Faszination Horror - Warum bekommen wir Angst & woher kommt der Genuss?

Special Marie-Theres Ottowitz Stefan Wilhelm
Faszination Horror - Warum bekommen wir Angst & woher kommt der Genuss?
Quelle: Capcom

Dass Horror bei uns für Angst und Schrecken sorgt, ist nicht zwangsläufig schlecht. Wir erklären, woher die Angst kommt und wieso wir sie genießen.

Wenn wir doch aber eigentlich wissen, dass uns keine echte Gefahr droht, wieso bekommen wir dann trotzdem Angst? Naja, während der eine Teil unseres Gehirns natürlich weiß, dass wir uns nicht tatsächlich in einer bedrohlichen Situation befinden, klingeln bei einem anderen Teil erstmal alle Alarmglocken, für den Fall, dass es doch ernst ist.

Diese Bewertung von Situationen wird dann später bei der Beantwortung der großen Frage, wieso wir uns das freiwillig antun, noch interessant. Auch relevant ist die Tatsache, dass wir Menschen einfach eine empathische Spezies sind und gut die Emotionen anderer Personen nachempfinden können - auch die von fiktiven Charakteren.

In Horrorspielen sind die Protagonisten oftmals Menschen wie du und ich. Das führt dazu, dass wir uns besonders gut mit ihnen identifizieren und uns in ihre Gefühlslage hineinversetzen können. Diese Identifikation mit unserem gespielten Charakter zeigt sich sogar sprachlich. So sagen wir oft "Ich werde angegriffen" und nicht "Mein Charakter wird angegriffen".

Besonders bekannt ist die Outlast-Reihe durch ihre geschickte Verwendung von Nachtsichtkameras. Das bringt zwar Licht ins Dunkel, zeigt uns aber oftmals Grauen, das besser verborgen geblieben wäre. Quelle: Red Barrels Besonders bekannt ist die Outlast-Reihe durch ihre geschickte Verwendung von Nachtsichtkameras. Das bringt zwar Licht ins Dunkel, zeigt uns aber oftmals Grauen, das besser verborgen geblieben wäre.

Psycho-logische Antworten

Zurück zur entscheidenden Frage: Warum Horror? Jetzt wird's etwas psychologisch. Ein Grund für unsere Faszination zum Gruseln ist ein Persönlichkeitsmerkmal namens Sensation Seeking.

Der von Marvin Zuckerman in den 60ern geprägte Begriff beschreibt die individuelle Tendenz, Situationen zu suchen, die neu, komplex, abwechslungsreich und intensiv sind - hierzu gehören eben auch Abenteuer und Nervenkitzel. Dabei stört es den Sensation Seeker auch nicht, gewisse Risiken einzugehen.

Die Stärke dieses Bedürfnisses ist dabei total unterschiedlich und auch der Grund, wieso manche Menschen Horror lieben, während er für andere buchstäblich... Überraschung... der blanke Horror ist. Ob man ein Sensation Seeker ist, lässt sich übrigens anhand von Skalen messen.

Dafür könnt ihr einen Fragebogen ausfüllen, welcher 40 Fragen mit je zwei Antwortmöglichkeiten beinhaltet, die eure Präferenzen in bestimmten Situationen abfragen. Also beispielsweise, ob ihr eine neue Stadt lieber mit einem Guide oder auf eigene Faust erkundet. Ihr dürft euch aber auch in extreme Szenarien hineinversetzen, etwa, ob ihr gerne lernen würdet, ein Flugzeug zu fliegen.

Warum spielen wir überhaupt Horrorspiele? Der Nervenkitzel, wie ihn zum Beispiel Silent Hill 2 hervorruft, scheint uns zu faszinieren. Quelle: Konami Warum spielen wir überhaupt Horrorspiele? Der Nervenkitzel, wie ihn zum Beispiel Silent Hill 2 hervorruft, scheint uns zu faszinieren. Diese Messungen sind aber mit Vorsicht zu genießen und ihr solltet immer im Hinterkopf behalten, dass das Konzept aus den 60ern stammt und damit nicht mehr sehr aktuell ist. Das heißt konkret: Nicht alles, was damals noch als abenteuerlustig gegolten hat, hat heute noch die gleiche Bedeutung.

Ein Beispiel hierfür wäre die Frage, ob man gerne homosexuelle Personen kennenlernen möchte. Das war vielleicht damals noch ein Anzeichen für einen Sensation Seeker, heute aber wohl kaum noch.

Ein weiteres psychologisches Konzept vereint sogar zwei sehr gegensätzliche Emotionen: die Angstlust. Das mag jetzt erstmal paradox klingen, kann aber recht einfach erklärt werden und lässt uns auf die zweigeteilte Reaktion im Gehirn zurückkommen.

Wir sind also in einem gruseligen Horrorspiel unterwegs und die Atmosphäre ist beklemmend. Was nun passiert, wenn wir uns erschrecken oder uns bedroht fühlen, ist Folgendes:

Der Körper schüttet zunächst Stresshormone aus, die uns in Alarm- und Handlungsbereitschaft versetzen, die Hände werden schwitzig, Herzschlag und Atem verschnellern sich. Das ist der Teil von uns, der nicht sofort einordnen kann, dass es sich um eine gestellte Situation handelt.

Ist der Schockmoment aber erstmal überwunden, meldet sich dann doch mal der Teil zu Wort, der weiß, dass uns tatsächlich keine echte Gefahr droht und wir uns beispielsweise in der sicheren Umgebung unseres Wohnzimmers befinden.

Horror = Jumpscares? Nicht zwingend. Visage zum Beispiel hat sie zwar, setzt aber stärker auf eine beklemmende Atmosphäre. Quelle: SadSquare Studio Horror = Jumpscares? Nicht zwingend. Visage zum Beispiel hat sie zwar, setzt aber stärker auf eine beklemmende Atmosphäre.

Dieses Sicherheitsgefühl ist für die folgenden positiven Empfindungen essenziell. Mit der Erleichterung werden nun Botenstoffe wie Endorphine und Dopamin ausgeschüttet, welche auch als Glückshormone bekannt sind. Und das ist genau das, was einigen Menschen so Spaß macht: der Kick, den man nach überwundener Angst bekommt.

Eng damit verbunden ist auch einfach eine gewisse Neugierde. Das Horror-Genre bietet uns die Chance, die Grenzen unserer eigenen Rationalität auszutesten. Wir haben die Möglichkeit, einfach mal zu schauen, was denn passiert, wenn wir unserer eingebauten Kampf-oder-Flucht-Reaktion nicht nachgeben, und das, ohne die Konsequenzen fürchten zu müssen.

Zuletzt kann Horror natürlich auch einfach etwas sein, das uns interessiert, sei es in seiner Machart oder hinsichtlich der behandelten Themen. Das Genre kann als Ventil für Gedankenspiele dienen, die in der Realität ethisch verwerflich und mit gesellschaftlichen Normen nicht vereinbar sind. Was nicht heißen soll, dass wir das Gezeigte tatsächlich erleben wollen - sondern eben einfach aus morbider Neugier heraus.

  1. Seite 1 Was genau ist Horror eigentlich?
  2. Seite 2 Ursache der Angst & die Lust daran
  3. Seite 3 Spiele vs. Filme & Fazit
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