Es gibt nur ein Spiel, mit dem ich alt werden will - und das aus gutem Grund

Special Christian Just Lukas Schmid
Es gibt nur ein Spiel, mit dem ich alt werden will - und das aus gutem Grund
Quelle: Crytek

Hunt Showdown ist hart, düster und erbarmungslos. Trotzdem zeichnet sich ab: Christian wird auch im hohen Alter noch spielen. Das hat Gründe.

Früher schüttelte mich die Fremdscham. Heute finde ich es niedlich, wenn alte Säcke versuchen, mit den jungen Leuten mitzuhalten. Neulich spielte ich das neue Call of Duty. Schon lustig, so ein hibbeliges Spiel. Für ungefähr eine Stunde, danach brauchte ich ein Schläfchen.

Ist mir einfach zu anstrengend mit 40 Jahren. Die Reflexe lassen nach, aber auch die Ausdauer, das unbarmherzige Blitzlichtgewitter auf dem Bildschirm auszuhalten, bevor die Augen müde werden. Zum Glück gibt es einen Shooter, zu dem ich immer wieder zurückkehren kann.

Ich spreche von Hunt: Showdown (jetzt kaufen / 26,99 € ), das seit Kurzem den Namenszusatz 1896 trägt. Sicherlich gibt's auch andere, eher taktische und bedachte Multiplayer-Shooter, aber eben keinen wie Hunt. Warum das so ist und ich das Spiel auch älteren Shooter-Semestern bedenkenlos ans Herz legen kann, erkläre ich anhand von drei Punkten.

Mein geliebter Shooter

Hunt ist ein einzigartiges Spiel. Diesen Extraction-Shooter-Mix aus taktischen, strategischen und actionlastigen Komponenten, gepaart mit dem Horror-Western-Setting, gibt es so kein zweites Mal und trifft für mich voll ins Schwarze. Ich jage Hinweisen auf ein Bossmonster nach, kämpfe gegen Zombies und natürlich gegen andere Teams aus Jägerinnen und Jägern.

Manchmal denke ich, dass Hunt mich besser versteht als andere Shooter. Genau wie ich blickt auch Hunt auf einen bewegten Lebenslauf zurück. So wie ich lange gebraucht habe, bis aus meiner Liebe zum Schreiben ein Beruf wurde, brauchte Hunt viele Jahre, um zu dem heranzureifen, was es heute ist: Ein umfangreicher und gut abgestimmter Erwachsenen-Shooter. Das liegt auch an der reiferen Community an sich, dazu gleich mehr.

Hunt: Showdown Quelle: Crytek Crytek versuchte über die Jahre alles Mögliche, um einen profitablen Live-Service am Laufen zu halten. Das nervt manchmal, wenn wieder ein neuer DLC und kein dringend nötiger Bugfix-Patch erscheint, aber ich verstehe zumindest, wo das herkommt. Schließlich muss eine Firma auch Geld verdienen. Trotzdem sollte sich Crytek in puncto Fehlerbehebung und Spielkomfort weiter verbessern.

Aber solange die Entwickler keine Kompromisse beim Kern-Gameplay und dem Artdesign eingehen, werde ich Hunt wahrscheinlich ewig die Treue halten. Alarmstimmung dahingehend herrscht seit dem jüngst vorgestellten Scream-Cross-over-DLC. Der ließ mich schon mal vorsorglich in mein Kissen schreien, falls dies nur einen ersten Hinweis auf die künftige Marschrichtung darstellen sollte.

Es bleibt inständig zu hoffen, dass dies nicht den Anfang eines Trends markiert und ich niemals neongrüne Hunter-Leggings oder fetzige Tanz-Emotes in Hunt: Showdown erleben muss. Es würde mir das Herz brechen.

Denn Hunt drückt bei mir so gekonnt auf die richtigen Knöpfchen, insbesondere was mein fortgeschrittenes Alter betrifft, dass ich vermutlich keinen Ersatz finden würde. Die folgenden drei Punkte sind mir dabei am wichtigsten.

Ein Spieltempo zum Mitschreiben

In Hunt geht es jetzt nicht sacht und gemächlich zu, dafür sind die Gefechte zu intensiv und die Atmosphäre zu dicht. Aber das realistische Bewegungstempo und die alten Western-Knarren sorgen eben für ausgedehntere Kampfsituationen.

Jeder Schuss will wohlüberlegt und gut gezielt abgefeuert werden, schließlich dauert es einen Moment, bis ich die nächste Chance bekomme. Das unterstützt bedachteres Vorgehen, setzt sorgfältiges Abwägen voraus und spielt sich taktisch.

Wie beim Billard kann ich hier durch Weisheit und Erfahrung das Blatt wenden, auch wenn ich nicht mehr die Zielgenauigkeit eines 20-Jährigen besitze. Durch einen gut getimten Flankenlauf, genaue Map-Kenntnis oder einen geduldigen Rückzug entscheide ich viele Gefechte für mich.

Hunt: Showdown Quelle: Crytek

MMR sorgt für Gleichgewicht

Ich sammle nicht allein Gesichtsfalten, Hunt altert mit mir. Und entwickelt sich, wie man zuletzt am großen Engine-Upgrade sehen konnte, auch wenn nicht alle Neuerungen unbedingt eine Verbesserung darstellten, siehe die viel kritisierte neue Benutzeroberfläche.

Einer der wichtigsten Aspekte ist die Art und Weise, wie Hunt Showdown mich nach jüngster Leistung gegen ähnlich starke (oder schwache) Spielerinnen und Spieler einsortiert. So bekomme ich meistens Gegner vorgesetzt, die gerade in ähnlicher Form sind wie ich.

Klar, das bedeutet wohl, dass ich irgendwann in die unterste Schublade gehöre, wenn ich vielleicht steife Gelenke habe und auf einem Auge blind bin. Aber dann sei es so. Denn immerhin kann ich dann noch mitspielen, ohne hoffnungslos hinfort gespült zu werden.

Erwachsene Community

Noch bin ich nicht so alt, dass ich vergessen hätte, wie die Jugend sich anfühlt. Andere Prioritäten im Leben, schneller handeln als das Hirn denken kann, und ab und zu Blicke voller Unverständnis von älteren Leuten ernten. Aber ich fühle diese Zeit schwinden.

Wenn mich Kids im Voice-Chat anschreien, Team-Kills und Tea-Bagging zum Umgang gehören oder Griefing und Cheating an der Tagesordnung sind, merke ich schnell: Dieses Spiel ist nicht für mich. Derlei Situationen kann ich in meinen inzwischen 1.200 Stunden Hunt Showdown an einer Hand abzählen, und das spricht für mich Bände über die Reife einer Community.

Hunt: Showdown Quelle: Crytek Indes klagen Fans auf höheren Matchmaking-Stufen seit Jahren immer mal wieder über Cheater. Aber das ist wohl der Fluch eines Multiplayer-Shooters. Zum Glück bin ich zu alt und langsam, um davon etwas mitzubekommen.

Summa summarum: Es gibt für mich keinen besseren Extraction-Shooter als Hunt Showdown, eigentlich überhaupt keinen besseren Shooter. Weil das Tempo realistisch ist, das Matchmaking mitaltert und die Spielerinnen und Spieler sich (meistens) benehmen können. Das wird mir auch in ferner Zukunft noch gefallen, dessen bin ich mir sicher.

Wie seht ihr das? Glaubt ihr, dass jedes Lieblings-Irgendwas unweigerlich vom Zahn der Zeit angeknabbert wird? Oder habt ihr auch ein Spiel, von dem ihr euch sicher seid, dass ihr es so lange zocken werdet, wie ihr aus eigener Kraft die Eingabegeräte bedienen könnt? Schreibt es gerne in die Kommentare und diskutiert mit uns!

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