Kingdom Hearts 3 im Test: Kitsch mit Herz - wir verraten, wie gut das Finale der Kingdom Hearts-Trilogie geworden ist - inklusive Testvideo!

Test Lukas Schmid
Kingdom Hearts 3 im Test: Kitsch mit Herz - wir verraten, wie gut das Finale der Kingdom Hearts-Trilogie geworden ist - inklusive Testvideo!
Quelle: Square Enix

Kingdom Hearts 3 im Test: 17 Jahre und etliche Zwischenspiele später wird die Kingdom Hearts-Trilogie nun tatsächlich zu Ende erzählt. Frohlocket, denn was Fans der weitverzweigten Saga zum Abschluss serviert bekommen, kann sich wirklich sehen lassen. In unserem Review verraten wir, was uns am Finale des Disney-Crossovers gefallen hat und wo es auch nach all den Jahren noch hakt.

Es hätte ja alles so einfach sein können. Als das erste Kingdom Hearts erschien, war die Prämisse denkbar simpel - wir reisen mit dem neu geschaffenen Protagonisten Sora gemeinsam mit Donald Duck und Goofy durch diverse Disneywelten und versuchen, unsere verlorene Freundin Kairi wiederzufinden.

Dazu gab es eine Gruppe von Bösewichten, die sogenannten Herzlosen, die unter der Ägide von Cinderella-Widersacherin Malefiz und einem der dunklen Seite anheimgefallenen Weisen namens Ansem ihre eigenen, sinistren Pläne vorantrieben. Eingebettet in diese Handlung war ein simples, aber unterhaltsames Action-RPG-Kampfsystem. Die ungewöhnliche Mischung kam bei Spielern auf aller Welt super an - und zog zahlreiche Nachfolger nach sich, offiziell zwar als Spin-offs bezeichnet, aber jeder einzelne integral für die Haupthandlung.Und die wurde mit jedem neuen Titel immer konfuser, immer mehr Bösewichte, Protagonisten und weitverzweigte Handlungsstränge kamen hinzu. Inzwischen steigen nur noch die treuesten Fans durch, was in all den Abenteuern wirklich passiert ist. Der erst dritte offiziell nummerierte Teil nun hat es sich zur Aufgabe gemacht, all das trotz allem zu einem zufriedenstellenden Ende zu bringen und die ausufernde Geschichte rund um Sora, Kairi, das mysteriöse Kingdom Hearts und etwa 4.394 andere Figuren endlich abzuschließen.

This is the End

Und was sollen wir sagen - es gelingt. Natürlich wollen wir an dieser Stelle nicht spoilern, aber Kingdom Hearts 3 (jetzt kaufen 7,77 € ) schafft es tatsächlich, alle Handlungsstränge zusammenzuführen und relativ befriedigend abzuschließend - inklusive eines kleinen Hintertürchens für etwaige Fortsetzungen. Wir sagen keineswegs, dass die Umsetzung perfekt ist. Dadurch, dass so viele Story Arcs behandelt werden müssen, kommt einigen von ihnen nicht die Zeit und Aufmerksamkeit zu, die sie verdienen. Gerade gegen Ende hin reiht sich zudem Mini-Finale an Mini-Finale, nur, damit man mit allen Figuren und Handlungsentwicklungen durchkommt. Zudem fehlt es durch die vielen Themen, die behandelt werden müssen, etwas an Fokus.

Was denn nun wirklich die primäre Prämisse ist, was der Grund, warum wir Dinge im Spiel tun, ändert sich stetig. Einmal machen wir uns auf die Suche nach einem lange verschollenen Freund, dann müssen wir es wieder schaffen, eine ihm innewohnende Kraft wiederherzustellen, die Sora in einem der Vorgänger eingebüßt hat, bevor der Fokus sich erneut verändert und wir uns auf die Suche nach einer in die Dunkelheit verbannten Schlüsselschwerträgerin machen. Und die Tatsache, dass all jene, die noch nie ein Kingdom Hearts gespielt haben, nun entweder bereits zu lesen aufgehört haben oder fragend in die Röhre schauen, zeigt auch: Neueinsteiger sind hier hoffnungslos verloren. Anscheinend soll per Patch zum Release noch ein Erklärbär-Video (plus zwei zusätzliche Endsequenzen) hinzugefügt werden, die wir noch nicht sehen konnten.

Im Gegensatz zu den simplen Disney-Storys dürfte die Hintergrundhandlung alle ohne Abschluss in Kingdomheartsologie völlig wirr zurücklassen. Quelle: PC Games Im Gegensatz zu den simplen Disney-Storys dürfte die Hintergrundhandlung alle ohne Abschluss in Kingdomheartsologie völlig wirr zurücklassen. Ohne das oder eine vergleichbare Zusammenfassung wird man aber in eine Erzählung gesteckt, die sich nicht einmal den Anschein gibt, als wolle sie Unwissende nicht im Dunkeln lassen. Dass man weiß, wer all die Figuren und was ihre Beziehungen untereinander sind und was sonst noch alles in der Lore der Reihe passiert ist, wird vorausgesetzt. Der Autor dieser Zeilen hat alle Kingdom Hearts-Teile gespielt und war dennoch regelmäßig reichlich verwirrt. Heißt also: Kingdom Hearts, wie man es kennt und, entsprechende Leidensbereitschaft vorausgesetzt, liebt!

Von der Karibik bis Arendelle

Das Aussehen unserer drei Helden wird je nach besuchter Welt angepasst. Besonders in Monstropolis und der Karibik ist das Ergebnis beeindruckend. Quelle: PC Games Das Aussehen unserer drei Helden wird je nach besuchter Welt angepasst. Besonders in Monstropolis und der Karibik ist das Ergebnis beeindruckend. Deutlich simpler geht es in den Disney-Welten zu - dem wahren Grund, warum wir dereinst der Reihe verfallen sind. Zwar ebenfalls geringfügig in die große Gesamthandlung eingebunden, werden hier meist relativ eigenständige Geschichten aufgetischt; manchmal handelt es sich dabei um direkte Nacherzählungen der Filmhandlungen, wie etwa im Falle von Arendelle, der Welt zum Megahit Die Eiskönigin. Oft aber setzt die Erzählung auch danach an, wie etwa in Monstropolis (Die Monster A.G.), wo wir auf eine Monsterwelt treffen, die bereits erkannt hat, dass Kinderlachen wertvoller ist als Angstschreie. Ohne Kenntnis der Filmvorlagen wird man auch hier nur Bahnhof verstehen -wir erkennen ein Muster! -, dennoch glänzt das Spiel dadurch, dass es sich etwas zurücknimmt und durch den Wiedererkennungswert der beliebten Vorlagen hier besonders.

Keine Liebe für Disney-Klassiker

Was auffällt: Abseits einer auf Herkules basierenden Stage sind klassisch animierte Filme diesmal überhaupt nicht vertreten, dafür aber erstmals die lange herbeigesehnten Welten mit Pixar-Studios-Vorlage. Neben den genannten Beispielen erwarten uns Levels basierend auf Toy Story, Rapunzel, Winnie Puh, Fluch der Karibik (diesmal die einzige Realfilm-Lizenz), Baymax, sowie eine Handvoll Areale ohne Disney-Vorlage. Dieser Fokus auf die Disney-Neuzeit ist einerseits etwas schade, hat doch gerade die Tatsache, dass so ein weites Filmspektrum abgedeckt wurde, bisher zur Atmosphäre beigetragen. Andererseits sind die vorhandenen Welten aber wirklich toll gestaltet.

Die Grafik des Spiels ist beeindruckend und in den CGI-Sequenzen haben sich die Macher selbst übertroffen. Die Karibik-Filmchen wirken fast fotorealistisch. Quelle: PC Games Die Grafik des Spiels ist beeindruckend und in den CGI-Sequenzen haben sich die Macher selbst übertroffen. Die Karibik-Filmchen wirken fast fotorealistisch. Einige davon, wie Monstropolis oder Olymp, bestehen aus klassischen, eher kleinen und linearen Gebiete; andere, allen voran Die Karibik und San Fransokyo, nutzen die Hardwarepower der PS4 und schicken uns in deutlich ausladendere Gebiete. In der Fluch der Karibik-Stage können wir gar ein kleines Meer frei mit dem Schiff erforschen und uns Seeschlachten mit anderen Freibeutern liefern - Assassin's Creed 4: Black Flag lässt grüßen! Technisch wurde zudem geklotzt und nicht gekleckert. Das Spiel sieht nicht nur toll aus, sondern passt sich stilistisch auch noch dem jeweiligen Stil der Vorlagen an. Mag man in der Herkules-Welt noch denken, dass hier mit großflächigen Texturen versucht wird, grafische Schwächen zu überdecken, merkt man spätestens in der beeindruckend realistischen Karibik, wie viel Mühe die Entwickler investiert haben, um jede Welt einzigartig und wirklich beeindruckend aussehen zu lassen - von den CGI-Zwischensequenzen auf höchstem Niveau ganz zu schweigen!

The Sound of Generic Music

Ebenfalls auf einem hohen Niveau sind die Synchronsprecher. Viele Disney-Veteranen schlüpfen für das Spiel noch einmal in ihre Rollen und diejenigen, die an der Originalbesetzung statt einspringen (Tom Hanks konnte man für den Part von Woody aus Toy Story etwa nicht gewinnen), machen ihre Sache sehr gut, ebenso wie die alteingesessenen Kingdom Hearts-Hasen. Allerdings: Angefangen mit den HD-Remakes der bisherigen Spiele entschied Square Enix sich, auf deutsche Sprachausgaben zu verzichten und diese Entscheidung wird in hier fortgeführt. So bekommt man zwar tolle Sprecher zu hören, nicht aber wie bisher die fast durch die Bank Originalstimmen aus den deutschen Filmvorlagen. Wer des Englischen nicht mächtig ist, ist auf das Lesen von Untertitel angewiesen - von vielen, vielen Untertiteln.

Schade: Emotionale Szenen wie diese hier aus Rapunzel, die Kennern des Films natürlich sehr bekannt vorkommt, leiden unter den großteils fehlenden Musikrechten. Quelle: PC Games Schade: Emotionale Szenen wie diese hier aus Rapunzel, die Kennern des Films natürlich sehr bekannt vorkommt, leiden unter den großteils fehlenden Musikrechten. Mit der Menge an Zwischensequenzen haben es die Macher nämlich etwas zu gut gemeint, so hochwertig sie auch gemacht sind. Manchmal hat man das Gefühl, in den Levels keine zwei Meter weit gehen zu können, ohne ein Filmchen vorgespielt zu bekommen. Zu guter Letzt finden wir es schade, wie wenig Musik aus den Disney-Vorlagen es in das Spiel geschafft hat, vermutlich aus lizenzrechtlichen Gründen. Nur für ausgewählte Welten und Momente greift man auf die Melodien und Lieder zurück. Meist müssen wir und mit zwar gut komponierten, aber eben nur von den Originalen inspirierten Stücken begnügen. Die Momente, in denen die echten Lieder zu hören sind, gehören mit zu den besten im Spiel - Arendelle ist ein Paradebeispiel -, während es etwa zu schade ist, dass wir beim Schifffahren in der Karibik nur austauschbare Klänge hören anstatt das treibende Fluch der Karibik-Thema.

Press X to win fight

Um es in den Kämpfen leichter zu haben, solltet ihr euch gut vorbereiten. Quelle: PC Games Das Kampfsystem ist an und für sich sehr unterhaltsam und abwechslungsreich und die Kameraführung zumindest etwas besser als bisher. Allerdings fühlen sich die Gefechte oft so an, als würden sie sich mehr oder minder von selbst spielen. So viel zu Story, Welten und Verpackung, doch was hat Kingdom Hearts 3 spielerisch auf dem Kasten? Nun, im Grunde unterscheidet es sich nicht drastisch von dem, was man - vor allem aus den nummerierten - Vorgängern kennt. Heißt also, wir landen in den verschiedenen Welten und laufen durch verschiedene Areale, um die Story voranzutreiben. Ab und an erwarten uns simple "Rätsel" - bewusst unter Anführungszeichen, denn über "drücke den Schalter" oder "trage von A nach B" gehen sie nicht hinaus. Die meiste Zeit sind wir mit Kämpfen beschäftigt, entweder gegen respawnende Feinde oder in Gefechten, die wir erst abschließen müssen, um voranzukommen. Die simpelste Aktion, die wir ausführen können, ist ein Angriff mit unserem Schlüsselschwert. Entweder via Steuerkreuz oder mittels Shortcuts haben wir aber Zugriff auf ein Portfolio an anderen Aktionen. So können wir etwa Magie ausüben, temporär Helfer an unsere Seite rufen oder zwischen verschiedenen Schlüsselschwertern mit unterschiedlichen Statuswerten und Spezialattacken wechseln.

Mit unseren verschiedenen Schlüsselschwertern können wir mächtige Attacken auslösen. Quelle: PC Games Mit unseren verschiedenen Schlüsselschwertern können wir mächtige Attacken auslösen. Unser bester Freund ist die Dreieck-Taste, die je nach gewählter Waffe respektive wenn wir einen grün markierten Feind attackieren, kontextsensitiven Zugriff auf allerlei besondere Manöver erhält. Das kann ein Turm sein, der emporwächst und Gegner mit sich reißt, vor allem ist es aber eine Auswahl an von Disneyland-Attraktionen inspirierten Spezialattacken. Da greifen wir dann zum Beispiel mit kreisenden Teetassen an oder lassen ein Karussell durch rhythmische Tastenbewegungen immer schneller und verheerender kreisen. Interessanterweise lassen viele dieser Aktionen das Spiel kurzzeitig wie einen Shooter wirken, wo wir dann aus der Ego-Perspektive versuchen, so viele Widersacher wie möglich aufs Korn zu nehmen. Zusätzlich verfügen wir über die sogenannte Fokusleiste, dank der wir uns entweder an Feinde heranziehen oder sie mit einer Salve an Schüssen eindecken können. Gepaart mit Blocks, Ausweichmanövern und mehr ist die Auswahl an Manövern wirklich groß und auch, wenn es nicht so wirkt, steigt man schnell dahinter, wie alles funktioniert.

  1. Seite 1 Kingdom Hearts 3 im Test - Seite 1: Handlung, Technik, Welten und mehr
  2. Seite 2 Kingdom Hearts 3 im Test - Seite 2: Kämpfe, Nebenaufgaben, Schwierigkeitsgrad und mehr!
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