Kingdom Hearts 3 im Test - Seite 2: Kämpfe, Nebenaufgaben, Schwierigkeitsgrad und mehr!

Test Lukas Schmid
Kingdom Hearts 3 im Test - Seite 2: Kämpfe, Nebenaufgaben, Schwierigkeitsgrad und mehr!
Quelle: Square Enix

Kingdom Hearts 3 im Test: 17 Jahre und etliche Zwischenspiele später wird die Kingdom Hearts-Trilogie nun tatsächlich zu Ende erzählt. Frohlocket, denn was Fans der weitverzweigten Saga zum Abschluss serviert bekommen, kann sich wirklich sehen lassen. In unserem Review verraten wir, was uns am Finale des Disney-Crossovers gefallen hat und wo es auch nach all den Jahren noch hakt.

Nach und nach erhalten wir Zugriff auf etliche Helfer, die uns bei voller Magieleiste temporär in den Gefechten mit Spezialattacken zur Seite stehen. Quelle: PC Games Nach und nach erhalten wir Zugriff auf etliche Helfer, die uns bei voller Magieleiste temporär in den Gefechten mit Spezialattacken zur Seite stehen. Die Entwickler liefern im Grunde ein Best-of der Spielelemente aus den Vorgängern ab. Das Ergebnis sind wirklich spaßige Gefechte, die durch einen Wall an Farben und Effekten, zig Möglichkeiten und das pure Chaos eines meist recht geschickt überdecken: Viel spielerische Substanz steckt hier nicht dahinter. Meist kloppt man fröhlich drauflos, löst Spezialmanöver aus, wenn sie eingeblendet werden und wirkt halt ab und an mal Magie. Wenn man nicht völlig unterlevelt ist - und das ist man nie, wenn man nicht gezielt dem Kampf aus dem Weg geht -, hat man zumindest auf dem normalen Schwierigkeitsgrad nie Probleme und bekommt manchmal das Gefühl, dass sich die Schlachten Großteils selbst spielen. Ja, das war schon bisher so, aber die Menge an Spezialangriffen, kontextsensitiven Aktionen und mehr wurde noch einmal deutlich nach oben geschraubt.

Greifen wir speziell markierte Gegner an, können wir abhängig vom Terrain mächtige Spezialmanöver auslösen, die von Disneyland-Attraktionen inspiriert sind. Quelle: PC Games Greifen wir speziell markierte Gegner an, können wir abhängig vom Terrain mächtige Spezialmanöver auslösen, die von Disneyland-Attraktionen inspiriert sind. Dass Donald und Goofy völlig selbstständig agieren (ihre Handlungen können im Menü leicht angepasst werden, sodass sie offensiver oder defensiver vorgehen) und uns etwa so gut wie immer heilen, wenn sich unsere Lebensleiste doch mal dem Ende zuneigt, unterstreicht dieses Gefühl noch. Wir wiederholen: Die Kämpfe machen wirklich Spaß und sind toll anzusehen. Anspruch oder ein komplexes System darf man sich aber nicht erwarten; zumindest abseits der geheimen Bosse und Gefechte, die uns nach Abschluss der Handlung erwarten und die serientypisch die einzige richtige Herausforderung darstellen.

Immer was zu tun!

Die Bosskämpfe sind toll inszeniert, aber auf dem normalen Schwierigkeitsgrad meist sehr einfach, vorausgesetzt, man ist nicht völlig unterlevelt. Quelle: PC Games Die Bosskämpfe sind toll inszeniert, aber auf dem normalen Schwierigkeitsgrad meist sehr einfach, vorausgesetzt, man ist nicht völlig unterlevelt. Die Bosskämpfe in der Kampagne sind hingegen toll gestaltet, aber wie die restlichen Auseinandersetzungen ziemlich einfach. Keine zusätzliche Herausforderung, aber genügend Abwechslung findet man abseits der Kämpfe dankenswerterweise dennoch. Immer wieder erwarten uns spezielle Passagen, in denen wir etwa vor einer Lawine voller Schneemonster fliehen müssen oder in kleinen Minispielen antreten. Ratte Rémy aus Ratatouille nimmt in einem Koch-Spielchen etwa auf unserem Kopf Platz und lässt und in bester Cooking Mama-Manier Geschicklichkeitsaufgaben absolvieren.

Zahlreiche optionale sowie teilweise in die Story eingebundene Minispiele und Nebenaufgaben lockern das Geschen auf, etwa die Suche und das Zubereiten von Rezepten. Quelle: PC Games Zahlreiche optionale sowie teilweise in die Story eingebundene Minispiele und Nebenaufgaben lockern das Geschen auf, etwa die Suche und das Zubereiten von Rezepten. Dank unseres nach und nach erweiterten Bewegungsrepertoires können wir zudem die Welten immer weiter erforschen und Ausschau nach zahlreichen Sammelgegenständen wie Schatzkisten, Kochzutaten (für das eben genannte Koch-Minispiel), sogenannten Glücksemblemen in Form von Micky Maus' Kopf und mehr halten. Geht unser Bewegungstalent zu Beginn über kleine Hüpfer nicht hinaus, so fühlen wir uns irgendwann wie ein regelrechter Superheld. Dann rennen wir an Mauern nach oben, springen von Wand zu Wand, führen Doppelsprünge aus, zischen blitzschnell durch die Gegend und lernen irgendwann natürlich auch wieder, quasi frei durch die Welten zu fliegen. Dieses primär von Kingdom Hearts: Dream Drop Distance inspirierte Fortbewegungssystem ist zwar nicht ganz so variantenreich wie in der Vorlage, aber wirklich gut umgesetzt und die Steuerung ist sehr präzise - übrigens auch in den Kämpfen. Alleine so mache Doppelbelegung nervt. Ist es nach einem Kampf etwa noch möglich, eine Spezialattacke auszulösen, wir wollen aber mit demselben Knopf eigentlich nur eine Kiste öffnen, kommen wir nicht umhin, erst einmal das entsprechende Gefechtsmanöver auszuführen, oft inklusive dazugehörender Animation. Bis man sich an das überfrachtete Layout gewöhnt hat, vergeht einige Zeit.

Die späteren Levels haben spielerisch mehr zu bieten als die Anfangsgebiete. In der Karibik sind wir sogar stilecht als Kapitän auf See unterwegs! Quelle: PC Games Die späteren Levels haben spielerisch mehr zu bieten als die Anfangsgebiete. In der Karibik sind wir sogar stilecht als Kapitän auf See unterwegs! Wer des normalen Erforschens müde ist, dürfte übrigens in der Karibik und San Fransokyo glücklich werden. Dass wir in Der Fluch der Karibik-Welt das Meer erforschen, haben wir ja schon erwähnt, aber auch der Baymax-Level lädt dank kleiner offener Welt zum längeren Verweilen ein. Im Grunde handelt es sich bei diesen beiden Levels also um Spiele innerhalb des Spiels, die einen etwas anderen Gameplay-Fokus verfolgen und deutlich mehr zu bieten haben, als man zu Beginn meinen mag. Nicht schlecht! Die bereits sehr anständige Spielzeit - rein für die Kampagne darf man etwa 30-35 Stunden einplanen, will man alles machen, kann man diese Zahl locker verdoppeln - wird durch diese coolen Elemente noch einmal erhöht.

Die meiste Zeit sind wir mit dme Verprügeln von Feinden beschäftigt. Ab und an erwarten uns aber auch unterhaltsame Abschnitte wie diese Flucht vor einer Lawine. Quelle: PC Games Die meiste Zeit sind wir mit dme Verprügeln von Feinden beschäftigt. Ab und an erwarten uns aber auch unterhaltsame Abschnitte wie diese Flucht vor einer Lawine. Noch gar nicht erwähnt haben wir zudem den vielleicht interessantesten Sammelgegenstand des Spiels. Angelehnt an den Retro-Level "Fluss der Nostalgie" aus Kingdom Hearts 2 erwarten uns diverse Minispiele im Retro-Look, die auf alten Micky-Maus-Cartoons basieren und sich spielen wie die LCD-Games aus Nintendos Game & Watch-Reihe aus den 1980er-Jahren. Wundervoll präsentiert, absolvieren wir hier kleine Geschicklichkeitstests und versuchen, unsere eigenen Highscores zu knacken. Das motiviert zwar nicht ewig, ist aber nichtsdestoweniger eine liebevoll gemachte Bereicherung. Übrigens: Eine Handvoll der Spielchen ist auch in dem kürzlich erschienenen Mobile-Titel Kingdom Hearts Union X enthalten und kann dort gratis ausprobiert werden.

Immer ein Gummischiff verwenden

Ein Element, welches die Fangemeinde spaltet, ist übrigens auch in Teil 3 ein Part von Kingdom Hearts - Tradition ist Tradition! Wir sprechen natürlich von den Gummischiff-Abschnitten. Diese Weltraumshooter-Sequenzen, die wir absolvieren müssen, um zu neuen Welten zu gelangen, sind für die Einen seit jeher der Inbegriff von Tristesse, die Anderen hingegen lieben es, Craftingmaterial zu sammeln, stundenlang an ihren Schiffchen herumzubasteln und sich dann in die Schlacht zu begeben. Wer darauf keine Lust hat, kann beruhigt sein, denn nachdem man eine Welt einmal erreicht hat, ist es nicht mehr notwendig, noch einmal ins Gummischiff zu steigen und die storyrelevanten Flüge sind so einfach, dass man keine Zeit darauf verwenden muss, sein Gefährt upzugraden.

Das Gummischiff-Gebaue dürfte wieder einmal die Geschmäcker spalten. Quelle: PC Games Die Flugsequenzen selbst – diesmal in einem frei erkundbaren Weltall! – machen aber deutlich mehr Spaß als in den Vorgängern. Quelle: PC Games

Wir sagen aber: Diesmal lohnt es sich, denn so spaßig waren die Gummischiffsequenzen noch nie! Anstatt linearen Pfaden zu folgen, erwartet uns diesmal ein frei erforschbarer Weltraum - die dritte Mini-Open-World im Spiel! Dank spezieller Schatzkisten, allerlei herausfordernder Duelle gegen Feinde und anderen spannenden Dingen zum Entdecken vergisst man hier schnell die Zeit. Das Basteln selbst hingegen unterscheidet sich kaum von den Vorgängern - ob man damit was anfangen kann, bleibt Geschmacksache. Die Mühe, die Square Enix in die Verbesserung des Gummischiff-Gameplays gesteckt hat, ist auf jeden Fall mehr als löblich.

Das Ende einer Ära

Das Aussehen unserer drei Helden wird je nach besuchter Welt angepasst. Besonders in Monstropolis und der Karibik ist das Ergebnis beeindruckend. Quelle: PC Games Das Aussehen unserer drei Helden wird je nach besuchter Welt angepasst. Besonders in Monstropolis und der Karibik ist das Ergebnis beeindruckend. Das alles also ist Kingdom Hearts 3. Mit Blick auf die vielen Ideen und unterschiedlichen Spielelemente, die pure Liebe, die in die Umsetzung der Disneywelten geflossen sind und auf die generell extrem hohe Produktionsqualität verwundert es kaum noch, dass die Entwicklung dermaßen lange Zeit in Anspruch genommen hat. Die Mühe hat sich definitiv gelohnt, denn Fans der Reihe erhalten eine würdige Fortsetzung und einen ebenso würdigen Abschluss der Trilogie. Man darf sich aber auch nichts vormachen, denn für diese und nur für diese Zielgruppe ist Kingdom Hearts 3 gemacht.

Wer bisher nichts mit den Spielen anfangen kann oder sie nicht kennt, erhält eine verworrene, kitschige Erzählung mit hunderten Stunden Lore-Hintergrund, seichten Kämpfen und Spielelementen, die vor allem deswegen Sinn ergeben, weil man es als Serienkenner eben so gewohnt ist. Kingdom Hearts ist aber mehr als die Summe seiner Teile. Es ist trotz des riesigen Budgets definitiv ein mit viel Herzblut gemachtes Projekt, voller Disney-, aber auch selbst erzeugtem Charme. Weder erfindet es das Action-RPG-Genre neu, noch liefert es der Serie selbst drastisch innovative neue Akzente. Es ist aber, was es ist und damit genau das, was sich Fans davon erhofft haben.

Meinung

Wertung zu Kingdom Hearts 3 (PS4)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
Wunderbare Disney-AtmosphäreSpaßige KämpfeViele abwechslungsreiche SpielideenGummischiff-Sequenzen besser als je zuvorSehr hübsche GrafikZahlreiche NebenaufgabenGroßer UmfangEinige große, beeindruckende GebieteSchließt die Kingdom Hearts-Saga tatsächlich ab
… aber keine deutsche SynchroZu viele ZwischensequenzenWenig spielerische SubstanzSpielt sich oft gefühlt selbstKaum Musik aus den FilmenLeichte KameraproblemeÜberladene SteuerungExtrem verworrene Handlung
Fazit

Ein würdiger Abschluss der Kingdom Hearts-Reihe, der Fans bestimmt zufriedenstellen wird.

Bildergalerie

  1. Seite 1 Kingdom Hearts 3 im Test - Seite 1: Handlung, Technik, Welten und mehr
  2. Seite 2 Kingdom Hearts 3 im Test - Seite 2: Kämpfe, Nebenaufgaben, Schwierigkeitsgrad und mehr!
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