Interview mit Zelda-Übersetzer Josef Shanel

Special Thomas Nickel

Wir haben mit Josef Shanel gesprochen – seit PSone-Tagen ist er einer der besten Übersetzer von Konsolenspielen überhaupt.

play: Die Synchro der Kingdom Hearts Spiele hat Referenzcharakter. Könnte man
so was nicht bei allen Spielen machen? Wie aufwändig war denn die Arbeit an
den Kingdom Hearts Spielen?

Josef Shanel: Eine Synchro wie bei Kingdom Hearts 1 und 2 ist kaum zu erreichen, aus rein wirtschaftlichen Gründen. Das Spiel hatte zwei große Firmen im Rücken. Bei den zu erwartenden Absatzzahlen und dem Prestige für beide Firmen, ihre zahlreichen Marken und Charaktere in so kompakter Form in nur einem Stück Unterhaltungs-Software synergetisch vereinen zu können, ist der Ehrgeiz und das Budget hoch – was dann zu VIEL Prominenz und Kompetenz vor dem Mikro und einer hochprofessionellen Belegschaft hinter den Kulissen (Tonstudio, Dialogregisseur, Übersetzer, Lokalisations-Koordinatoren, etc.) führte.
Auch hat man sich das Ganze nicht nur etwas kosten lassen, man hat auch beim Schedule darauf geachtet, dass künstlerische wie handwerkliche Qualität erreichbar ist und die Takes nicht nach Stechuhr heruntergerissen werden müssen. Wobei das bitte nicht falsch zu verstehen ist: die Arbeit an KH 2 war für mich wie auch für sonst jeden unglaublich aufwendig. Ich z.B. habe vom ersten Warmspielen bis zur Master-Version quasi 6 Monate durchgearbeitet, Wochenenden gab es über diesen Zeitraum kaum – das Spiel „auswendig lernen“, die Skripte übersetzen, anhand der aufgenommenen Videosequenzen lippensynchrone Dialoge schreiben, dann als Supervisor den Tonaufnahmen beiwohnen, nebenbei meinem Kollegen Matthias Wissnet bei den restlichen Texten (Menü, Jiminys Tagebuch, Dialogsequenzen ohne Vertonung, etc.) als Lektor zur Seite stehen, und schließlich in Japan zusammen die Q&A absolvieren… und das ist ja nur aus der Warte eines Rädchens im Getriebe geschrieben.
Sprecher-Casting, die Grafiker, die etliche Schriftzüge im Spiel in vier europäischen Sprachen umpinseln, die Sound-Abteilung, die alle Dialoge in vierfacher Ausführung neu abmischen darf, etc. – da ist es nicht so verwunderlich, wenn nach dem japanischen und amerikanischen Release noch mal einige Zeit bis zum Europastart vergeht!

play: Wie wird man eigentlich zum Spiele-Übersetzer?

Josef Shanel: Bei mir war das eine Fügung aus Schicksal und Zufall: Zeit meines Lebens war und bin ich ein passionierter Videospieler. Eher aus einer Laune heraus habe ich dann Japanologie studiert, wollte die Sprache können. Dann über einen Uni-Aushang durch Zufall an einen kleinen, feinen Job rangekommen, das Übersetzen von ein paar Spielanleitungen aus dem Japanischen. Der nächste Aushang besiegelte dann mein Schicksal endgültig, verbarg sich dahinter zu meiner großen Überraschung doch „Saga Frontier 2“ von Squaresoft – für das ich tatsächlich engagiert wurde. Seitdem verdinge ich mich als freiberuflicher Übersetzer für Japanisch-Deutsch / Englisch-Deutsch und tummle mich auf dem Feld der Manga, Videospiele, Anime und was sonst noch in diese Richtung geht.

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