Kingdom Come: Deliverance 2 will die Atmosphäre mit der groben Kelle austeilen. Gothic-Experte Carlo schätzt ein, ob es mit der RPG-Serie mithalten kann.
Das Spiel gibt einem auch die Zeit, sich daran zu gewöhnen. Der Prolog geht echt eine ganze Weile und führt einen sanft an die Sache ran. Na ja, und nachdem ich dann in die offene Welt entlassen wurde und gesehen habe, wie viele Systeme in dieser Spielwelt stecken, habe ich die Ego-Perspektive sogar sehr gern in Kauf genommen.
Von Wäldern und Wiesen
In meiner Kolumne zur Atmosphäre in Gothic habe ich damals zwei Punkte festgemacht: einmal die Welt und wie sie gestaltet ist und einmal ihre Bewohner bzw. ihr Verhalten.
Quelle: pcgames
Lege ich da jetzt Kingdom Come: Deliverance 2 (jetzt kaufen 45,91 € / 28,99 € ) an, gibt's viele Parallelen zu Gothic. Fangen wir doch mal mit der Spielwelt an. Gothic hat ein sehr durchdachtes Leveldesign. Man erkennt markante Punkte zügig und so verfestigt sich die Welt schnell im Gedächtnis. Man findet sich flott gut zurecht.
Die erste Region in Kingdom Come 2 ist da genauso. Trosky ist ein bildschönes Fleckchen Erde mit einem ganz wichtigen Erkennungsmerkmal: Da thront eine fette Burg in der Mitte der Karte. Das ist natürlich ein einfacher, aber sehr starker Orientierungspunkt. Die Burg sieht man fast von jeder Stelle der Region aus. Um den Hügel herum gibt es dann ein paar kleinere Dörfer. Außerdem findet man in der Umgebung auch einige Seen. Genug markante Punkte, dass ich die Orientierung schnell draufhatte.
Dazu kommt die allgemeine Gestaltung dieser Welt. Ich bin jemand, der Piranha Bytes immer hochgehalten hat, wenn es um die Gestaltung von Wäldern und Wiesen geht. Gerade, als Gothic in den 2000ern noch aktuell war, wurde Piranha Bytes immer als Meister von Umgebungen der "Marke Schwarzwald" hingestellt, und das stimmte auch. Die Wälder in Gothic 3 sehen selbst heute noch stimmungsvoll aus.
Quelle: Warhorse
Piranha Bytes ist jetzt aber nun mal Geschichte, und ich bin jetzt auch in Kingdom Come sehr viel durch die Wälder gelatscht. Und es bleibt mir nichts anderes übrig, als zu sagen: Das sieht fantastisch aus! Ich bin auf dem Dorf groß geworden. Ich bin also auch in der Realität oft durch Wälder und Wiesen rumgeräubert. Als ich jetzt Kingdom Come 2 gespielt habe, ging mir immer wieder durch den Kopf, dass ich früher über genau solche Wiesen und durch genau solche Wälder selbst schon durchgelaufen bin, so nahe dran an der Realität ist das Gefühl.
Auch die Dörfer sehen einfach unheimlich malerisch aus. Mir ist kein Haus aufgefallen, das so aussieht wie das andere. Die haben alle ihre ganz eigenen Bauweisen, sind krumm und schief.
Schaffe, Schaffe
Doch hübsche Häuser und Landschaften können auch die Anderen. Wenn die Bewohner nur herumstehen oder eine Animation abspulen und sonst nichts machen, dann ist die Welt trotzdem leblos. Schon das erste Kingdom Come hat hier ebenfalls die Tugenden eines Gothic aufgegriffen und sogar weitergedacht, und der zweite Teil verfeinert das jetzt. Jeder NPC geht seinem Tagesablauf nach. Der Schmied geht morgens in seine Schmiede, er macht mal ein Päuschen auf seiner Bank, abends geht's dann in die Schenke, wo er vom Schankwirt bedient wird. Anschließend geht er pennen.
Man findet die Leute nie 24/7 an einem Fleck, und das gibt einem das Gefühl, dass sie alle ihre eigenen Leben führen.
Und: Sie reagieren auf mich! Wachen grüßen mich manchmal einfach so, und ich kann entscheiden, ob ich zurückgrüße oder herumpöbele. Eventuell pöbeln aber auch sie mich an, wenn ich mit gezogener Waffe vor ihnen herumstolziere. Ich kann auch nicht einfach so in fremder Leute Häuser reinspazieren. Wenn mich jemand erwischt, scheucht man mich schleunigst wieder raus, oder die Leute rennen gleich los und holen die Wachen. NPCs reagieren auf meinen Hund und finden ihn entweder süß oder scheuchen ihn weg. Das alles gibt mir das Gefühl, dass ich hier echte Charaktere vor mir habe.
