Endgültig am Ende: ICQ eingestellt - lange überfällig, aber es macht mich trotzdem traurig
Kolumne
Nach 28 Jahren schließt der legendäre Messenger-Dienst ICQ für immer seine Pforten. Unser Autor blickt zwiegespalten zurück.
Nach fast drei Jahrzehnten ist endgültig Schluss: ICQ wird eingestellt. Der Instant-Messaging-Dienst, an den sich viele sicherlich noch gut erinnern können, hat den Betrieb bereits gestern für immer beendet. Wer kennt seine ICQ-Nummer noch? Vermutlich dürften viele Leute die Ziffernfolge noch gut im Kopf haben, die früher der Schlüssel zur Kommunikation in Echtzeit im Internet war. Jetzt ist die ICQ-Nummer nutzlos geworden. Erstaunlich genug, dass es den Messenger überhaupt so lange gab.
ICQ: Vom Underdog zum Überflieger und zurück in die Bedeutungslosigkeit
ICQ (jetzt kaufen ) gab es schon seit 1996, da bin ich noch in den Kindergarten gegangen. Ein Start-up aus Israel namens Mirabilis stampfte den Instant-Messenger-Dienst damals aus dem Boden - und eröffnete damit eine ganz neue Welt der Kommunikation.
ICQ war zwar nicht der allererste Dienst seiner Art, aber einer der Ersten und ein Pionier auf dem Gebiet. Nachrichten in Echtzeit über das Internet schicken? ICQ hat vor fast 30 Jahren in den Massenmarkt gebracht, was heute das Normalste der Welt ist. In den 90ern war das allerdings nicht weniger als eine Revolution der Kommunikation. Doch so richtig durchstarten konnte ICQ erst ab 1998.
In dem Jahr, in dem auch Google gegründet wurde, kaufte AOL den israelischen Messenger-Dienst ICQ für etwas über 400 Millionen US-Dollar und sorgte dafür, dass ICQ in den USA und weltweit so richtig durchstarten konnte. Zu seinen besten Zeiten konnte ICQ rund 100 Millionen aktive Nutzerinnen und Nutzer vorweisen.
Zwölf Jahre später wollte AOL den Dienst dann wieder loswerden. Damals gab es allerdings schon iPhones, Android-Smartphones und Dienste wie WhatsApp. ICQ verlor an Bedeutung und so veräußerte AOL den Messenger-Dienst für deutlich weniger Geld an eine russische Firma namens Mail.ru, heutzutage bekannt als VKontakte. Knapp 188 Millionen wurden bezahlt.
Noch mal 14 Jahre später, nämlich 2024, ist ICQ endgültig am Ende. Zum 26. Juni wurde der Messenger-Dienst eingestellt. Ich erinnere mich mit viel Nostalgie und einer Prise Wehmut an die ICQ-Zeit zurück.
Nach 28 Jahren nehmen wir endgültig Abschied von ICQ
Ich bin zwar ein riesiger Technik- und Smartphone-Fan, aber die frühen Internet-Zeiten waren schon etwas Besonderes. Um ICQ zu nutzen, musste man sich damals wirklich an den Schreibtisch vor einen PC setzen. Einen Laptop hatte ich damals noch nicht. Um chatten zu können, musste man ein Programm starten und sich einloggen. Erst dann poppte die Liste mit den Kontakten auf. Und selbst dann musste man Glück haben.
Wenn man sich nicht gerade für eine bestimmte Uhrzeit zum Chatten verabredet hatte, war es reine Glückssache, wer gerade online ist und wer nicht. Chatten war damals noch eine richtig eigenständige Beschäftigung, für die man sich (teils sehr viel) Zeit nahm. Heutzutage ist es einfach nur ein Teil der vielfältigen Kommunikation ohne räumliche oder zeitliche Grenzen.
Mit dem Ende von ICQ stirbt eine der letzten noch aktiven Erinnerungen an diese Zeit. Klar, auch ich habe ICQ schon seit Ewigkeiten nicht mehr genutzt. Das letzte Mal müsste 2011 gewesen sein, auf meinem ersten Smartphone, das allererste HTC Desire. Auf meinem zweiten Phone, das ich Ende 2011 gekauft habe (Samsung Galaxy Nexus) habe ich ICQ schon nicht mehr installiert. Wichtig war der Messenger-Dienst schon ewig nicht mehr.
Trotzdem beschleicht mich ein bisschen Wehmut, wo jetzt ICQ seine Pforten für immer geschlossen hat. Zurück zu den alten Tagen will ich zwar nicht, aber die Erinnerung ist mir lieb und teuer. Und ich bin davon überzeugt, dass es vielen Leuten da draußen genauso geht wie mir. Wann habt ihr ICQ zuletzt genutzt? Wisst ihr eure ICQ-Nummer noch? Schreibt es mir sehr gern in die Kommentare.
