Rasender Herzschlag, schwitzige Hände, flacher Atem - fast jeder kennt die unangenehmen Symptome von Stress oder gar Angst. Seltsam also, dass sich Horror-Fans dem ganz bewusst aussetzen. Aber wieso ist das eigentlich so?
Das Horror -Genre gibt es schon sehr lange und es lässt sich in fast jedem Medium finden. Vermutlich jeder kann sich unter dem Begriff "Frankenstein" etwas vorstellen - und das, obwohl der Roman von Mary Shelley bereits 1818 erstmals erschienen ist.
Auch filmische Werke aus dem 20. Jahrhundert haben sich über die Zeit, besonders bei Horrorfans, als Kulturgut herauskristallisiert. So sollten auch Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens (1922) oder Alfred Hitchcocks Psycho (1960) einigen noch ein Begriff sein.
Es ist ein altbewährtes Genre, das auch heute noch sehr viel Anklang findet und laufend durch neue Werke zum Gruseln ergänzt wird. Doch was macht den Horror aus und wieso ist er überhaupt so beliebt? Diesen Fragen wollen wir in diesem Artikel nachgehen.
In diesem Artikel
Was ist Horror?
Natürlich hätten wir diesen Artikel auch erstmal mit einer Definition von Horror beginnen können. De facto sind wir uns aber sicher, dass wahrscheinlich jeder von euch auch ohne lange Erklärung ein bestimmtes Bild vor dem geistigen Auge hatte, als der Begriff fiel.
Noch interessanter ist aber, dass diese Bilder gegebenenfalls sehr verschieden sein könnten: vom blutigen Slasher zur heruntergekommenen Psychiatrie, oder vielleicht sogar bis in die dunkle Tiefsee - das Grauen hat viele Seiten.
Dieses hohe Maß an Varianz bei Dingen, die uns Angst machen können, macht eine genaue Definition des Genres auch besonders schwierig. Es gab viele Versuche, den Horror zu definieren, aber es scheint immer Gegenargumente zu geben, die diese Definitionen wieder hinfällig machen.
So arbeiten zahlreiche Spiele und Filme mit Jumpscares - also plötzliche Erschrecker - wenn uns beispielsweise etwas aus dem Nichts anspringt. Ein bekanntes Beispiel hierfür, ist die Five Nights at Freddy's- Reihe. Sie sind aber nicht notwendig, um eine Angstreaktion auszulösen.
Visage zum Beispiel hat definitiv Jumpscares, aber vergleichsweise eher wenige und setzt viel mehr auf die Atmosphäre. Ein geschickt gestaltetes Umfeld reicht oftmals schon aus, damit unser Puls in die Höhe schießt.
Ganz ähnlich ist es bei Outlast. Auch das ist nicht ganz frei von plötzlichen Erschreckern, aber da ist auch noch die Tatsache, dass wir einen großen Teil unserer Umgebung nur mittels Nachtsichtkamera erkunden können.
Quelle: Bandai Namco
Horror in süßem Zeichenstil? In diesem Genre ist fast alles möglich.
Die schaurigen Dinge, die wir dadurch sehen - oft gefolgt von dem Wunsch, dass wir das Gesehene wieder vergessen könnten - setzen bereits einen beängstigenden Ton, bevor überhaupt etwas passiert ist. Trotzdem machen auch hier die Jumpscares ihren Job, ruckartig sämtliche Alarmsysteme in unserem Körper auszulösen.
Ein Ziel scheinen seine Vertreter aber alle zu verfolgen: Sie wollen bei uns Affekte wie Angst, Ekel, Schock oder Beklemmung auslösen, und dies geschieht durch eine (gefühlte) Präsenz von Gefahr, beziehungsweise ein Gefühl der Bedrohung.
Fakt ist: Es gibt wie überall Grenzfälle und wir werden keine absolute Definition finden. Das soll hier aber auch gar nicht das Ziel sein, sonst sind wir in fünf Seiten noch nicht schlauer. Eine grobe Vorstellung reicht vollkommen, um dem "Warum?" auf den Grund zu gehen.
Zu viel des Bösen? Horror auf dem Drahtseil
Gibt es zu viel Horror? Die kurze Antwort ist "ja". Tatsächlich ist das Erschaffen eines Gruselmediums ein ganz schön schwieriger Balanceakt zwischen "zu langweilig" und "zu gruselig". Beide Extreme schaden mehr, als dass sie nutzen.
Quelle: Maximum Entertainment
Horror lebt von der (gefühlten) Gefahr. Oft kommen wir uns beobachtet vor. In Sound Mind zeigt das sehr, sagen wir...explizit.
Das Genre lebt von einem gewissen Maß an Kontrollverlust beim Betrachter, kann aber nur funktionieren, wenn das rationale Sicherheitsgefühl von "mir kann nichts passieren" erhalten bleibt. Diese unbewusste Sicherheit ist entscheidend für die psychologischen Prozesse beim Konsum dieser Medien. Nur dann kann Horror tatsächlich Spaß machen.
Dieses Maß ist sehr individuell und was für den einen vielleicht schon zu viel des Guten ist, ist für den anderen gerade richtig. Es ist ebenso wichtig zu betonen, dass es auch bei dem Sicherheitsgefühl um eine subjektive Wahrnehmung geht.
Natürlich sind wir beim Konsum von Horrormedien meist objektiv in einer sicheren Umgebung, doch wenn der angstregulierende Teil unseres Gehirns sich von dieser Sicherheit und der eigenen Kontrolle über die Situation nicht mehr überzeugen kann, bleibt der Genuss aus und es bleibt nur die unangenehme Furcht. Die folgenden psychologischen Erklärungen bezüglich der Faszination am Horror-Genre sind also größtenteils Antworten für diejenigen, bei denen das Sicherheitsgefühl gewinnt und die den Grusel tatsächlich mögen.
