Hood: Outlaws & Legends: Mehrspieler-Heist-Action im Mittelalter - mit spielerischen Schwächen
Test
Ein bisschen Payday, ein bisschen Hunt: Showdown, eine ordentliche Prise englische Folklore - fertig ist Hood: Outlaws&Legends! Wir haben den Mix aus PvPvE-Spielprinzip und Heist-Thematik mal ausprobiert.
Held in Strumpfhosen, tierisch ausgefuchster Bogenschütze, Räuberkönig mit sozialer Ader - Robin Hood hat man in der Medienwelt schon in vielen Formen und Facetten gesehen. Hood: Outlaws & Legends fügt nun noch eine neue hinzu: Der Titel, der am 10. Mai für PC, PS4, PS5, Xbox One sowie Xbox Series S/X erschienen ist, verpackt die mittelalterliche Folklore rund um Sheriffs und Banditen in einen packenden PvPvE-Mehrspieler-Spaß im Stil von Hunt: Showdown. Wir haben uns mal angeschaut, ob der Legende des Sherwood Forest diese Transformation gut zu Gesicht steht.
Wer jetzt zunächst auf den standardmäßigen Abriss der Rahmenhandlung wartet, der schaut doof in die Röhre. Die gibt es in Hood: Outlaws & Legends nämlich nicht. Allgemein lässt sich festhalten: Dafür, dass der Titel auf Sagen und Geschichten basiert, steckt ziemlich wenig Erzählung drin. Die Entwickler von Sumo Digital gehen nur grob auf die Vorlage ein, der Name "Robin Hood" fällt so explizit eigentlich nie, euer Gegenspieler ist einfach nur "der Sheriff" - Nottingham hat man geflissentlich ignoriert. Auch auf eine konkrete historische Epoche oder einen realistischen Schauplatz hat man sich nicht festnageln lassen.
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Für das Volk!
Ihr habt es also einfach nur mit dem Staat zu tun, den ihr in altbekannter "Nimm's den Reichen, gib's den Armen"-Manier um ein paar Goldstücke leichter machen sollt. Das funktioniert nach einem stets gleichbleibenden Prinzip: In einem mehrphasigen Multiplayer-Match gilt es erst, den Wachen einen Schlüssel abzuluchsen, damit dann in die Schatzkammer einzudringen und schließlich mit der Kiste voll Gold von der Karte zu verschwinden.
Wie die Axt im Walde solltet ihr dabei allerdings nicht vorgehen, das bringt nämlich einige Nachteile mit sich. Zunächst mal zieht ihr so die Aufmerksamkeit der Patrouillen auf euch, die dann Verstärkung rufen und das Gebiet abriegeln. Viel ärgerlicher ist aber, dass ihr mit eurem Lärm auch das gegnerische Viererteam alarmiert, das gleichzeitig mit euch auf der Karte unterwegs und auf das exakt selbe Ziel aus ist. Es ist also von Vorteil, sich eher in den Schatten zu verstecken und hinterrücks zuzuschlagen, Gegner unentdeckt aus der Distanz auszuschalten oder sie mit einer gut geplanten Ablenkung aus dem Weg zu räumen. Das spart euch Ressourcen, Zeit und manchmal auch einen überflüssigen Bildschirmtod.
Quelle: PC Games
Die vier spielbaren Charaktere sind durch eine Drei-Sterne-Bewertung in verschiedene Schwierigkeitsgrade eingeteilt.
Gelegentlich gibt es aber eben keinen anderen Weg, als in die Offensive zu gehen. Dabei setzt Hood (jetzt kaufen 29,99 € ): Outlaws & Legends auf ein simples aber befriedigendes Kampfsystem aus der Third-Person-Perspektive. Ihr könnt mit einem gezielten Pfeilschuss Köpfe zum Platzen bringen, mit schweren und leichten Angriffen auf eure Gegner einprügeln, sowie blocken, kontern und ausweichen - zumindest, solange eure Ausdauerleiste gefüllt ist. Geht euch die Puste aus, klappt dagegen gar nichts mehr, nicht mal die Flucht. Trotz der einfachen Grundzüge ist in den Auseinandersetzungen also durchaus auch etwas Taktik gefragt. Für zusätzliche Tiefe sorgen außerdem die vier vor jedem Match wählbaren Charaktere, die durch ihre Ausrüstung jeweils unterschiedliche Spielstile begünstigen.
Hammertime!
Titelheld Robin ist mit seinem Langbogen beispielsweise eher der Scharfschütze, der die Gegner aus der Entfernung aufs Korn nimmt. Marianne geht mit Armbrust und versteckter Klinge in Assassin's-Creed-Manier auf Tuchfühlung. Ihr gegenüber steht John, der klassische Tank, der an vorderster Front mit seinem Hammer auf Gegner einprügelt. Und schließlich wäre da dann noch Tooke, der mit seinem Dreschflegel eher auf mittlere Distanz geht und seine Team-Mitglieder mit seiner aufladbaren Spezialfähigkeit heilt. Ein echt hilfreicher Move, denn Medipacks oder eine automatische Gesundheitsregeneration bietet das Spiel nicht. Dafür gibt es Granaten, Rauchbomben und andere Gadgets sowie kleinere Gameplay-Unterschiede: John kann etwa Tore anheben und so auch während einer Abriegelung einen Fluchtweg freimachen, Robin hangelt sich dagegen mit Seilpfeilen an Balken empor.
Es ist also gute Absprache gefragt, nicht nur bei der Zusammenstellung eures Teams, sondern auch während eines laufenden Coups. Das funktioniert natürlich am besten mit Freunden via Voice Chat, im Notfall könnt ihr aber auch mit Hilfe eines simplen Ping-Systems Gegenstände markieren oder Befehle geben. Das wird gerade im letzten Spielabschnitt besonders wichtig: Hier müsst ihr mit einer Winde die Truhe von der Karte schaffen, indem ihr eine Art Fortschrittsbalken abarbeitet. Dabei solltet ihr nicht nur ein Auge auf den Sheriff haben, der in unaufhaltsamer Mr.-X-Manier über die Karte stampft, auch das gegnerische Team kann zur echten Gefahr werden: Das kann euch kurz vor Schluss einfach noch kaltmachen, die letzten Meter an der Winde selbst kurbeln und euch die Kiste vor euren Augen wegschnappen. Eine ziemliche dreckige Nummer, die schon für einigen Unmut unter Spielern gesorgt hat. Wir würden uns von den Entwicklern daher etwas fairere Siegbedingungen wünschen. Wie wäre es beispielsweise mit einem eigenen Fortschrittsbalken für jedes Team? Das würde für weitaus weniger Frust sorgen.
Quelle: PC Games
Im letzten Spielabschnitt bricht gerne mal etwas Chaos aus. Um das gegnerische Team von der Winde zu kriegen, wird gerne mal jegliches heimliches Vorgehen über Bord geworfen.
Frust als Feature
Wobei der ohnehin früher oder später mal aufkommen wird. Hood: Outlaws&Legends hat nämlich eine ziemlich steile Lernkurve: Ihr bekommt zwar in einem Tutorial alle grundlegenden Spielmechaniken beigebracht, überfordert seid ihr zu Beginn aber trotzdem. Besonders, da euch das Spiel manche Aspekte gar nicht erklärt. Dass ihr beispielsweise schneller an der Winde kurbeln könnt, indem ihr die Shift-Taste gedrückt haltet, verrät man euch nur mal nebenbei im Ladebildschirm.
Dazu kommen die teils fummelige Controller-Steuerung, durch die PC-Spieler beim Zielen klare Vorteile haben, und ein paar fragwürdig ausbalancierte Skills. Wie gehe ich zum Beispiel dem Flächen-Schaden von Johns Hammer aus dem Weg? Wie verhindere ich, dass ich immer wieder hinterrücks von Marianne abgemurkst werde? Das lernt man meist erst auf die harte Tour, wenn gegnerische Spieler solche Taktiken gegen einen verwenden. Immerhin: Es gibt die Möglichkeit, euer Können in einem separaten PvE-Modus zu trainieren. Dort erledigte Spiele bringen euch allerdings keinerlei Vorteile, XP oder Gold verdient ihr nur durch abgeschlossene Raubzüge.
Geben und nehmen
Quelle: PC Games
Großzügigkeit wird in Hood: Outlaws & Legends nicht wirklich belohnt. Wer Gold an das Volk abdrückt, bekommt dafür lediglich ein paar Skins.
Was ihr damit anstellt, bleibt euch überlassen. Nach jedem Match könnt ihr an der Waage der Gerechtigkeit austarieren, wie viel eurer Beute ihr in eure eigene Tasche steckt und wie viel ihr an das Volk weitergebt. Das ist jedoch weniger eine moralische, sondern mehr eine rein taktische Überlegung. Wenn ihr Geld für das Volk spart, könnt ihr damit euer Lager aufleveln. Das schaltet wiederum neue Gegenstände frei. Um die jedoch kaufen zu können, braucht ihr Kohle. Ihr solltet also hin und wieder auch etwas für euch selbst abzwacken.
Wir würden sogar so weit gehen, zu empfehlen, alles Geld selbst einzusacken! Das ist zwar nicht sonderlich nett, gibt aus spielerischer Sicht aber am meisten Sinn. Kleidungsstücke und Waffen, die ihr mit steigendem Lager-Fortschritt erhaltet, unterscheiden sich nämlich nur optisch voneinander. Ob ihr nun einen Sandstein-Titan oder einen Granit-Goliath schwingt, ist vollkommen wurscht. Die Werte bleiben immer dieselben. Auch die Optik eures Verstecks ändert sich nicht, ob es nun auf Level 1 oder Level 10 ist. Hier haben die Macher jede Menge Potenzial verschenkt. Gleiches gilt für die wenigen tatsächlichen Gameplay-Upgrades. An einem Zelt habt ihr zwar die Wahl aus verschiedenen Talenten, die euren Figuren Boni gewähren - etwa verbesserten Schaden oder erhöhte Ausrüstungskapazität. Eure Spezialfähigkeit lässt sich aber nicht ändern, Charakterwerte weder einsehen noch verbessern. Etwas mehr Optionen hätten wir uns hier schon gewünscht.
War's das schon?
Quelle: PC Games
Eine Art Story gibt es in Hood: Outlaws & Legends nicht. Ihr könnt höchstens ein paar Lore-Schnipsel in Textform freischalten.
Das lässt sich auch über das Matchmaking sagen: Aktuell gibt es nur einen Modus mit gerade mal fünf Karten. Zudem dauert es teils gefühlt ewig, bis eine Sitzung gefunden wird und dann werdet ihr auch gerne mal als Anfänger in eine Lobby mit lauter Vollprofis geschmissen. Ebenfalls ärgerlich: Es gibt zwar Crossplay, aber keine plattformübergreifenden Partys. Wer als Konsolero mit seinen Freunden auf dem PC zocken möchte, schaut aktuell also in die Röhre. Zumindest über Verbindungsprobleme konnten wir uns dafür nicht beschweren. Auch sonst lief technisch soweit alles ziemlich sauber. Die Grafik der Unreal Engine 4 machte eine ordentliche Figur, lässt man die paar nachladenden Texturen und hakeligen Animationen mal außen vor. Abgesehen von einem lustigen Zwischenfall, bei dem wir noch im Lager den Voice Chat unserer ehemaligen Mitspieler hören konnten, kamen uns auch keine größeren Bugs unter.
Am Ende bleibt so ein durchaus spaßiges Spielerlebnis, dem es allerdings irgendwie am letzten Kniff fehlt. Im Vergleich zur Konkurrenz bietet Hood: Outlaws & Legends bisher nicht mehr als ein solides Grundgerüst. Die erste Phase des Schlüsselklaus wirkt etwas zu kurz, Stealth ab einem gewissen Zeitpunkt irgendwie unnötig und die Welt nur wie eine schicke Kulisse. Warum man mit Umgebungsobjekten wie Kronleuchtern, Pulverfässern oder Feuerschalen nicht interagieren kann, bleibt uns ein Rätsel, ebenso wie das Fehlen jedweder Art von Statistiken. Über Abschüsse, Siege oder gesammeltes Gold müsst ihr zwangsläufig selbst Buch führen - zumindest vorerst.
Für die Zukunft haben die Macher bereits eine Roadmap mit frischen Inhalten angekündigt. Über mehrere Saisons hinweg sollen komplett kostenlos neue Maps, neue Modi und neue Helden nachgereicht werden. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob sich der Titel so lange halten kann, oder den Spielern nicht schon vorher die Langzeitmotivation flöten geht. Bereits jetzt, wenige Tage nach Release, haben einige von ihnen das Maximallevel 100 erreicht. Für diese Hardcore-Gamer gibt es nun nichts mehr zu tun, außer dem Erfüllen täglicher Herausforderungen, Sammeln von Schmuckstücken oder Vervollständigen von Legenden, indem sie noch mehr Matches gewinnen. Ob das als Karotte vor der Nase reicht, um weiterhin dran zu bleiben, halten wir zumindest aber für etwas fragwürdig.
Quelle: Sumo Digital
Für das erste Jahr nach Launch haben die Entwickler bereits eine ausführliche Roadmap veröffentlicht
