Redakteur Chris Fußy.
Das halte ich grundsätzlich zwar für den richtigen Ansatz, weil es erlaubt, die Prämisse in neue Richtungen zu entwickeln und gleichzeitig einen eigenen spezifischen Tonfall und Humor zu etablieren. Der Film hatte dann aber leider überhaupt keine eigene Identität. Forcierte Gastauftritte der alten Garde und Verweise auf Zuul und Co. sowie dieselben alten Logos und Jumpsuits erinnerten ständig an das Original. Alle neuen Elemente wirkten hingegen unausgegoren, die Witze nur plump und ohne Esprit und die Story wie eine billige Kopie des Urfilms. Das Ergebnis war ein Shitstorm der Fans und der laute Aufschrei, dass Regisseur Paul Feig und sein Team respektlos mit dem Franchise umgegangen seien.
Films as a Service
Mit Afterlife lieferte Sony nun das komplette Gegenstück dazu. Jason Reitman, Sohn von Original-Regisseur Ivan, hat einen Film gedreht, der vor Huldigung für den Klassiker nur so strotzt. Jedes bisschen Ghostbusters-Equipment ist in Szene gesetzt wie eine heilige Reliquie. Die Blutlinie der Geisterjäger birgt verborgene Kräfte und Verantwortung. Ich hatte stellenweise das Gefühl, ich sähe einen J.J.-Abrams-Star-Wars-Film, so bedeutungsschwanger werden die Verweise auf Twinkies, Marshmallow-Männer und Ivar Shandor präsentiert. Selbst die Verpackung eines Nestlé-Riegels, mit dem der sarkastische Venkman (Bill Murray) Egon Spangler (Harold Ramis) damals für seine Errungenschaften belohnte, hat einen besonderen Auftritt im neuen Film. Vom spitzzüngigen Humor des Originals fehlt hingegen jede Spur.
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Quelle: Sony Pictures
Ghostbusters (2016)
Diese Momente sind nichts als reine Augenwischerei. Ich will Reitman überhaupt nicht vorwerfen, dass ihm die Geschichte darüber, in die Fußstapfen eines außergewöhnlichen Vorfahren zu treten, nicht am Herzen liegt. Das wäre ziemlich arschig, zumal man darin große Verehrung für seinen in der Zwischenzeit verstorbenen Vater erkennen kann.
Quelle: Sony Pictures
Ghostbusters: Legacy
Was ich dem Film allerdings ankreiden muss, ist die fast religiöse Verneigung vor oberflächlichen Elementen des Originals, die im Grunde nichts weiter sind als Insignien der Entertainment-Marke Ghostbusters. Wäre der Film eine lustige Komödie, ließen sich die Anspielungen vielleicht noch als augenzwinkernde Easter Eggs verbuchen.
Das wäre dann zwar immer noch aufdringlich, aber zumindest hätte man nicht das Gefühl, dass die Filmemacher*innen eine emotionale Reaktion von einem erwarten, nur, weil auf der Leinwand ein Stück Plastikfolie zu sehen ist.
Subversive Sequels
Dass der neue Ghostbusters keine schnodderige Komödie mehr ist, sondern eher ein auf Hochglanz getrimmtes Familienabenteuer, stört mich an sich gar nicht so sehr. Es passt überhaupt nicht zum Geist der Reihe, aber das wäre mir wahrscheinlich egal, würde Reitmans Film auf eigenen Beinen stehen und nicht ständig direkte Erinnerungen an das Original heraufbeschwören.
Dass ein Sequel mit einem komplett anderen Tonfall nämlich durchaus funktionieren kann, zeigt sich am Beispiel von Creed 2. Der erste Teil des Rocky-Reboots von Ryan Coogler weist bewusst starke Parallelen zum Klassiker auf, nur eben mit neuem Helden und zeitgemäßer Inszenierung. Regie-Nachfolger Steven Caple Jr. schmeißt sich in Creed 2 dann allerdings kopfüber in die Rocky-Lore und macht es sich zur Aufgabe, die Ereignisse des lächerlich propagandistischen Rocky 4 - der Kampf des Jahrhunderts von 1985 aufzuarbeiten.
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